Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022263--25904-3051233- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 221 Nr. 14 Dr. Blüch's Wochenschrift und die fleiiicu Schützlütge, die sich in den prächtigen Räumen sichtlich wohl fühlen, danken dem edelgesinnte!: Hausherrn seinen Wohltätigkeitssinn. der auch in der breiten Oeffentlichkeit herzliche Anerkennung findet. A. M. Verband deutscher .Hausfrauen. Wien. 26. März 1917. Löbliche Redaktion! Der Verband deutscher Hausfrauen (im Hause des Deutschen Schulvereines) veröffentlicht allwöchentlich in den Tagesblättern, was es seinen Mitgliedern abzugeben hat. Dies veranlaßte mich., mich persönlich als Mitglied anzumelden. Auf Mein Befragen, ob die Vorlage von Papieren nötig sei, wurde mir mit iteitt geantwortet und erhielt ich die Mitgliedskarte sofort ausgefolgt. Nächsten Tag ging ich zuM Einkauf hin. Die bedienende Dame sagte, daß eigentlich neue Mitglieder nicht sogleich befriedigt werden sollten und frug mich plötzlich, ob ich katholisch sei und, als ich dies verneinte, ob ich vielleicht Jüdin sei. Als ich dies bejahte, sagte sie, daß der Verein an Juden .überhaupt nichts verkaufe. '@3 wäre nötig, daß dies in der Oeffentlichkeit bekannt würde. (Name und Adresse der Einsenderin sind der Redaktion bekannt.) Portofreie ch ristlich sozi ale Agitation. Das Präsidium des Zweigvereines Hernals des Patriotischen Hilfsvereines vom Roten Kreuz versendet, lvie wir mi.teilten, in feinen p o r t o f r e i e n Rote Kreuz- Briefumschlägen chrijAichsoziale Agitationsschri-ten. Dieser Mißbrauch der. aus Kriegssürsorgerückfichten gewährten Portofreiheit von Briefen des Roten Kreuzes hat nun, 'wie'wir hören,' Leim'GeWsgericht zu einer Untersuchung gegen den Hernalser Bezirksvorsteher Karl Kreisch ek und den Gemeinderat Josef L e i t n e r gefährd So weit, so gut. Wir vermissen jedoch bisher eine Aeußerung des österreichischen Bundespvüsidiums des Roten Kreuzes. ■ („Der Abend" in seiner Ausgabe v. 13. März 1917.) Gin „echter Jude"! Zum Heimgange des Ministerialrates R. o. Bram. Oft wurde diese in den Augen w ahrer Menschen einen Ehrenschild bildende, in der Tat als Schmähung vermeinte Charakteristik denk am 11. Februar a. c. verstorbenen Generaldirektor-Stellvertreter und Leiter des ungarischen Netzes der Südbähn, königl. ungar. Ministerialrat Maximilian Bram R. v. Bardany nach,- gezischelt. Und wären falsche, giftige Blicke imstande, zu töten, so hätten diese, int Verein mit den vielen „Wünschen", die alles/ nur keine Segenswünsche waren, den alten würdigen Herrn längst 'ins Jenseits befördert und ihn nickst das Alter von 74 Jahren erreichen lassen. Man wußte sehr wohl, daß er enr^ beträchtliches Vermögen besitze. Daher die Mißgunst, selbstverständlich aber als Jude konnte er seinen Reichtum nur auf unredliche, mit den Anstandsbegriffen nicht vereinbarliche Weise errafft haben, durch Mittel, -unter denen glückliche Operationen -auf der Börse die ncildeste Beurteilung verdienen. In Wahrheit handelte v. Bram immer durchaus korrekt und versah seinen Dienst auch am Beginn seiner Laufbahn stets gerade und ehrlich. Wohl aber besaß er zwei grundsätzliche Fehler, die ihm die Antisemiten niemals verzeihen konnten: er war ein ebenso aufrichtiger. ,Merzeugungstreuer Jude wie ein anspruchs- und bedürfnisloser Mensch. Bedürfnislos jedoch bis zur Askese, indessen nur rücksichtlich seiner Person. Seine wahre, tiesinnerste Gesinnung nun gibt sich in seinem Testamente kund, das, schmuck- und prunklos wie er selbst sein , ganzes Leben gewesen, irr lapidaren Zügen seine ganze Echtheit und Selbstlosigkeit für alle Zeiten offenbart. Er vermachte nämlich, bis ans ein paar kleine Legate, sein ganzes Vernrögen der Südbahn mit der Bestimmung, aus den Zinserr der sich dann nach allen Abzügen noch ergebenden Summe — von über 500.000 Kronen — besonders bedürftige und würdige Beanrte dieses Unternehmens zu beteilen. Unter den Legaterr befinden sich zwei, und das charakterisiert wieder den echten Juden, zur Erhaltung der (getrennten) Gräber der Eltern. Obgleich keineswegs aus kleinen Verhältnissen emporgekontMen — sein Vater war angesehener Arzt in Budapest —, hatte er doch häuM genug Pas Elend des kleinen Beamten aus nächster Nahe kennen gelernt, und so reifte in ihm der Entschluß, lieber selbst den Freuden dieses Lebens .zu entsagen, um dann desto wirksamer lindernd eingreife!: zu können. Er blieb auch unver- Mählt, hatte über das Glück, eine echt jüdische Mutter zu besitzen, die in der Erziehung und Gemütsbildnng ihres Sohnes ihren höchsten Lebenszweck erblickte und darin ganz ausging. Am 20. März 1843 geboren, war es ihn: sohin nicht mehr vergönnt, die Vollendung seines 74. Jahres zu erleben. Nach dem an der Wiener „Technik" vollendeten Studium trat er am 30. Oktober 1861 in den Dienst der Südbahn, der er somit 55Jahre treu geblieben, und wurde im Jahre 1880 zuM Direktor für die ungarischen Linien ernannt. In dem respektablen Zbiträum v on 37 Jahren, die er als Direktor wirkte, bezw. in seinem hohen Einkommen liegt nun einzig und allein das Geheimnis seines finanziellen Erfolges, und es bedarf abjj>lut keines weiteren Umstan des, nm sein Vermögen zu erklären. Nur eines bedurfte es, und zwar seinerseits: einer sparsamen, geordneten Lebensführung. Und in dieser zeigte er sich als Meister, ohne deshalb in das entgegengesetzte Extrem, den nach außen hin abstoßend wirkenden Geiz, zu verfallen. Schlicht, ohne jede Absicht, seinen Namen in tönender Art der Nachwelt aufzndrängen, gestaltete er seine Stiftung ohne Rücksicht auf Glauben oder Abstammung zu einer rein internen Angelegenheit der Südbahn. IHM mochte der Gedanke genügen, daß denn doch der eine oder andere der daraus zu Beteitenden dereinst sein Andenken segnen werde. Wie so ganz verschieden mutet urrs dagegerr das Testament eines vor etwa zehn Jahren verstorbenen, ebeitfalls reichen Kollegen an. Gleichfalls Oberbeamter einer Eisenbahn, jedoch ohne jede Bildung, auch gänzlich bedürfnislos wie er, nur — hier gehen die Pfade abermals auseinander — keineswegs harmloser, sondern ganz unsagbar schmutziger, schädlicher Art, so daß er sich u. a. auch nicht scheute, sein in der Novaragasse gelegenes Haus Mit Straßendirne!: zu bevölkern und mitten unter diesen seinen beste!: Mietsparteien zu wohnen, verfügte dieser über ein noch größeres Vermögen, das indessen bei viel kürzerer Dienstzeit sowie wesentlich geringeren Bezügen zufammengescharrt worden war, und fand es sodann für notwendig, nicht nur seinen Namen, sondern' auch seine von Rassendunkel und -Vorurteil beherrschte Gesinnung der breiten Oeffentlichkeit bekanntzngeben. nM beides der Vergessenheit zu entreißen. Hiezu bot sich ebenfalls der Weg der Stiftung, und zwar an die Stadt Wien jedoch mit dem Stigma der Beschränkung auf Christen.*) Selbst- *) Siehe „Oesterr. Wochenschrift" Nr. 17 vom Jahre 1907: „Eine Millionenspende für unheilbare und erwerbsunfähige Personen christlicher Konfession", S. 284.