Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift" Seite 259 haben. In einem der alterschwersten Momente, wo es sich darum handelt, Menschen, Juden, und noch dazu gute Juden, den alten Jischub, der einzig dazu geeignet ist, uns einen neuen, verbesserten zu geben, nicht gänzlich verkommen 51t lassen, da nulß alles Philosophieren über Nützlichkeit, Zweckmäßigkeit der Chaluka verstummen, und es ist M. E. heiligste Pflicht eines jeden, der Herz und Gefühl für Menschen,'"'für Juden, für Palästina hat, helfend beizusvringen. Die österr. Hilfslöniilcksfion für Palästina erstrebt momentan nichts mehr, als den Unglücklichsten Mehl. Brot — das Allernotwendigste — §u geben. Bis jetzt gings. noch halbwegs, mut sind die zur Verfüguirg gestellten Mittel erschöpft, und falls uirsere Glaubensbrüder nicht schleunigst neue, ausgiebige Mittel flüssig machen werden, so ist das Allerschlimmste zu befürchten. - Die Lage wird tagtäglich schwerer und unerträglicher. Spenden wird, wie bisher, die österr. Hilfslonunission, W i e n, 2. Bezi r k, F e r d i n a n d s st r a ß e 23, entgegennehmen. Rabb. M. Groß, Seininarlehrer. Ter Nachfolger des Direktors Bram. Als Nachfolger des vor kurzem verstorbenen Direktors der ungarischen Lücken der Südbahngesellschaft Maz: B r a m, dessen Verdienste um das Judentum die „Oesterreichische Wochenschrift" 'eiiwn längeren Aufsatz widmete, wurde, wie aus Budapest berichtet wird, der bisherige Direktorstellvertreter Moritz Breuer gewählt. Direktor Breuer, der den Ruf eines ausgezeichneten Maschinenbanlechnikers genießt, wurde im Jahre 1858 geboren und hat seine Studien irr Budapest und Karlsruhe absolviert. Er steht seit seinem 21. Lebensjahre in den Diensten der Sü-bahngesellschaft. Seine Verdienste fanden wiederholt' die Allerhöchste Anerkennung, Ine Jächre?üZ09.-erhielt er den Titel eines königlichen Rates' und vor nicht langer Zeit wurde er mit' benr 'Offizierskreuzwes Franz Josef-Ordens mit der Kriegsdekoration ausgezeichnet.' Direktor Breuer hat sich um die Steigerung der Leistungsfähigkeit der ungarischen Linien der Südbahn große Verdienste erworben, weshalb feine Beförderung allseits, mit Sympathie aufgenornmen wurde. Der Floridsdorfer Pöbel gegen eine anständige Geschäftsfrau.'"' In.der Vortvoche machte die Besitzerin des Herren- und Damennwdewarenaeschäftes, 21. Bezirk, Schloßhoferstraße 6, Frau Helene inai. eine Tochter des hiesigen, allseits geachteten und beliebten Pferdehändlers Wilhelm Grünwald, die Entdeckung, daß ihr aus der Auslage mehrere Wickelgamaschen in namhaftem Werte entwendet wurden. Sie überwachte daher dieselbe, ohne von der Straße bemerkt zu werden, ertappte dabei einen schulpflichtigen Knaben, welcher bemüht war. das Schloß des Äuslagenfensters mit einem Draht zu öffnen, nahm ihn fest und führte ihn zunächst in ihr Geschäftslokal, / während sie um' einen Wachmann sandte. Der Knabe gestand auf Befragen den früheren Diebstahl der Wickelgamaschen ein. Inzwischen hatte sich der Floridsdörser Pöbel, bestehend .aus Weibern und halbwüchsigen Burschen, eiugefunden, die der Wache auf dem Marktplatz stets so viel zu 'schaffen machen und nahm gegen Frau Sinai in der gemeinsten Weise Stellung. „Do Jüdin sperrt an Christenbuam ein. Sie mißhandelt eah'nr und wer waß. was uacha mit eahnr g'schiacht. Bei dv Jllden kann Ma nia wissen, was mit an Ehristenkind tuan. Außa lassen! Außa lassen!" Diese und ähnliche rohen Ausbrüche flatterten in der Schlößhoferstraße umher, was ja bei der hiesigen Filiale der antisencktischen „Heilslehre" nicht gerade zu verwundern ist. Frau Äinai hielt dem Pöbel wacker stand, bis der Wachmann erschien und den Knaben auf das Kommissariat brachte. Sie hat ihn bei der Festnahme weder unsanft berührt, geschweige denn'mißhandelt oder gar verletzt und daher vollkommen korrekt gehandelt. - Den rabiaten Weibern wäre anzürnten, in Hinkunft derlei Ständchen Wucherern, Preistreibern und Hamsterern darzubringen. Wiener Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsflüchttmge. Die unter der Leitung des Gemeinderates Doktor S ch w a r z - H i ll e r stehande „Gemeinde Wien—Zentralstelle der Fürsorge für Kriegsslüchklinge" gibt soeben ein Handbuch in kleinem, sehr praktischem Format — es ist fast von „Westentaschengröße" — heraus, das alles Wissenswerte über diese anerkannt vorzüglich arbeitende Flüchtlingsbehörde beinhaltet. Vor allem die Tabellen der Sektionen, die Adressen und Sprechstunden der Leiter, die Fernsprechnummern usw. Als Nachschlagebüchlein ist die einfache Schrift gedacht, sie ist aber auch eine Art Tätigkeitsbericht schon durch die Aufzählung der Sektionen allein: Unentgeltlicher Rechtsschutz, Kleiderverteilung, Bahnhofdienst. AÜfbessernngsfonds, Nachsorschnngs- und .Kontrolldienst, Warendepot, Wirtschaftsamt, Kinderheime» Notasyl, Bauabteilnug, Jmpsstation, Bäder,- Nähstuben. Korrespondenz mit Flüchtlingen, Beqnartierungsstation für Evakuierte, Arbeitsvennittlung. kulturelle Angelegenheiten. Schulen (die Ftüchtlingskinder besuchen zum größten Teil öffentliche Schulen in Wien, außerdem dienen für ihren Unterricht eigene Schulknrse, sechs Volksschulen in den Heimen der Zentralstelle und drei Mittelschulen außerhalb derselben, weiter neun Beschäftigungsknrse. Schulgeld und Lehrmittel besorgt die „C. F.", der Unterricht wird in deutscher, polnischer und ukranischer Sprache erteilt), Analphabetenkurse, Repatrierungsabteilung. nsw. Besonders interessant ist eine statistische Znsammenstelluug, der wir entnehmen: Die Höchstzahl der in dem 51a-- tEr der Zentralstelle gleichzeitig verzeichnet gewesenen Flüchtlinge betrug rund> 125.000, während derzeit rund 40.000 Flüchtlinge in Wien sind. Die Ausgaben der Zentralstelle aus Spendengeldern belaufen sich bisher auf 700.000 Kronen, der Parteienverkehr erreichte an einem Tage die Höchstziffer von 7200 Personen, der Postverkehr jene von 10.000 Stück. An Eisenbahnfreikarten wurden ausgegeben: Nach Galizien und in die Bukowina an 24.276 Personen, in Kolonien und Barackenlager an 16.309 Personen, in anderen Ortschaften an 45.389 Personen.. Eine UnsuMme aufreibender Arbeit wurde im „Vermißten"-Bureau geleistet-: Der Posteingang betrug in Stücken 105,061, die Gesamtzahl der Katasterblätter im Vermißtenkataster für die nördlichen Kriegsgebiete 226.790. für die südlichen Kriegsgebiete 10.099. Aber der Erfolg lohnte die Mühe: Nicht weniger als 74.116 Personen wurden im eigenen Wirkungskreis der ,.C. F." gefun-den! Den anstrengenden Dienst in der „C. F." versehen feit Jahr und Tag 26 freiwillige Mitarbeiter, 13 zugeteilte Beamte des Wiener Magistrats^. 2 staatliche Eiseltbahnbeamte und 500 bezahlte .Kräfte, die alle, wie erwähnt, unter der Oberleitung des Gemeinderates Dr. Schwarz-Hiller stehen. Kaiser Franz Josefs-Ferienheim, Wien, 23. April 1917. Nachdein alle unsere Bemühungen zur Erlangung von Lebensmitteln für unsere Ferienkolonien und alle Vorstellungen bei den Aemtern ein negatives Ergebnis hatten, erkannten wir die uns betrübende Tatsache, unsere. Schützlinge in diesem Jahre in unserem Heim in Tischnowitz nicht verpflegen zu können. Da jedoch, in dieser so schweren Zeit unsere unterernährten Kinder der Äandluft und kräftiger Ernährung