Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 16 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022265--25943-3051274- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 16 Seite 258 Dr. Bl och's Wochenschrift" sväter Ln Messynien aus. Dir unwahre Behauptung, daß ich ein getaufter Jude Lin, berührt mich überhaupt nicht und würde mich nichts zur Erwiderung veranlassen. Aber dem -makellosen Andenken meines Sohnes Rudolf schulde ich die folgende Aufklärung. Deshalb stelle ich fest: Rudolf Kaiser de Szentmiklos war nicht bis „ungefähr 1909 Oberleutnant im Dragonerregiment Nr. 5", sondern ist als Oberleutirant dieses Regiments am 8. Oktober 1911 in Togo gestorben, wohin ihn seine Forscher¬ und Jägerleidenschast geführt hatte. Zu dieser Reise Erhielt er einen sechsmonatigen Urlaub vom Kriegsministerium, welches den Urlaub dann abermals um sechs Monate verlängerte. Dieses Dokument der Verlogenheit des Semigotha'möge der reichen Sammlung ähnlicher Zeugnisse einverleibt werden." Kme bescheidene Anftage. - Ganz leise und ganz vornehm, wie es vor einem großen Toten geziemt — schreibt „Egyenlöseg" in seinen letzten „Glossen von der'Woche" — fragen wir: Was wäre geschehen, wenn der Fürst (Fürst heißt im Ungarischen herczeg) Atoritz Herzog geheißen hätte? Wenn Fürst Zrard Moritz Herzog gewesen wäre und der ungarische Staat nicht 35 Millionen, sondern 5 Millionen Ln die Industrieanlagen des Moritz Herzog investiert hätte? Dann wären wir jetzt allesamt urit Kraut beschmiert und man würde von uns sagen: ' Diese Sauerkrautjuden! Wir fragen: Wem fällt es ein, deshalb, weil der Fürst Maut en gros gesäuert hat, alle Herzoge Sauerkrautherzoge zu nennen! Wir fragen: Wem ist es demgegenüber eingefallen, zu bezweifeln, daß jeder Jude ein WLieferungsschwilrdler ist? Das aber fragen wir überhaupt »nicht mehr, ob, wenn zufällig der Armeelieferant Moritz »Herzog in Anwesenheit der Militärkoinmission einen U Selbstmord begeht, ihn vonder Presse ein so schönest und romantisches Totschweigen zuteil würde, wie es Fürst Zvard zuteil geworden? Eine solche Frage werfen wir gar nicht auf. Wir stellen , bloß in Ruhe, ohne Groll und ohne ^Ponvurf fest, daß der Prinz-Armeelieferant selbst als Toter ein besseres Los hatte als' fünfzehn am Lebeü gebliebene und freigesprochene „Lieferungsschwindler". Wir reproduzieren diese Glosse bloß als Stimmungsbild der ungarischen Juden. Aangwik kehrt zum Zionismus zurück. In ainer Rede, die er am 1.- April in einer Versammlung anläßlich der russischen Revolution hielt, sagte Z a mg will: „Durch die Umwälzung in Rußland ist die Judensrage keineswegs gelöst worden. Die Juden werden jetzt als freie Menschen für ihre nationale Befreiung Wnpfen können. Ich hoffe, daß die Freiheit aus die. russischen Juden nicht den Einfluß Haben wird, den sie. auf die Juden Westeuropas hatte, die ihr Judentum verleugneten und nur eine schlechte Kopie ihrer Nachbarn sind." In seinem Schlußwort wies er darauf hin, daß der Augenblick der Verwirklichung des zionistischen _ Ideals sehr günstig sei. „Äh war.", erklärte Z a n g w i l l,- „gegen Palästina, weil ich . die Errichtung eines jüdischen Staates unter türkischer Verwaltung als unmöglich erachtete. (Warunr nicht? D Red.) Jetzt aber, wo Palästina frei und vielleicht an die Juden abgetreten werden wird, bin ichder erste, der den Zionismus mit Wort und Tat unterstützen wird." . " Diese ErWrung Zangwills wurde mit gewaltigen Zustinrnmngsfnndgebungen begrüßt, die einige Minuten anhielten. ' v Kalo Kahn. Nach Schluß des Blattes erhalten wir die Trauernachricht vom Ableben des Kültusvertreters und Präsidenten der Chewra-K adischa Salo Coh n, der int 72. Lebensjahre verschieden ist. Mit ih'M ist einer der hochherzigsten Wohltäter dahingegangen, der in nobler Art die Pflichten, des Besitzes erfüllte und überall eifrig am Werke war, wo es galt, den Bedürftigen und Leidenden zu helfen. Herr Salo Cohn wirkte als Philanthrop, als Mitglied des Vertreterkoltegiums und als Präsident der Chewra-Kadischa überaus segensreich. Als die Chewra im April 1.914 den 150. Jahrestag ihres Bestandes feierte, spendete er dem Vereine 100.000 Kronen. Sein Wohltätigkeitssinn förderte auch andere Wohlfahptsinstikutivnen und er stand unter anderem als Präsident dem Unterstützungsvereine der Wiener Börse vor. Seit .Ausbruch des° Krieges übte Salo Cohn noch größere Akte der Wohltätigkeit .als früher, und für Zwecke der Kriegsfürsorge widmete er bedeutende Summen, Cr unterstützte zahlreiche Witwen und Waisen sowie arme Studierende. und heranreisenden Talenten gewährte er die Mittel, sich auszubilden. Eine eingehendere Würdigung behalten wir uns vor. _ Die Not in Jerusalem. Jerusalem, 15. Februar 1917. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich gestatte mir Sie hösl. zu bitten, folgenden Zeilen,? falls selbe Sie glücklich erreichen, in Ihrem gesch. Blatte Raum zu gewähren: Es fällt mir nicht leicht, diesmal an den Opsersinn meiner Glaubens- und Stammesbrüder in der geliebten Heimat,,zu appellieren, schon weil es meinen Anschau-. ungen und meiner Gesinnung widerläuft, wicht immer' wohlriechende sogen. Schnurrpropaganda zu machen, um so schwerer, fällt es mir, da es mir nicht unbekannt ist, welche ungeahnten Anforderungen, an die Leistimgssähigkeit unserer Brüder jetzt gestelltwerden, allein schon um mit den Stadtältesten, die dem Erschlagenen am nächsten waren, sagen, zu können: „Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen," indem wir nicht behaupten wollten, daß „unsere Augen ihn nicht gesehen haben"' (Deut. 21, 7), kann ich beim besten .Willen nicht umhin, die Ausmerksanrkeit breitester Kreise auf die. unmöglich zu schildernde Lage unserer Brüder im? allgemeinen, der 'vor: der iösterr. Hilfskommissiou für Palästina beteilten Oesterreicher, Galizianer und Bukotvinaer im Heiligen Lande zu lenken. Ich glaube wohl nicht im geriirgsten zu übertreiben, wenn ich sage, daß "die Not nirgends so groß, die Hilfe nirgends so dringend uotwendig ist wie hier. Hungertodesfälle, leider buchstäblich genommen, sind auf der Tagesordnung. Viele, leider sehr viele. Waisenkinder jammern in den jüdischen Gassen, sie wurden einfach auf die Straße gesetzt, sie sind hilflos, elend, verlassen, sie sind dem elendesten Hungertode unrettbar geweiht. Greise, recht fromm, meist talmudkundig, darunter, ehrwürdige Gelehrte, die hergekommen sind, um ihren Lebensabend im Heiligen. Laude zu werbrmgen, auf geheiligtem Boden zu sterben, die hier meist weder Kinder noch Verwandte Haben, die ihrem Alter und dem hiesigen Klima entsprechend genährt werden müßten, sie müssen alles entbehren, sie strecken ihre zum Betteln allernteistens nicht gewöhnten Hände nach einem. trockenen Stückchen Brot, das, in Wasser geweicht, sie ant Leben erhalten soll. Helfet/ Brüder, daß. die-ÜNglücklich-en es bekommen, und ihr werdet Menschenleben, echt menschlicher, Mischer Sorte, gerettet.