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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-05-25 · 20 (25.5.1917) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
20 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 20 Dr. Moch'S WoWenfchrift" Seite 331; .Die AnsWruügen des Referenten wurden mit'lebhaftem^ Beifall und ZustimÄmng ausgenommen. ' Präsident 'Dr. Stern dankte^dem Referenten für den sachkundigen/ eingehenden Rechnungsabschluß und die in /Verbindung damit geleistete,- mühevolle, eisiige, umsichtige,- nicht genug anzuerkennende Arbeit. (Zustimmung - ’ ’ ' - ' In der hierauf durchlgeführten Debatte vertoiefen Obering.. S tricker und Gemeinderat Dr. Schwarz- Hill er aus Me anläßlich der letzten Budgetdebatte begründeten Anregungen bezüglich der Notwendigkeit einer gründlichen Reform der 'Kultussteuerbemesfung/ welche nur dann eine gerechte sein könne/ wenn hiebei die Personaleinkommensteuer zur Grundlage diene. Dr. Heinrich Schreiber berief sich in seinen Ausführungen gleichfalls auf seinen, wiederholt vertretenen Standpmrkt/ daß eine Ethohung der Kultussteuer unbegründet und seiner Meinung nach ungerechtfertigt sei. Prof. .Dr. Ehr mann hält es als eine Pflicht der Kultusgemeinde> die jüdische Wissenschaft zu fördern, und schließt sich dem Anträge des Referenten/ dem Bibliothekar Dr. Wachste i n für sein Werk über die Grabinschriften im alten Friedhofe in der Seegasse die Anerkennung aüszüsprechen/ sowie der Anregung, eine, ähnliche. Arbeit iüber die Grabinschriften auf dem Währinger Friedhöfe lausführen zu lassen,- vollinhaltlich an. Der Rechnungsabschluß wird hieraus im allgemeinen und in den Details,angenomNren. Dem Bibliothekar Dr. Wachste in wird die Anerkennung ausgesprochen und die Anregung bezüglich der Bearbeitung der Grabinschriften auf dem Währinger Friedhofe zustimmend zur Kenntnis genommen. Zeichnung auf die 6. österr. Kriegsanleihe.. . Der Vorstand der Kultusgemeinde beschloß über Antrag des Vorsitzenden^ Präsidenten Dr. Stern,, auf die 6. österr. 'Kriegsanleihe einen Betrag von 500.000 K. zu zeichnen. Gleichzeitig richtete Präsident Dr. Stern an alle Vorstandsmitiglieder die Aufforderung,- sich im weitgehendsten Maße an der Zeichnung zu beteiligen. In demselben Sinne seien auch sämtliche Rabbiner/ Bethaus¬ und Vereinsvorstände ausgefordert worden,- in ihrem Wirkungskreis' für eine zahlreiche Beteiligung bei der Zeichnung auf die .6. Kriegsanleihe einzutreten. Schluß der öffentlichen Sitzung. . Fm Anschluß an die öffentliche Sitzung fand eine vertrauliche Sitzung des Kultusvorstandes statt. Die sechste Kriegsanleihe. (Vom „Verein zur Abwehr des Antisemitismus.") An unsere jüdischen Mitbürger! Ob dieser fürchterliche Weltbrand/ in dem beinahe alle Nationen sich zur - Vernichtung eine r,- der deutschen/ Verschworen haben, seinem! Ende zugeht, ob der grauenhaften Leiden und der grenzenlosen Verelendung,- die'er täglich/ ja stündlich schafft, nun endlich genug ist/ — wer weiß dies? Wir wissen nur das Eine, daß nach Herstellung des iäußeren Friedens noch für den inneren zu zittern und daß mit dem weiterglimmenden Haß deranderen Völker gegen die Deutschen noch lange nach! Friedensschluß zu rechnen sein wird/ ein Hassen/ das gleich' dem/ Antisemitismus lediglich im N e i d wurzelt. ' Die Wendung zuM Besseren kann da nur erzielt werden/ wenn das Deutschtum.eilten _ wirklich grandiosen Sieg erringt. Denn es ist leider feststehende Tatsache/ daß im Leben der Völker nicht ethischer/ Gehalt/ sondern einzig die physische, mtl nicht zu sagen brutale' Macht allein zur Anerkennung. und somit zur Ruhe führt. Und nun spricht der Jude in den meisten Fällen deutsch! Er wird daher, aus diesem Grunde/ oftmals bloß seines deutschen? Namens wegen — bekanntlich auch nicht seine Schuld — wieder die Zielscheibe alles Uebelwollens werden,- vielleicht weniger im Osten, wo die aufgehende Morgenröte ihm eine Erleichterung seines Loses bereiten wird/ als im Westen Europas, wo sich die Unduldsamkeit im allgemeinen eben wieder im krassesten Lichte zeigt.' Bei aller Anerkennung des — trotz aller entsetzlichen Erfahrungen..— unverwüstlichen Optimismus des Judentums schleicht doch , die Sorge heran/ daß ans dieser Ursache,- d. i. der dem Volke .Israels eigener:/ überaus starken Lebensbejahung heraus, das Glück zu früh eskomptiert, die drohende Gefcchr zu gering gewürdigt/ daher vielleicht doch nicht die znm erstrebten Ziele allein führende höchste Anstrengung aufgeboten werden könnte. Wobei wir/ vermöge unserer Wertschätzung des Judentums/ gar nicht dem Gedanken an eine etwaige kleinliche Rachsucht — zufolge der sich aufdrängenden Analogie zwischen Deutschenhaß und Judenhaß - Raum geben. Was wir hiemit bezwecken/, ist die durch mehr als bloß ge schüftlich e Erwägung geleitete Beteiligung an der sechsten Kriegsanleihe, es soll die Aufforderung zur Mobilisierung der allerletzten Märtel zum Behufe der ZeiM u u n g jedes einzelnen s e i n. Insbesondere richten wir unseren Appell an alle jene/ welche, wenn auch nur dem Anscheine nach/ durch den Krieg nicht gelitten, sondern nur gewonnen haben. Ganz abgesehen vom höheren Standpunkte der Staarserhaltung/ darf nicht außer acht gelassen werden/ daß die vox populi, die. ja immer gleich fertig ist mit ihrem vorgefaßten Urteil/ niemals in Betracht zieht/ daß, diese zumeist ihrer Habe' irr der Heimat ganz beraubt/ in neuartige, trübe Verhältnisse gepreßt,- nur durch ihre Kühnheit und gewandte Benützn n g der Konjunktur ihre Erfolge erzielten. Sind aber diese Erfolge auf nicht einwandfreie Art zustande gekommen,- dann mußten Helfershelfer in ganz anderen Schichten mittätig gewesen sein. Gewiß/ jede Spekulation auf die Not bildet ein Verbrechen. Allein find die schlimmsten Spekulanten dieser Sorte nicht gerade aus arischer,- namentlich agrarischer Seite? Wer ist schuldiger: der Bauer im Gebirge/ der sich das Kilogramm Butter vom „Juden" mit einem Mehrfachen des Höchstpreises bezahlen läßt,- oder dieser Jude,- der sich, aus früheren besseren Verhältnissen hercmsgetrieben/ schweren Herzens entschließt, diesen horrenden Preis zu bezahlen/ um! mit seiner Familie in der Sommerfrische annähernd wie früher zu leben,- der sich allerdings vielleicht dann auch zum Zwischenhandel Mangels anderer Betätigungsgelegenheit bekehrt. Wollte Man aber das Kapitel der Ausbeutung des Unglücks weiter , verfolgen,- so wäre zunächst das Uebel im Apo thekergewerbe und das Unwesen der übermäßigen Aerzte- sowie Advokaten-Honorare in Betracht zu nehmen. Man ist nur von Kindheit an gewohnt/ dies als eine Notwendigkeit hinznnehMen. Jene 12 Slovakinnen/ aus deren Besitz jüngst die Polizei in Wien 5600 Stück zum Zwecke der Preistreiberei gehamsterte Eier beschlagnahmte,- bilden wohl das sprechendste Beispiel dafür, daß sich auch die niedrigsten Schichten der arischen Bevölkerung vorzüglich auf den Lebensnnttelwucher - wohl sonst auf nichts — verstehen. TrotzatledeM wiederholen wir unsere Aufforderung,-

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