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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-30 · 13 (30.3.1917) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sttte SOL T r. Bl och'S Wochenschrift" Nr. IS rischer JuÄeir in Dnuria. Dieser Verein stand eü; Halbes Jahrlang nnter der Führung pes Feldwebels G r o ß - mann. Der Vereür hatte 116 Mitglieder, hielt allwöchentlich -eine Ausschußsitzung ab, unterstützte die armen Leidensgenossen und errichtete während des, dortigen Aufenthaltes des Großmann in fünf Fällen Gräbsteine für verstorbene VereinsmiLglieder. Zu Pessach wandte sich der Verein an d.ie jüdische Gemeinde von Cfita in Sibirien und Pessach-Lebensnrittel und erhielt auch von derselben MüWoth> Eier und Fische für die ungarisch-jüdischen Kriegsgefangenen. Bei Abschluß, des Berichtes verfügte der Verein über 107 Rubel und 46 Kopeken in barem. Obmann des Vereines war Moritz Groß m a n n. Kassier Moritz Fried, Buchführer Oskar Patak, Sekretär Elias Weiß und Schriftführer Andor Fried. Am 30. Juni 1916 wurde Großmann mit vielen Hunderten Kameraden an 'das andere Ende des großen Reiches, .nach Archangelsk, gebracht, wo sie bei den soviele Menschenleben verschlingenden Bauarbeiten der Murman-Bähn beschäftigt wurden. Durch die häufigen .Mitteilungen-.der Tagest; resse weiß ja die Oesfentlichkeit, was die Murnran-Bahn ist. Eim strategische Lmie, welche Mer eisige Sümpfe führt und deren Schienen sich auf aus denk Blute der Arbeiteropser errichteten Dämmen hinziehen. Die Arbeiter werden durch eine schreckliche Pestform, den Csingan, dezimiert. G roßma nn und Kameraden wurden nun hieher komumndiert. - Die furchtbaren Leiden waren jedoch für sie unerträglich. Der Feldwebel heckte einen Fluchtplan aus, sind am1 13. Juli, nachts 11 Uhr — bei dem blassen Scheine der Mitterrrachtssonne —, sind 31 ungarische Soldaten erttflohen. Brot und Tee, das war alles, was sie mitgenommen hatten. Ihre Uhr war ihr Kompaß. Eine Zeitlang irrten sie in Urwäldern herum. Nach! vier Tagen war ihnen jedoch der Lebensmittelvorrat ausgegangen und drei Tagelang lebten sie von Gräsern, Wurzeln und Schwänrimn, ihren Durst löschten sie Mit Schnee und Regenwasser. Nach neuntägigem schrecklichen Jrrlvandern sind die Leute mehr als einmal unter den Mühsalen verzweifelt zusammerrgebrocherr. Endlich gelangten die ungarischen kriegsgefarrgeneir Soldaten, die ohne Landkarte hernmirrten, in ein finnisches Küstendorf. Die finnischen Bauern empfingen ihre stammesverwandten ungarischen Soldaten äußerst liebevoll. Feldwebel Großmann ließ die Gruppe rasten, von der Ortsbewohnerschaft erhielten sie Brot, Fische und Eier. Zitternd vor den.russischen Gendarmen — die flüchtigen Kriegsgefangenen waren unbewaffnet zogen sie weiter und hielten sich..zeitweilig in den finnischen Dörfern Korja und Marti verborgen. Bon den 31 Soldaten blieben 14 bei den Finnen zurück, während die andern weiterwanderten. Nach 28 tägigem Herumirre.il an der Küste des Eismeeres Merschritten die furchtbar mitgenommenen totmüden Soldaten die norwegische Grenze. In Karasjot meldeten sie sich beim Beamten der norwegischen Grenzmaut, der ganz entsetzt war, als er der gespensterhaft herabge'komMenen Gefangenen ansichtig wurde. Das österreichisch-ungarische Konsulat voir Tromsö sandte ihnen entsprechende. Geldmittel, sie bestiegen ein Schiff, Wd nachdem sie die Fjords von dem nördlicher; Zipfel von Norwegen umschifft Hatten, langten ji; an: 22. August 1916 in Hammdrfest und am 23. in Tromsö an. Die norwegischen Blätter schrieben spaltenlange Berichte "über dem 'Feldwebel Gr ofemaiut und seine Truppe, welche "damals schon 'bloß ans T7 Mitgliedern bestand. Ueber Stockholm und Deutschland gelangten die Helden in ihre. Heimat. Der Feldwebel schließt seinen Bericht mit folgendem Satzes „Gott war mit mir und ich bin glücklich in meinem Vaterlande angekommen/' . Unter den flüchtigen Soldaten waren.acht Jude;;. Nach seiner Einvernahme int KriegsMinisterium kan; G ro ßm a n zu seinem Regiment zurück und versieht jetzt An Török-Balint seinen Militärdienst. Are Ketden des Angriffs vom 23. Aeöruar. Heldentod eines Rabbinersotznes. „Egycnlöseg" schreibt: In dem österreichisch-ungarischen Generalstäbsbericht vom 23- Februar wurde u. a. gemeldet, daß bei Zwyzin, östlich Zloczow, unsere Sturintruppen in die russischen Stellungen eindrangen und nach Sprengung von vier Minengängen. mit 250 Gefangenen, darunter 3 Offizieren, und einer Beute von zwei Maschinengewehren zurücklehrwa. In. dieser wagenmtigen Unternehmung, welche den ...... Regimenter;; in der Armee .B ö h m- C r m o t l i zusiel, habe;;. sich auch mehrere unserer Glaubensgenossen ausgezeichnet. Laut einer Mitteilung des Fähnrichs Polzer von der Front griffen die unter der Führung des Fähnrichs Deutsch flehenden Leute bei der Einnahme der zweiten russischen Linie in den Kampf ein. Bei der Einnahme der dritten Linie gab es neben Verwundeten auch einen Toten, und zwar den Kadettaspiranten Heinrich Josef, -Löhn des Rabbiners von Varosszalonäk, der sich zu dieser Unternehmung freiwillig meldete und dabei den Heldentod fand. Fähnrich Deutsch erhielt einen.Lungenschuß und wurde von den Deutschen ins Spital gebracht. Jode ünsgezeichnßt. Dem vor dem Feinde gefallenen Ldst.-Infanleristen Moses Herbst wurde die silberne Tapferkeitsmedaille 2: Klasse verliehen. Jetdpostörief. Im Felde, Feldpostamt 648, am 28. Februar 1917. „Endlich sind wir vor einigen Tagen von der russischen Front hieher angelangt", so beginnt der Feldwebel Armin Weiner des Infanterie-Regiments Nr. .... feinen hochinteressanten Brief-seiner neuen Front dem Vetter Sandor Weiner zu erzählen. „Die Fahrt hieher dauerte 11 Tage. Kälte Hatten wir in Rußland genug, aber hier am heimatlichen Boden variiert es zwischen 30 und 38 Grad. Am ersten Tag ünserer Ankunft wurden wir in der Nähe eines 1700 Meter hohen Berges auswaggoniert, wo uns bekanntgegeben .wurde, daß dort oben unsere Stellung sei. Den Weg niußten wir hinaufklettern. ' Wir erhielten direkt hiezu geeignete neue Bergtourschnhe sowie lange Stöcke, und wandelten recht - launig hinauf. Daß nw oft abrutschten, ist leicht begreiflich, es war dann ein Hallodrio. Hoch oben mußten alle unter dem freien Himmel übernachten, ich bezog ein. Holtzhüttchen, worin es noch schlechter und kälter .war als im Freien, weil der Wind furchtbar kalt durch dasselbe zog. Frühmorgens sahen wir uns schon Rumänen und Russen gegenüber. Gewehrkugeln brauchen wir hier nicht zu fürchten, denn es. kommt nur Eefchützfener in Betracht. Bei Tageslicht dürfen wir uns außerhalb^ unseren Stellungen nicht blicken lassen, weil uns sonst der Feind leicht beobachten kann und die 24 er fangen an in Aktion zu treten. Alle unsere Aktionen gegen den Feind wickeln wir Nachts ab. Die Nächte sind hier nufere Tage und die Tage benützen wir zur Nachtruhe. Ist hier keine verkehrte Welt? Infolge der großen Kälte kommen auch Fälle teilweisen Erfrierens vor. Die Verwundeten und teilweise Erfrorenen tranportieren wir auf Rodelschlitten insi Tal-, dies ist eine, riesige Arbeit. Mein Wöhnraum ist-eine Holzhütte,. wie ich Dir eingangs erwähnte, auf 1700 Meter Höhe.. Ich habe wohl einen kleinen Ofen, aber durchwärmen kann inan den Wohnraum nicht, weilder rauhe Wind durch denselben bläst--Außer den riesigen Bergen sehen wir sonst nichts als ' Wölfe und Bären. Ob wir hier gesund /verbleiben, wird. -nur ein Götteswunder fein. Ich ahne schon, daß mir diese Gegend hstM-.' veHelfeir.Mird, tzbäld-.ckns Hinterland zu konttnen. .Stehend 'können wir! keine 20 Schritte gehen, sondern nur sitzend oder' auf allen Vieren kriechend. Wie

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