Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 . Dr. Bloch s Wochenschrift Seite an Maren nach kürzer Zeit zu Macht, Einfluß und Ansehen gelangt. Hier in Spanien gelang es den Juden.sogar. %u ausschlaggebender Bedeutung zu kommen, so daß sie nicht nur in den Künsten und Handwerken, in denen sie auf einem weit höheren Kulturniveau standen als Liehalbb'ärbarischen Völkerschaften, unter denen sie sich ansiedelten, sondern auch in politischer Beziehung iu die Lage kamen,.ihre Eigenart zu bewahren. Jüdische Aerzte/ Wische' Philosophen/ jüdische Goldschmiede und jüdische Geldwechsler nahmen von Spanien aus ihren Weg in Las übrige Europa und trugen jüdische Sitte und jüdische Äultup in >alhe Lcnrde. Unter diesen bedeutenden Persönlichkeiten, der spanischen Semiten jener Zeit war einer der feinsten Köpfe'ein gewisser Chasdai-, der als Leibarzt des 'berühmten- Kalifen Äbdur Rarnan III. zu großem 'Einfluß kamt. Diesen Chasdai hatte verschiedentlich Gelegenheit, seinem Herrn guten Rat git geben, und so wurde er denn auch zu allerhand politischen Geschäften verwandt und zum Abschluß von Verträgen an fremde Höfe -gesandt. Auf einer dieser Reisen lernte er ein geographisches Werk lernten, in dem zum erstenmal die Fürstenhöfe der' damaligen Zeit beschrieben waren, und fand darin zu seinem größten Erstaunen von einem Volksstamm im Süden Rußlands erzählt, dessen Könige Juden waren und aus der dem Davidshause nächst vornehmen Familie der Aaron stammten. Chasdai schrieb dem König dieses Stammes einen Brief, der auf unsere Tage gekommen ist, und der ein rührendes Zeugnis dafür ablegt, wie die Juden den Verlust ihrer Selbstän- . digkeit und den Sturz ihres Mnigshauses beklagten. Er begrüßt im Namen aller Juden der" Welt den König und fordert ihn auf, das Reich Davids, und Salomos wiederherzustellen in seinem alten..Glanze und..in seiner Macht.. Die .Antwort des. Königs ist leider nicht erhalten, aber sie muß günstig gewesen sein, denrt seit jener Zeit bestand ein regelmäßiger Verkehr zwischen den Juden Svanieps und denen in Südrußland.'Die Chasaren kamen unter der jüdischen Herrschuft zu hoher Blüte und taten, unendlich viel für jene Gegend, aber auch sie konnten dem Ansturm der urwüchsigen nordischen Völkerschaften nicht standhalten, und im Jahre 965 n. EH. G. verliert der letzte jüdische König der Ehäsaren im KMnvf gegen die finnischen Waräger Thron, Land und Leben. Zum zweitenmal zerstreuten sich die Juden in alle Welt, ohne Hoffnung auf eine Wiederherstellung ihrer Selbständigkeit. Wie die russische Nationalhymne entstand. Die russische Nationalhymne, die mit den Worten beginnt : „Boshe Zarja Chrani" (Gott erhalte den Zaren), ist ihrem Texte nach eine ziemlich treue Uebersetzung des englischen „God fave the King". Wie Victor Hehn schreibt, wurde sie ursprünglich auch zur englischen Melodie gesungen, bis sich Nikolaus I. darüber ärgerte und -einen Wettbewerb für eine neue Melodie ausschrieb, die won einem russischen Untertan herrühren mußte. „Es liefen eine Menge Kompositionen ein, darunter eine von. dem damaligen Gartzeoffizier L w o w. Dieser, von jüdischer Herkunft "und darum auch nach dem Löwen oder - dem Namen Levi benannt, war ein Violinspieler, der unter, den Flügeln des polnischen G-rafen Wielohors ft bei Quartetten bei Hofe midgewirct und dort folglich, begannt war. Gardeofflzier war er dazu und einen russischen Namen trug' er auch. IHM wurde daher ohne Wahl der Preis zuerkannt. Er erhielt die Belohnung, wurde gefeiert, stieg immer höher in wer Gunst, die kaiserliche. Souperkapelle wurde chm untergeordnet, ^er wurde General und Adjutant des Kaisers, endlich Se-, nawr. Er war eigentlich nur Violinist gewesen, Musiker und Harnvonist über nie. Er hatte die alte Melodie „O sanctissima" genommen uub sie etwas zugestutzt, wobei ihm der dritte Sohn des Bankiers Rall, gleichfalls eilt jüdisches musikalisches Talent, damals bei der Gardemusik angeftellt, behilflich war. Nach einigen Meldungen soll dieser sonst liederliche Jüngling der eigentliche Erfinder oder vielmehr Arrangeur der Hymne gewesen sein. Was an der Komposition noch fehlte oder musikalisch unrichtig war, wurde von Lwows Lehrer, Maurer, ins Geleis gebracht. So entstand diese sogenannte Nationalhymne. Sie wurde auf kaiserlichen Befehl überall bei der Armee und der Garde eingeführt, bei allen öffentlichen Gelegenheiten, in der. Schule und in den Erziehungsanstalten, bei Festen, in Theatern, in Konzerten, bei jedem Aktus jeder Art gespielt und gesungen und auf alle Weise eingeimpft. Man hört sie bis zurrt Ueberdruß. Und doch ist sie nicht eigentlich populär geworden." Man mußdie Hymne unter allen Umständen stehend und entblößten Hauptes anhören. Uniformierte Müssen die Hand an die Mütze halten, solange gesungenwird. Ein kleinrnsfischer Journalist wurde letztes Jahr in Kiew wegen Majestätsbeleidigung zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, weil er sitzen blieb, als eine Militärmusik mehrere hundert Meter entfernt die Hymne spielte. Bei „patriotischen" Kundgebungen, die eigentlich in Rußland als ZtlsamMenrottungen verboten sind, wird daher utrunterbrochen die Hymne gesungen, nach deren Schluß ein dreimaliges Hurra eingefügt wird; die Polizisten legen die Hand an die Mütze und wagen Nicht einzuschreiten. ... Sehr geehrter Herr Redakteur! Die Ergänzungen des Herrn Prof. Pr. Grünfeld in Brünn zünt Feuilleton von Mathias Miefes (mausetof von moves (Tod) und Schamster Diener pyn Schammes scheinen mir nicht richtig zu sein. Nicht deshelb, 'weil es Tautologien wären und eine Zusammensetzung Meier'Wörter, die dasselbe bedeuten, keinen Sinn hätte, sondern weil es nicht angehl, auf die lautliche. Aehnlichkeit zweier Wörter allein so ohne weiteres Etymologien auszubauen. — Mausetot bedeutet tot wie eine Maus. Dieses kleine Tierchen ist leicht zu töten, mit einem schwachen Schlag hat man es im Nn sicher umgebracht. Schamster Diener (so wird es geschrieben und nicht wie Herr Dr. G. willkürlich ansetzt: Schamster-Diener — mit Verbindungszeichen —) ist ein Verballhornung von Gehorsamster Diener. — Ob in „Beisl" das hebräische bajis zu erblicken ist, weiß ich nicht. Es dürfte meines Erachtens das deutsche „Häusl" — mit nicht ganz richtiger Aussprache ..Heisel" transkribiert — mit jener Konsonantenänderung sein, wie wir sie in Teure! statt Teufel su. a. W. haben. Hochachtungsvoll Dr. A. Kapralik. Pcvoint. Das soeben erschienene Märzheft (5) der Monatschrift in polnischer Sprache „Moriah" enthält folgende Arbeiten: W. B. : Kriegsantisemitismus"' Dr. L. Reich: „Heber den gegenwärtigen Zustand, Aussichten und Aufgaben der zionistischen Bewegung"; B. Dulberg : Nachruf für Buki ben Jogli; I. L. K atze ne lson: Airs der Argadah Purim-Fragment); N. M. Gelber: „Ueber die neue Organisatio.i der jüdischen Gemeinden in Polen" (2. Teil); Dr. I. Schippe: : „Das polnisch-lithauische Judentum und Palästina" (Schluß); I. Safrin: „Rer" (Gedicht aus Bibelmotiven; „Zur Frage de: jüdischen Jugenderziehung" (freie Diskussion, 2. Teil). Die Rundschau umfaßt: „Aus der Jugendbewegung", „Das gegenwärtige hebräische Schrifttum in Palästina", „Aus jüdischen Und nichtjüdischen Zeitschriften". Bibliographie und-neue Bücher schließen diese reichhaltige'Nummer. Zu beziehen vom „Moricch"-Verlag. Wien, 1. Bez., Ebendorferstraße 3/13. . __ Dr. W. Ahrens in Rostock. Hebräische Amulette mit magischen Zahlenquadraten. 1916. Verlag von Louis Lamm, Berlin.