Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 15 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Oh. 15 Dr. Vloch'S Wochenschrift" SeUe 339 gewesen. Mail dürfe die Flüchtlinge nie als Arme oder Staatsbürger zweiter Klasse anf etjeit, da die Flucht ihnetl am Eharakter eines österreichischen Staatsbürgers mit gleichen Rechten doch sicherlich nichts genominen habe. Wenn, sich beim Zusammentreffen verschiedener Kulturell Differenzen ergeben hätten, so sei dies nur natürlich, dürfe aber nicht allzu strenge beurteilt werden. Man muß uild wird die Menschen begreifen, wenn man das Land und dessen Verhältnisse kennt. ails welchen sie kommen, itnb wie man 'bei unartigen Kindern liicht diese, sondern vor allem deren Eltern und Lehrer tadeln soll, so sollte man es hier gerechterlveise mit der Verwaltung der in Betracht kommenden Länder tim. Redmer bespricht Palm die charitative Seite der Aktion, führt Ziffern vor, aus welchen die gewaltige Aufgabe, welche bei dieser Massenbewegung zu lösen war, einleuchtend hervoraing, bespricht schließlich die Frage der Unterbringung und Avprovisionierullg der Flüchtlülge mkd bittet insbesondere bei diesem Punkte, die Flüchtlinge nicht zu Prügelkilaben Zu lnachen, wenn andere Aktionen aus irgeud w e l ch e n G r ü n d e n f e h lges ch lagen oder teiliv eise versa g t habe ll. Acht Rationell nub sechs Religionsbekenntnissen gehören die Flüchtlinge an, welche ill Wien sich niedergelassen Haben, ein kleines Oesterreich fl'ir sich in illlserer Hauptstadt. Zunt Schlüsse regte Redller all, nach Art der seillerzeitigeil Kunstwandernngen iu Wieil und eventuell in elnzellken Konzentrationsstatiollen Besichtigungell der vielfach nlustergültigell Jllstitlltionell der Ftüchtli'.lgsfürsorge zu wohltätigen Zwecken vorzunehmen. Der Vortragende schloß mit einenl Appell ail feile maßgebendell Persölllichkeiten. in deren Händen das Schicksal der Flüchtlinge ruht, in der Behandlung derselben keine Verschlechterung eintreten zu Xaffcit; er wolle die Worte, die Plutarch den Cäsar auf stürmischer See dem Bootsmänne sagen läßt, variieren und sagen: „Oesterreich traget ihr in Händen und Oesterreichs Glück!" ' Die klaren nitb überzeugellden Ausführungeic des Vortragenden erweckten das lebhafteste Interesse mtb den ungeteilten Beifall der distingilierten Versammlung itnb lvurde dem Herrn Gemeinderat Dr. Rudolf Schwarz- Hill er vonl Vorsitzenden der herzlichste Dank für seine segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Flüchtlingsflirsorge zum Ausdrucke gebracht. BWsches Asyl Wr Obdachlose. Bei der am31. März 1917 unter Vorsitz des Obmannes Alexander Pollak stattgehabten GeneralversaillNllung lvnrde zullächst der auf dem Felde der Ehre gefallenen Mitglieder des Vereines, ferner des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Herrn kais. Rat Sälomoll Beer mtb des Armenrates Herrn. Ferdinand L ö w Y gedacht ulld durch Erheben von den Sitzell der Trauer Ausdruck verliehen. Rach Eingang in die Tagesordnung wurde sowohl der Bericht des Obmannes als auch der Bericht der Revisoren einstimmig zur Kenntnis genommen. Bei der hierauf voraenömmenen Wahl lvurde Herr Bezirksrat Alexander Pollak einstimmig zum Obmann gewählt. Herr Pollak dankte für das ihnt geschenkte Vertrauell lind führte llllter lebhaftenl Beifall aus, er betrachte es als seine Lebensaufgabe, das Werk, das er begonnen, glücklich zu Ende führen zu .können. _ Die weiteren Wahlen ergaben folgendes Resultat: 1. Obm.-Stellv.: Herr Bernhard Hofb auer; 2.ObM.- Stellv.: Herr Oberulgeilienr Rob. Stricker: Kassier: Herr Michael H o n i g; Kassier-Stellv.: Herr Arntenrat S.alo L e mb e rfger; SchriftfWrer: Herr Dr. Karl Fi gd or; Schriftführer-Stellv.: Herr Sekretär Josef Fuch s; 1. Revisor: Herr Jakob Stern; 2. Revisor: Herr Simon Braun; Vorstandsmitglieder: die Herren: Michael Figdor, Siegmünd Figdor, Jg. Gerstel, Gremiälrat Edmund Hocker. Direktor Ludwig Klausner, kais. Rat Julius Neu mann, Amtsleiter Rudolf Kraus, Dr. Isidor Reininger, Bezirksrat Doktor Maximiliay Stiglitz, Dr. Max Ticho, Dr. Julius Weiß und Herr Jos. H. Waltuch: Beiräte: die Herren: Moritz Oester reicher, W. Pappenheim, Joses Lorbeer, Stadtbaumeister Arnold Barster, Nathan Steinhausel. Dr. Jakob Ehrlich und Ingenieur Ludwig Kris z ier. Generalversammlung des Vereines ,,Zukunft" zum Schutze schulentwachsener, verlassener Kinder. Donnerstag, den 29. März 1917 fand die diesjährige Generalversammlung des Vereines „Zukunft" in den Räumen fernes Vorstandsmitgliedes Frau Emma Mautner, 1. Bez., Rudolfsplatz 11, statt. Es. hatten sich u. a. eingefunden: als Delegierte der „Weiblichen Fürsorge": Frau Prof. Roth und Frau May, für den „Wiener Frauenverein zum Schutze armer verlassener Kinder": Frau Dr. Laura Krenberger und Frau Josesine König, für den Döblinger Frauenverein: Frau Dr. Sidonie Kahn, für die israel. Kultusgemeinde: Herr Amtsleiter Rudolf Kraus und vom Wohltätigteitsamte: Herr Oberoffizial Mortz!l n g a r. Die Präsidentin Frau Mina Hecht begrüßte die Erschienenen und erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Vereines. Sie weist darauf hin, daß die Zahl der Schützlinge im abgelaufenen Vereinsjahr von 85 auf 116 gestiegen ist und daß auch den neuen Schützlingen Lehr- und Pflegestellen beschafft und für deren Bekleidung nach Möglichkeit gesorgt wurde. Wenn für den letzten Zweck auch nur ein verhältnismäßig kleiner Betrag verwendet werden konnte, so haben die meisten Vorstandsmitglieder ihre Schutzbefohlenen entweder .aus eigenen Mitteln bekleidet oder Kleidungsstücke bei Freunden und Bekannten erwirkt. Die Schutzdamen haben ihre Schützlinge so oft als möglich besucht, doch mußte leider konstatiert werden, daß die meisten Pflegestellen nicht geeignet sind. Hauptsächlich liegt die Nichteignung darin, daß die Pflegeeltern nicht den Einfluß haben, daraus hinzuwrrken, daß diese Jugendlichen nach ihrer Arbeitszeit nach Hause kommen oder sich mit irgend einer nützlichen Sache beschäftigen. Die Folge davon ist, daß diese Jugendlichen in schlechte Gesellschaft geraten und sehr oft voin rechten Wege abkommen. Wohl bemüht sich die Vereinsleitung, diese Jugendlichen wieder auf den rechten Weg zu bringen, doch gelingt dies in den seltensten Fällen. Dies führt zu dem Schlüsse, daß, so ideal die Familienpflege für jeden, der sich mit der Kindersnrsorge befaßt, sein mag, bei den heutigen Verhältnissen eine geschlossene Pflege notwendig ist, weil hiebei die Schutzbefohlenen viel leichter beaufsichtigt werden können. Es muß daher die wichtigste Aufgabe des Vereines für die nächste Arbektsperiode sein, an die Schaffung geeigneter Heime zu schreiten. Hiezu, erbittet die Vorsitzende die Mithilfe aller Anwesenden. Zum Schlüsse dankt die Präsidentin noch allen Freunden und Gönnern für die Förderung der Vereinsbestrebungen. Insbesondere aber dankt sie Herrn Amtsleiter Rudolf Kraus, über dessen Intervention dem Vereine auch im vergangenen Vereinsjahre ansehnliche Zuwendungen zugekommen sind. Hierauf erstattet Frau Johanna Raab den Kassabericht. Herr Revisor Alois Gr über berichtet, daß er die Kassagebarung genau revidiert und dieselbe in vollster Ordnung befunden habe. Er beantragt, dem Vorstande das Abfolutoriüm Zn erteilen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Herr Amtsleiter Rudolf Kraus weist darauf hin, daß der Kassabericht nur trockene Zahlen aufweist. Welche Fülle von Arbeit diese Zahlen beinhalten, ist aber wohk nur denjenigen bekannt, die diese hochherzigen Frauen bei ihrer Arbeit beobachten konnten. Frau Professor R o t tz überbringt die besten Wünsche der „Weiblichen Fürsorge" für das weitere Gedeihen des Vereines. Frau Dr. Laura Krenberger weist darauf hin, welche Fülle von Arbeit gerade dieses Gebiet der Jugendfürsorge erheischt und dankt namens ihres Vereines für diese Tätigkeit. Sie überbringt die Grüße und besten Wünsche ihres Vereines. Nachdem die Vorsitzende noch allen Rednern herzlichft gedankt hat, schließt sie die Generalversammlung. M. A. Ehewra-Kadischa für den 12. -15. Bezirk. Bei der am 9. Avril l. I. stattgesundenen Generalversammluna begrüßte der Präses Herr Hermann Weinberger die Anwesenden, insbesondere Herrn Kultusvorsteher Sam. Steiner als Delegierten des Kultus- Vorstandes und die in den Verein neueingetretenen Mitglieder, deren 40 an der Zahl int letzten Jahre zu ver-