Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 220 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 14 cher die jüdische Gemeinde in Konstantinopel ihren philanchropischen. Kampf mit gutem Eiffolg führt. Das griechische Blatt schließt seine Ausführungen mit dem Ausrufe: „Ein 'kräftiges Bravo unseren Mischen Mitbürgerml" - Luthers Stellung zum Judentum. Ueber diesen vielmnstrittenen und oft zu bedenkenlos behandelten Gegenstand spracht vor kurzem im Saale -der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berliir Geh. Ober-Konsistorialrat Propst Prof. Doktor D. Kaw er au. Sein ausgezeichneter Vortrag behandelte hauptsächlich die Frage: Wie ist die auffallende Wandlung in Luthers Verhalten zum Judentum zu erklären, die fich darin kundgibt, daß der jüngere Luther freundliches Entgegenkommen für die Juden verlangt hal, während er in seinen späteren Jahren mit den bittersten Anklagen gegen sie aufgetreten ist? Der Vortragende brachte zunächst aus dem reichen Schatze seines glänzenden wissenschaftlichen Rüstzeuges Belege für die beiden Abschnitte jener Wandlung, darunter sehr interessante, erst neuerdings erforschte, der Oeffentlichkeit noch unbekannte Tatsachen. Die Lösung, die der Sprecher dann - für das von ihm behandelte Problem gab, gipfelt darin, daß Luthers Verhalten zuM Judentum in beiden Zeitabschnitten von seiner idealen Hoffnung bestimmt war, die Juden würden sich!, von dem hohen und reinen Geiste des protestantischen Christentums überzeugt, diesem.anschließen. Seine Enttäuschung! darüber, daß dies gerade bei den Charaktervollen unter den Juden nicht geschah, während die Beweggründe der angeblich! Bekehrten sich späterhin nur zu oft als unfromM und unrein erwiesen, hat ihn Hann mit dem JngrimM erfüllt, der sich am heftigsten in feiner bekannten Schrift gegen die Juden äußert. Er hatte aber die Glaubenstreue der Juden unterschätzt: die von ihm erwarteten Mäffenübertritte blieben aus. In den Dreißigerjahren erbitterte ihn besonders die Nachricht, daß in Mähren viele Christen das Mische Gesetz annahmen. So bereitete sich! eine immer stärkere Abneigung gegen die Juden in Luther vor, der nunmehr auch gegen chre soziale Stellung wetterte. Das überfüllte Auditorium folgte den Ausführungen des . Redners mit großem Interesse. IKorrespOndenzen. Ausruf! Die verheerenden Folgen , des Krieges haben unsere Glaubensbrüder in Palästina, in erster Reihe die aus Ostgalizien und der Bukowina, am schwersten und empfindlichsten getroffen. Eine Grundlage ihrer Existenz, die ständigen Unterstützungen aus ihren Heimatsländern, haben sie infolge der feindlichen Invasion in jene Gebiete vollständig verloren. Mangel an den unentbehrlichsten Lebensmitteln und unerschwingliche Preise einerseits, dezimierende Epidemien — ohne ärztliche Hilfe und Medikamente! — anderseits kennzeichnen die gegenwärtige trostlose Lage im Helligen Lande. Welche Opfer die verschiedensten Krankheiten infolge Unterernährung und Mangels an sanitären Vorkehrungen dort fordern, kann daraus ersehen werden, daß, wie uns jüngst aus Palästina zuverlässig mitgeteilt wurde, von der über. 50.000 Seelen zählenden jüdischen Bevölkerung in Jerusalem allein kaum 24.000 zurückgeblieben sind. Um das Maß der Leiden übervoll zu machen, bleiben jetzt auch die sonst ansehnlichen Unterstützungsbeiträge Amerikas aus. Dieses unbeschreibliche Elend nach Möglichkeit zu lindern, hat die HilMonnnission 1915 für Palästina sich zur Aufgabe gemacht. Seit nahezu zwei Jahren ist es ihr mit Hilfe des hohen k. u. k. Ministeriums des Aeußern und vieler edler Gönner auch gelungen, das erstrebte Ziel zu erreichen: Viele Tausende wurden vom Hungertode gerettet, viele Kriegswaisen und -Witwen wirksam unterstützt, und aus unserer gleichfalls gegründeten Kriegsspitalshilse für Palästina vielen Kranken ärztliche Hilfe und Medikamente verschafft. Nun sind aber unsere Mittel erschöpft, während die Anforderungen an unser Hilfswerk infolge der stetig steigenden Not immer größer werden. Wir wenden uns daher an alle edlen Menschenfreunde und Wohltäter ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit mit der dringenden Bitte, sich! dieser Aermsten der Armen zu erbarmen, an den kommenden b'yzn NOQNNiertazen durch ThorasMnÄen und Saiümilrmgen unsere Mion nach Kräften zu fördern und dadurch. mit dazu beizutragen. daß unsere Schützlinge, darunter Hunderte Witwen und KrieMv affen, die wir ohne Rücksicht auf die Staatsangehörigleit unterMtzen, vor dem sicheren Hrmaertode bewahrt werden. Das Präsidium Hilsskommission 1915 u. Kriegsspitalshilfe für Palästina, Wien, IV-, Fran-kenberggasse Nr. 14. Dir. Max G r u n w a l d, Dr. Adolf K a p r a l i k. Rabbiner. W. Reich, Baden bei Wien,- Oberrabbiner. Für die Kriegsspitalshilse: k. k. Hosrat Dr. Julius Schlag. Zahlstelle für Oesterreich: Bankhaus S. M. von Rothschild, Wien, I., Renngasse 3; für Ungarn: Maghar-Altälanos-Hitelbank, Budapest; für Böhmen: An das böhmische Landeskomitee für Palästina, Prag, Nillasstraße 16; ........für..Mähren:. Mährisches Landeskomitee süM Palästina, Brünn, Adlergasse 16; für Schlesien: Schlesisches Landeskomitee für Palästina, zu Händen des Präsidenten Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau; für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin, Postscheck- Konto 1000 (auf Konto HilsskomUnssion oder Kriegsspitalshilfe für Palästina). Sämtliche Spenden, auch die Tempelspenden, werden in der „Oesterreichischen Wochenschrift", bezw. im „Frankfurter Jsr. Familienblatt" veröffentlicht. Mn Hausherr, wie er sein soll. Der Wiener, der so gern Klagelieder singt über alles mögliche und unmögliche , in seiner Vaterstadt, hat auch das Bild des zinsgierigen Hausherrn entworfen. Da ist es beinahe Ehrensache, Much.von Hausherren zu berichten, die ihr Kapital — ihre Häuser — großen Zwecken uneigennützig zur Verfügung stellen. Im. drittel: Bezirk, am Esteplatz Nr. 3, hat Architekt Einil Reitmann sein prachtvolles neues Haus zum größten Teil Wohlsahrtsaktionen geöffnet. Es beherbergt jetzt eine Mittelstands'küche, zahlreiche Magazine und/ Lokale sind verschiedenen Akttonen als Lagerstätten eingeräumt worden und >als jüngste edle Tat gewährt er dem Wiener Frauenvereine Gastfreundschaft. Wunderschöne, Helle Parterrefäle in dein herrlich; modern und luxuriös ausgestatetten Hause sind in der schönsten und .zweckmäßigsten Weise hiefür .adaptiert worden. Die Gefeit' wurden sorglich. eingebaut, durch hohe Glaswände einzelne abgeschlossene Räume hergestellt, ein prächtiger Wasch raum mit zahlreichen Wannen und Waschbecken wurde eingerichtet. Der Wiener Frauenverein, der ohne dieses freigebige Entgegenkommen noch lange nicht fein schönes, so edlen Zwecken dienendes Heim hätte errichten können.