Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 862 Nr. 16 Dr. Blo'ch'ä an: Pessach geöffnet hat und in der einige hundert. Personen für wenig Geld ein gutes koscheres Esset: erhalten können. , ' Pessach in GefmMnschast in Taschkent. Ich war zirka 19 Monate in russischer Gefangenschaft in Taschkent und habe somit alle jüdische:: Feiertage in Gefangenschaft'durchlebt. Nachdem wir jetzt vor Ostern stehen, will ich. meinen Glaubensgenossen so manches über das Leben'der'jüdischen Gefangenen an den vorjährigen Ostern in Taschkent u:itteilen. Die wenigen' Juden, die in Taschkent wohnen dürfen, sorgten dafür, daß die Militärbehörden die jüdischen Gefangenen für die ganzen acht Osterfeiertage von der Arbeit befreiten und gestatteten, das: dieselben täglich in die Synagoge gehen dursten.' Ein spezielles, großes Lokal mit langen Tischen und" Bänken ist seitens der dortigen Juden den jüdischen Gefangenen zur Verfügung gestellt worden. Neben diesem Lokal befand sich auch ein großer Garten, wo eine' Küche aufgestellt war. Schon am „Erew Pessach" nachmittags, war in allen Kasernen, wo sich Gefangene befanden, der Befehl vom „Wojenski Naczalnik" (Militärkomürando) bekanntgegeben worden, daß alle.jüdischen Gefabenen täglich während aller acht Tage in die Stadt zuschicken sind, und so sind alle Juden schon ab „Erew' Pessach", begleitet von russischen Soldaten, täglich von einem speziellen Komitee in Taschkent wohnhafter Juden aufs liebevollste , in den oben erwähnten Lokalitäten empfangen worden. Die jüdischen Gefangenen bekamen Frühstück, MittagNrahl. Jause und Nachtmahl zu voller Sättigung. Es waren- Kartoffeln, Fleisch und Mazzoth in Hülle und Fülle -vorhanden. Auch an großen Portionen Fischen hat es nicht gefehlt. Es haben auch so. manche Nichtjuden (Gefangene) ande:: Mahlzeiten teilgenommen. Selbstverständlich haben wir sie in unserer Mitte gern gesehen und hat ihnen auch an nichts gefehlt. Nach den Mahlzeit«: wurden jüdische Lieder gesungen. Wahrend des ganzen Tages waren von /den dortigen Juden Leute von Ansehen zugegen. Die ganze Wische Intelligenz, hat es sich nicht nehmen lassen, uns zu besuchen, M^usprechen und zu ermutigen. Jeder dortige Jude hat es als seine Pflicht betrachtet, dem-Komitee größere Spenden znzuwend«:. Ich erinnere mich an einen Herrn, der gezwungen war, sich seines Judentums aus MchäUichen Gründen zu entsagen und jetzt evangelische sein soll, der speziell nachgefragt hat, -wie wir es an den Feiertagen haben, und als er vom Komitee näheres horte, spendete er 150 Rubel. Solcher .Spenden war«: viele, denn das Komitee hatte nachmeiner Schscchung mit 800—1000 Gefangenen zu rechnen, die ’ in Taschkent imb Umgebung waren. Nicht nur für die in. Taschkent sich? befindlichen jüdischen Gefangenen ist gesorgt Worten, man hat auch an die nicht vergessen, die in der Umgebung waren und nicht in. die Stadt kommen konnten. So z. B. ist nach? Treicko (ca. 30 Kilometer von Taschkent entfernt) von allem geschickt worden: Mazzoth, Kartoffeln, Fleisch. Schmalz und sogar Holz und Geschirr. Die Militärbehörden waren diesbezüglich sehr entgegenkommend. Drei jüdische Gefangene bekamen Erlaubnis, nach Taschkent von Troicka zu fahren, um: sich, was nötig, zu besorgen. Statt der Verpflegung, die das GesangenenkcnnNmndo an diesen acht Tagen zu - gebet: hatte, ist nach einer gewissen Berechnung den Gefangenen bares Geld ausbezahlr worden. - Für den letzten 9lbe::d, an den:' nian schon ..Chumez" essen darf, war von einer dortigen Dante ein Nachtmahl gespendet worden. Die betreffende. Dame, deren Söhne die ersten Aerzte in Taschkent und Besitzer eines großen Wochenschrift" Sanatoriums sind und unbeschreiblich viel für ihre verbannten Brüder getan haben, ist Besitzerin einer großen Konditorei, und man kann sich denken, daß dieses Nachtmahl mit vielen: Backwerk nicht schlecht war. Nicht anders toar es an den übrigen Feiertagen. Wer Geldunterstützung haben wollte, ist auch nicht mit leeren Händen davongegangen. Wenn ich alles aufzählen wollte, was die dortig«: Juden für ihre in Gefangenschaft befindlichen Brüder getan haben, dam: wäre ein ganzes Buch zu schreiben. Doch ist noch nicht die Zeit hiefür. Auch die Namen, dieser Wohltäter dürfen vorläufig nicht genannt werden. Schon heute kam: ich ruhig behaupten, daß viele von denen, die. zurückkommen werden, es den russischen Juden zu danken haben, daß sie an: Leben bliebe::. Ich bin auf . der Rückreise mit gefangenen Juden, die in verschiedenen Teilen Rußlands untergebracht waren, znsamtnengekoinmen. Nur' Lob konnte ich hören. Als ich dort war, glaubte ich, daß sicher in der Heimat die jüdischen russisch«: Gefangenen es nicht anders haben; wie sollte ich anderes von mein«: Brüdern in der Heimat erwarten? Und jetzt. . .? __ Isaak Blech. Dr. Max Nordau als Kanzelredner. In: Jahre 1492 wurden die Juden aus Spanien vertrieben und jetzt, nach? mehr als 400 jähriger Panse, beginnt nach einer Meldung des Londoner „Jewich Chronicle" wieder neues Mischies Leben' in Spanien. Eigentlich gibt es in: gewissen Sinne schon seit langem jüdisches Leben in Spanien, aber nur unbemerkt,' sozusagen im geheim«:. In Sevilla existiert schon eir:e von marokkanischen Juden gegründete Religionsgemeinde, auch in Barcelona besteht, eine und jetzt ist auch in /Madrid eine Judengemeinde im/Entstehen begriffen-. Die Madrider jüdische Kolonie sieht einer groß«: Zukunft entgegen schon deshalb, weil sie auf dent Gebiete der Hauptstadt , tätig ist und auch' ausden: .Grunde, weil an der Madrider Universität die jüdische Literatur als ordentlicher Lehrgegenstand .borgetragen wird und diese Lehrkanzel durch einen begeisterten und organisatorisch außerordentlich begabt«: Mann, Dr. J e h'up a, besetzt ist. Der Gründer der Madrider jüdisch«: Kolonie ist ein französischer Jude /.namens Albert S al ve d o, der seit dreißig Jahren gemeinsam mit dem in Madrid wohnhaften. aus Gibraltar. stanftNenden F a r a ch e zu den hohen Feiertagen ein Minjan zu veranstalten pflegt. Fa rache gelang es, mit Unterstützung des wegen seiner Aktion zur Repatriierung; der spanisch«: Jude:: auch in Europa bekannten Senators Dr. Pu l: d o und des Publizist«: Rafael Asse n z durchzusetzen, daß Dr? I a huda an die Madrider Universität berufen wurde, welcher es als seine Pflich t an sah , den Boden für die Gründung einer jüdisch«: Gemeinde in Madrid vorzubereiten. Es ist interessant, daß an den Verflossenen Rosch-haschonohnnd Jom-Kippnrsesttagen die Funktionen versehen wurden: von einem Bayoner Advokaten, den:' bereits ertvähuten Fa r ache, und . dem! Direktor der Salonikier Handelsschule Al cheli. Ein Hörer des. Pariser Räbbmerseminars fungierte als Sch osarbläser. Die uralt«: synagogal«: Gesänge wurden also, während der/hetzten hohen Feiertage in Madrid von Männern rezitiert, der«: Vorväter auf spanischen: Boden gelebt haben. Dieser Gottesdienst zeitigte auch das Ergebnis, daß die zur Gründung der Religionsgemeinde notwendig«: Mittelgesanunelt wurden und das Chanukkafest schon vor größeren: Publikum gefeiert werden konnte. Seit 425 Jahren erklangen in Madrid zun: erstentüal die Gebete und Gesänge, welche die Heiligkeit der Chanukkkalichtlein und ihre geschichtliche' Bedeutung künden.