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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-30 · 13 (30.3.1917) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 1S6 Dr. Bloch'H Wochenschrift" Ro. 13 Sie dieses Wort fest und geben Sie nicht allzuschärf mit uns ins Gericht; es gibt vieles, sehr vieles1 noch zu tun, wir wissen es, aber angesichts der Zeit und der‘Mittel konnten wir nichts' anderes, als, die Arbeit beginnen, und über diesen Anfang wollen wir Ihnen berichten.“ // Hierauf erfolgt die Verlesung des nachstehenden Rechenschaftsberichtes: Gründung. Als im Sommer des Jahres 1915 das Land Galizien zum großen Teil von der Russeninvasion befreit war, tauchte plötzlich die Frage auf: Was soll aus den verlassenen Kindern, den Kriegswaisen dieses Landes werden? Wohin mit diesen armen, unglücklichen Opfern des’ Krieges, die beide Eltern verloren haben, oder denen die Mutter erschlagen oder von einer Seuche hinweggerafft, deren Vater verschleppt wurde oder an der Front stand, und deren armselige Wohnstätte zum Trümmerhaufen geworden war? Wohin mit diesen kleinen unschuldigen Wesen, die, hungernd, dem Flecktyphus und der Cholera preisgegeben, in Erdhöhlen Unterschlupf suchten und von denen Hunderte in diesem Elend bereits zugrunde gegangen waren? Tausende solcher Kinder irrten in den Städten und Dörfern Galiziens' auf der Gasse umher, ohne Obdach, ohne Nahrung, ohne Kleidung, kaum notdürftig in Fetzen gehüllt. Eder tat schleunige Hilfe'dringend not! Mit welcher Wucht diese Frage in die Erscheinung trat, erhellt aus dem Umstande, daß ungefähr zu gleicher Zeit vier verschiedene Aktionen zur Rettung der galizischen Kriegswaisen unternommen wurden. In Wien war die Angelegenheit Gegenstand eingehender Erörterungen im Verbände der isr. Hümanitätsvereine „B’nai B’rith“, die schließlich zur Gründung des Vereines zur Rettung verlassener, jüdischer Bänder Galiziens und der Bukowina führten. In Biala befaßte sich die hohe k: k. Statthalterei mit dieser Sache; in ihrem Aufträge trat Herr k. k. Hofrat Brückner mit dem Präsidenten des Verbandes, Herrn Univ.-Prof. Dr. Ehrmann in Fühlung. Gleichzeitig hatte ein Komitee in Wien unter Leitung von Frau Lisette Gelber mit Sammlungen für die galizischen Kriegswaisen begonnen und namhafte Beträge für diesen Zweck erhalten. Diesem Komitee gehörten an: Frl. Eveline Klär mann, Frau Emma Lilien, Herr Prof. Ehr-mann; Herr k: k. Hofrat L o wne r; ferner die Herren Abgeordneten Dr. Groß, Dr. Kolas eher, Dr. v. Löwenstein, Edmund Rauch und Doktor Steinhaus. Und aus Bielitz -kam ein Angebot, das Haus der Simachowitz - Stiftung für diese Aktion zur Verfügung zu stellen. Beseelt von dem’ Gedanken, eine der wichtigsten find dringendsten Aufgaben, die hier der Lösung harrten, zu erhallen, vereinigten, alle ihre Kräfte zur gemeinsamen Arbeit in unserem Vereine. Organisation.! Von der hohen k. k'. Regierung wurde die Beistellung der Erhaltungskosten für die durch denKrieg verwaisten Kinder Galiziens in Aussicht gestellt und das Resultat der Verhandlungen mit der hohen k. k. Statthalterei in Galizien war, daß die Fürsorge dieser Kriegswaisen einem1 Zentralkomitee änvertrautwurde, welches, den eigenartigen Verhältnissen des Landes Rechnung tragend, die Teilung der Aktion nach Konfessionen durchführte. Den' gesetzlichen Bestimmungen gemäß mußte der von den Proponenten unseres Vereines verfaßte Aufm!’ dem hohen k. k. Ministerium des Innern vorgelegt werden. Der Präsident des'Kriegsfürsorgeamtes, Se. Durchlaucht Herr Dr. Eduard Prinz von und zu Liechtenstein, dem der.Aufruf zur Begutachtung vorgelegt wurde, teilte den Proponenten .• seine Absicht mit, gleichzeitig einen Aufruf: zugunsten der christlichen Waisen zu veröffentlichen. Darauf erfolgte die Einigung, einen gemeinsamen Aufruf zu erlassen und die .eingegangenen Gelder nach einem bestimmten Schlüssel aufzuteilen. Die Zahlstelle für die Spenden für christliche Kinder wurde das Kriegshilfsbüro, für jüdische Kinder unser Verein. Seitens der hohen k.. k. Statthalterei in Galizien, wurde-- ein Zentralkomitee für jüdische Waisenfürsörge; bestehend aus den Sektionen. Krakau und Lemberg für. West-, bezW. Ostgalizien eingesetzt und mit der. Aufgabe betraut, gemeinsam mit unserem Vereine die- Unterbringung und. Versorgung der Kinder zu organisieren und die lokale Arbeit durchzuführen, resp. zu überwachen. Zunächst galt es, die für die Durchführung der Aktion notwendigen Geldmittel!zu beschaffen. Der ^ungeheuren Wichtigkeit und Dringlichkeit der Sache entsprechend, wurden uns auch bald große Spenden zur Verfügung gestellt. Propaganda. Der Verband der isr. Humanitätsvereine „B’nai - B’rith“ als Gründer unseres Vereines widmete Uns den Betrag von 100.000 Kronen. Die. Sammlung des Komitees der Frau Dr. G e 1 b e r führte uns bedeutende Beträge von einflußreichen Persönlichkeiten zu Einen ungeahnten Aufschwung nahm aber die Aktion, _als sich die „Neun Freie. Presse“ in den. Dienst unserer Sache stellte und. sich nach. Veröffentlichung des oben erwähnten Aufrufes, der. von den hervorragendsten Damen un i Herren der Residenz unterzeichnet war, bereit erklärte, ihr zukommende Spenden für uns entgegenzunehmen und jeweils’ öffentlich .auszuweisen. In 205 Ausweisen sind die Eingänge von. 1,036.310.81 Kronen an Spenden, bezw’. Mitgliedsbei trägem bestätigt worden,; und jede einzelne hat nicht, nur für sich Hilfe gebracht, sondern.auch, Beispiel gehend, gewirkt. Hervorragend erfolgreich war das ergreifende Feuilleton des Schriftstellers Felix.S a 1 te n: „Wer nicht herzlos ist“. Auch die übrige Tagespresse- sowie die jüdischen Zeitungen haben unsere Bestrebungen, bereitwilligst. gefördert. Mit ihrer Unterstützung Haben wir eine großzügige Propaganda inauguriert,’ deren Erfolg uns die Möglichkeit gab, unser Hilfswerk zu beginnen. Die isr. Humanitätsvereine „B’nai B’rith’“ erklärten ihren korporativen Beitritt als. Gründer oder. Stifter des Vereines, sowie ihre Bereitwilligkeit, im Bereiche ihrer Wirksamkeit die Sammeltätigkeit , zu organisieren und zu leiten.', Groß ist die Zahl der Damen und Herren, die ihre Tätigkeit den Sammlungen für unseren Verein zur Verfügung gestellt haben. In vielen Sitzungen und zahlreichen Besuchen Wurde immer wieder auf die ungeheure Dringlichkeit unserer Aufgabe hingewiesen, und diesem1. Aufwands an Arbeit entsprach auch das. Resultat.. Besonders’ erwähnt sei das Damenkomitee in Wien,, welches sich bei der Gründung des Vereines konstituiert hatte und' sohin vomBeginn unserer. Tätigkeit an die Tendenzen unseres Vereines propagiert. Die jüdische Wohltätigkeit hat auch gelegentlich der hohen Festtage gezeigt, daß sie kein legendärer Begriff,, sondern eine lebendige und kraftvolle Erscheinung, im jüdischen Leben ist. Alle: Kultnsgemeinden den Monarchie wurden ersucht,. Tempelspenden für. unseren Verein entgegenzunehmen;, die Herren Rabbiner gedachten in ihren Predigten der verlassenen Kinder

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