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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-05-18 · 19 (18.5.1917) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
19 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Das Sinnen der Feinde vernichtet, wer die 6. Kriegsanleihe zeichnet Seite 314 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 19 vergnügt. Der Arzt fragt ihn: „Hast du deinen Eltern schon mitgeteikt, daß dir «in Bein amputiert wurde?" Schloimche lacht: „Nein. — Das schreib' ich nicht." lind er setzt denr Arzt auseinander, warum er das nicht schreibt: Die Eltern würden furchtbar erschrecken. würden sich Tag und Nacht härmen und würden sich die Sache gewitz viel schlimmer vorstellen, als sie ist. Lines schönen Tages wird er seine. Prothese bekommen, eine vortreffliche Prothese. Dann wird er zu seinen Eltern gehen, und die werden sich über die Matzen freuen, werden auch nicht gleich was merken. Dann wird er ihnen die Sache erzählen; sie werden freilich im ersten Augenblick sehr erschrecken, aber er wird sagen: „Nu . was is dabei?" Da werden sie sich schneller und leichter damit absinden, denn sie werden ihn ja frisch und munter vor sich sehen. So hat .schloimche sich das ausgedacht und meint, das sei besser, als wenn die alten Leute sich jetzt Wochen und Atonale um ihn kränken würden. . Einmal, bei der Visite, fragt die Schwester den Arzt: „Haben Sie Schloimche schon singen gehört?" Nein, der Arzt hat ihn noch nicht gehört. Schloimche soll doch mal singen. Sogleich ruft es von allen Betten: „Schloimche soll singen." Der lätzt sich nicht bitten und hebt an. Eine glockenreine, merkwürdig ans Herz greifende Tenorstimme. Der Arzt erfährt bei dieser Gelegenheit, datz Schloimche alle Tage singt, so oft und so lang man wiK. Lauter jiddische Lieder — andere kennt er ja nicht heitere und traurige. Die Verwundeten, die hier im Saale liegen, Deutschmeister, Tiroler Schützen, Ungarn, verstehen freilich den TcXt nicht, aber sie ergötzen sich an dieser schönen, rührenden jungen Stimme. Weil nun die Wunde an der Ferse nicht heilen will, soll daran eine Operation vorgenommen werden, o, eine- Kleinigkeit, eine wahre Lappalie von einer Operation. Schloimche drängt selbst dazu, denn er will nun bald ganz gesund werden. Er singt und lacht, während er aus dem Saal gefahren wird. Alle lachen und. rufen ihm Scherzworte zu. Auf dem Operationstisch aber stirbt er sofort bei Beginn der Narkose. Er stirbt bei den ersten drei Tropfen, die auf ihn niedertryufeln, ist so schnell dahin wie ein Dreierlicht, das man ausbläst. Im Saal oben haben die Schwestern erzählt, . Schloimche sei aus irgend einem medizinischen Grund in ein anderes Spital gebracht worden; sie getrauten sich nicht, den anderen zu sagen, datz Schloimche gestorben sei. Den .Eltern des armen Burschen aber mutzte der Arzt es schreiben, und sein Brief kam wohl zugleich mit einer der täglichen Karten, auf denen Schloimche berichtet: „Es acht mir wunderbar." Die Kmarrzipatiorr der russischen Zuden. Auf .Grund des Einanzipationsediktes wurden am 10., 23. März in der Sitzung der M oskaue r G, e - richtska mmer 110 jüdische Rechtsanwälte in die Korporation der Rechtsanwälte aufgenommen. Bei der Eidablegung hielt der zionistische Rabbiner Mase die Allsprache. In Odessa wurden 60'jüdische Rcchtsanwaltsgehilsen zu Rechtsanwälten ernannt. Eine Depesche aus Moskau teilt mit, daß 2600 Juden iur Juli zu Offizieren ernannt werden und daß Rechtsanwalt O. O. G r u f e n b e r g das Amt eines Senators ausgenommen hat. Das Jüdische Korrespondenzburean, Haag, teilt mit: Aus Petrograd wird berichtet, daß dort eine Konferenz der Vertreter verschiedener jüdischen Parteien stattsaud. Ans dieser Konferenz war auch die jüdisch-soziale Partei der „Bund'", der bisher von einem Zusammenarbeiten mit den anderen nationalen Parteien des russischen Judentmns nichts wissen wollte, "vertreten. Es wurde beschlossen, von der neuen Regierung nationale Rechte für alle Juden zu verlangen. In vielen Städten finb Komitees der vereinigten jüdischen Parteien gegründet worden. Unter der Leitung des bekannten Schriftstellers Dubnow erscheint in Petrograd ein jüdisches Tagülatt. Der Präsident der „A I. U." sandte folgendes Telegramm an die vorläufige russische Regierung: Wie „A -I. U." nimmt sich die Freiheit, im Namen der Israeliten der . ganzen Welt Ihnen Anerkennung zu bezeugen und Ehrerbietung und tiefe Dankbarkeit für die AiiWndigung der Abschaffung aller gesellschaftlichen, kirchlichen und Rasse-Eiuschränkuilgen .-" Hieraus traf folgende Antwort ein.: „Präsident der- „A.. I: U.". Ich danke Ihnen sreundlichst für Ihr Telegramm. Das von nun abfreie Rußland wird die Glanbensübcrzcugungen und die Eigenartigkeiten, aller seiner'Völker — fortan vereinigt, in dem Ehrendienst fürs Vaterland -— zu ehren wissen. Prinz Lwow," Der Vorsitzende der United Synagogues in England Herr Leop. de Rothschild richtete in einem Telegramm an den „American Hebrew" seine herzlichsten Grüße an den amerikanischchüdischenKongreß, welcher alle Teile der amerikanischen Judenheit vertritt und welcher — nach der Hossnuüg des Herrn d e^Rot lisch il d — sich in seiner Versammlung an allererster Stelle mit der Frage der Emanzipation der Juden im. Sinne von gleichen Rechten für die Juden in allen Ländern beschäftigen wird. Der erste jüdische Kradonatschnknik inWetersvnrg. Zum G r a d o it a t sch ä l n i k von P e t e r s b n/r g ist Arbeiterrat Rosenberg ernannt worden. Korrespondenzen. Der Kaiser in Kralrav. Gelegentlich! des jüngsteil Aufenthaltes des Kaisers in Krakau empfing der Monarch' auch-;eine Deputation der Krakauer Killtusgemeinde. bestehend uns dein K'ultNspräfidenten Dr. T i 1 l-es,' bcnt. Vizepräsidenten; Doktor Rafael Landau und dem Räbbinatsassessor Rahaport, welche dem Kaiser die Huldigung, der Judenschaft verdolmetschte..,Der Monarch empfing die Deputation überaus-huldvoll.' o... - - An meine Volts- und Gl'.mkpnsaenossen! - Zeichnet Kriegsanleihe!' Salomon der Weise, ein mächtiger König auch im Reiche des Geistes, hat das Gebot erlassen: ..Fürchte, mein Sohn, Gott und den König." Diese Furcht ist aber nicht als bloße Physische Furcht zu verstehen, sondern als Ehrfurcht, die Liebe und.Verehrung zur unerläßlichen.Vor-Mssetzung hat; von ähr gilt das römische Kaiserwort: „oderint dnm metuant" nicht. In der Zerstreuung haben die Weisen Israels als religiöses Gebot den Befehl erlassen: die Gesetze des Königs sind ebenso rechtsverbindliche wie die Gebote der Thora. Diese Vorschriften sind von allen Juden, in welchem Lande indmer sie eine- Herumt gesunden haben, stets hochgelhalten worden. Die Juden sind denn, auch! in den Staaten, wo sie wohnen,- stets ein staatstreues Element. Sie bewahren die Staatstreue, selbst in den Ländern, wo sie den beschämendsten Ansnahms- . gesehen unterworfen und jeden Moment an Ehre, Freiheit und Vermögen bedroht sind. . In Oesterreich-Ungarn erfüllen die Juden das Gebot der Kaiser- und Staatstrene nicht bloß unter, dem Zwange einer religiösen oder staatlichen Vorschrift, sondern aus dem aufrichtigen Herzen dankbarer und /dem Kaiser, -in tiefster Ehr fürcht ergebener -Untertanen. Gerade in dieser schweren Zeit hat sich die Kaiser- und Staatstrene der'Juden als über jeden! Zweifel erhaben erprobt. Um dieser Treue willen hat sich, denn-auch "die ganze Wut und Wucht der Feinde beim ersten Anprall besonders gegen die-Juden gerichtet. .. . - Die Tapferkeit jüdischer Soldaten und Offiziere wurde durch hie -vielen Auszeichnungen,' die ihnen wiederholt verliehen wurden, von Merhöchster Stelle anerkannt. .

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