Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 12 (23.3.1917)
- Date
- 1917-03-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 191 Ni. 12 Dr. Blocks Wochenschrift" Lehrer, Beitzelsier).^) Die Lifte LiHe sich um vieles vermehren. Das' polnische „cym'es" (Leckerbissen), das KarlowiG nn ftineiw Wörterbuch (sub voce) auf das ungarische czimes (betitelt) Kurücksühren will, ohne dadurch dem Wortsinne gerecht zu werden, hat sein Analogon im jiddischen „Zinmres" (Nachspeise, Dessert), das gutes bayrisches Lehnguk ist. Jnr polnischen Patois- Mrb man,. irr- Anlehnung: an die jiddische Sprechweise: sajny (sein, nett) und „swiezy l u ft" (frische LüW Das polnisch! und ukrainisch volkssprachliche, „bosahrrr"' (feige),, das' Karlowicz nicht. 51t erklären vermag, en^precht der jiddischen. Hybride „bojahuz",. das aus dem sl-avischerr boi (fürchtet) und denr deutschen „Hus" (Hase) bestehp und eirre Wenrme. bedeutet. Der Einfluß, der jiddischen Sprache reichte selbst bis zur Uebersee. Auf der niederländischen Insel Curacao an der Küste von Venezuela wird ein merkwürdiger Mischdialekt;. Pamiamento genannt,. von der Bevölkerunggesprochen,. in dem! neben Sprachbestandteilen aus dem Niederländischen, Spanischen, Englischen, Portugiesischen und Deutschen, auch solche aus denr Hebräischen sich befinden: Niederländische Juden waren es zweifellos, die diesem exotischen Eiland die paar hebräischen Brocken zum Geschenk gemacht haben. Daß es der aschkenasische, jiddische' Teil derselben und nicht der sephardisch-portu-- giesische war, der den Bewohnern dieser fernen Insel den hebräischen Beitrag lieferte, ist höchst wahrscheinlich, da., im. Jiddischen das hebräische Element unvergleichlich starker vertreten, ist als im Spanischen der Amsterdamer Jtlöenschafk. Das Pamiamento ist mehr als ein pöbelhaftes Kauderwelsch!, es wirdauch literarisch verwendet: Iw Eüracao erscheinen in - demselben mehrere Zeitungen.-^) Zu. vorstehendem Feuilleton sendet uns Herr Professor Dr.. G r ünfe l d in Brünn ' nachstehende Ergmrzungen: T.hrama; der vielgelesene bayerische. Humorist, läßt seine urwüchsigen Bauern von „Schlamassel" und „Massemübten "sprechen („Unglück" und „Geschäft"). Bei Greinz, dem Tiroler Schriftsteller und Humoristen, fand ich t den Ausdruck ,, k a k.e z e u " für „stottern", der auch im jüdischen Jargon gebraucht wird. Paul Heyse, der mütterlicherseits von Juden stammte,, bedient sich auch des Wortes „nebbich" und öfter des Ausdruckes- „unbefchrien". Daß die Worte „mausetot" (mooes, der Tod)), „Beisl" (Bajis, das Haus). „Schamster-Diener" („SchammeSj. der- Diener) aus dem Jiddischen stammen, sei gleichfalls, hier angeführt'. Doch' die letzteren gehören schon mehr dem „Rot-Wälsch" an. Kteratur. Festschrift Adolf Schwarz, zum 70. Geburtstage (15. Juli 1916), gewidmet von Freunden, und Schülern. Unter Mitwirkung von V. Wptowitzer herausgegeben von Samuel Krauß. (Berlin und Wien; M Löw it- Verlag; 19H) Mitten im großen Weltkriege haben sich eine Anzahl der namhaftestem jüdischen.Gelehrten aus den verschiedenen Ländern zusämmengetmr; um das Jubelfest ihres Freundes und Meisters, Rektor Prof.. Dr. A. Schwär z, würdig zu feiern. Sie taten esdurch, biefc Festschrift, welche nicht für den Tag und das laute und befremdliche Treiben unserer Zeit berechnet ist, sondern als. ein-. Werk des Friedens und der Wahrheit aus ferner vergangener Zeit schöpft und für eine Zweite und lange Zukunft bestimmt ist, jüdische Wissenschaft und gelehrte Forschung zu beleben und zu befruchten: Wir lesen gerührt von den Blumenbeeten und Eemüsegärtchen, welche die Feldgrauen des Schützengrabens mitten im grauenvollen- Tod und .Verderben' anlegen und pflegen. Nicht weniger ergreifend, ist eszu: sehen, mit welcher Liebe und Hingebung unserejüdischem Gelehrten Mitten in der grauenvollen Zeit der Not und Drangsal, Gunter der unser Volk am meisten betroffen ist, den teuren Weinberg, unddas winzige Blumengärtlein unserer Lehre' und Wissenschaft hegen und pflegen. Im folgenden wollen wir durch eine kurze Inhaltsangabe und- Charakteristik" der einzelnem Arbeiten den Reihe nach' über das 35) Lew Wiener-: Das jüdische' .Element iim Polnischen: Archiv für slawische Philologie: XX) 620. 1898. 36) H. H. Ewers: Mit meinen Augen, 311'. Werk referieren. Air der Spitze.' des Werks ist eine zirka ZQ0 Nummern enthaltende Bibliographie der Schriften des Jubilars von einem anonym' fein Wollenden mit großer Sachkunde und liebevoller Pietät zusmmnengesteltt. Mehr als alle Worte und Lobeserhebungen ist' ein Mick in dieses große Verzeichnis der selbstständigen Werke, der zahlreichen -Abhandlungen und Veröffentlichungen. Rezensionen und Vorträgen, Predigten und Kasualreden geeignet, uns ein Bild .zu geben von dem weitansgreifenden, fruchtbaren Wirken und der freudigen Schaffenslust' des Gefeierten. Besonders die große Zahl der Predigten fällt auf. R e d i s ch weist nach, daß der in den Inschriften der assyrischen Könige, vorkommende Palastbau der Haiti ein durch eine Mauer eingeschlossener Holzsäulenbau ist und. auch im I. Kön., 6, 4, als beim Tempelbau Salomos verwendet genannt wird- Z w i Karl gibt eine auf die neuere Forschung nicht eingehende Darstellung der Art des hebräischen Prophetentums. Torczyner liefert Tertemendationen zu einigen schwerverständlichen Bibelstellen, meistens zu den Psalmen. Krön er demonstriert an der biblischen Erzählung von Saul und den Gibeoniten, daß die Mißhandlung der Volksftemden nach jüdischer Auffassung eine Gntweihung Gottes sei. Ziegler bespricht die Sünde Mord in Bibel und Midrasch und zeigt, daß der Talmudismns wie sonst auch hier die Weiterentwicklung und Vertiefung der biblischen und prophetischen Ideen gibt. Bergmann beweist auch an der jüdischen.Legende, (daß die Legende für die Geschichte wertvoll ist. A. Frei mann (Frankfurt a. M.) stellt die - hebräischen Kommentare zu den 13 Middot des R. Jsmael zusammen. Die Arbeit ist seiner in der HoffmannDestschrist gegebenen Vervollständigung der Zusanunenstellungen Jellineks ähnlich. A p t 0 w i tz e x bekämpft die Annahme des Bardowicz von dem nachsaadiani scheu Alter der Baraiia der 32 Normen undgibt eine restitutio in integrum. Büchler und Freund liefern zwei -Arbeiten zum Kapitel der Familienreinheit. Der letztere in umfassender mit der. biblischen Zeit beginnenden Weise, der erstere berücksichtigt ausschließlich die Zeit der Tempelzerstörung. Blau liefert'einen Beitrag zur Geschichte des jüdischen Eherechtes, indem er 1. 1 lachweist, daß die Feststellung des Todes des Mannes ursprünglich eine Privatangelegenheit war und erst später durch Zeugen' erhärtet werden mußte; 2. bespricht er die Bedeutung des Begriffes „geheiligt" in der Verlobungsformel; 3. wird der Verlobungsring als eine zuerst von Jakob Täm erwähnte fränkische Sitte festgestellt. Rubin veröffentlicht das erste Kapitel einer systematischen Darstellung des talmudischen Sklavenrechtes mit seinen Beziehungen zum römischen Rechte. Abeles bespricht-die ethischen und juristischen Studien des Bürgschaftsmotrvs in der jüdischen Literatur. Des Raummangels wegen muß es genügen, wenn wir im nachstehenden nur noch die Namen der weiteren Mitarbeiter der Reihe ihrer Aufsätze nach nennen. Es sind dies die Herren: Gand z. Stecke! mach er, Krauß, Perles. Löw, I. N. Epstein, Ginzberg, Theodor, Klein, Taglicht, Venetianer. Funk Kaminka, Marmorstein, Poznanski (Warschau), Rosen mann Braun, Simon sen. Scharr, Feuchtwang, B e.r n st r i n. Die hebräische Abteilung enthält Beiträge von M. Guttmann (Budapest), Tschernowitz, Chajes. A. Z. Schwarz, Brody, I. L. Landau (Johannesburg, Süd-Afrika). Das vornehm ausgeftattete Weck ist über 40 Bogen stark und vereinigt Namen der bedeutendsten jüdischen Gelehrten. Als Herausgeber sind die beiden Kollegen des Jubilars, die Herren Professoren Dr. S. Kr autz und Dr. V. Ap t0 wi tz er genannt. Große Verdienste um das Zustandekommen des Werkes hat sich noch ein ungenannt sein wollender Verehrer des Jubilars erworben. Mit. Freuden werden es gewiß die Mitarbeiter begrüßen, daß der eine Herausgeber. Herr Prof. Krauß, sich in besonderer Freundlichkeit der Mühe unterzogen hat, ihre Beiträge mit nachträglichen Bemerkungen und Berichtigungen zu ergänzen. Alfred Stern, Ge schichte Europas von 1843 — 1871. 1. Band. I. G. Eotta». Stuttgart und Berlin 1916. Auf diesen 796 Seiten behandelt der bekannte Züricher Historiker. der kürzlich als Jubilar allenthalben publizistisch gefeiert wurde, die Ereignisse der Jahre 48 bis 53. In dieser meisterhaften Darstellung, der die Bewältigung des ungeheuren Stoffes restlos gelungen ist, findet auch der vielfache und zum Teil nachhaltige Anteil jüdischer Kräfte seine Würdigung. Da begegnen uns Fischhof, Anger, E 0 l d m a r k. K u r a n d a, der Wien so lange meiden und selbst in seiner Gründung der „Ostdeutschen Rundschau" verschwiegen werden mühk, Frankl, Hartmann und alle die anderen, die in das bewegte politische Getriebe eingriffen. Das tragische Ende des Hngen Jellinek wird als ein Akt der Willkür gekennzeichnet. Die für die Juden Oesterreichs verhängnisvolle Reaktion seit dem Dezember: 51 wird in ihren Motiven aufgedeckt. Von deutschen Juden treten natürlich R i e s s e r, I a - cobi. O.ppenheim, der Mitredakteur Ruges an der .„Reform" inden Vordergrund, firner als Söhne jüdischer Ellern: H'-eckscher, auf den offenbar Bismarck anspielt mit den „Frankfurter Heckescherrn", imife S't achl) der Mamr der „KreuMitung". üfmlich wie Disraeli in Engfand und Fould in Frankeich den politischen Konservativismus vertreten. Auch Crömieur