Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 19 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Würdig unseren Vätern und Brüdern im Felde zeichnen wir die 6. Kriegsanleihe. Sette 306 ' Dk. Blvch's an der Erklärung des christlichen Dogmas das vierte; an dem Auftreten des germanischelt Elementes das fünfte; an der Verschmelzung des . letzteren mit den römischen Traditionen in ifrer Kirche das sechste; an der Aufzwingung des orientalischen Elenrentes durch den arabischen Krummsäbel das siebente; an dem Rassen lampst, dein Chaos, aus welchem sich die künftigen Nationalitäten allmählich ausscheiden, das achte; an dem Erlöschen des römischen Reiches, der Gründung der politischen Macht der Päpste und dem Erscheinen des Feudalismus das neunte; LA der religiösen -Schreckensherrschaft das zehnte; an dem Kampfe Zwischen der weltlichen und der geistlichen Macht und dem Siege Hildebrands das elfte; an den Kreuzzügen der letzten großen Lheokratischen imt) den ersten großen Anstrengungen der weltlichen Gewalten das zwölfte; an dem Aufblühen des weltlichen und dem Testamente des theokratischen Elementes das dreizehnte; an dein Siege der Könige -über die Theokratie und den Feudalismus durch Hervorrufung des Bürgertums das vierzehnte; an der Umgestaltung unseres Planeten durch die Buchdruckerkunst, der Magnetnadel, der epischeil Fahrt der Portugiesen nach dem Osten und dem mythischen Zuge der Spanier nach Amerika das fünfzehnte; an der Wiedererlangung der Gewissensfreiheit durchs die Reformation das sechzehnte; an der Emanzipation der Vernunft und der Philosophie durchs den westfalischen Friedell das siebzehnte; an dem Kampfe der Enzyklopädisten gegen alles Verrottete und den Revolutionen in Amerika und Frankreich das achtzehnte; an der Union der Demokratie, welche durch die Revolutionen und der Freiheit, welche durch die Wissenschaften erstanden, das neunzehnte Jahrhundert, welches berufen ist-, den europäischen Staatenverein zu gründen und mit dieser leuchtenden Formel der Zukunft die Zivilisation der Welt zu krönen!" Welche Geleitworte-würde Castelar dem zwanzig-, st e n Jahrhundert gegeben ' haben? Seinem Gedankengange und seineil Richtlinien nach würde er fetzt vielleicht gesagt Haben: Die Grenze aller politischen, sozialen und wirtschaftlichen Möglichkeiten oder gar Wahrscheinlichkeiiell. wird in eine unabsehbare Ferne hinausgerückt, die seelischen Bewegungen und Residuen der Ziassen werden von den Analogien vorheriger Umwälzungen losgelöst, ohne daß jedoch 'die in ungezählten Gelrerütionen augehäusteü und ererbteir Denkgewohnheiten ihre hypnotisierende Macht eingebüßt hätten, ebensowenig wie der uralte Erfahrungssatz: ,.i\aturain er p?llas furea, tarnen usque reeurret. Es müßte denn die Macht der Gewohnheit auWren, eure Morlomailie, eure Ohnmacht des freien Willens zu sein. Wie oft hat Eastelar mit flammenden Worten' das nationale Ehrgefühl der Spanier aufgerüttelt, e il d l i ch Gibraltar den gräßlichen Fangarmen des britischen Seeungeheuers zu entreißen! — Wie stürmisch schmetternd würde Eastelar in dieser großen, alles Poteirzierenden Zeit feilt heißes Verlangen erbrausen lassen? Nach Spa nie n, w o ei n Kon i g vom Habsburgerülut thront, weist die^ Magnetnadel der großen Weltinteressen gebieterisch hin- Castelars Geist ruft seelenentflammend aus den Himmelshöhen: Spanien, erwache aus der Lethargie, in welche dein Erzfeind Albion seit drei Jahrhunderten dich versenkt und festhält! „Stolz liebe ' ich den. Spanier", ruft mit Donnerstimme die Erinnerung an das „Weltreich wo die Sonne nicht unterging!" Zerreiße . das würgende stählerne Netz;, das .dich an. jeder freien . Bewegung,. an ruhmvoller Betätigung,. am. Völkerringeu an der Seite zuverlässiger. Sieger hemmt!„Carpe diem!" benütze, rasch zugreifend, den günstigen Moment! -/.Den einmal versäumten. Augenblick bringt dir die Cw igkeit nicht mehr zurück." Wochenschrift" st--Nr.i9 Wenn es gegenwärtig, Uw Ueberraschuugen, einander überholend, überrennend, tiäglich auftreten,- noch eilte solche iv eltbewegen de geben könnte, wäre es eine Auferstehung 'des altspanischen Heldentums in dtzM für d-e-n- 2 7^.S e p- ' t em b e r 1 st 16 e i n b e r u f e n e n P a r la M e n t, oder auch nur eine unabweisliche Forderung der geschicht-- lichen Mission, eine nationale Ehrensache, eine Existenzfrage für Spanien .... s Vorstehenden Artikel habe ich am 26. September l9!6 verössentlicht. Eine Verwirklichung, der Vorhersage e'^ibt sich ans dem sensationellen Ereignis, von welchem führende Blätter melden: - Die Forderung nach Gibraltar und Tanger. Madrid, 2. Mai. Die heute, im Madrider. Stierzirkus voreiner mehr als 20.000 Köpfe zählenden Zuhörermenge gehaltene fünsviertelstündige Rede des früheren Ministerpräsidenten Antonio Maura wurde mit ungeheurer Begeisterung und tosendem Beifall ausgenommen, der in ganz Spanien Widerhall ftndeu dürfte; alle Landesprovinzen hatten ihre Vertreter entsandt. Die Stellen der Rede, die auf die Ausrecht erhol tun g der Neutralität Spaniens Bezug hatten, sowie solche, die gegen England gerichtet waren, wurden mit brausenden Beifalls stü r m e u begrüßt. Redner sprach, sich g e g e n. 8 a s V e r b l ei b e n eines v e r stümmelteu u ut> g e d e m ü t i g t e n Spanien in d er w estlich en Staateit grn p p e aus.; Maura führte Wetter aus: „In der Strafte vou Gibraltar, die für Spanien den. Anfang und das Ende seines Unabhängigkettsproblems bildet, finden wir.nicht allein die Festung Gibraltar; damit verknüpft ist auch die V ergew a ltig ung Ün d Entzieh un g fr c r sp a- -ni-sch en..Soü v eränität außerhalb; Gibrnltars durch d a s - U e berge iv i ch t E u gl au d s, w e l - ches uns nicht Herrscher unserer Küsteittutd -Küstengewässer sein läßt." — Was die Meerenge von Gibraltar in den festen Händen einer seit jeher zuverlässigen, ehrlich befreundeten Macht, als -freier Ausgang in die atlantische See, für das Mittelmeer und. unsere Adria bedeutet, um das zu ermessen, braucht man nicht erst ein Handelspolitiker oder Diplomat zu sein. Es genügt, auf den alten Spruch: „Les emiemis de IKK eimeuiK sollt 110s anii?.“' hinzuweisen. Ueber die katastrophale, aus einem grauenhaften Wirrsal neu erstandene Welt ist in dichten düsteren Falten ein schwerer Vorhang niedergegangen. Nur ein ahnungsvoller Seherblick vermag in Momenten, wo Orkane eine Falte verschieben oder ein Blitz in einem jähen Zickzack ihn durchzuckt, einen Umriß von Wie und Was rasch zu erfassen und mit phantastischen Vermutungen ihn zu umtasten. . . . Vielleicht wird denn doch der Anbau aus den heimischen Feldern mit dem Ab bau auf den Schlachtfeldern zusammenfalleu und der Jahresfrühliug den heißerfehnten Friedenslenz wundersam bringen. Brünn, '4. Mai 1917. :; Eine Anklage gegen die „Grfterreichische Wochenschrift". Vor einigen-Tagen wurde uns die vertrauliche Mit»- teilung: . r Der Leiter, der.Wiener Milttärseelsorge Herr Doktor F r a n kf u r t e r habe -sich geäußert, daß gegen die r-.Oest Wochenschrift" - eine Untersuchung eingeleitet. wurde — wegen ihrer Meldung, betreffend denä ^Heldentod des . Feldrabbiners Dr. Adolf Ke'lenien". Wir?;haben vorerst der Mitteilung keine Beachtung beigelegt., Wer sollte denn