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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-20 · 15 (20.4.1917) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
15 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloch's Wochenschrift' Seite 245 Marienbad. Unter großer Teilnahme fand am 9. d. M. das Leichenbegängnis des hiesigen Kaufmannes Herrn Mar Leitntt, Bruder des Restaurateurs David Leitner. statt, der seit Kriegsbeginn eingerückt,, nach kurzer, schwerer Krankheit als Feldwebel im Reservespital zu Eger verschieden ist. Nachdem Herr Oberkantor G o l d e n b e r g den Trauerpsalnr angestimmt hatte, widmete ihm Herr Rabbiner Dr. Diamant in tiefster Ergriffenheit Worte innigen jEedenkens, in welchen er den Verklärten als Muster wahrer Frömmigkeit pries, der durch sein ganzes Leben und Sterben den Beweis lieferte, daß ein gesetzestreuer Jude sein Vaterland über alles liebt. Der Verstorbene hielt sein großes Geschäft am Sabbat und Festtagen streng geschlossen und erfreute sich ob seines inlegren ' Charakters allgemeiner LLertfchätzung. Am Grabe nahm noch Herr Kultusvorsteher W o l f n e r im Namen des Eemeindeoorstandes mit Dankesworten Abschied von dem einstigen Kassier unserer Kultusgemeinde. Der Ver- Verklärte, der im 40. Lebensjahre stand, hinterläßt eine Witwe und drei kleine Kinder. Die hiesige israel. Kultusgemeinde widmete diesem Ehrenmanne ein Ehrengrab. Don Haag (Holland). Hier wurde eitle „Auftragstelle für jüdische Kriegsgefangene" errichtet, die sich zur Aufgabe stellt, Postpälete mit Lebensmitteln zu besorgen and zu versenden, Korrespondenz und.Geldsendungen zu vermitteln. Adresse: „Austragstelle für jndische Kriegsgefangene", Den Haag, Postfach 43. Wer weiß? Frau Reisel Sühn sucht ihren Mann Moses Sühn aus KaMionka (Galtzien). Gütige Nachricht an Rabbiner G. Sojfer, Szucsany (Ungarn). Jett Koch, Friseurin. Pozsony, Kapuziner-ut. 11, sucht ihre Eltern Samuel Koch, Friseur, aus Marjampob, Bez. Stanislau. FeuLllLton. Der jüdische König Krar. Von Z. F. Finkelstenr (Wien'. ... Müs - dem 'Zyklus: „Ghetto-Jnrpress^onen" ) - ... Zur Abwechslung einmal das Mische Theater. Wenn auch die Wandertruppe, die in einer galizischen Provinzstadt ihre buntfarbenen Zelte aufschlägt, einen verwöhnten Globetrotter nicht allzu stark heranlockt, geht man einfach! hin, um einen öden Samstagabend totzuschlagen. Was sollMan hier sonst tun? Den ganzen Tag wandelt man Herum' zwischen den kleinlichen Menschen, lauscht ihrem eintönigen Gefasel und hört voll gähnender Langeweile von chven Sorgen und Schmerzen, ihren Freuden und kleinkrämerifchem Streben. Man möchte am liebsten sich, in ein Loch verkriechen vor Ekel und Leere, aber wenn der Abend herannaht und ein Schneegestöber das ganze Städtchen in einen weißen Flieder wie in ein Leichentuch einhüllt, da kommt Wer einen plötzlich ein solch rasendes Sehnen nach Licht, Lärm und betäubendem Spiel. . . . Wie ein bleiches Gespenst schleicht inan durch die krumMen, schmierigen Gäßchen, glotzt irr der Finsternis den lgeschästigen Menschen in die Augen, als^wenn man doch noch ein Fünkchen Seele tu ihnen auffangen wollte, und so oft iaus irgendeinem Fenster eine Silhouette tanzender Pärch!en an -einem vorüberhnscht oder irgendwo die Weisen eines lustigen Walzers erklingen, da Möchte man um jeden Preis in der Menge untertauchen und als namenloses Geschöpf in ihrem Lachen und Jauchzen restlos aufgchen. Man ergreift also die Gelegenheit und geht ins jüdische Theater. Lachstoff soll's ja hier heut' in Fülle geben. Man soll ja eine Tragödie aufführen. „Eine komische Tragödie Mit Tanz und Gesang", wie es in den knallroten Ankündigungen heißt. Und ein Samstag ist's noch dazu. Das hat im jüdischen Theater ebenso wie im Mischen Leben seinen besonderen Reiz. Da verschwindet die Waue Alltagsstimmung und auch die Leute, die die -ganze Woche hindurch int hastigen Getriebe des Lebenskampfes ersticken, reißen sich au einein Samstag instinktiv aus dem Moraste der Eintönigkeit in Höhen der Lust und Lebensgier. Auch die primitivste Bretterbude eines jüdischen Theaters erstrahlt an diesem Tage in besonderem Glanze und hallt wider vom heißen Atem erwachender Lebenssklaven. .... An Samstagen gibt man daher die besten Stücke und bietet die beliebtesten Schauspieler der Menge dar. Man schleudert die wirksamsten Witze ins Auditorium und singt die neuesten Schlager. Und bald ist die Brücke geschlagen zwischen der Menge und der Bühne. Die Komiker wollen just eine ^Tragödie spielen, aber das Publikum wittert einen Ulk. Wenn auch der Held über Befehl des Autors durch einen Totschlag sein Erdenleid beenden soll, so reißt der spielende Schalk derart urkomisch sein Maul auf, beäugelt so schelmisch das erschreckt tuende Publikum und durchbohrt auf solch phlegmatische Weise mit einem hölzernen Dolch den Aermel seines Opfers, daß selbst die noch so tragisch gestimmten Zuhörer vor Lachen beinahe bersten. Und wenn noch dem totgemeinten Held sein Gegner die pathetischen Worte zuruft: ,,Lebst dy noch, dy Ausgeburt vuu dem Gihenim (Hölle)?", und zur Bekräftigung seiner Wut ihm einen nicht gerade leichten Fußtritt versetzt, da kann sich sogar der aus dem Jenseits so unsanft zurückgerusene Kumpan nicht zurückhalten, und mit einem unterdrückten StaMmeln ruft er vom Fußboden herauf: „Awek Motie, wie kriechst dy?"! * f Im geräumigen Hofe des Theaters ist es bereits eine Stunde vor dem „Anfang präzis" sehr lebhaft. Ein GetümMel von Alt und Jung. Man drängt sich zur Kasse, belächelt die einen und beneidet die anderen, führt erregte Diskussionen, streitet und feilscht und strebt gemeinsam dem Musentempel zu. Gleich beim Eingang überwachen Argusaugen alle Eintretenden. „Der Direktor!" flüstert jemand mit Ehrfurcht und man empfindet unwillkürlich Respekt vor diesem vielseitigen Kunstgewaltigen. Er hat jedoch nicht nur spähende Künstleraugen, sondern auch — Fäuste. Während er mit der einen Hand die Eintrittskarten abnimmt, entdeckt er flink die unrechtmäßigen Theaterschwärmer, die sich hereinschleichen wollen, und bedenkt sie mit der anderen Hand in nichts weniger als liebevoller Art, so daß sie so rasch als möglich vom Musenhose die jenseitige Welt der Wirklichkeit: erreichen. Jni Saale däMmerts noch. Hie und da tauchen aus Schatten von leeren Bänken und Stühlen, während aus einer Ecke die ersten Laute vernehmbar werden. Es ist das Stchparterre. Einige Bretter und ein armseliges Gitter sondern ihn vom ganzen Saale ab. Hier werden am ehesten die Plätze eingenommen und hier gibts das richtige Theaterpublikum. Junge Handelsangestellte. die heute glanzvoll adjustiert sind, gebeugte Lastträger, die notgezwungen heute aufrecht stehen Müssen, einige Hausierer, die ihre gramverzerrten Lippen in freudiger Erwartung offen halten. 'ünd hie und da blasse Chassidimjünglinge, die verstohlen sich in die Ecke drücken, als wollten sie dem Blicke der Anwesenden entgehen. Im Saale wird es allmählich Heller und regsamer. Mit einem Freudenruf „Aaah!" wird die elektrische Lichtquelle begrüßt, die im Theater erstrahlt, und bald ertönen auch vom Orchester im wirren Durcheinander einzelne Instrumente, die hastig gestimmt werden. Der Saal füllt sich und Besucher drängen sich in den Durchgängen und ein Geflüster und Gemurmel schwebt wie ein BienengesumMe über der Menge. Durchwegs Kleinstadttypen. Protzende Parvenüs, die selbstbewußt, und mit sicherem Schritt die ersten Plätze einnehm'en, und abgehärmte

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