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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-05-18 · 19 (18.5.1917) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
19 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch'S Wochenschrift" Sette 315 Die Juden Oesterreichs haben aber auch Men Grund, besonders' kaiser- und staatstren zu sein. - Denn übgesehen davon, daß sie unter dem milden Szepter der Habsburger, die als deutsche Kaiser das Judenregal stets schonend übten, ein erträglicheres Los hatten als in den anderen Staaten Europas, haben sie Me Errungenschaften eines modernen Staates, angefangen vom Toleranzedikt des unvergeßlichen Schützers der Menschheit bis zur vollständigen Gleichstellung unter der Regierung des verblichenen Kaisers Franz Josefs des Einzigen, des Weisen, den Kaisern Oesterreichs zu danken. Wenn wir bedenken, lueftfjeu beschämenden und drückenden AnsnahNrsgesetzen bis weit irr die Fnnszigerjahre des vorigen Jahrhunderts hinein die Inden in privatititiD öffentlich-rechtlicher Beziehung unterworfen w-areu, daß wir aber gegenwärtig als gleichwertige und gleichberechtigte Bürger in Oesterreich leben, daß es in Oesterreichs einen Unterschied in Nationalität und Konfession nicht gibt, so können die Juden in Oesterreich mit vollem Recht sägen, daß sie hier in der -rat erlöst wurden, mcabdns lecherus! Auch gegenwärtig ist die Stellung der Juden in privat- und öffentlich-rechtlicher Beziehung in Oesterreich günstiger als in allen anderen Staaten der Welt. Die volle und ungeschjminkte Wahrheit dieses Satzes ergibt sich! aus der Erwägung, daß der: Juden alle Aemter nicht nur in der Theorie zugänglich sind, sondern daß es in; allen Zweigen staatlicher Verwaltung und der Justiz: Inden in untergeordneten und hervorragenden Stellungen gibt. Die Juden haben ihre Vertreter in den Landtagen und im Reichsparlament! ' Darum erfüllen die Juden nur eine Pflicht der Dankbarkeit an Kaiser und Reich, wenn sie dem Ruse „Zeichnet Kriegsanleihe!" folgen. Sie sotten aber'nur ihre .-verfluchte Pflicht und Schuldigkeit" tun, d. h. dem wenn auch nicht physischen, so doch vielleicht moralischem Zwange folgen, sondern mit Liebe unb bechol amze Korach geben und noch einmät geben. Jeder nach seinen Kräften, gerne, willig und baldigst. Wien/ 14. Mai 1917. Dr. Isaak Kohn. KrregSanleihewerbnng von vier Millionen Kronen. Eduard Kurzweil, Verpflegsleutnant, der einem höherer! Südtiroler Kontmando zugeteilt ist, hat, rvie „Egyenlöseg" berichtet, unter den an der Front befindlichen Truppen Zeichnungen für nahezu vier Millionen Kronen auf die fünfte Kriegsanleihe gesammelt. Eduard Kurzweil, der im Zivilbernf Beamter der Budavester Agrarbank ist, wurde für „seine hervorragende rrnd erfolgreiche Tätigkeit" vonr Arnwekornrnan'do durch das folgende Belobungsdekret ausgezeichnet: „Arnreekorrrmando-Beloburrg! Ich spreche Euer Hochrvohlgeboren für Ihre hervorragende rrnd erfolgreiche Werbetätigkeit anläßlich der fünften Kriegsanleihe die belobende Anerkennung des Armeekommandos aus. , Feldpost 511, 23. Llpril 1917. Viktor v. Scheuche n st mH l rrr. p-, Feldzeugrneister. An Hochrvohlgeboren Herrn Leutnant d. R. Eduard Kurzweil." Eduard Kurzweil bchitzt außer dieser Belobung noch drei Auszeichnungen. Eine Anfrage an den Krakauer Kultusvorstand. Wer einmal in einer Stadt gelebt hat, pflegt auch späterhin gern die dort erscheinenden Lokalblätter durchzublättern." Bor einigen Tagen fand ich nun Gelegenheit, in Krakauer Zeitungen über den großartigen Empfang unseres erlauchten Herrscherpaares zu lesen. Es roar gelvisserrnaßen eine Huldigung der ganzen Nation anläßlich des ersten Besuches, den Ihre Majestäten dem durch den Krieg so schwer heim ge such reu Kronlande abstatteten. Nun wollte ich gern erfahren, loelchen Anteil unsere Glaubensgemeinschaft an diesen Festlichkeiten genommen hat. Nach längerem Suchen konnte ich endlich seststellen. daß sich unter beit unzähligen, ziffermäßig sehr stark zusammengesetzten Deputationen an allerletzter Stelle auch eine ganz winzige 'Abordnung der jüdischen Kultusgemeinde befand, als deren Teilnehmer der Präsident Dr. Dilles, der Vizepräsident Dr. Landau und ein Vertreter des Rabbinates in der Person de? Herrn R a pp lipo r t anstraten. Nun glaubte ich ans das sicherste annehnten zu müssen, dag der Name des sowohl um die Gemeinde als nur die jüdische Sache überhaupt hochverdierrten, langjährigen Rabbiners der fortschrittlichen Richtung Herrn Dr. Osias Thon bloß infolge eines Druckfehlers weggelassen worden war. Ta aber bekanntlich in Galizien so manches Unmögliche möglich erscheint. richtete ich eine diesbezügliche Anfrage 'nachKrakau und erhielt nunpostwendend aus autoritativer Ouelle die fast unglaubliche Mitteilung, daß der seit zwanzig Jahrerl im Amte befindliche, vom jüdischen und intellektuellen Standpunkt zunächst berufene Repräsentant der dortigen jüdischen Glaubensgemeinschaft der dem Monarchen vorgeftellten Deputation nicht angehört hat, aus dem angeblichen Grunde, rveil der Leiter der volirischert Behördebloß einen Vertreter des orthodoxen Rabbinatcs zulassen wollte. Es entsteht nun die Frage, ob die Herren Vorsteher, die sonst so stolz auf ihren großen Einfluß bei der Behörde zu pochen pflegen, in diesem die Ehre ihrer Gemeinde empfindlich berührenden Falte nachgeben dursten oder nicht vielmehr mit alten trotz, der Kürze der Zeit noch immer zu Gebote stehenden Mitteln für das gute Recht ihres Rabbiners hätten eintreterr müssen. Ich entsinne mich eines ähnlichen Faltes, wo bei einem Kaiserempfange der betreffende Vorsteher der südi scheu Gemeinde in letzter Stunde durch Jnrerventiou beim Obersthoftneifter das erreichte, was ihm von einer Zwi schertiustanz verweigert worden roar. Aber es hätte nicht erst so weit kommen müssen, nur rnüßten unsere Führer etwas mehr Rückgrat besitzen und vor allem etrvas mehr Feinfühligkeit in Dingen, die trotz ihrer scheinbar lokalen Bedeutung weit 'über die Gemarkung einer Einzelgemeinde hirrausgehen. In puncto Repräsentanz des Judentums scheinen überhaupt in 'Krakau ganz eigene Ansichten zu obwalten. So berichtete mir Fingst ein höherer Offizier voll Erbitterung, in welch verwahrlostem Zustande sich die vielen Heldengräber am dortigen jüdischen Friedhose befinden. Abgesehen davon, daß es der alkehrrvürdigen wie in beut oben geschilderten Falle so streng orthodoxen Gemeinde Krakau vorbehalteir blieb, jüdische Soldaten, und mögen es auch zrrm Teile kriegsgefangene Glan bensbrüder seilt, in Massengräber zu bestatten der Fall dürfte leider oder vielmehr gottlob vereinzelt dastehen', die Grabstätten völlig verwahrlost, die Ausschrisiern ans den Verfaulterl Holztäfelchen unkenntlich, und von irgend welchen traditionellen Grabsteinen keine. Rede. Ehren wir auf diese Weise unsere Brüder, die ihr Leben - Kwusch Haschern — nicht nur für das Vaterland, sondern auch für die Ehre des Judentums geopfert haben? Wir empfehlen den Repräserrtanten der Gemeinde, sich gelegentlich zu überzeugen, in rvie vietätvoller Weise

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