Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. IG T-r. Bloch's Wochenschrift Seite 265 per Herrmmm 10.—; Karneol 10.—; D. S. 3.40; TorHyner 6.-; Arnik 5.—; Ramras 5.—; Frau Feldstein 4.—; Großmann 2.—; zusammen Kr. 340.40. Insgesamt Kr. 969.40. Spenden für den Verein werden entgegengenommen von unserem Kassier Herrn Jsak Weißmann, 2. Bez., Taborstraße 50. und von unserem Obmann Herrn Jakob Marz, 1. Bez., Augustengasse 1. in bar oder durch Posterlagschein 106,316. Ungeachtet der bekannten Knappheit an Mazzoth und Eemüffhat der Verein in den neun Pessachtagen 5400 Portionen an arme, kranke Flüchtlinge, vorwiegend an.Soldaten, unentgeltlich verteilt (gegen 6000 Portionen im Vorjahre, wo an nichts mangelte). Der besonders regen Tätigkeit unserer Komiteedame Frau Ernestine März sowie der Rührigkeit der übrigen Damen und Herren des Vorstandes hat es der Verein zu verdanken, die Mittel aufgebracht zu haben, uni die Ausspeisung während der- Feiertage auf bekannter Höhe zu halten, so daß die Speisenden sowohl in bezug auf Qualität und Güte der Speisen als auch in bezug der Servierung und Darreichung derselben vollkommen befriedigt das Lokal verließen. TMkeMlndgebmtg. Dem Feldrabbiner Herrn Dr. Adolf Altmann aus Meran wird in einer Zuschrift an die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" „Im Namen von vielen hunderten, ja vielleicht tausenden Soldaten" der heiße Dank ausgesprochen für alle Mühe, die er sich während «der Pessachfeiertage auferlegt hat, um seine betreuten Soldaten, man kann fast sagen, reichlich, mit Maroth zu versehen und ihnen die Möglichkeit zu beschaffen; die Feiertage rituell zu verbringen. Von unschätzbarem Werte war für uns Soldaten der Höchstkommandobefehl in betreff der Pessachfeiertage, den Herr Feldrabbiner Dr. Altmann für uns erwirkte. Es war in demselben allem und jedem Rechnung getragen," was selbst der streng, religiöseste Soldat im dritten Kriegs-Pessach im engsten Kriegsgebiete sich nur denken und wünschen konnte, so daß es nicht bloß in Meran, sondern an vielen Orten der Etappe und des Frontraumes möglich gewesen ist, nicht bloß Mazzoth. sondern auch ganze rituelle Kost zu haben und Gottesdienste abzuhalten rc. Dank sei allen guten Menschen und Brüdern, die unserem Herrn Feldrabbiner zu seinen Leistungen hilfreich die Hand geboten haben. Hiebei sei auch des frommen Hotelbesitzers Herrn Be ermann und .Frau in Meran nicht vergessen, in dessen herrlichen Räumen die vorzügliche Ausspeisung an allen neun Festtagen stattsand. _ Herzliche Bitte! Me Hilfsaktion ^.Bekleidungszentrale" und ..Auslösung verpfändeter Kleider", die es sich Zur Aufgabe stellt, die notleidende Bevölkerung Wiens mit den unentbehrlichsten Bekleidungsstücken zu versehen, benötigt für ihre Bekleidungsstube dringendst einige versperrbar eWchr>äit ke oder Schub lad ek ä st e n. Da die Bekleidungsstube eine durch' die Kriegslage geschasfene, vorübergehende Aktion ist und das Geld der Armen nicht für Einrichtungsgegenstände verwendet werden soll, werden private Haushaltungen oder Geschäftsleute herzlichst gebeten, die Bestrebungelt der Hilfsaktion durch, gütige leihweise Ueberlassung von Küsten zu unterstützen. Geneigte Antworten sind erbeten unter Telephonnummer 21.094 bei der Vorsitzenden Sofie Grün seid, 9. Bezirk, Porzellangasse 4. _ E. M. Liliens Palästinavortrag. Am 13. April hielt in der „Urania" der bekannte „schwarz-weiße" Mbelillustrator E. M. Lilien einen Vortrag über das Land der Bibel, uirserer Urheimat Palästina, der bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck zurückließ. Lilien ist nicht bloß ein Künstler, sondern auch Archeolog und ein großer Kenner der jüdischen Vergangenheit. In seinem Vortrag sprach er, von den verborgensten Schönheiten und den Vergangenheitsmonumenten der „hochigebauten" Stadt Jerusalem!, schilderte ihre Tempel und historischen Stätten, führte uns an die Klagemauer und zur Zionsburg und wies auf' die alte jüdische Kunst hin, auf die plastischen Denkmüler wie auf die alte Tempelmusik und leitete uns darm von der jüdischen zur christlichen Welt Palästinas hin. Stärker jedoch als sein Wort, das von Schwerfälligkeit nicht frei war, wirkten die begleitenden Bilder, die nicht nur vom' heiligen Land, sondern auch von der künstlerischen Art Liliens uns Wesentliches anssagten. Das Publikum ließ Wort und Bild aus sich, einwirken und dankte dem Vortragenden in herzlichster Weise. Der Vortrag fand im Rahmen des Klubs ehemaliger 21 er Jäger zu wohltätigem Zwecke statt. — Leider war der Vortrag auf eine Stunde angesetzt, zu welcher unsere Glaubensgenossen den Feiertagsgottesdienst abhielten, so daß diese unliebsamerweise verhindert waren, an dem Vortrag teilzunehmen. Wien. Anläßlich des Jahrestages der Thronbesteigung Seiner Majestät des Sultan Mehemed V- Gahzi findet im türkisch>-lsraelitischen TemSpel, Wien, 2. Bezirk. Zirkusgasse 22 um halb 12 Uhr vormittags ein Festgottesdienst statt. Wien. Die Jahresversammlung des Vereines „Zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender" findet Mittwoch, am 2. Mai, 7 Uhr abends, 9. Bezirk, Universitätsstraße 4statt. Ter Elternverein „Pestalozzi" Wien, 2. Bez., Große Sperkgafse 32—34 erhält zwei Kinder-Speisehalle», durch welche täglich 1000 Kinder warmes Frühstück, Mittagmahl und Nachtmahl erhalten, eine Kinderlesehalle. eine Kinderbeschäftigungsanstalt, einen Jugendspiekplatz. eine Ferienkolonie. Cr sorgt für die Bekleidung und Beschuhung armer Schulkinder. In finanzieller Not erbittet sich der Verein die Unterstützung edler Kindersreunde, um seine Werke weiter fortführen zu können. Heinrich Herrnfeld. Ihm gebührt ein Wort rühmlichen Gedenkens auch in diesem jüdischen Blatte, das er so gerne gelesen hat. Nicht ohne Wehmut sei es von Freundeshand geschrieben. Sie nennen ihn einen Veteran der Wiener Publizistik; seit seiner Jugend Journalist, ist er an der schwelle des 80. Lebensjahres dahingeschieden. Ein Nikolsburger Kind, entsproßte er einem frommen Hause; sein Vater war nachmals durch viele Jahre ein Funktionär unserer Gemeinde und ihrer Ehewra-Kadischa. , Von dort empfing er seinen frommen Sinn und seine Anhänglichkeit für jüdisches Wesen und Leben, die er unentwegt und treu bewahrte, , ausgeftaltet mit einem erheblichen Schatze talmudischen Wissens und gründlicher Vertrautheit mit jüdischem Schrifttum. Dazu ein ansehnlicher Fonds universeller, klassischer - Bildung, so daß er als kenntnisreicher und erfahrener Schriftsteller und als gewandter, schöngeistiger Gesellschafter geschätzt war. Von seinen Erfolgen zu erzählen, machte ihm Freude und bot dem Zuhörer reinen Genuß. Sein ausdruckvolles Gesicht strahlte, wenn er von dem Schwünge einzelner Arbeiten sprach, so von Aufsätzen, mit denen er die Eröffnung der Wiener Weltausstellung begrüßte, die schwarzen Merktage des Krachjahres beklagte, volkswirtschaftliche Begebenheiten erläuterte und zumal alljährlich den' Beginn der Ernte verherrlichte. Als Publizist genoß er das Vertrauen hoher Stellen und vielvermögender Kreise. Seine kundige Feder und sein geistvolles Wort brachte Leben und Fluß in den trockenen Stoff; er würzte ihn mit seiner scharfen Dialektik und munteren Laune, vertiefte ihn durch die Früchte emsiger Belesenheit und schmückte ihn mit treffenden Gleichnissen. Er verstand es. seinen Themen humorvolle Lichter .aufzusetzen, die auch seiner fesselnden Gesprächigkeit ihre Farbe liehen. Trotz mancherlei körperlicher jGebreste, die ihn befallen halten, war er von echter Daseinsfreude und Lebenslust erfüllt, in die sich freilich auch die Träne des Schmerzes mischte, wenn er von seinem „Franzel" sprach, der als einziges Kind die Sonne seines Familienkreises. war, die jedoch in jungen Jahren unter einer tückischen Krankheit jäh verglomm. Geistige Frische, gepaart mit' einem unfehlbaren Gedächtnis. volle Interessiertheit an allen Begebenheiten des Krieges, der Politik, des Wirtschaftslebens und des jüdischen Gemeinwesens, hat er, gepflegt und betreut von liebevollen Wesen seiner Umgebung, einen schönen Lebensabend verbracht. Sein Frohsinn blieb ungetrübt und gewiß ist er. in der Todesnacht mit einem heiteren 'Worte zur Ruhe gegangen, aus der er sanft und unversehens zum ewigen Frieden hinübergeschlummert ist.. Ein besonderes Wort aber verdient sein warmfühlendes, echt jüdisches Herz. Seine- Türe stand offen, sein Tisch war gedeckt für alle, die bedürftig waren,- mit vollen Händen hat er seine Gaben gestreut, immer und immer wieder und oft über seine Miittel. Mit den vielen, die um ihn klagen, weil sie einen wackeren und selbstlosen Freund verloren haben, trauert die Schar aller jener, von denen der Wohltäter trotz, seiner hohen Jahre viel zu ftüh gegangen ist; denn ein Heinrich Herrnselb. mit diesem edlen, grundehrlichen Herzen, kommt nicht bald wieder.. Wien, am 24. April 1917. Dr. Heinrich Schreiben