Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 17 (4.5.1917)
- Date
- 1917-05-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Seite 277 Nr. i? Dr. Bloch's Wochenfchnft' Ich habe ihn seit seinen Jünglingsjahren gekannt, ich habe sein Aufstreben, seine Kämpfe beobachtet, und ebenso seine großen Erfolge. 'Diese-Verdankte er nicht dem Spiel des Zufalls oder denk Zufall des Lpiels, .sondern seiner von heit Berufensten anerkannten, ungewöhnlichen finanzMännischen Begabung. Erst kürzlich hat er Mir freudig bewegt erzählt, wie der Leiter eines der. ersten finanziellen Institute der Welt ihm versichert habe: „Wir gehen Ihnen nach." So ward ihm das große Glück zuteil, bedeutenden Reichtum^ zu erwerben, und das noch größere, ihn zu beherrschen. 13J2& ^128^ Er hat die Macht Mer seinen Reichtum behalten, ihn zu genießen und anderen den Mitgenuß zu gewahren. Er hat Gott immer dafür gedankt, daß er ihm den Verstand gegeben, zu erwerben,- und zugleich! das! Herz, anderen von dem Erworbenen mitznteilen. So ist er ein großzügiger Philanthrop geworden, ein Förderer der 'Künste und Wissenschaften, eitt Hort aller Wohltätigkeitsvereine, ein Vater der Armen, ein Retter Verzweifelnder, und wie der Hohepriester am Versöhnungstage seine Vorlesung aus der Thora mit den Worten schloß: ams zs'-teb naö “*nr „Mehr als' ich! öffentlich vorgelesen/ steht hier geschrieben", so kann ich von ihm sagen: mehr als er jösfentlich g'etan> ' hat er im Stillen und Verschwiegenen getan. Dabei ist er seines Ursprungs, ist er des Judentums stets mit unerschütterlicher &reue eingedenk geblieben. Er hat den Namen Cohn, diesen ältesten, von G-ott selbst gestifteten Erbadeh den so manche mit den nichtssagendsten Namen Vortäuschen, mit Stolz getragen, und keine Ehre und Aufgabe standen ihm so hoch, wie diejenigen. die ihm seine zahlreichen Gemeindsämter ein- und auftrugelr. Aber unter allen seinen großen Gewinnen hat er den Gewinn seiner Frau, dieser dieser ' biederen' -Frau ^im>" vollen - Sinne - des -' Wortes als höchsten angeschlagen: sie war sein größter Reichtum, der Mittelpunkt feines Lebens, die Lonne,- uni die er kreiste, denn auch dieses Höchste von unserer Religion hat er imMer kraftvoll festgehalten, daß ihm das Haus, die Familie, die Sorge für Frau und Kinder,- für Geschwister und Verivandte Mer alles ging. Ich habe diese Ehe vor 46 Jahren eingesegnet, und noch vor wenigen Wochen, bet der. Verheiratung seiner Enkelin, die seine letzte große Freude war,-konnte ich der jungen Frau die Ehe der Großeltern als eine Mnfterehe vorführen. Mim hat der Tod diese Ehe gelöst. Auch unseren 51 fahrigen Frenndschaftsbünd, und dabei muß ich betonen, daß er es verstand, ein Freund zu sein,' nicht so einer unter tausend anderen, sondern tausend andere wiegen nicht so einen ans. Auf einem Berge ist er gestorben, wie Moses und Aron, gleichsam eine Andeutung? daß der Gipfelpunkt seines Glückes erreicht war. Es blieb ihmnichts Mehr zu wünschen übrig, als ein sanftes Ende, und auch! dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Wie. er ein LebensMrstler war,^ der dem Leben immer eine freundliche Seite Mgewann, so ist ihm dasselbe auch Mit dem Tode gelungen, jJT’ p Jrn Schlafe ist er dahingesunken. Möge er denn erwachen im Reiche des Friedens und der Seligkeit. Amen." MaMens des israelitischen Kultusvorstandes nahm 1. Vizepräsident Hosrat Tjr. Rappaport von dem Toten Abschied mit nachstehenden Worten: .„NeftranerNd und betrübten Herzens.trete ich an Deine Bahre Salo Cohn, uM von Dir in Vertretung unseres Präsidenten Dr. Alfred Stern, der durch Unwohlsein .am lErschmnen verhindert ist, namens, der . Hultusgemeinde Abschied zu nehmen und Dir ihre letzten/ Grüße zu entbieten. Rasch, aber milde hat die Parze Deinen Lebensfaden durchschnitten und Dich aus unserer Mitte gerissen. Mehr als ein Vierteljahrhundert, nahezu ein Menschenalter, hast Du dem Vorstände der Wiener israelitischen Kultusgemeinde angchört, 10 Jahre dem Vertreter-Kollegium, und diele Jahre standest Du an der Spitze der Kommission für das Israel. Versorgnngshans. All diesen hast Du Deine Kraft in reichem Maße in den Dienst gestellt. Mit Dir ist eine Markante Persönlichkeit aus dem Leben geschieden. Ein klarer, das Reale treffend erfassender Verstand war Dir eigen und befähigte .Dich, in allen 'finanziellen Fragen, die die Kultusgemeinde beschäftigten, Dein schwerwiegendes, oft entscheidendes Votum in die Wagschale zu legen. Für alles, was der KultusgeMeinde nottut, hattest Du einen scharfen Blick, und so ist es Dir zu danken, daß ihre Bibliothek durch den Ankauf des Halberstamm'scheu Büchernachlasses eine Ausgestaltung erhielt, die, sie zu einer der ersten jüdischen Büchersammlungen auf dem Kontinente macht. Deine ideale Seite lag auf dem Gebiete der Philanthropie, der sozialen und charitativen Hilfe. Hier' ließest Du das Herz sprechen, wobei aber imMer der Verstand den richtigen Regulator abgab. Dies befähigte Dich, an die Spitze einer Reihe von humanitären Anstalten zu treten und diesen eine wirksame Förderung angedeihen zu lassen. Ich nenne hier nur die C h e w r a - K a d i s ch a, das L. D. Königsb erg'sche Mädch en-Erzie- Hungs-Jnstitu t und die Jüdische Volksküche. Was Dü auf dem Gebiete der privaten Wohltätigkeit geleistet hast, ist nur wenigen bekannt geworden, jedenfalls war sie eine sehr ausgrbreitete, und viele, viele werden Dir stille Tränen nachweinen. In reichem Maße hast Du dafür gesorgt, daß die Spur Deines Erdenwallens nicht verschwinde, und so wird Dein Andenken ein gesegnetes bleiben. - Ziehe hin in Frieden, die Erde sei Dir leicht!" Vizepräsident der Chewra-Kadifcha Dir. Markus Spitzer ergriff sodann das Wort im NaMen der Chewra. Nach einigen einleitenden Worten der aufrichtigen, tiefgefühlten Trauer über den unersetzlichen Verlust, den die Chewra-Kadischa durch das Hinscheiden ihres hochverdienten, unvergeßlichen Präsidenten erlitten hat, entbot er ihm die letzten Abfchiedsgrüße im Namen aller Mitglieder der heuigen Bruderfchaft. welche mit Bewunderung und Verehrung zu dem Dahingefchiedenen emporblickten, und ftchr dann fort: „Mit Herrn Salo Cohn,- dessen Namen schon ein Wahrzeichen der Humanität und Menschenliebe für immer blecht, ist ein Mann ans der Reihe der Lebenden geschieden, der in seinem Tun und Haffen, seinem Wirken und Schaffen, insbesondere auf dem! großen, weiten Felde der Wohltätigkeit sich stets als festgefügter Charakter, als eine selbstbewußte, scharfumrissene Persönlichkeit erwies, die geweiht und geadelt war durch Hochherzigkeit, Innigkeit und- Großzügigkeit und der jene Genialität des Herzens eigen war, wie sie nur wenigen Auserlesenen zuteil wird. Sein Wahltun war nicht belastet mit denk Bleigewichte des klügelnden, nüchtern erwägenden Verstandes, welches jeden Aufschwung und jeden Flug ins Weite hemMt, war vielmehr der unmittelbar spontane, mit elementarer Kraft sich emporringende Ausdruck eines zartbesaiteten Herzens, das der Davidsharfe glich und in den herrlichsten Klängen ertönte, wenn der eisige Hauch der Not, des Elends, des Kummers und der Sorge dasselbe berührte, bewegte und in Schwingung versetzte. Dgr Verstorbene war der berufene, ideale Präsident der Chewra-Kadischa, mit welcher er durch den harmonischen Gleichklang der 'Anschauungen, Gedanken, Gefühle und Empfindungen innigst vereinigt war, deren