Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Deue 26S lti Dr. BloH's WoOentlhrift" Das Aast wurde durch eine gerührt gesprochene und Rührung erzeugende Festrede des Professors Dr. Jahuda eingeleitet, in der er seine Zuhörer zu festem Zusammenhalten aneiserte. Alle acht Chanukkatage kamen die Mitglieder der Madrider jüdischen Kolonie im Bethause zusammen und an einem der Abende, als die Chanukralichllein augezündel waren, erhob sich Dr. Max Nord au, der nach Ausbruch des Krieges unter großen Fährlichkeilen aus Paris flüchtete und sich in Madrid niederließ, und hielt eine mit Begeisterung aufgenommene Festrede über die Wichtigkeit, den moralischen und feierlichen .Inhalt sämtlicher jüdischer Feiertage, loobei er den hohen sittlichen Wert des Jom-Kippnrsestes ganz besonders würdigte. Im Zusammenhänge mit den weltgeschichtlichen Ereignis, en, deren Andeuten das Chanulkafest geweiht ist, setzte er eindrucksvoll jene großen Grundsätze auseinander, deren Verwirklichung unsere Geschichte bildet, deren unerscht'uterliche Anhänger und Märtyrer wir bis auf den Heuligen Tag gewesen sind. Er gab. seiner Hoffnung Ausdruck, daß das kleine, bescheidene Licht des Judentums niemals verlöschen,, sondern ununterbrochen brennen und leuchten werde, genährt aus dem unerschöpflichen Oelkrüglein unserer geistigen Traditionen, bis die Zeit wiederkehren werde, da das von uns besessene Palästina von neuem die Rolle des Lichtspenders übernehmen wird, der seine Lichterftrahlen über das gesamte Judentunr verbreitet. Louis Marshall übex jüdische Emigration und amerikanische Juden. Gelegentlich eines Interviews, welches Herr Louis Marshall als Präsident des Temple Emauuel kürzlich gewährte, wurde er gebeten, seine Ansichten über den Zionismus anszudrücken. Herr Marshall erlviderle: „Ich war nie und bin auch jetzt kein Antizionist. Ich - habe mich niemals feindlich gegen diese Bewegung geäußert. Im Gegenteil, des öfteren habe ich sogar zu ihren Gunsten gesprochen. Bor etwa 8 oder 9 Jahren schrieb ich einen Artikel im „American Jsraelite", wo ich mich mit Herrn Schiff über einige von ihm geäußerte Anschauungen zu dieser Frage auseinandersetzte. Es gibt ja soviele Schattierungen des Zionismus, daß sogar die Zionisten selbst nicht einmal untereinander irr allen Fragen übereinstimmen. Gleich ~ dem verstorbenen Dr. Sch echte r, hatte ich von jeher die größten Sympathien für den kulturellen Zionisnrus von Ach ad Haam und Dnbno.w und war interessiert an der Schaffung eines' geistigen Zentrums in Palästina. Meine Stellungnahme dem Zionismus gegenüber habe ich übrigens nicht nur in Worten, sondern auch in Taten ausgedrückt. Ich war einer der' Gründer der Indischen Berfuchsflation, die Von Herrn Aaron Aaron so hn zum Zwecke der Entwicklung der agrikulturellen Möglichkeiten m Palästina geschaffen worden ist. Ich' war auch eines der Kuratoriumsmitglieder des Polytechnikums, das durch die Großzügigkeit von Herrn Ä chiff in Haifa errichtet worden ist. Zu der Zeit, als der sogenannte „Sprachenstreit" wegen dieses- Institutes entstand, und als. die deutschere Mitglieder des Kuratoriums danach strebten. Hebräisch als Unterrichtssprache beiseite zu schieben, nahm ich. eilten entschiedeneren Standpunkt zugunsten der Behauptung des Hebräischen dein, und späterhin, als. Schritte unternommen wurden, mit .über das Eigentum des Polytechnikums zu verfügen und es für den .„Hilfsverein der deutschen Juden" zu erwerben, da sparte ich nicht mit meiner Kritik an denen, die für diese Aktion verantwortlich waren. Es ist richtig,-daß ich niemals derzionistischen Organisation beigetreten bin. Für mich ist das Judentum' als Religion das höchste. Die Tatsache, daß unser Volk der Welt die Bibel und den Gedanken des Monotheismus gegeben hat, ist seirr großes Verdienst und hat chm für Die Ewigkeit die Welt verpflichtet. Die Kultivierung dieses geistigen Geschenkes, die Erhaltung jüdi,cher Ideale war und soll auch weiterhin unsere Mission sein." Herr Marshall war besonders verletzt, daß man ihn einert Asfimilanlen gertannt hat. Er sagte: „Ist jemand, der mtt und unter feinem Volke lebte und nie müde wurde, für die Sache des Judentums zrt arbeitert, als Assimilanr zu betrachten? Ist jemand, oer feiner Religion, den Traditionen seines Glaubens» der Geschichte seines Volles die Treue bewahrt hat, mit dem Begriffe Assimilartt zu bezeichnen?" Bezüglich der Emigrations-Bill, die der Kongreß gerade jetzt angenommen hat, erklärte Herr Marshall, daß er zufrieden fei» daß das angenommene Gesetz, trotz des bemängelten Verlangens des Bildungsnachwetfes, günstiger sei, soweit Juden in Betracht kommen als alle früheren. „Ich bin gar nicht peßimistisch mit Bezug aus das amerikanische Judentum." fetzte Herr Marsh all fort. „Im Gegenteil, ich freue mich, konstatieren zn körtnen, daß die amerikanische Judenyeit von Jahr zu Jahr jüdischer rvird. Amerika wird das große jndifche Zentrum. Hier haben wir jüdische-Bibliotheken, Seminare, Jeschiboths und urtsere eigene Literatur. Wir haben die jüdische Ertcyclopädie geschaffen. Wir sind jetzt dabtzi, die jüdischen Klassiker ins Englische zu übersetzen und wir haben eine Jüdisch-Historische Gesellschaft, Berlagsgesellfchaften und ähnliche Jrtstinrtionen begründet. Jüdisches Leben rvird in jedem Winkel '.der Vereinigten Staaten gepflegt. Das jüdische Selbstbewußlsein ist mehr und mehr geweckt worden. An dieser Neubelebung haben ohne Zweifel die Zionisten tätigen Anteil gehabt." Wegen des jüdischen Kongresses drückte Herr Mars hall die feste Hoffnung aus, „daß wir einmütig handeln rverden". „Für meinen Teil," sagte er,- „werde ich. komme, was kommen mag, alles tun/, was in meiner Macht liegt, um in den Ländern, wo die Juden noch im Exil find, für die Emanzipation zu arbeiten/' IPermtscbtes. Dortrag von Rabbiner Dr. Grumvald in der Urania Mer ,-JMMes Volksleben". Mittlvoch, den 2. Mai, halb 8 Uhr abends hält Dr. Max Grunwald im großen Saal der Urania über „Jüdisches Volksleben" (Geburt, Hochzeit. Tod) einen Vortrag, der in das Verständnis der jüdischen Sitten und Bräuche einführen soll. Eintri«.tskar>.en im Vorverkauf (Uraniagebände) und an der Abendkasse. Zuschriften aus dem Publikum. An das ehrwürdige Rabbinat Wien. * Infolge Einführung der Sommerzeit werden die Gebetstunden an Freitag- und Samstagabenden in den Wiener Gotteshäusern, wenn nach dem bisherigen Schema verfahren wird, zu so später Stunde angesetzt, datz schon nach einigen Wochen der Beginn um 9 Uhr und das Ende gegen oder gar erst nach 10 Uhr abends erfolgen kann. Da nun viele Tempelbesucher, sei es aus persönlichen Gründen oder aus Rücksicht für die Familie, zu so später Stunde dem Gottesdienste fern bleiben müssen, gestatte ich mir, die Anregung zu geben, den Gottesdienst am Freitagabend, eventuell auch am Samstagabend einheitlich für 7 Uhr festzusetzen. Jenen Strenggläubigen, welche den Sabbat von Dämmerung bis Dämmerung halten wollen, bleibt es ja unbenommen^ auch