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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-27 · 16 (27.4.1917) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
16 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 260 Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift nötiger bedürfen als sonst, Hot unsere Vorsitzende sich auf die Suche nach einem neuen Auskunftsmittel begeben. Auf dieser RekogNosziernngsfahrt, die sie zunächst nach Ungarn lenkte, gelang es ihr, in der Metropole Ungarns hilfreiches Entgegenkominlen und warme, opferfreudige Anteilnahme für die Bedürftigen unserer an Lebensmitteln ärmeren Reichshälfte zu finden. Der Pester israelitische Ferienkolonienvereür wird in großmütiger Weise einer größeren Anzahl unserer Schützlinge liebevolle Aufnahme in einem feiner' ungarischen Sommerheime gewähren. Näheren Aufschluß über die herzliche Gesinnung, welche der Anregung unserer Vorsitzenden, eine Verbrüderung der ungarischen und österreichischen Schulkinder herbeizufüHren, entgegengebracht wurde, geht aus dem Briefe des Vizepräsidenten des Pester Ferienkolonienvereines hervor, den wir seines interessanten Inhaltes wegen folgen lassen: Ihrer Wohlgeboren Frau Sofie Grünfeld, Präsidentin des Kaiser Franz Jofefs-FerienheiM, Wien. Hochgeehrte Frau Präsidentin! Wohl hatte ich' die Ehre, Ihnen schon gestern abends nach Schluß der Sitzung des „Pester Israel. Ferienkolonienvereines" Mündlich! zu danken, allein unter dem begeisternden Eindrücke Ihres daselbst gehörten, Vortrages und eingedenk des lateinischen Spruches „Das'Wort verfliegt, - der Buchstabe bleibt," fühle ich das Herzensbedürfnis, auch, auf schriftlichem Wege Ihnen meinen Dank auszusprechen für die Wmß- und lehrreiche Stunde, welche Sie uns allen durchs Ihr Erscheinen und durch Ihre wahrhaft menschenfreundlichen Euunziationen, die in Ihren reichen Erfahrungen Quell und Ursprung finden, meinen tiefempfundenen Dank auszusprechen. Das alte Wahrwort unserer Weisen: „Worte, die vom Herzen klingen^ Werden stets zum Herzen dringen", sind mir noch niemals so lebhaft erschienen als gestern, da ich d ie erhabenen Worte echter, jüdischer Menschenliebe von Ihren Lippen vernahm. Und diese Worte drangen uns zürn Herzen, auf dessen Grunde sie einen empfänglichen und fruchtbaren Boden gefunden haben sollen. Auf dem Monumdnte, welches wie dankbare, ungarische Nation dem „Weisen des Landes" Franz Deak errichtet hat, befindet sich eine allegorische Gruppe, in der sich! ein österreichischer und ein ungarischer Knabe brüderlich die Hände reichen. Diese Gruppe versinnbildlicht den Ausgleich und die Verbrüderung der Länder der -Monarchie. Die Gruppe ist dort in stummen, starren Erz gegossen. Wir aber wollen bestrebt sein, diese Gruppe durch ein lebendiges Bild darzustellen, indem wir einer Anzahl Ihrer schutzbeWlenen, armen, schwachen Kinder in unserer Ferienkolonie in Diesjenö pin trautes Sommer- Heim und gastliche Ausnahme bieten werden. Ihnen aber, gnädige Frau, die Sie sich' der Armen mrd Dürftigen unseres Volkes in dieser schweren und bitteren Zeit des Weltkrieges in solch hochherziger Weise annehmen, danke ich aus ganzem Heiden und voller Seele dafür, daß Sie zu dem' Herrlich schönen Gedanken ür unserer gestrigen Sitzung in solch elequenter Weise die Anregung gaben. Mit vorzüglicher Hochachtung und ehrerbietigem Handkusse ergebenst Arnold Kohn, ° Vizepräsident des Pester isr. Ferienkolonienvereines. Verein Kinderheim'. Der Verein Kinderheim zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, schwache und rekonvaleszente Kinder jüdischer Konfession hielt anr 28. März d. I. im Restaurant Tonello seine neunzehnte ordentliche Generalversammlung ab, zu welcher ’ Herr Kultusvorsteher Dr. Samuely in Vertretung des Wiener Knltusvorstandes, die Damen Frau Direktor Krenberger, Frau Franziska Biermann und Frau Bernfeld als Delegierte des Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsvereines und Herr Karl Freund als Vertreter der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen mrd als Delegierter der Kinderhorte, ferner Herr Amtsleiter Krauß für das Wohltätigkertsamt der Kultusgemeinde erschienen waren. Ihr Fernbleiben hatten entschuldigt Herr Primararzt Dr. Ludwig Stricker, Frau Direktor U l l M an n des Mädchen-Unterstützungsvereines und Herr Dir. Löw y als Leiter der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen. In Verhinderung des Präsidenten Herrn Moriz E i ßl e r eröffnete der 1. Vizepräsident Herr Emil K e l e t i die Versammlung und begrüßte in herzlichster Weise die erschienenen Delegierten, Gäste und Mitglieder, unter welchen sich auch zahlreiche Damen befanden. Der Vorsitzende gab sodann der tiefen Trauer über das Hinschei- . den weil. Sr. .Majestät Kaiser Franz Josef Ausdruck, dessen 'Regierungszeit dem Vaterlande, allen seinen. Staatsbürgern und insbesondere uns Juden eine Periode freier - und fortschrittlicher Entwicklung brachte. Redner gedachte insbesondere des warmen Interesses, welches der verblichene Monarch jederzeit der Fürsorge für das Kind entgegengebracht habe mrd welche ihn bestimmte, bei alten Festlichkeiten dem Wunsche Ausdruck >zu geben, daß der beabsichtigte Aufwand.für ihm zugedachte Ehrungen der . Kmhersürsorge zugeWrt. werde. Aber >-auch fein - jugendlicher Nachfolger Kaiser Karl I. und seine erlauchte Gemahlin Kaiserin Zita haben sich voll tiefem Verständnis für alle sozialen Probleme erfüllt gezeigt und ihre dankerrswertc Förderung allen auf das Wohl der Kinder gerichteten Bestrebungen zugewendet. Wir freuen rrrrs unseres jungen Kaisers und bringen ihm intb seiner' edlen Gemahlin den Zoll unserer begeisterten Hnldigrmg dar. Die Versammlung hatte sich während dieser patriotischen Kundgebung von ihren Sitzen erhoben. . Der Vorsitzende widmete sodann den: Andenken des int Berichtsjahre verstorbenen verdimstvotlen Vorstandsmitgliedes Herrn Jakob' D e u t s ch und dem auf der Höhe seines menschenfreundlichen Wirkens dahingerafften Herrn Heinrich Men dl, der noch der vorjährigen Generalversammlung des Vereines altgewohnt hat, Worte innigsten Gedenkens. Dem hierauf zur Verlesung gelangten Jahresberichte ist zu entnehmen, daß der Verein trotz der großen Schwierigkeiten, welche im dritten.Kriegsjahre der Aufnahme, Verpflegung und Heilung eurer größeren Anzahl kranker Kinder entgegenstanderr, 68 Kinder, d. i. um 20 mehr .als int! Jahre 1915, verpflegen und der Heilung znführen konnte. Die Mehrzahl dieser Kinder, litt an schweren konstitutionellen Erkrankungen. Von denselben wurden 39 durch den Aufenthalt im Anstaltsheim zu Laa bei Neulengbach voltkornnren geheilt und 17 bedeutend' gebessert, wiährend 12 noch weiterhin in Behandlung verblieben. Diese erfreulichen.Erfolge sind insbesondere der überaus günstigen klimatischen Lage des Heimes und Wer ausgezeichneten Ernährung zuzuschreiben. Aus dem' eigenen Gutshose der Anstalt wurden den Kindern im Berichtsjahre 9242 Liter Milch im Werte von K. 2905.— verabreicht und so gelang es, das Kinderheim von wen während des : letzten Sommers in seinerunmittelbaren Umgebung herrschenden Jnsektionskrankheiten, wie

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