Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022263--25905-3051234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Uh. 14 Serie 222 Tr. Bloch'ö Wochenschrift verständlich sprachen sich über die Art dieses Erwerben» auch die tollsten Gerüchte herum, allein, da er im Gegensatz zum ,.echten Juden" o. B r a m ein „echter" Antisemit war, so fiel rin allgemeinen die. Beurteilung viel rücksichtsvoller aus! Das Andenken v. Branrs wird stets in Ehren weiterleben. Verein zur Abwehr des Antisemürsmus. ITier Mische Gemüsegarten in Krakau. Ein. bereits vor Jahren gefaßter Gedanke der Gründung eines größeren Gemüsegartens für die jüdische Jugend in Kraftur sollte erst in einem Kriegsjahr verwirklicht werden. Die Kinder der dumpfen Gassen und Höfe, die Knaben und Mädchen, die sonst aus staubigen Spielplätzen sich fremdfühlend Herumtreiben, aber auch die heraureisende, der nötigen Fürsorge beraubte Jugend, sie alle sollten einer ebenso gesunden wie nützlichen Beschäftigung zugeführt werden. Auf einem brachliegenden Boden sollte der Samen jurrgjüdischen Geistes Gestalt und Leben erhalten. Die Behüter eines Ideals sollten seine Mehrer werden. Das sollten sie.... . Das Projekt reiste, als Herr Heinrich Heu mann für den Zweck der Gründung ein Joch feines am Krakauer Rennplatz gelegenen W:esengrundstückes pachtweise, jedoch für das erste Jahr unentgeltlich zur Verfügung stellte. Die Wahl fiel auf ein Stück der eigentlichen Rennbahn, welche an einer Stelle im Bogen zwischen zwei buschigen Zäunen sich erstreckte. Unser Garten sollte somit die Gestalt eines mächtigen Schofar erhalten. Entscheidend jedoch war in Wirklichkeit die Schönheit der Landschaft und die Nähe der Hauptallee „Blouia^,- hauptsächlich aber die Nachbärschaft eines gastlichen, einstöckigen, vorläufig leerstehenden Holzgebäudes. Das prüfende Auge sah alles und bedachte eine int März noch laublose Obstbaunrgruppe mit der Rolle eiuer schattenspendenden Oase. Allerdings ivar der hier befindliche Brunnen schlecht und unbrauchbar. Das nötige Wasser sollte, aus denr nahen wasserführerrderr Straßengraben oder aus eurem neu herzustelleirden Brunnen beschafft werden. Gute, allerdings nicht billige Milch sollte das fehlende Trinkwasser ersetzen. Doch da der Vorsatz fest war, sollte der gute, sonnige Boden auch ohne Düngung im ersten Jahre recht viel Gemüse tragen. Das wichtigste war vorhanden und sogar die Erweiterung der fleiiteit Farm für die Zukunft war durch die nachbarlichen Rasenplätze gesichert. Die Ausführung eines bis in die Einzelheiten schöner: Werkes mußte während des Krieges, wie zu erwarten rvar, aus ungeheure Schwierigkeiten stoßen. Urrd doch sollte es werden. Diese Hindernisse sowie die skeptischen Ansichten der sonst Adaßgebenderr würzten nur die Sache und dies nur so Miehr, als viele nicht in Erfüllung gegangene Versprechungen einer Behörde die Aktion ohnehin um einen Monat verzögerter:. Aur 3. Acai 1916 durchfurchte der Pflug irr früher Morgenstunde die alte Wiese. Das Geschick des Renn- Platzes war vollzogen. An: folgenden Tage wurden Schnüre gespcumt und jüdische Pfadfinder und Pfadsinderinnen der Krakauer Hascho mer-Gruvpe b> arbeiteten bereits der: Boden. Sic kamen aus einem allen Ghetto und traten nun auf durchwühlter Erde neue, eigene Pfade. Die Vereine „Rachel" und „Jehuda" stellten auch ihrerseits die besten Kräfte bei. Um wunderten arr verschiedenen Tagen und Tageszeiten. I '.- denmädchen und .Judenknaben irr ihrer schulfreien Zeit in den Garten hinaus und diesen folgten andere Mitschüler sowie am Sonntag die Haschomer-Arbcitergruvpe. Während dem Begründer sowie denk aufopfernd mithelfenden Gärtner Johann Strsinek nur die außerhalb ihrer neunstündigen Militärdienstbeschästigung freie Zeit zur Verfügung stand, half eine kleine Gruppe junger Mädchen mit den: rühriger: Fräulein Auguste Lindenbaum.an der Spitze nach besten Kräften aus. Sie besorgten die verantwortungsvolle Aufsicht der jungen Gärtner. Das Werk sollte nützlich, aber auch schön werden. Die bogenartige Gartenarchitektur, welche zwischen zwei Gehwegen 107 irr: Durchschnitt 23 Meter lange Beete umfaßte, wurde irr Fächerform ausgesteckt, worauf bem Werk in seiner Mitte eine große Menorah aufgesetzt werden konnte. Unsere Menorah soll jedes ,. Jahr rrrit ariderem Gemüse prangen und entweiht wurdesie gewiß nicht, als sie im ersten Jahre viel würzige Sellerip brachte. Der Garten bezauberte - nicht allein durch das kleine Wunder, welches jüdische Jugend vollbrachte, wir erlebten noch! eine selten herrliche Flächenwirkung der Farben, die ivir rechtzeitig durch die Wähl von Sauren und Pflanzen vorgesorgt hatten. Und groß war der eigentliche Gemüsegarten genug», wenn mar: 200 Meter "zwischen den neuerrichteten Drahtnetz.- und Holzlattenzäunen zurücklegen mußte. .Der übrige Rasen, welcher später um ein weiteres Joch! Wiese vergrößert wurde, diente als Spiel- und Uebungsplatz für die immer zahlreicher zur Gartenarbeit pilgernde Schuljugend. Die Kleinen und Großen arbeiteten hier fleißig, beim Bodenstechen und Umschaufeln oder Entwurzeln von Grasstücken waren eine harte Schule. Und mit welch' besonderer Gewissenhaftigkeit, streuten sie die Samenkorn--, chen aus, mit wieviel Liebe, aber auch Kenntnis setzten sie die jungen Pflanzen — allen voran die kleine bebrillte K-ühn — oder besorgten. gar das .Begießen! Beinahe schier: es, als ob der Stolz selber und nicht unser kleiner bescheidener „Verwalter" Samuel die Gießkannen trug. Alle befolgten willig die angeschlagene Garte iwrdrmng und pnt.der .Gärtne.pei lernter: viele, düs-wich-, tiigste. . . . Mit so manchen Beeten und Arbeiten sind viele Namen junger Mithelfer eng verbunden. Sie halfen bei der Errichtung der neuen Zäune als auch beim Sichern der bestehenden gegen Einbruch so mancher Schädlinge,'und der stämmige Reis mann durfte als Brunnenmeister die SandMel entleeren. Die jungen Gärtner schrieben eigene Geschichte in unserem großen „Buch der Arbeit", indem sie Tag und Stunde derselben mit eigener Unterschrift vermerkten. Dort in den Spalten verzeichneten sie aber audf gewissenhaft die zur Arbeit mitgenonllnenen Geräte und je nach. Witterung die denr Astronomen geläufigen Zeichen. Die junge Aktion komrte bereits rrrit Beginn der Ferienmonate erweitert werden, als eurer aus 30 unbemittelten Mädchen bestehender: Halbkolonie Gastfreundschäft geboten wurde. Ihre Beschützerin war das verdienstvolle Fräulein Hedwig Falter von der Schulaushilfe- Sektron. Die Mädchen fuhren täglich nachmittags' in Begleitung des Fräulein Sabine Goldwasser bis zum städtischer: Dr. JördaMPark hinaus'. Zu Fuß und singend war die An längs des schönsten Spazierweges zurückgelegt. In dem kleiner: Gehöft angelangt, liefen die Kleinem in die Garderoben und dann freudestrahlend barfüßig auf den kühlender: Rasen. Reichliche Abwechslung boten Handarbeiten rind Srngerr, Erzählen, Spiel und Turnen, bis die selbstgejvählte kleüre Wirtschafterin das Glockenzeichen zur Jause gab. Gute, seltene . Milch wurde verabreicht und das mitgebrachte Brot fand oft in dem seitens der Beschützerin beigestell-en Kucher: seine Ergänzung. Auch diese Mädchen dursten im Garten aushelfen. Die jüngsten besorgten das Jäten und Reinigen, die. älteren das^Pslanzensetzen oder halsen beim Schrreibeit und Klernverkauf der inzwischen gereiften Gemüse. Die ausgestreute Saat brachte hier wirkliche mtb gute Ernte. Man sah es deutlich beit sonst rinterernährten