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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-30 · 13 (30.3.1917) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 194 Tr. Bloch'S Wochcnschrisl Jfi.'-l 5 § 1. „Unsere Salzburger," erzählt dä Göcking^„haben auf ihrer Wanderschaft Don Berlin bis Preußen nicht viel Oerter betreten, darinnen Juden wohnen. Folglich wird unsere Erzählung von dem Verhalten der Juden gegen, diese Pilgrim ganz kurz flyn. In dem! ersten 'Teil dieser Geschichte hat man noch das Bezeugeneines -Juden in Koburg gegen diese Pilgrim vergessen. Dieser. Jude, der nicht weit von der Stadt wohnte, schickte am 21. Juli .1732, als man für-die Salzburger eine Collecte sammelte, zwei Gulden aufs Rath-Haus, mit dieser Ueberschrift: „Standhaften, armen, vertriebenen Leuten ein Nein Präsent." Desgleichen taten auch damals die Würzburgischen und B ambergischen Juden, welche durch Coburgische Bürger etliche Gulden und Thaler überreichen ließen. Fast nirgends hat sich ein Jude gefunden, der diese Betrübten noch weiter betrübet hätte. Ein einziger wollte sichin Neustadt-Eberswalde an chnen vergreisen und auf das gute Geld, das er ihnen . auswechselte und ungültige Müntze dagegen von ihnen annahm-, gar zu viel Aufgeld nehmen. Sonst weiß man keinen Juden, der unseren Emigranten auf ihrer Reyse zur Last gereicht. §2. Allenthalben, wo Juden wohnten,' erwiesen sie diesen Flüchtlingen alle Liebe. Zu Bahn bat sich ein Jude von Viesen Leuten zwölf Kövfl zur Verpflegung aus. Und als ihm seine Bitte gewähret wurde, speiste xr .urür tränkte -sie nicht rmr-nach seinem besten Vermögen, sondern er beschenkte auch einen jeden besonders mit etwas Gelde. § 3. In Fraükfurt a. d. Oder baten einige Juden den Herrn Bürgerrneister Thering inständig, daß er ihnen doch auch einige von diesen Flüchtlingen zur Verpflegung überließe. Und ob sie gleich wegen der gar zu großen Begierde der Frankfürtrschen Christen diese. Glaubensbriwer selbst zu verpflegen, hierinn ihrer Bitte nicht konnten gewehret werden, so suchten sie dennoch ihr - Mitleiden g^en sie auf eine andere Art an den Tag zu legen. Sie sammelten nemlich zu zwey verschiedenen mahlen unter sich eine Collecte vor diese Pilgrim. Das erste mahl Werlieflrten sie. zwantzig Reichsthaler und zum andern Mahle brachten sie zehn Reichsthaler, mit der 'Bitte, daß. man solches von ihren Händen annehmen möchte. Auch in Danzig beschenkten die Juden unsere Emigranten Mit Geld und auch anderen Sachen. § In Königsberg legten sie auch Proben ihres Mitleidens gegen die Salzburger ab. Unter anderen schenkte chnen der Jude Moses Lewin zwey Oxthoff Wein, damit sich die Abgeplatteten auf der Reyse dadurch wiederum erquifln können. O, daß sie doch auch nun zugleich auf die Wunder dieser Zeit merken und sich bekehrten sic^ von der Finsternis zum wunderbaren Licht!" Auf Seite 487 desselben Bandes berichtet Göcking, daß auch den „Berchtesgadnern" im Hannöverschen in derselben Weise viel Aufmerksamkeit und Güte erw ieseu wurde. „Die Juden bezeugten sich so hilfreich gegen sie, daß die Emigranten sich, nicht genug darüber verwundern konnten. Diejenigen, die in der Landgrafschaft Hessen-Kassel wohnen, sammelten unter sich, eine Collecte, die sich über vier tausend , Thaler belief. Ms sie durch obgedachtes Land reyseten, kamen die vornehmsten unter ihnen den Emigranten entgegen und überreichten ihnen das gesammelte Geld. Sie bedienten sich dabey dieser Worte: „Die Umstände, in denen wir euch sehen,- verursachen, daß wir an den Ausgang unserer Vater Ms Aegypten gedenken. Wir sind voller Verwunderung wegen bei Ursachen, die euch angetrieben haben, euer Vaterland zu verlassen. Wir bitten euch dieses Geld anzunehmen als eirr: KeMzeichen, daß wir- Dheik an euerem Zustande nehmen." Hiedurch, wurden etliche von den Berchtesgadern so beweget, daß' sie voller Verwunderung ausriefln: . - „Ist es möglich, daß diese Leute, welche man als Feinde anz.useh.en lehret, die Brüder selbst beschämen, welche wie wir an Jesum Christum glauben wollten und uns doch auf das heftigste verfolgen und fortjagen!" - '; Auch von den Erfahrungen, die die Nürnberger und andere Salzburger Emigranten bei den Juden in Holland gemacht, weiß -unser. Gewährsmann, viel Schönes „Ein Jude von Fürth," so. berichtet;er^ /gab, .welches der ComMissarius mit seinen eigenen Augen sähe, -über hundert Gulden her. Und .der Banguier von der -jüdischen Nation (!?) zu Nimwegen, Benedict Lewi GoMpers (wahrscheinlich ein Mitglied der angesehetten Familie des Elias Gunpertz, (Gompertz) ans Emerich Schutzjude des großen KurBrsten Friedrich Wilhelm,'-der,-'wie.' in Deutschland, so. insbesondere in Holland mit großer Ehre behandelt wurde. Vergl. Grätz, -X., 241, u, Ammer?, ebenda, ferner Kaufmann-Freudenthal: „Die Familie Goinperz"), erzeigete ihnen n.icht nur alle Freundschaft sondern theitete auch zwölfhnndert Gulden unter sie aus, welche er auf Rechnung vieler Personen angenommen hatte.". ' Die holländische Judenschaft war, wie Göcking schließlich . mitteilt, auch noch bei der allgemeinen internationalen Kollekte für die Salzburger Emigranten, die 88.381 Gulden betrug, neben England, Hamburg, Dänemark, Hannover, Nürnberg und Holland beteiligt. ■ - So haben die Juden in einer für die Christenheitso bewegten Zeit, wiewohl selbst noch stark unter deM Drucke mittelalterlicher AusnahMsgesetze und Vorurteile seufzend, in glänzender Weise Proben ihrer Großzügigkeit: und Hochherzigkeit abgelegt. Die Cdelzeichen ^des jüdischen StamMes, Erbarmen und Mildtätigkeit, sind da wiederum einmal Mnz und voll zutage getreten und haben die ihnenso oft angedichtete EhristenfeindschW Die Juden, insbesondere die preußischen, fanden übrigens für ihr schönes, ruhmwürdiges Vorgehen neben dem Erbarmen auch noch in einem anderen Loyalitätsgefühle einen Grund: in dem , Gefühle der. DMköar- ' keit.für.das evangelische Herscherhausder Hohenzyllern.- Wie bekannt, hatte einer der Ahnherren dieser Dynastie, der große Kurfürst Friedrich, Wilhelm, unter den Souveränen und Fürsten seinerzeit -ammeisten den Mut gehabt, mit den eingefleischten Vorurteilen gegen die Juden zu brechen unddie Ansässigkeit der Judenheit in seinem Lande arMbähnen.- In der Tat hätten denn auch die /Juden dem damaligen König Friedrich Wilhelm I., dem eifrigen Protektor der Salzburger Ernigranteü, nicht besser ihre Dankbarkeit, Trdue und Anhänglichkeit bekunden und mehr zu Herren sprechen können, als durch die geschilderten Me der Güle und Wohltätigkeit gegen seine glaubensstarken Schützlinge. - Göcking hat sein Buch (den ersten Teil) dem Könige und (den zweiten Teil) dem Kronprinzen Friedrich gewidmet. - v\ Zweifellos haben auf diese Weise beide von der Hochherzigkeit, der Juden gegen die Salzburger Kenntnis erlangt. Sicherlich haben auch die-jüdischen Handlungen nicht verfehlt auf Vater und Sohn einen tiefen Eindruck zu machen und das Eis sowohl ihrer Gesinnung gegen die israelitischen-Untertanen wie auch die der öffentlichen christlichen Meinung znm. Schmelzen zu bringen. Trotzdem haben - weder Friedrich Wilhelm I. noch Friedrich der Große jemals besondere Judengewogenheit bekundet. . , - Dies war erst Friedrich Wilhelm II. und vollends. Friedrich Wilhelm III. Vorbehalten.

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