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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-06-01 · 21 (1.6.1917) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
21 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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0(r Zentralorgan für die gesamten Interessen des Zudentums. Dr. Bloch s Jahrgang XXXI? Otr- ■ —-^DO p K. k. Po stsxarkassenamt ff Llearing-Verkebr Mr. 610.976. Redaktion und Administration: W i s « e II/i, Praterstraße 9. Xeleplion 45.359. P- ———---Qo Wien. 1. Juni 1917 Lrscdetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift. Wien. OO - - ,■—==00 p Vrrugsxrris für Vesterrrirh: Q Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplars 50 Heller. Für das Ausland: Halbjährig 10 Kronen. . Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dis 2mal gespaltene Petilze'.le 48 Heller. £ o c>— --- -oo Inhalt: Leitartikel: Eine literarische Büberei. — Zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe Wiens. — Kriegsdekorationen jüdischer Offiziere und Soldaten. — Weitere Auszeichnungen. — Vierfach ausgezeichnet. — Zum drittenmal ausgezeichnet. — Belohnte Treue. — Auszeichnungeir tm Honvedinfanterieregiment Nr. 30. — Jüdische Familien im Felde. — Der letzte Militärchirurg ausgezeichnet. — Auszeichnung für Verdienste um die Kriegsanleihe. — Belobung des Kriegsministeriums. — In den Tod fiirs Vaterland. — Nach dein Tode ausgezeichnet. — „Ein Blatt Gemore". — Kongreß der Feldrabbiner. — Die Rasse der Preistreiber. — Die Zukunft des Heiligen Landes. — Korrespondenzen: Millionen Todesurteile und Millionen gebrochener Herzen durch kulturlosen Nationalismus und vernunftswidrige Vaterlandsliebe. — Ein neues Kinderheim im 3. Bezirke. — Ausruf! — , Poale Zion" im Kriege. — Vermischtes. — Feuilleton: Fremde Sprachen in jüdischer Schrift. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Girre literarische §\tbtvtu Derlei alte Literatur ist nicht dazu da, daß ,,jeder Lump mit ungewaschenen Füßen darüber läufst und sag', er känds auch". Dieses Wort Johann R e n ch l i n s an die Adresse des Renegaten Pfefferkorn hat seine Geltung noch immer nicht eingebüßt. Merken Sie sich das! Bloch in der Sitzung des österr Abgeordnetenhauses vom 11. Februar 1890 Sonntag/ den 27. Mai feierte das Mische Volk oder, sagen wir,- die Bekenner der jüdischen Religion in allen Gotteshäusern das Fest; der Offenbarung,' den Erinnerungstagn da auf dem Berge Sinai das Zehngebot der Welt verkündet worden. Dis Weltgeschichte hat keinen zweiten Gedenktag,- der an Bedeutung der Schöpfung des monoteistischen Gedankens und der Verkündigung der Grundgesetze aller Zivilisation heranreicht. An diesem Festtag >der Mischen Religion publizierte das 7, Nene Wiener Journal'' aus der Feder eines sicheren Journalisten namens Friedmann/ der sich hinter denk Pseudonym 7,Egon Friedell" versteckt, unter dem Titel: „Gedanken über Religion" einen Artikel polt gemeinster Schmähungen und Blasphemien gegen die Bibel und den 7,Judengott". In offensichtlich schmähender Tendenz wird erzählt,-: daß die Marcioniten, angeblich! „die klarsten und schärfsten Denker unter den frühen Christen"/ den 7,Judengott" als den „Geist der Finsternis angesehen" und vorgeschlagen haben,- 7,das Alte Testament einfach hinanszuwerfen, aber - auch damit drangen sie nicht durch: I.7 auch darin ein echter. Jude (!) ließ sich nicht hinauswerfen/ und so ist bis znM heutigen Tage die reinste Religionslehre,- die jemals indie Welt getreten ist, und jemals in die Welt treten wird,- verdorben.und verwirrt durch! das Gespenst eines rabiaten,- alten Bedninenhäuptlings (!) und das Geschrei seiner Geschäststräger,- der Propheten." Man darf sich billig fragen,- ob denn die Juden in Oesterreich derart vogelfrei und so ganz wehrlos sind/ daß ein Renegat straflos es wagen darf,- ihnen solche Schmähungen -und Blasphemien als Festgruß zu ihrer Pfingstseier ins Gesicht zu schleudern? Gewiß/ die literarische Büberei eines Auto-Ignoranten, dessen krasse Unwissenheit..in . der Religionsgeschichte.zur perver-- sen Lust an der Besudelung des Heiligen entartet ist, beansprucht kaum irgend welche Beachtung; allein der Umstand,- daß eine Tageszeitung von der Verbreitung des /.Neuen Wiener Journal" dazu sich mißbrauchen läßt,- solche moralische Gifte und Frevel in die Hütten naiver Volkskreise zu tragen/ weckt schwerstes Befremden und verpflichtet zu ernstester Abwehr. Wie urteilen denkt freie Männer der Wissenschaft Aber die Bibel? Folgende Auszüge haben mir denr 7,Neuen .Wiener Journal" zur Verfügung gestellt. Einer der größten Vertreter deutscher Wissenschaft,- der bekannte Bibelforscher Professor Stade, dem man Philosemitismus nicht zum Vorwurfe machen kamt,- erklärt: „Es ist Israel ohne Zweifel auf dem Gebiete der Religion viel epochemachender,, einzigartiger, gewaltiger ausgetreten als auf dem Gebiete des Staates die Römer, auf dem der Kunst und Philosophie idie'.Griechen." (Stade, „Geschichte des Volkes Israel", 1. ,Bd.z 1887 sOncken'sche Sammlungs, Seite 3 f.) Bei Ernest Renan liest Man in einem Vortrage: 7,Das Judentum vom Gesichtspunkte der Raffe und der Religion", Basel 1883, Seite 21: „Die Geschichte des jüdischen Volkes ist eine der schönsten, die eristieren, und ich bedauere es wahrlich nicht, ihr die Arbeit meines Lebens gewidmet zu haben." „Unser heutiges Denken und Fühlen, unser Tun und Treiben ist bei weitem mehr beeinflußt von der Gedanken- und Gefühls-, welle, welche Israel erzeugt, als von der Roms und Griechenlands. Unsere gesamte heutige Kultur ist tiefdurchsättigt mit Richtungen und Trieben israelitischer Herkunft." Wilhelm v. Humboldt schrieb am 12. September 1724 (Briefe an eine Freundin, I., 172): Wer treu zu Kaiser und Reich steht, zeichnet die 6. Kriegsanleihe.

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