Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-27 · 16 (27.4.1917) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
16 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3022248-3022265--25951-3051282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 266 Dr. KloH'S Wochenschrift' «Rr. 16 Jüdischer Verein „Einheit". Der dritte Pessach war es, den wir in harter Kriegszeit gefeiert. Die wehmutsvolle Stimmung, welche der gegenwärtigen Zeit ihr Siegel aufdrückt, beherrschte auch das Pessachfest und lieh die traditionelle Pessachfreude nicht zur Geltung kommen. .Doch wird das Herz des Gläubigen, auch wenn alles ringsumher in Trauer gehüllt ist, in gehobene Stimmung versetzt, wenn der Feiertag mit seinen heiligen Gebräuchen erscheint. Wir wußten, daß-unsere Gäste zu Tausenden kommen werden, um den Seder, um den Pessach bei uns zu feiern. Wir adaptierten eine große Lokalität in dem an unsere Hallen anstoßenden Hause, Leopoldgasse 16, welche wir ausschließlich für die Soldaten bestimmten. während wir unsere Stammlokalitäten, Malzgasse 12, die in gewohnter, pessachmätziger Weise, instand gesetzt hatten, für unsere Zivilgäste behielten. Wie das ganze Leben im Zeichen des Krieges steht, so galt auch ein großer Teil unserer Pessacharbeiten den Soldaten. Aus allen Bezirken kamen sie herbei, unsere großen. Räume konnten sie nicht fassen, aber sie warteten geduldig, bis die Kameraden ihnen Platz machten. Die Militärbehörden ermöglichten es den jüdischen Soldaten, welche außerhalb der Kaserne essen wollten, dies während der ganzen acht Tage tun zu können, wiewohl nur die beiden ersten Tage dienstfrei waren. Am ersten Sederabend wurde die Soldatenausspeisung vom Herrn Feldrabbiner Dr. Rubin F ä r b e r besucht. der an - die Soldaten eine feierliche und patriotische Ansprache richtete. Bei der Schwierigkeit, mit der jetzt die Lebensmittelbeschaffung verbunden ist. war unsere Aufgabe keine leichte, zumal die Speisegesetze des Pessach die Ausgabe noch vergrößerten; aber wir bemühten uns, unseren Gästen den Pessach möglichst feierlich zu gestalten. Zum Seder erhielt jeder East auch das übliche Ei und ein Fläschchen Wein. Außer den Gästen, welche zu uns kamen und deren Zahl durchschnittlich 3000 pro Tag betrug, haben wir über Auftrag -es k. u. k. Militärkommandos sämtliche jüdischen Soldaten der hiesigen Sanitätsanstalten verköstigt. Wir schickten das Essen in unseren Thermophoren zu. Ebenso wurden auch die internierten Kriegsgefangenen sowie jene Soldaten, die sich.zurzeit in Strafhaft befanden^ verköstigt. Wir lieferten insgesamt 3000 Mittagsmahlzeiten und 2500 Nachtmahle in die Spitäler. Auch ins "Lainzer Versorgungshaus sandten wir zirka 300 Mahlzeiten. Zu jeder Mahlzeit holten ferner hunderte Familien das Essen von uns in ihr Heim, da die Härte der Zeit es ihnen unmöglich machte, sich das Feiertagsessen selbst zu bereiten. Wer hätte es für möglich gehalten, daß-wir dazu kommen wüKen, einen Pessach unter so schweren Verhältnissen zu erleben! Doch, müssen wir noch dem Himmel danken, daß wir: die schwere Situation zu überwinden vermochten; möge er uns bald eine glücklichere Zeit senden! __ Mlgem. Jüdischer Arbeiterverein („Poale Zion"), Wien. Sonntag,, den 29. d. M., um 4 Uhr nachmittags,- findet int Hotel Arco,)2. Bezirk, Rotensterngasse 7rft eine Maifeier mit reichhaltigem- Programm statt. Austritte aus dem Judentum vom 15. bis 24. April 1916. Beermann Wilhelm, Kaufmann, geb. 15. November 1874, Temesvar, 6. Bez, Kasernengasse 4. Bohaty Bernhard Hans, Rechtshörer, geb. 24. April 1893, Wien. 2. Bez., Valeriestraße 44. - Friedmann Rosa, Hilfsarbeiterin, geb. 13. Mai .1889, Dolka, Marmaros (Ungarn), 10. Bez., Thavonatgäst 14. Eoldreich Hugo Edler v. Bronneck, Oberleutnant, geb. 9. Februar 1882, Ober-Studenetz. 7. Bez^, Neustiftgasse 19. Hellmann Ludwig, geb. 15. August 1866, Bamberg (Bayern), 8. Bez., Schlösselgasse 11. Hellmann Josefine, geb. Kaufmann,- geb. 28. Januar 1674. Bamberg (Bayern). 8. Bez., Schlösselgasse 11. Kornißa Stella, geb. 16. Juni. 1884, Warasdin (Kroatien), 7. Bez., Neubaugasse 68. Kraus Franziska, geb. 27. M».il 5£ a. Wien 19: Aez.„Hard«.ä, 3:'. Mauthner Egon, Kaufmann, geb. 1. Januar 1887, Wien, 7. Bez., Westbahnstraße 7. v - Meitner Walther, Stüdent, geb. 15. März 1891, Wien, 3. Bez., Hauptstraße 1. Patek Robert, Stud. med., geb. 6. Februar 1896, Wien,, derzeit eingerückt, k. u. k. Reserveleutnant. Plonitz .Theodor, Klavierschulinhaber, geb. 24. November 1860, Wien, 2. Bez., Wolmuthstraße' 33. Rudinger Josesine, geb. 26. Februar 1895, Pilsen, 9. Bez., Berggasse 29. Steiner Adalbert, Stüdent, geb. 29. Dezember. 1901, Wien, 7. Bez., Lerchenfelderstraße 113. . Steine Jakob, geb. Mai l*87r2Bir.u2; Bor.. Zirkn-5g-fse9 Steiner Stefan, Student, geb'. 30. Mai 1900, Budapest.. 7. Bez., Lerchenfelderstraße 173. W l o d a w e r Nehemiasch, Hochschüler, geb. 8. Januar 1891, Warschau, 11. Bez.» Kopalgasse 34. W u r m s e r Mar, Fabrikant, geb. 19. Oktober 1873, Mannheim, 12. Bez., Zeüsgasse 9. Wiedereintritt in das Judentum. Witt in a tz.e r Max, XlV., Ullmannstraße 7. Linz. Samstag, fceit 28. April 1917 j in bet im Vortragssaale des Kausmännischen Vereiushauses (Zugang voll der Landstraße), präzise 8V2 Uhr abends, ein Vortrag des Herrn Dr. Mgx Präger (Wien) über „Moderne ostjüdische Dichtung" statt. Professor Doktor Jalub Tauber s. A. In Mährisch-Ostrau ist Professor Dr. Jakob Tauber, Oberrabbiner i. R„ Ritter des Franz Josef-Ordens jc., im 76. Lebensjahre verschieden. Derselbe wurde in einem vom Kultusvorstande der Gemeinde Mährisch-Ostrau gewidmeten Ehrengrabe unter großer Beteiligung der Gemeinde Mährisch-Ostrau sowie in Anwesenheit von Deputationen der Gemeinden Leipnik, Prerar, Freistadt in Schlesien und Oderberg beerdigt.. Die rituellen Gesänge wurden durch Herrn Oberkantor Löwy und Kantor Kläger in ergreifender Weise vorgetragen. Namens der Familie hielt der Schwiegersohn des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. Jakob Spira^. (Mährisch-Ostrau). dem Verewigten einen warmen Nachruf. In Vertretung der Gemeinde Leipnik,! deren Stolz Professor Dr. Tauber war, sprach Rabbiner Dr. Hille!, für den Möhr.- i-chles. Nabbineroerband, dessen Gründung ein Werk des Verstorbenen war, Herr Rabbiner Dr. Friediger (Oderberg). Mit Professor Dr. Tauberschied ein Gelehrter aus dem Leben, der sich durch hervorragendes Wissen auszeichnete und während seiner 45 jährigen Amtstätigkeit viele Generationen Schülers heranzog, die stets mit Liebe an ihm hingen; ein Mann, mit lauterem Charakter, der den Idealen seines Berufes stets treu blieb. Professor Dr. Tauber entstammte der altehrwürdigeiW Gemeinde Leipnift wo er bei den dortigen ausgezeichneten Lehrern,^ gründlichen Unterricht in Bibel und Talmud genoß. Nach Absolvierung der theologischen Studien am Seminar in Breslau sowie der Untocrsitätsstüdien. au den Univeftitülen Wien und Prag wirkte er durch mehr-als 10 Jahre in der angesehenen Gemeinde Eibenschitz,- ° die ihm auch das Ehrenbürgerrecht verlieh. Nach fünfjähriger Tätigkeit in der Gemeinde Brüx wurde er zum Rabbiner der Ge--,... meinde Prerau gewählt, wo er fast drei Dezennien das Amt des,) Seelsorgers versah. Seiner Feder entstammen zahlreiche Abhandlungen «.llariunln1«, exegetischen und geschichtlichen Inhaltes, die. sich in der Gelehrtenwelt- Ansehens erfreuten. Er war korrespon-; dierendes Mitglied mehrerer gelehrter Körperschaften. ~ Aus Prag lvird uns geschrieben: Am 26 b. M. begeht der Verwalter bes israelitischen Friedhofes iit Prag, Herr Mathias Kisch, abwesend von-seinem Hause, den 70. Geburtstag und zugleich den 25. Jahrestag seiner Amtstätigkeit. Herr Mathias Kisch war in.früheren Jahren ein ständiger Mitarbeiter der „Oesterr. Wochenschrift", desseir Feuilletons und Erzählungen gerne gelesen wurden und vielen Llbonnenlen der „Wochenschrift" noch in besriedigender Erinnerung sind. Mathias Kisch war ein Schüler der. verstorbenen Lekwren Maier F r i e d m a nn, Eisig Hirsch Weiß und verkehrle in Freundschaft mit den Dichtern Seligmann Heller und Ludwig August Frankl. Er redigierte lange Zeit die „Deutsche Knnstnnd Musikzeitung" und „Die Post", schrieb Feuilletons für die meisten Journale, Fach- und Zeitschriften. Seine Romane, Novellen und Ghettogeschichten wurden.wiederholt gedruckt und in den meisten Kultursprachen übersetzt. Er besuchte alle 'europäischen berühmten Bibliotheken, kopierte sich; besonders in Parma, Vatikan und Bodleana mehrere seltene Handschriften und sammelte, sich eine in Fachkreisen sehr geschätzte Bibliothek von etwa 6000 Bänden Orientallen, die viele alte und seltene Handschriften, Inkunabeln und Erstdrucke enthält. Mit üngeschwächter Kraft versieht er sein schweres und veranttoortungDvolles Amt und arbeitet zugleich seit -mehr als zwanzig Jahren aneine orientalische Bibliographie» die bald der Vollendung entgegensieht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.