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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-27 · 16 (27.4.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
16 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. Hi Dv. Blsch's Wochenschrift" Serie 257 Tapferkeitsmedaille erwarb, wurde neuerdings für eine erfolgreiche Leistung in Rumänien mit dem Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration und den Schwertern allerhöchst aasgezeichnet. Ein älterer Sohn besitzt die goldene Tapferkeitsmedaille. Ale Juden und die Mevokulion. Die in Berlin erscheinende „Jüdische Rundschau" erhält aus Rußland eingehende Berichte über die Teiln a h m e der Juden an der Revolution und namentlich über die seither von den Zionisten entfaltete Propaganda. Danach beteiligte sich in Petersburg die jüdische Studentenschaft entschlossen au dem dreitägigen Straßenkampf, der zum Untergang des alten Regimes führte. Bon den etwa 300 Toten, die dieser Kampf unter beit Revolutionären forderte, waren dreißig Juden. Schon am 12. März wurden eigene zionistische Milizabteilungen gebildet. Am 14. März bildete sich auch in Moskau eilt Studentenausschuß aller jüdischen Parteirichtungeu, der die Teilnahme an der Revolution organisierte. Wenige Tage darauf erschien in Petersburg das von der alten Regierung verbotene zionistische Organ „Jewreiskaja Schisn" wieder, in Moskau wurde in .jiddischer Sprache ein sozialistisch-nationales Organ („Der jüdische Sozialdemokrat") gegründet und die" Gründung eines zweiten Blattes in russischer Sprache beschlossen. In den beiden Hauptstädten fanden große Volksversammlungen statt, in denen beschlossen wurde, einen Kongreß aller r u s s i s ch e n I u d e n einzuberufen. Die wichtigsten Mischen Organisationen aber such- , teu sich inzwischen mit den Organisationen anderer nationaler Minderheiten in Verbindung zu setzen. In Moskau fand aut 17. März eine erste Konferenz / statt,' an der Vertreter der Poleiß Litauer.' Armenier,- Judeu und Kleinrüssen (Ukrainer) teilnähmen. Die Polen erklärten, daß sie unter den Nationalitäten eine eigenartige Stellung einnehMen, weit sie einen eigenen Staat besitzen. Die Litauer und Armenier forderten eine territoriale Autonomie und eine Umgestaltung des Reiches , auf national-föderativen Grundlagen. Die Klemrusfen sprachen von einer uational-kulturellen Autonomie in .Rußland und einer national-politischen in Oesterreich und forderten, daß die Schulen in der Ukraine sofort den Ukrainern übergeben werden. Auch die Juden legten ihre kulturellen und politischen Forderungen dar. Es'wurde ein ständiger Ausschuß eingesetzt, der weitere Besprechungen veranstalten soll. Gleichzeitig wurde in Petersburg eine Beratung der sozialistischen Parteien der „Fremdvölker" abgehälten, an der die litauischen, ukrainischen und verschiedene Gruppen jüdischer Sozialisten vertreten waren. .Im Petersburger Arbeiter- und Soldatenrat find sowohl das Mische Studentenkomitee als die vier jüdisch-sozialistischen Parteigruppen vertreten. Auch in den Provinzstädten wurden überall Mische Vertreterin die revolutionären Ausschüsse gewählt. Die AntiseMiten haben an mehreren Orten, namentlich int Südwesten (Kiew, Podolien, Poltawa), versucht, die Revolution durch die Entfachung einer Judenhetze zu beeinträchtigen; auch in Petersburg wurden derartige Versuche unternommen. In Odessa wurde deswegen die Polizei, aufgelöst, nach! Olwiopol (Cherson) entsendete der Petersburger Arbeiterrat sogar Truppen, um eine dort drohende Pogromagitation zu verhindern. Viele reaktionäre, und antisemitische Zeitungen haben ihr Erscheinen, eingestellt. Alle antisemitischen Demonstrationen werden von der. Regierung unterdrückt. Die Vertreter des- Judentums -haben sich den Vertretern der anderen nichtrussischen Völker angeschlossen. Are Mission der jüdischen Sozialisten Mußtarrds auf der Stockholmer Konferenz. Der Sonderberichterstatter des „Az Eft" in Stockholm schreibt in einem Situationsbericht u. a.: Der erste Kongreß der Mischen Sozialdemokraten in Rußland (gemeint ist der „Bund") richtete an die sinnländische sozialistische Parteileitung telegraphisch Beschwerde darüber, daß in Finnland die russischen Juden aus Grund eines alten, aber noch immer in Kraft stehenden Gesetzes verfolgt werden. Die finnländische sozialistische Parteileitung drahtete sofort zurück, daß die sozialistischen Abgeordneten int finnischen Parlament unverzüglich die notwendigen Maßnahmen ergreifen werden, damit die Juden in Finnland die gleichen Rechte erhalten wie die übrigen Bürger. Nach meinen Informationen werden die jüdischen und die ZiMmerwalder Sozialisten auf der Stockholmer Konferenz die Vermittlerrolle haben und das Gegengelvicht gegen die Forderungen der kriegerisch gesinnten Sozialisten bilden. Are Aiensipfircht der russischen Juden in Kngkand. Die Beiveguug gegen die nicht ins Heer eingetretenen russischen Juden in England nimmt immer mehr zu und artet zu einer gefährlichen antisemitischen Hetze aus. Nachdem nunmehr das Gegenargument des politischen Zustandes der Juden in Rußland entfiel, wird auch erwartet, daß gegenüber den russischen Juden dieselbe Haltung bezüglich der Dienstplsicht eingehalten lverden lvird, als gegenüber den anderen Untertanen der alliierten Länder. Es wird von ihnen verlangt werden, entweder in die russische oder englische Armee einzutreten. Ariegstapferkeil und Knmanitäl in der Wiöek. Auf zwei charakteristische Bibelausleguugeu macht uns Herr A. B irr st ein in Biederitz aufmerksam. Sie zeigen uns die Tapferkeit und auch die Humanität der Bibel im hellsten Lichte. Zu dem Satze „Du sollst im Kriege nicht den Gegner fürchten und nicht vor ihm fliehen", bemerkt das Buch Mizwaus hasch ein: ,,Jm Kriege darf man den Feind nicht fürchten und nicht vor ihni fliehen, weit die Heirnat dadurch gefährdet wird und weil der Feigling für das durch seine Flucht vergossene Blut verantwortlich gemacht wird." Zu der Stelle der Bibel: ^„Wenn du dich im Kriege einer feindlichen Stadt näherst, sollst du ihr zuvor den Frieden anüieten," schreibt das zitierte Buch: „Es ist als Gesetz anzusehen, immer erst den Frieden anzubieten, bevor man mit den Feindseligkeiten beginnt." Die jüdische Ethik verwirft den Krieg nicht und sie gebietet, wie überall, die treue Pflichterfüllung gegen das Vaterland, aber Endziel des Krieges ist der Frieden und jedes überflüssige Blutvergießen gilt >als Sünde. Auch hier also begegnet sich die jüdische Weltanschauung mit der deutschen. Mock immer Semrgotsia? An den unseligen „Semigotha", der heute nur noch Menschen als Quelle dient, die mit Vorliebe aus solch schmutzigen Quellen schöpfen, erinnert die folgende Zuschrift, die der „Pesti Hirlap" vom k. u. k. Oberst in der Reserve Anton Kaiser de Szentiniklos erhalten hat und in der letzten SonntagnuMmer veröffentlicht: „Erst in der letzten Zeit wurde Mir bekannt, daß ich in dem im Jahre 1913 in München erschienenen Semigotha auf Grund „einer von der Armee eingesandten Mitteilung" als getaufter Jude figuriere, während von meinem Sohne Rudolf daselbst die folgenden Daten erschienen: Er starb ungefähr 1912, war bis ungefähr 1909 Oberleutnant im Dragonerregiment Nr. 5 und hielt sich

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