Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 12 (23.3.1917)
- Date
- 1917-03-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Tktte 190 Dr. Bloch's Wochenschrift" Nr. 1L Der jüLische Zusatzhat auch in der Volkssprache, in den deutschen Mundarten/ der denk Verkehr entlegenen breiten Schichten des Landes Unterkunft gefunden.- Im Dialekte der einfachen Leute in Fischbach in der Pfalz wurde festgestellt: Achtle, acheln (essen), „e achieler" (ein Fresser), de Räwwach (ein Verdienst), diwwere imurmeln)>2) In Westfalen heißen Mackes' Schläge, dawern schwcchen. Dieses letzte Wort besitzt dort auch zahlreiche Nebenformen (dabbetn, daweren, dallwern)?o) DasWvrt „schmusen" ist in ganz Mitteldeutschland verbreitet. In Hessen ist volkstümliche der Substantiv „Schmus"-Erzählung. Schwank. ,-Utzen" ist mundartlich in Hessen, Pfalz, Elsaß/r) ivie auch Bayern.--) Ueber die Mische Mundart drangen in die deutsche Sprache nicht nur hebräische, sondern auch slavische Worte ein. Kluge verzeichnet „kipe" (Kompagnie). Dieses Wort ist slavisch „kupa" (Haufen, Bande/ Menschengruppe).-^) Das Wort „utzen" (zum besten halten) ist möglicherweise auch slavischer Herkunft. Das hebräische „utz" (drücken) 'ist kaum heranzuziehen, dagegen erinnert Lazar Saineanu an das slavische (uciechä—Freude).u) Hermann Paul glaubt allerdings) dieses Wort wäre originär deutsch und sei aus Uz, Koseform von Ulrich (analog zu hänseln bon Hänsel—Hans), abzuleiten.--^) Mit dieser Ansicht würde das Fehlen des Wortes „utzen" in der Sprache der Ostjuden stimmen. Aus der jüdischdeutschen Mundart gelangten in die hochdeutsche Sprache selbst von Juden transformierte germanische,Worte. Elias Schadens führte im Jahre 1592 unter den. eigentümlichen Ausdrücken, die die Juden besitzen, das Wort „dasig" für„dieses" an.-^) Als christlichdeutsche Vokabel tritt dieses Wort entgegen' bei Stieler 1691 und Frische 1741 Mit dem Benrerken, daß es eine jüngere Neubildung zu älterem „hiesig" ist. Der jüdische Ursprung ward doch nicht vergessen. Heynatz bemerkte in seinem Antibarbarus mH Jahre 1796 (S. 285), daß das Wort „dasig" den hochdeutsch schreibenden Juden angehören (oll27) Die Ausdrucksweise „der dasige" ist bis heute im Jiddischen gebräuchlich. Das' von den Juden importierte „dasig" ist noch im 19. Jahrhundert aus der hochdeutschen Literatur nicht ganz geschwunden-. In einem neuzeitlichen Geschichtswerke lesen wir: „Die Slaven gedachten sich in den dasigen Bezirken anzusiedeln."2«) Hebräische Worte aus dem Jiddischen sind in den Spezialsprachen verschiedener Berufsstände Deutschlands oft anzutreffen, so in der Geheimsprache der Pfälzer Händler aus der Gegend von Türkheim, in der Sprache der Hausierer der sauerländischen Stadt Winterfeld, in der Spräche der fränkischen Händler, in der charakteristischen Sprache der Handwerksburschen usw.22) Hebräische Worte sind auch! im Rvtivelsch, in der Sprache der deutschen Gauner, zu finden. Das hebräische Element der jiddischen Sprache erschien ürfolge seiner Fremdartigkeil und Unverständlichkeit dem lichtscheuen Gesindel als' geeignet, für Geheimzwecke gebraucht zu werden, ähn- **) C. Kleeberger: Volkskürpfalzisches, 123, 126, 127. Kaiserslautern 1902. 20) Fr. Wöste: Wörterbuch der westfälischen Mundart, 49, 168) Norden und Leipzig 1862. 21) Kluge : Wörterbuch, st v. 22) Sch melier: Bayer. Wörterbuch, 182. München 1872. 33) Kluge: Wörterbuch, st v. 2i) L. Saineau: Esa&i tur la Jüdeo-Allemand in Memoire de la Söci"l6 d- Luisui^tique de Paris 1903. 25) H. Paul: Deutsches Wörterbuch,. 589. Halle a. S. 1903. 26) E. Schadeus: Ein gewisser Bericht von der. deutsch-hebräischen Schrift. Straßburg 1592. (Schriften des Jnstit.. 'Jüd. Nr. 33. Leipzig 1892.) 27) Fr. Kluge, ib., 87. 2R) Hilferding: Geschichte der Serben und Bulgaren, v6. Barchen 1851. 29) Fr. Kluge: Rotwelsch. 421, 439, 491. lich geschah e§. mitt dev deutschen Sprache, beb ÄMr spanischen und flövenischen Gaunern, mit der albanestMn Sprache bei den Gaunern aller BalkMvölker, deren Diebesdialekte hauptsächlich aus deutschen, beM. alb'anesi-- schen Sprachbestandteilen bestehen.?- Aehnlich wie in did deutsche' Sprache/- fänden auch' irl das Idiom der Niederländer hebräische Vokabel, aus der Sprache der Juden Eingang, so : bollebos (Bürger)- gochem (weise), (chacham), kosjer (rein), fiter (besofsen),- sjosel (niedrig), kapores) ganf (stehlen)) kabal (Komplott- Lärm), taggerjin (kaufen)?o) Atanches dieser Worte mag allerdings auch! durch, das JMisch-Portugiesische vermittelt worden fein. Das Wort „flöten", dasiw der - Amsterdamer Gechästssprache schon Im 17. Jahrhundert nachweisbar ist, soll das Wort „felta"/ eine jüdischportugiesische Umfornmng des hebräischen „pleta" (Pleite) zur Grundlage habend)' In Deutschlandtaucht die Redewendung „flöten gehen" erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunächst als burschikoser Ausdruck auf.«2) Einen gewissen Einfluß übte die jiddische Sprache auch! auf das Idiom der Polen aus. Der bekannte polnische Linguist Jan Karlowicz leitete iw seinem Vortrag über den Einfluß orientalischer Sprachen auf das Polnische, aus dem Hebräisch-Jiddischen her die Worte: skarbona (Sparbüchse), das auf 'dashebräische „korban" (Opfer), unter Anlehnung! auf das polnische „skarb" (Schatz) zurückgehen soll;, dann: bachur (Junge), chawrus (Handelsstreit), rochmamch (gütig, rachman)/ balagula (Fuhrinann, Pöbelmensch).^) In fernem Wörterbuch erklärt jedoch Karlowicz bas Wort „balagulä" aus denk ukrainischen „balagur", dagegen verweist er dort aus das hebräische Wort „chabal" (der Geliebte der Frau) unter Bezugnahme auf „habaal", dürfte jedoch kaum stimmen. Karlowicz führt in seinem Wörterbuch auch eine Ansicht an, dastdas polnische Wort, „fanaberie" (Phanta,ien)- vom jiddisch-hebräisch-deutschen „fajne bries" (feine, vorzügliche Kreaturen) herrührt. Jiddisch-Hebräischsn Ursprungs in der polnischen Sprache sind außer den von Karlowicz/ sestgestellten zweifellos noch: kabcan (arm)-, slamazarny: (nachlässig, schlimm — masal), szachrowac (schachern)) Nicht literaturfähig, aber vom polnischen Volke im Patois in Galizien gebraucht sind': meeyja (Fund) glänzender Kauf), tamowaty (geistig schwerfällig)- Ueber die jiddische Sprache dürften zu den Polen nicht nur hebräische, sonderw auch germanische Wdrte, die doch den Hauptteildes Wortschatzes der jiddischen Sprache ausmachen, gekommen sein. Die Feststellung' des germanischen Niederschlages der jiddischen- Sprache ist jedoH keine leichte Sache. -Es läßt sichschwerlich' ein Kriterium herausschälen, woran von Polenrezipierte und slavisierte deutsche Worte, die zu ihnen' über Vermittlung von Juden gekommen sindvon solchem zu- , unterscheiden wären, die ihnen unmittelbar vonchristlichen Deutschen Merbracht worden sind. Diese Quellenscheidung wurde auch bis nun kaum je ernstlich versucht. Es wurde auch bereits über diesem Mangel an- Ursprungssichtung der. deutschen- Lehnwörter im Polnischest) in philologischen, polnischem Fachzeitschriften Klage gefichrt.^) Leo Wiener nimmtfür folgende' deutsche-Lehm Wörter im Polnischen jüdische) VermMÜM an: „gtzszest (Geschäft, Angelegenheit), bety. .(Bettzeug), gielda- (Börse)) gwalt (Gewaltanwendung), belfer (verächtlich. 80). Jan te Winkel: Die niederländische- Sprache in Pauls- Grundrißder germanischen Philologie) I, 919: 89 Kluge: Wörterbuch, 143. 32)> Paul : Wörterbuch, 174:, bb) Jan Karlowicz: Jan Kariöwic/,: Memoire sur; l’influence des lanaues onentaies sxir la langue polonaise. in Actesdu SixiAma; cöng.r6&/imentalional de - VQrientalistes tenu en lfc-88> ä Leide II; -felö—418, Leide: 1885. W) Prace filologiczne IV.