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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-04-06 · 14 (6.4.1917) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
14 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14; Tr. Blocht Wochenschrift Seile 219 stehende Abordimng in Audienz. Die Deputation bestand aus Männern, die feit jeher in: Mischen öffentlichen Leben Petersburgs eine führende Rolle innehatten. Die Abordirung begrüßte die neue Regierung und bat sie, die bisher unerhört gebliebenen gerechten Wünsche der Jndenschaft zu berücksichtigen, indem sie der Hoffnung Ausdruck gab, daß die neue Regierung nicht zögen: werde, die Rechtsbegrenzungen, welche das alte despotische Regime gegen die Juden erlassen hat, rechtsunwirlsam zu machen. Ferner unterbreitete die Abordrmng dem Regierungschef die Bitte, die jüdischen politischen Flüchtlinge, die in den Kerkern und Sibirien schmachten und erwiesenermaßen Opfer falscher Beschuldigungen sind, in Freiheit zu setzen. Die Abordnung schilderte auf Grund einwandfreien Materials das schreckliche Los der zahllosen jüdischen „Verschickten" und Heimlosen, die in der letzten Zeit aus ihren in der Nähe der;Front befindlichen' ständigen Wohnorten vertrieben wurden, u::d baten den Ministerpräsidenten. diesen Unglücklichen die Rückkehr in ihre früheren Wohnorte zu ermöglichen. Ministerpräsident Fürst Lwow empfing die Deputation äußerst freundlich, dankte namens der Regierung für die zum Ausdruck gebrachte.Loyalitätskundgebung und das der neuen Regierung seitens der Juden bekundete Vertrauen. Er hörte all' die vorgebrachten Beschwerden und Wünsche mit Aufmerksamkeit an und versprach, daß alle gerechten Forderungen der Juden berücksichtigt und der ErWlung zugeführt werden. Zun: Schluffe erklärte der Ministerpräsident, daß alle Juden, welche wegen Spionageverdachts oder anderer politischer Delikte in den Kerker geworfen wurden, in den nächsten Tagen in Freiheit" gesetzt werden. Einer telegraphische!: Mitteilung von: 27. März zufolge wurden M. M. Winawer und O. O. Grusenberg in den russischen Senat berufen. M. M. Winawer war Mgeordneter der ersten russischen Duma i:nd Vorsitzender des Verbandes zur Erreichung der Gleichberechtigung der Juden. Oskar Offipowitsch Grusenberg hat sich durch seine stolze Verteidigung im Beilis-Prozeß nur das Judentum große Verdienste erworben. Ein hervorragender Mischer- Advokat wurde zum Gehilfen des Justizministers ernannt. Aas Iudenedrkt des rumänischen Kenernlstabes. Ohne KomMentar geben wir einen Befehl des runtänischel: Generalstabes, der in den amerikanischen Blättern veröffentlicht wurden wieder: „Da die Jude:: unserem Rate, das Land "zu verlassen, nicht gefolgt sind, ist der gegenwärtige Augenblick nicht giinstig, daß es von ihnen verlassen werde; daher sind sie in die erste Feuerlinie zu stellen. Von den Offizieren wird verlangt, mit allen Fremden (das heißt den Jude!:), die als reguläre Soldaten oder als Freiwillige in unseren Reihen Dienst genominen haben, sehr vorsichtig zu sein." Ein UaSöi von Suwalki Seiet mit sterbenden ßhristen das „Maierunfer". Der Jahresbericht des evangelische:: „Krankenhauses zur Barmherzigkeit" in Königsberg i. Pr. :vidn:et der Kriegstätigkeit seiner Schwestern eine ausführliche WürbigimgJ Wir entnchnie:: dem Bericht nachstehende, auch für unsere Leser interessante Ausführungen: „In Johannisbürg erfflhren wir, daß ein kleines Häufle::: von Schwestern 30 Kilometer weit in Kolno jenseits der Grenze arbeitete. Darum wurde der Wagen noch schnell dorthin - gelenkt. Die Straße jenseits der Grenze war recht schlecht; aber der Besuch lohnte sich doch, weil die vereinsamten . Schwestern sich sehr darüber freuten. Die eine Schwester arbeitete in einem Lazarett, das in der Synagoge des Ortes eingerichtet wurde, und es berührte doch sehr eigentümlich, in diesem Heiligtume die -Krankenbetten zu sehen und den Platz des Vorlesers mit allerlei medizinischen Geräten bedeckt zu sehen. Aber das Verhalten der Verwundeten entsprach durchaus der Würde des Ortes." — An einer anderen Stelle des Berichtes heißt es: „Lieblich und erquickend ist eine Geschichte ans Suwalki, die uns die Schwestern aus dieser Zeit erzählten. Als nack) Einrichtung der Arbeit noch kein Geistlicher vorhanden war,-da hatte sich der fromme Rabbi des Ortes der Verwundeten und Sterbenden treulich angenommen. Weil er aber nur im Alten Testament Bescheid wußte, so ließ er sich das heilige Vaterunser ans s ch reiben und lernte es und las es den Schwestern vor, ob er auch alles richtig ausspreche. Dann hat er es den Leidenden und Sterbenden nach seinem Trostworte zun: Schlüsse gebetet, um ihnen auch ihr heiliges Gebet zu übermitteln. Diese Hilfe u n d W e i t h e r z i g? e i t soll ihm u n v e r g essen sein." Ehrung Kenry WorgenLstarr's. Wie aus Newyork gemeldet wird, wurde den: gewesenen amerikanischen Botschafter in Konstantinopel Henry Morgenthau die goldene Medaille der „B'nai B'rith" von Amerika verliehen. Es ist dies eine sehr hohe Auszeichnung, die demjenigen verliehen wird, der in den: abgelaufenen Jahre den: Judentume die größten- Dienste geleistet. Bisher besaßen bloß zwei PeAönlichkeiten. diese selte::e Auszeichnung, und zwar Expräsident Taft und Dr. Adolf Stern in Bukarest. Die feierliche Ueberreichuug der Medaille fand in einer Festversammlung statt, an welcher über 400 Personen teitnahmeu. wobei Henry Morgenthau Gegenstand großer Ovationen "war. Kaste Auszeichnung der Aolschaftersgüttin KlLus. Wie „L'Aurore" in Konstantinopel berichtet, hat der Sultan der Gattin des amerikanischen Botschaftersin Konstantinopel, Mme. Elkus, den Chefakat-Orden erster Klasse verliehen. Dieser hohe Orden wird nur solchen Damen verliehen, die sich! durch ihre Tugenden, durch ihr Talent oder verdienstvolle Akte besonders hervorgetan haben. Mme. Elkus betätigt sich, seitdem sie in Konstantinopel weilt, in hervorragender Weise auf humanitärem Gebiete, ohne Unterschied der Konfession, und hat sowohl durch ihre Anregungen wie auch durch persönliche Betätigung und Widmung von nanchasten Spenden aus eigenen Mitteln sich in allen Gesellschaftskreisen der türkischen Hauptstadt große Sympathien erworben, die nun auch! in der Auszeichnung seitens des Sultans solennen Ausdri:ck gesunden haben. Hin griechisches Urteil über jüdische Wohltätigkeit im Kriege. Die in Konstantinopel erscheinende griechische Zeitung „Tachidromos" widmet, wie ,,L' Anrore" hervorhebt, der philanthropischen Tätigkeit der ottomanifchen Juden während des Krieges einen längeren, lobenden Aräkek. Das Blatt schreibt u. a.: Vor uns liegt der Rechenschaftsbericht der „Commission Eentrate de secour's aux Jsraelites ottomans" über ihre Tätigkeit während des Krieges. Wir können nicht umhin, unserer Bewunderung Ausdruck zu geben über die Opferwilligkeit, welche die bemittelten Juden in dieser schweren Zeit ihren Glaübensbrüdern gegenüber an den Tag legen, die jetzt durch ihre Mittellosigkeit besonders stark zu leiden haben. Besonders hervorgehoben und als Muster für andere hingestellt zu werden verdient die großartige Organisation, mit wel-

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