Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 15 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022264--25927-3051257- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 243 Nr. 15 Dr. Bloch's Wochenschrift" Wien. Am 17. d. M. fand hier das Leichenbegängnis des chem. Oberlehrers Herrn Adolf V l ü m e l aus Jamnih statt, der im 76. Lebensjahre einem langen Leiden erlag. Der Heimgegangene, der sich durch 'Gelehrsamkeit auszeichnete, bei Kollegen und Freunden wegen seines Charakters viele - Sympathien sich erworben, war ein Schwiegersohn des berühmten Trebitscher Rabbiners Josef Chi Poll a? s. A. Friede /seiner Asche! I. Ä. RegM Simon f. A. Frau Regina Simon, die Witwe nach beut hochverdienten Gemeinderat der Stadt Wien ititb Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Gustav Situ o n, ist in der Nacht vorn Samstag auf Sonntag im Alter von 88 Jahren verschieden und. ihrem Wunsche gemäß, in aller Stille zur Ruhe geleitet worden. Wien-Mariahilf. Am 12. d. M. verschied der in weitesten Kreisen angesehene und ungewöhnlicher Beliebtheit sich erfreuende Fabrikant Herr Leopold Pick. Wenn jemand den Ehrentitel eines echten jüdischen Biedermannes verdient, so war es der Verblichene; allezeit hilfsbereit, von seltener Herzensgüte und Menschenfreundlichkeit, entfaltete er eine ungemein ersprießliche und segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Armenpflege und dies nicht nur als langjähriger Vorstand des Humanitätsvereines „Nachlat Jeschurun", sondern überall, wo es galt, ein gutes Werk zu üben, Not und Elend unserer unglücklichen Elaubensbrüder zu lindern. Als überzeugungstreuer, warmherziger Freund des Mariahilfer Tempelvereines nahm er lebhaften Anteil an dessen Entwicklung und fungierte viele Jahre mit besonderem Pflichteifer als dessen Revisor. Wieviele Freunds er sich im Leben erworben, das zeigte sich in sinnfälliger Weise bei seinem Leichenbegängnisse, denn die große Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes konnte die Fülle der Leidtragenden buchstäblich nicht fassen. Fast alle Vorsteher der Tempelvereine und Humanitätsvereine unter Führung der Präsidenten Herren Dr. Jacob Engel und Dr. Kar! Löwy waren erschienen und folgten in tiefer Rührung dem trefflichen, ergreifenden Charakterbilde, das Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Drobinsky in seinem Nachruf entwarf, worauf Herr Dr. Löwy mit herzlichen Worten dem Entschlafenen, für seine unvergänglichen Verdienste um den Humanitätsverein dankte. —y. Zur Erinnerung an Med.-Dst. Heinrich Wectheim er, Wien, 2. Bez., Kaiser Josefstr. 35. Am 12. d. M. ist der jüdische Arzt Dr. Heinrich Wertheimer zur. ewigen Ruhe bestattet worden. Makellos, wie die Bläue des Himmels und herzerfreuend wie Sonnenschein war das Leben' dieses an Leib und Seele schönen Menschen gewesen. In der langen Reihe derer, die ihrer letzten Dankespflicht nachgekommen waren und dein heiß Beweinten das Ehrengeleile zur Ruhestätte gegeben hatten, erzählte man sich schluchzend von seiner Tüchtigkeit, seiner Hilfsbereitschaft, wie er. seines eigenen schweren Leidens nicht achtend, den Kranken treu zur Seite gestanden war, bis er sterbend zusammenbrach, der Treue, Edle. .Voll des Ansprilches auf Ruhm und Reichtum, hat er auf beides verzichtet. Jugend, Glück und Gesundheit hat er geopfert und in einer Zeit gehässiger' Habgier den rühmlosen, glücksarmen Weg stillen, schlichten Wirkens in Hilfsbereitschaft für die, die ihm vertrauten, gewählt. Gäbe es mehr der Dr. Heinrich Wertheimers, so wäre der Menschheit wohler! __ SedeiMsnd im Vereine „Machsike hadath". Obere Augartenstraße 40. „Kol dichfin jethi wejechol" („Wer hungrig ist. komme und speise"). Diese Eingangsworte unserer tausendjährigen Hagada kommen mir stets unwillkürlich in den Sinn, so oft ich die Lokalitäten der „Machsike hadäth", des . Vereines zur unentgeltlichen Ausspeisung armer zugereister Juden und Flüchtlinge während der Ausspeisung betrete, üm wieviel mehr in den Seder-Abenden, wo auch der Nachsatz „Kol dizrich jethi wjifsach" („Wer bedürftig ist, komme und feiere das Pefsachfest") so schön und passend stimmt. Da sitzen sie an langen Tischreihen mit vergrämten, ausgehungerten Gesichtern und tiefem Weh int Herzen, in schmerzlicher Erinnerung an jene Tage, ..da auch sie im Besitze von Heim und. Haus, im bürgerlichen Wohlstand, im Kreise von in Glückseligkeit strahlenden Frau (und Kinder, - diese Tage als das schönste Freudenfest begrüßten, da sitzen sie nun und gedenken des Ilnglückstages, da sie von Haus und Hof flüchteten, aus Angst vor den zarischen Schergen, die raubend und mordend daherstürmten, überall Spuren von Feuer und Schwert, von Blut und Verwüstung hinter sich ließen. Nun sind sie in ihrer Not auf die Unterstützung wohltätiger Brüder angewiesen, und wohl denen, die ein gütiges Schicksal unter Juden verschlagen hat, auf die der Ausspruch: „Rachmanim bne rachmanim" in voller Richtigkeit angewendet werden kann. Da kommen sie, ihre wohlhabenden, mitleidenden Brüder, da kommen sie alle mit Frauen und Kindern und richten die Armen durch wohlwollende Blicke, freundliche Worte und tröstenden Zuspruch aus, reichen allen diesen alten, gebrechlichen und kranken Leuten, diesen Hunderten von Männern, Frauen und Kindern Wein, Maroth und warme erquickende. Speisen und, wie durch einen Zauber bewirkt, erstrahlen plötzlich die Gesichter aller in heller Freude und lauttönend jauchzen .sie auf bei den Worten der Hagada „Leschanah habaah bne chorin" („Kommendes Jahr sind wir freie Leute!"). Da müssen wir aber auch unserer Brüder gedenken, die ihre patriotische Pflicht erfüllend im Heeresdienste stehen. Diese kommen schon in letzter Stunde, unmittelbar vom Dienst. Sie kommen in Scharen und pochen an die Pforten der „Machsike hadath" und sie finden die wohlwollendste Aufnahme. . Die Herren und Damen des Vorstandes, in weiser Voraussicht des möglich Kommenden, hielten Speise und Trank in Bereitschaft. Der Durst unserer ermatteten Krieger wird gestillt, ihr Heißhunger gesättigt, alles kostenfrei und unentgeltlich wie bei allen anderen, und sie ziehen dann mit Gefühlen wärmsten Dankes davon. Möge eine gütige Vorsehung den Wohltätern lohnen. M. T. Ehren abend an der Jüdischen Bühne. Freunde und Verehrer jüdischer Kunst veranstalten zu Ehren der beliebten, talentvollen Künstlerin Frau Urich am Mittwa^ den 25. April, im „Jüd. Theater", 2. Bez., Taborstraße 82, einen Abend. Die Benefiziantin tritt an diesem Abend in ihrer' Glanzrolle als „Nania" in Gordins „Kreuzersonate" auf. Die prächtige Darstellerin verdient es. daß dieser Abend in jeder Beziehung für sie ein Threnabend wird. Kartest ä Kr. 4.20, 3.20, 2.20 und 1.20 sind täglich an der Theaterkasse und bei dei» Komiteemitgliebern zu haben. Verein „Einheit". -sil beit eminent wohltätigen Institutionen unserer Großstadt gehört die unter Leitung des Herrn B. H o f bau e r stehende rituelle Speiseanstalt der „Einheit". 2. Bez., Malzgasse 8 und 10, die täglich in den Pessachtagen bei 2000 Hungrige speiste und besonders für die hiesigen jüdischen Soldaten eine große Wohltat war. Aus den weitesten- Bezstken kamen sie zu den Sederabenden und den Mahlzeiten in die „Einheit", die alles menschenmögliche aufbot, ihre Gäste zu befriedigen. Trefflich bewährten sich die neu eröffneten Räume des Nachbarhauses und konnte die Speisung rasch und glatt vor sich gehen. Die „Einheit" war für alle eine eminente Wohltat. - - ii wcuet| tici |u.c jnLinoer ern gerückt e r Väter.) Eine solche fand im Prüsungssaale der Bibelschule des Kaiser Franz Joses l.-Huldigungstempels, 2. Bez., Pazmanittengasse 6, am verflossenen Pessachseste. veranstaltet von Herrn Sam. Adle r, Obmann des. Schulvereines daselbst. Es sprachen bei dieser Feier Se. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Funk, Herr Adler und die Herren Fried und Rofenfeld, Lehrer an der Anstalt. Den Sedervortrag hielt Prof. Moritz Antscherl und erläuterte er hiebei das ganze Zeremoniell dieser altehrwürdigen Feier. Zahlreiche Ehrengäste wohnten auch dieser Feier bei, die auf die Jugendlichen Eindruck machte. Dieselbe beteiligte sich auch beim Vorträge einzelner Eebetstücke und während der Pause von passenden poetischen Stücken, versaßt von Prof. Antscherl. Es tat allen Anwesenden, jung und alt. besonders wohh mitten in der Kriegszeit einer solch herzerhebenden Feier wieder beigewohnt zu haben. Herrn Adler, den Damen seiner Familie rrnd seinen Dorstandskollegen sei hier bestens gedankt für die Veranstaltung dieser herzerhebenden Kriegssederseier. »uv uciw ^uunuuiu vom 1. bis 14. April 1917. B lum Marianne, geb. Stern, geb. 1. November 1881 Wien, 1. Bez., Wiesingerstraße 1. C s i l a g Moses Matthias, Holzhändler, geb. 21. Novemb 1862, Mezö-Tur (Kom. Zsolna), 5. Bez., Schönbrunnerstr. 14 Friedmann Ernst, Kaufmann, geb. 14. Juni 1890, Wie 1. Bez., Schallautzerstraße 4. Höfermayer ,Verona, geb. Kornfein, geb. 27. 2lpr 1661, Felsö-Eör (Oberwarth), 14. Bez., Heinickegasse 16. Kör» Irma, geb. 20. August 1886, Wien, 4. Bez., Sei gasse 18. K o h n Moritz, Versicherungsbeamter, geb. 19. Dezember 166 Schaffa, 16. Bez., Gaullachergasse 61! Körpner Hermina, geb. 4. Dezember 1896 (laut Zuschri des Obergerichterstatters in Postyen). Kör ö fr Anna, Schauspielerin, geb. 6. Dezember 1894, Fün kirchen, 9. Bez.» Glasergasse 7.