Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022262--25877-3051205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fflr. BloUS Wo'chenfchrift" I. Generalversammlung - des. Seite 195 Wien,. IX., Universitätsstraße 4. 17. März 1917. Dieerste. General Versammlung des Vereines zur Rettung verlassener jüdischer. Kinder Galiziens und der Bukowina fand am 17. März 1917 im Saale der israel. Humanifcä,tsvereine „B’nai B’rith'“, 9. Bezirk, Universitätsstraße 4, statt.; Präsident Df. Edmund Kohn; eröffnete dieselbe mit folgender Rede: „Bevor >wir -unsere Verhandlungen beginnen, lassen Sie mich meiner Freude Ausdruck gehen darüber,, daß wir die. Ehre haben, außer den zahlreich erschienenen Mitgliedern des Vereines eine Reihe illustrer: Gaste , begrüßen zu können, und z\Var: Se. Durchlaucht Herrn Dr. Eduard Prinzen von und zu Lie chtens tein als. Leiter des Kriegshilfsbüros des hohen k.'k. Ministeriums des Innern, Herrn Hof - rat Julius Ritter v. TiW a r d o wi s k i vorn hohen k. k. Ministerium für Galizien, Herrn Landtagsabgeordneten Dr. Ritter v. G(omperz, den Präsidenten der Sektion Lemberg des Zentralkomitees- .für Waisenfürsorge Herrm Df. - EMI Piarnas; ferner die Delegierten der isr. Kultusgemeinde Wien, der „Isr. Allianz zu Wien“, des Zentralkomitees der, Zionisten Oesterreichs, der „Weiblichen Fürsorge“, des Komitees zur Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der Juden im nördlicheii Kriegsgebiete, der Wohlfährtsihstifutiohen der Frau Anitta Müller, des HilfsVereines für die notleidende Bevölkerung; in Galizien, des Vereines, für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, des Vereines zur. Unterstützung isr. Handwerker und Kleingewerbetreibender, des Kuratoriums der Simachowitz-Stiftung, Bielitz, und endlich des Verbandes der isr. Humani; tätsvereine „B’nai B’rith“ sowie der Humanitätsvereine Wien" und „Eintracht“ B’nai B’rith. Sie alle heiße ich auf das herzlichste willkommen. Sehr geehrte Generalversammlung! Als wir durch das Vertrauen der konstituierenden Generalversammlung an diese Stelle berufen wurden und als wir alle, die der Leitung, zuvörderst dem1 Exekutivkomitee angehören, die Geschäftsführung übernahmen, da wußten wir sehr gut, daß wir unseren Fuß auf eine terra incognita setzten, Wir (wußten wohl, daß es galt, großes Elend zu lindern und schwere Arbeit zu leisten; allein wir alle Waren -'konsterniert über den unsagbaren Grad von Elend, das wir wähmehmen mußten, und stehen oft ratlos vor der immensen Arbeit, die Tag für Tag von jedem einzelnen Faktor der Waisenfürsorge geleistet werden-soll.. Speziell für uns ist diese Arbeit oft eine doppelt schwere, da wir sozusagen am grünen Tisch das 'Elend lindern müssen, ohne selbst; eingreifen zu können. Da empfinden wir es als ein besonderes Glück, daß wir im Lande Galizien in.den v Sektionen MAnner zur Seite haben, die gleich, uns alles, daransetzen,. dem' Elend zu. steuern, und auf deren Gewissenhaftigkeit t.wir. uns durchaus, verlassen können. v; Geehrte. Versammlung! DaMt. Sie eine kleine Vorstellung haben, was ^Mr Verhältnisse in diesem durch, den Krieg so junerimeßhch hergenommenen Lande herrschen, will ich Sie einen Blick in dasselbe werfen lassen, indem ich Ilmen zwei Briefe vorlesen lasse: (Es werden die Berichte der Sektion Lemberg über Rawaruska, Beiz, Grodek-Jagiellonski und Mosciska verlesen.) Sie haben eine kleine Vorstellung von dem Elend; Sie ersehen aber auch daraus,-daß wir beim besten Willen nichts anderes tun können, als diese. Kinder zu kleiden und den beiden Sektionen, den kompetenten Faktoren im Lande, mit Geldmitteln bei- ' zuspringen, damit möglichst viele Heime in bereits bestehenden und leicht zu adaptierenden Gebäuden errichtet werden. Siebzehn solcher Heime sind bereits errichtet oder ihre Errichtung eingeleitet worden. Die Bekleidungder Kinder ist unsere unablässige Sorge, die uns um so schwerer drückt, als alle Stoffe : und Materialien mit Beschlag belegt und nur schwer und dann nur um teures Geld zu haben sind. Erst in den allerletzten Tagen hatten wir das Unglück, daß', wir durch Brand um einen Teil der mit großer Mühe errungenen Waren kamen, die schwer ersetzt werden können. Inmitten dieser Arbeit für die Aermsten der Armen in Galizien werden wir auch (da wir durch unsere. Propaganda in Stadt und Land bekannt wurden) von jenen gesucht, die Wohl ein schützendes Dach, Kleidung und Nahrung haben, die aber das recht bedauerliche Los des Flüchtlings getroffen hat. Diese oft ganz verlassenen Waisen sind der Meinung, daß wir viele Waisenhäuser in Betrieb haben und kommen oder schreiben nach Wien. Da helfen uns die Anstalten der Zentralstelle für Flüchtlingsfürsorge unter Leitung des Herrn Gemeinderates Dr. Rudolf Schwarz-Hill er, der Wohlfahrtsinstitutionen der Frau Anitta Müll er und der Heimstätte für jüdische Kinder, deren Präsident Herr Dr. Siam uely ist, über manche schwere Frage, solche Kinder zu versorgen, hinweg; ihnen danke ich an dieser Stelle bestens für ihr freundliches Entgegenkommen. Diese Flüchtlinge lind Waisen sind im Genuß der Flüchtlingsbezüge und mit dem Nötigsten versorgt und dürfen nicht unsere erste Sorge sein, wenn wir auch ihnen das. Los bessern helfen wollen. Unsere erste Sorge ist es, diejenigen in Heimen zu sammeln, die in Galizien ohne jede Hilfe kaum vegetieren. Was für eine Wohltat ein solches Unterbringen in einem Heim für diese Kinder bedeutet, kann nur derjenige ermessen", der die Kinder sah, als sie von der Straße, aus Kellern, aus Häuserruinen aufgelesen wurden, ganz oder halb nackt, in grimmiger Kälte barfuß, mit eingefallenen Wangen, tiefliegendem, mattem Auge und fahler Hautfarbe, und der jetzt etwa in Ernsdorf die Kinder wiedersieht, mit roten Wringen, lachendem Auge, gut genährt und gekleidet. Geehrte Versammlung! Wer solchen Unterschied gesehen hat, der empfindet eine innere Befriedigung, die ihn sich glücklich schätzen läßt, mi^arbeiten zu können, eine ganze Generation zu retten, und dankt in jeder Minute jedem einzelnen Spender und allen zusammen, dehn nur durch sie wurde' es möglich, diese Segensreiche Arbeit unseres Vereines zu beginnen. „Zu beginnen!“ Halten 5875 001429