Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 19 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ar 19 Dr. Blocht Wochenschrift" Sette 3Ö7 auch Interesse Habers gegen die;Oest. Wocherlschrift" (die wie jede .andere Zeitung zur Kriegszeit nur unter Zensur des f. k. Kriegsüberwachungsamtes und der k. k. Staatsanwaltschaft erschemeu kann) oder gegen den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Ke lernen Recherchierungen zu ver-- anlassen? Nun leserr wir in der Sonntagnumnier der ^Reichs- Post" vom 16. Mai 1917: Line falsche Legende von einem Helcken-Habdi. In Ni'. 11 vom 17. März 1917 der „Wochenschrift“ des Rabbi Bloch fand sicli eine poesievolle Darstellung des Heldentodes des Rabbiners Dr. Adolf Kel-eme n, der bei Ausübung seines Amtes, unter Bezeigung besonderer Heldenhaftigkeit usw. in heroischer Weise auf dem Schlachtfelde den Tod gefunden haben soll e. Die „Neue Freie Presse“ und mit ihr die gesamte liberale Presse nahm diese schöne Erzählung kritiklos herüber. Wir sind nun in der Lage, nach Nachfragen in dem Feldspital Nr. 704, in dem Dr. Kelemen gestorben ist, — es steht jeder Zeitung frei, daselbst die gleichen Feststellungen zu machen — klarzustellen, daß Rabbiner Dr. Kelemen mit keiner Granate in irgend welche Berührung gekommen ist und noch wenige^- auf dem Scklachttelde gestorben ist. Der offizielle Toteubefund besagt als Todesursache bei Dr. Kelemen: „Zucker-Harnruhr, Bronchialkatarrh, Herzschwäche und Herzlähmung.“ — Da derartige Legenden seit langem fömlich fabriksmäßig erzeugt werden _ — warum läßt sich denken — empfiehlt es sich, fallweise den Dingen auf den Grund zu gehen. Dieser Mitteilung ist zunächst die erfreuliche Tatsache-zu entnehmen, daß in der Redaktion der „Reichs- Post" unsere ^Wochenschrift" mit Sorgfalt gelesen wird und der Inhalt auch, eine Nachprüfung durch Recherchen . erMrt. Als rkesultat. der Nachprüfungen. ergab sich, daß die angebliche Meldung der „Wocheuschrist" über den „Heldentod" des Feldrabbiners Dr. Ke l e m e n eine „Legende" sei. Wie, lebt er vielleicht noch, der Fogaraser Oberrabbiner? Das nun nicht, allein er ist nicht einem feindlichen Granatsplitter, sondern den Strapazen des Felddienstes zum Opfer gefallen; er ,^fiel" nicht, sondern er starb fürs Vaterland. Zum Ruhme des Verhaltens österreichischer und ungarischer Rabbinen in diesem Weltkriege ^Legenden" zu erdichten, braucht es wahrlich nicht. Das Judentum ist die einzige Konfession Oesterreichs und Ungarns, die sich rühmen darf, daß kein einziger ihrer Diener zum Derräter an Kaiser und Vaterland geworden, obgleich zahlreiche Rabbinen wegen ihrer Kaisertreue den Henkerstod durch zarische Schergen erlitten haben. Wie verhält es sich aber mit der Meldung der .„Oesterr. Wocheupschrift", betreffend Oberrabbiner Dr. Adolf Kelemen? In der von der „Reichspost" zitierten Nr. 11 vom 17. März der „Wochenschrift" war nämlich zu lesen: um Heldentod des Feldrabbiners Doktor ( Adolf Kelemen. Man schreibt dem „P e st e r L l o y d", N r. 5 2: „Gestatten Sie mir, anläßlich, der heutigen Meldung vom Tode des Feldräbbiners Adolf Ke lewen eine charakteristische Erinnerung an diesen schlichten Helden mitzuteilen. Ich war heuer zur Kur in Gastein, als mir eines Tages ein Feldrabbiner gemeldet wurde. Der Name war Mir unbekannt, doch, der Mann gewann mir bei seinein Erscheinen sofort das Herz. Sein Anliegen ging dahin, daß ich ihm einige empfchlende Zeilen an Baron H a z a i gebe, damit es ihm wieder gestattet werde, an die'Front zurücHukehren. Er sei nach einjähriger Tätigkeit als Feldkurat in den Krankenstand versetzt worden, weil man an ihm hochgradige Arteriensklerose konstatiert hätte. ,,Doch in Gastein bin ich, wieder vollkommen hergestellt worden, ich bin ganz gesund; es fehlt mir gar nichts. Ich 'muß das am besten wissen," wiederholte er mit eindringlicher Beharrlichkeit. So sympathisch mir die Bitte war, den Mann an die Front zu protegieren, so zögerte ich dennoch. Da spielte der Feldrabbiner den letzten Trumpf aus, er zog ein Bündel Briese von Mitgliedern des Osfizierkorps hervor, die sämtlich mit kameradschaftlicher Wärme die Lücke beklagten, die sein Abgang gerissen; da er, abgesehen von seiner Seelsorgetätigkeit, durch sein ganzes Wesen und Gebaren im Offtzierkorps als auch bei 4er Mannschaft viel zur Erhöhung der Stimmung bNgetragen habe. Die Briefe machten einen sehr rührendest Eindruck, und ich konnte nicht widerstehen. Offenbar wurde die Sehnsucht Kelemens bald erfüllt. Er ist an die Front zurückgekehrt, und nun hat ihn ein Granatsplitter getötet; er ist irr die Walhalla der reinen und edlen Helden versetzt worden. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, gleichsam ein Zypressenreis an dem Grabe dieses Mannes niederzulegen, der im schlichten Ornat des Feldgeistlichen die Seele eines edlen und opferfreudigen Helden geboren." Soweit unsere Meldung in Nr. 11. Es ehgibt sich daraus zunächst, daß die^Oest. Wochenschrift" ntcht einen Eigenbericht publiziert, sondern eine Meldung des „Pester Lloyd" mit, genauer Quellenangabe zitiert hat, somit daß auch nicht aus der „Oesterreichischen Wochenschrift" diese Meldung von der „Neuen Freien Presse" und „der gesamten liberalen Presse" „kritiklos" übernommen wurde. Dr. Adolf Kelemen stand im 5 3. Lebensjahre, wirkte seit 25 Jahren als Oberrabbiner des Fogaraser Komitats. Bei Kriegsausbruch meldete er sich freiwillig zur Dienstleistung, wirkte an den verschiedensten Fronten als Feldrabbiner und war das Vorbild eines treuen Seelsorgers. Ob er nun durch einen Granatsplitter den Tod fand oder sich an der Front in anderer Weise den Tod geholt hat — er starb jedenfalls im Dienste des Vaterlandes. Ueber die Trauerfeier bei der Beerdigung des Oberrabbiners Dr. Adolf Kelemen wurde in nngarischen Blättern gemeldet: „An der Bahre hielt eine Abordnung des Infanterie-Regiments Nr. 32 die Ehrenwache. Rabbiner Dr. Simon Hevesi würdigte im Namen des Landes-Rabbinervereines dem gefallenen Helden, in dem die Nation einen für fein Vaterland über alles liebenden Patrioten des Judentums Ungarns einen idealen Seelenhirten verloren habe. Nachdem im Namen des k. u. k. Feldseelsorgeramtes Dr. Nikolaus P e n e r gesprochen hatte, trugen Soldaten den Sarg unter den Trauerklängen der Regimentskapelle nach dem Grabe. Hier nahm Post- und Telegraphenrat Dr. Salomon Pap im Namen der Kultusgemeinde Fogaras, deren Rabbiner Dr. Kelemen war, und deren Deputation wegen der schlechten Verkehrs-, Verhältnisse nicht rechtzeitig eintreffen konnte, von Dr. Kelemen in warmen Worten Abschied; er hob hervor, daß dieser Rabbiner der Letzte war. der bei der Invasion der Rumänen Fogaras verließ, und daß er nach seiner Rückkehr, von den Front seine Stadt verwüstet fand. Damals begab er sich freiwillig zum zweitenmal nach der italienischen Front, wo ihn der Tod fürs Vaterland ereilte. Mit einer Ehrensalve 'der ausgerückten Kompagnie fand die Trauerfeier ihren Abschluß." Diesen Bericht über die Beerdigung Dr. K elemens hat die „Oesterr. Wochenschrift" aus Raummangel nicht gebracht, sondertr beschränkte sich darauf, die Meldung des „Pester Lloyd", Nr. 52, zu reproduzieren. Aus Mißbehagen, Verstimmung und Verärgerung wegetl unserer sorgfältigen L-ammlung der Leistungen jüdischer Heeresangehörigen in diesem Weltkriege; in dem Bestreben, unsere Feststellungen wenigstens als unerläßlich erscheinen zu lassen, wird die Rekrimination wegen eines angeblich ungenauen Wortlautes einer dem .^Pester Lloyd" entnommenen Meldung an die Adresse der „Oest. Wochenschrift" geleitet. Es dürste auffallend erscheinen, daß Herr Feldrabbiner Dr. Frankfurter in der Lage war, das uns 095158