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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-16 · 11 (16.3.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 169 der- Schüler während der letzten' fünf Jahre angehört hat. Diesem Gesetze ist es''zu danken, daß an wenigen Wiener'Schulen (jüdische Oberlehrer und Direktoren wir- ^ken. 'der.'MHvuch'si fehltZmd die 'Zeit ist .nicht 'ferne, da-zur-Besetzung solcher Schulleiterstellen Mische Bewerber nicht mehr da sein werden. Redner gibt deswegen die Anregung, die Wiener isräel. - Kultusgemeinde Möge eine Anzahl Stipendien für jüdische Lehramtskandidaten stiften, um diese in die Lage zu setzen, eine allgemeine Lehrerbildungsanstalt zu absolvieren. Es würde sich empfehlen, gleichzeitig fachliche Kurse aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft ins Leben zu rufen und durch solche Kombination könnte vielleicht deMUebelstand abgeholfen werden, der darin besteht, daß die angehenden Lehramtskandidaten für Religion einer: Befähigungsnachweis nicht zu erbringen vermögen.. Indem. ich diese Anregung dem Vorstandskollegium empfehle, werde ich für das vorgelegte Budget stimmen. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident dankt dem Redüer für seine interessanten Ausführungen und richtet an ihn das Ersuche::, die am Schlüsse gebotene dankenswerte Anregung in einer der nächsten Sitzungen der Kommission als Antrag zur Diskussion 'zu stelle:: ::::d einen Beschluß zu veranlassen. ' Kultusvorsteher Oberingenieur Stricker möchte tatsächlich richtigstellen, daß er nicht gegen Bewilligung von Subventionen sich ausgesprochen Habe, sondern er wmffche lediglich Ordnung und System hineingebracht zu sehen, was Weber für die Gemeinde noch für die Vereine von Schaden sein kann. Kultusvorsteher Hofrat Löwner bittet um Entschuldigung, daß er im Laufe dieser Debatte ein zweitesmal das Wort ergreife. Was Koll. Dr. Spitzer über die Notwendigkeit1 einer Pflege des jüdischen Geistes und n WisWsthafk''gesägt''yatf' ösn: nröchte er voll und ganz beistimmen; wir befinden uns tatsächlich in einem Stadium geistiger Stagnation und VersüNupstnig, aus der wir uns retten müssen. Um so weniger dürfen wir vor der Tatsache die Augen Verschließen, daß die moderne Jugend sich immer mehr von uns entfernt nick mit vollständiger Interesselosigkeit dem Judentum und der Kultusgemeinde gegenübersteht. Dieser schreienden Notlage mußvor allem abgeholfen werden, sollen wir nicht die jüdische Jntelligenzallmählig verlieren. Ich! bin kein Gegner der hebräischen Sprache, wenn Sie mit hebräischem Unterricht irgendwelche Erfolge erzielen. Wie steht es aber in Wahrheit Mit dem Resultat? -Ich berufe mich auf das Zeugnis des Herrn Rabbiners Dr.Feuchtwang, der offen erklärt hat, daß die Jugend die geringen Kenntnisse des Hebräischen, die sie in der Volksschule erwirbt, am' Gymnasium vergißt. Herr Rabbiner Doktor Feuchtwang ist doch -gewiß eine Autorität, er kennt die Leistungen an den Gymnasien. Welche Bedeutung hat dann der -ganze hebräische Unterricht? ( Da muß denn doch ein anderer Weg gesucht werden, der Jugend Kenntnis des Judentums, Begeisterung und Enthusiasmus für unsere Geschichte und Vergangenheit beizubringen. Redner erinnert an die unternommene Arbeit des verewigten Vertreters Dr, Maximilian Steiner, die leider durch seinen Tod unterbrochen wurde. Daran sollen wir wieder ankniipfen. Das ist die Elementarfrage unserer Existenz. . Vizepräsident Dr. Leopold Ko h n bespricht in einem Schlußwort die Anregungen budgetärer Natur, welche - die Debatte ^gebracht hat. In bezug auf die Steuerbe- ' :mjMg wärs(es allMnngs ein idealer Zustand, wenn wir> wie die Berliner jüdische Ge:neinde. nach der staatlichen GinkömMensteuer uns richten könnten. - Allein alle Versuche, die beim Finanzministerium unternommen wurden, uns Einsicht in die Steuerlisten zu gewähren, waren vergebens. Wir sind und bleiben auf die Einschätzung durch die statutarisch gewählten Bezirkskommissionen-angewiesen. In letzter Zeit Halen wir Vertrauensmänner aus verschiedensten Gesthästsgruppen und Branchen herangezogen und suchen solcherart eine gerechte Steuerbemessung auch in Hinsicht der neuen Vermögensbestände — soweit möglich - - zu gewinnen. Referent zeigt aus den statistischen Ziffern der einzelnen Steuerkategorien, mit welcher Ovferwilligkeit die Höchstbesteuerten die neuen Lasten auf sich genommen haben, was mit Dank anerkannt werden soll. Was.die Subventionen anlangt, so können sie, ob sie nun den TeMpelvereinen, Unterrichtsanstalten oder Wohlfahrtsinftituten gewährt sind, unmöglich geschmälert werden. Redner bespricht die großen und schweren Aufgaben, die der Kultusgemeinde nach dem Kriege harren und er wendet sich gegen die Anregung, für Zwecke sozialer Fürsorge ein großes Darlehen — nach dem. Borbilde der Wiener Stadtgemeinde — aufzunehmen. Schon die Einrichtung des neuen Friedhofes wird große. Summen beanspruchen, die durch ein Anlehen beschafft werden müssen: wir dürfen aber nicht eine Zinsenlast uns aufbürden. die eine Befriedigung der Bedürfnisse für Kultus und Unterricht beeinträchtigen könnte. Redner schließt mit der Bitte um Annahme des Voranschlages. Präsident Dr. Alfred Stern tankt dem Vorredner für seine. interessanten Bemerkungen und berichtet, daß er persönlich noch bei jedem neuen Finanzminister vorgesprochen habe, um für die Kultusgemeinde die gesetzliche Möglichkeit zu erwerben, die Kultussteuer nach der Einkommensteuer bemessen zu können. Alle Bemühungen waren bis heute vergebens. Dabei, ist die Maximalsteuer nach dem Statut begrenzt und bei der Be:nessung müssen die anderweiten Leistungen der Betreffenden zugunsten der Gemeinde auch in Erwägung kommen^ Es. hat sich auch wiederholt gezeigt, daß eine milde, nachsichtige Besteuerung der Gemeinde Stiftungen von mehr als einer Million eingetragen hat. Ein Anlehen für Zwecke sozialer Fürsorge aufzunehmen, würde dem Statut widersprechen, das Ausgaben für Wohltätigkeit nur nach Maßgabe vorhandener Mittel gestattete Würde ein derartiger Beschluß gefaßt werden, so müßte er sich an den Statthalter wenden, um den Beschluß als rechtsnnwirksam zu erklären, Und es harren unserer andere hohe Aufgaben, für die die Mittel beschafft werden müssen; neben der Herstellung des neuen Friedhofes der Bau eines entsprechenden Amtshauses und eines würdigen Tempels in: ersten Bezirke. - Das Budget wird hierauf mit allen gegen eine Stimme zum Beschluß erhöbe::. Kultusvorsteher Professor Ehr mann erinnert-- an seinen Antrag, eine Kommission zu ernennen, den sanitären Zustand der Mikwe zu untersuchen. Der Präsident verspricht, daß das Vertreterkollegium den Antrag beraten werde und erklärt die öffentliche Sitzung für geschlossen. Die diesjährige Beratung des Budget für die §kultnsgemeinde hat drei Sitzungen in Anspruch genommen, eine große Anzahl geistreicher, interessanter Reden mit einer Fülle wichtiger Aureg::ngen gebracht, die alle Teile des jüdischen Gemeind elebens betreffen. Es zeigt sich immer mehr, daß die Wiener Kuktusgeaneinde die Repräsentanz des GesMÄjudentuMs für Westösterreich bildet. daß ihr hohe Pflichten erwachsen für Gebiete außerhalb ihrer Gemarkung. Es fehlt leider die Gesamtorganisation. Und dieser Mangel, den mehrere Redner scharf betonten, hat viele Unznträglichkeiten im Gefolge.

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