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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-16 · 11 (16.3.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 168 V Dr. Bloch § sation der letzten Wochen bildet mch die intensivste Aufmerksamkeit aller Bürger der Zentrakmächte in hohem Maße herausfordert. Er kündigte. den.Kampf an für eine 7 freiheitliche ''Ausgestaltung. mpß; preußischen StaatswesenMzum Trotz aller HeMmnngen, die/sich^rhm entzgcgenstellen. Mit ehernen Worten hat er Mn reattionären CLemettten .Hie Leichte der Zei^ MMHiWrigt und den festen Entschluß, den großen Aufgaben mit rückhaltloser CuerWe sich zu widmerr. . Dieser welchiflorischen Rede des deutschen Reichskanzlers widmet die WiMer ,,Wichspvs^ int Morgenblatt vom Donnerstag//den" 19.' /März. weniger Raum als dem Ostermazzoth' der Wiener Juden im Mendblatt vom 14. Marz. Daß die orthodoxen Juden für n e u n Osterseiertage je ein halbes Kilo Mazzoth aus einem Weizenmischmehl gegen Ablieferung entsprechender Brotkarten erhalten, ist! für Hie Meichspvst/ und ihre Verhetzungszwecke, der ausführlichen Behandlung wichtiger als die große politische Rede des deutschen Reichskanzlers. Und sie leistet sich dabei die heitere Lüge, daß angeblich die orthodoxen Juden zum Zwecke ihrer Milchversorgung an den Osterfeiertagen — die Kühe „rituell (mit Weizen)" füttern. Offenbar soll dadurch der Neid erweckt werden der antisemitischen Ochsen, die derlei Märchen glauben und auf deren Hilfe die Reaktionäre aller Länder im Widerstand > gegen den-anstürmenden Fortschritt rechnen, denen der deutsche Reichskanzler lurverhohlen den Kainpf angekündigt hat. .Die .Meichspost"" schließt den Bericht über die Rede des Reichskanzlers mitden Worten: „Wehe dem Staatsmanns" Der Reichskanzler hat aber in feiner Rede gesagt: „Wehe dein Staatsmann, der die Zeichen der Zeit nicht erkemtt!" - Wir aber sagen: Wehe dem Staat, dessen Regierung von Tendenzen sich beeinflussen läßt, die in der „Reuhspost" propagiert werden. - Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Wiener israel. KultusvorstanÄes vom Sonntag, 11. Marz 1917, unter dem,Vorsitz? des Prästventen Dir. Wfred Stern. ' Im Eürlauf wird über das Vermächtnis des verstorbenen Joh. Jacob Licht man und Wer das Testament des vor einigen Tagen verstorbenen Herrir Moritz Pintas, der die ffr. Kultusgemeinde zur Universalerbin seines gesamten Vermögens eingesetzt hat, berichtet. In Fortsetzung der Debatte über den Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben ergreift das'Wort Kultusvertreter k. k. Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, der sich! vorirehmlich jenen Aufgaben? sozialer Fürsorge zuwendet, die das geistige Lchen bedingen und fördern. Das Judentum will in erster.Reche dem Meiste dienen und seelffchen Bedürfnissen Befriedigung bringen. Das Gemeindeleben in alter- Zeit war ein Leben des Geistes; das Wissen vom Judentum war nahezu Gemeingut der Mitglieder, wissenschaftliche Fragen bewegten die Gemüter, fesselten die Aufmerksamkeit der führenden Männer. Wie sieht es heute bei uns aus? Was leisteir wir pc den Geist, für die Wissenschaft? Wir befinden uns in einem Zustande der Stagnation, der Ver- . snmpfung. . J^es; MoI, .auch! das klemste, benphk.sich;, ' seine alteir Literaturbruchstücke mühsam aus dem Schutt hervorzrcholen in der Erkenntnis,, daß das Ansehen eines VoKes nicht in seinen materiellen Güittrnsondern in seinen geistlgen Leistungen und Schöpftmgeu beruhe. Wir such das älteste Bott, unser Schrifttum zählt, zu. den! Kostbarkeiten der Menschheit; unsere Bibel' ward. Mründ- Wochcnschrift" Nr. 11 läge aller Zivilisation,- der ^almnd umschließt Geistesschätze vyn acht Jahrhunderten, von unseren Religionsphilosophen habest die Lehrer aller . Kirchen-!ihre.- WeWheit geschöpft und wenn wir uns Volk ' durch zwei Jahrtausende der Drangsale und der blutigsten Verfolgungen am Leben erhalten, so gibt es dapr nur die. eine Antwort: Die Wissenschaft des."Juden-- tüms war; der. ewig frische Lebensquell, aus welcher ihm die Kraft zuftrömte; die schwersten Krisen zu überdauern und zu Merwinden. Einer der geehrten Herren Vorredner äußerte t Besorgnis, daß später einmal nur Vertreter der Orthodoxie in diesem Saale sitzen werden. Davor, erschrecke ich kaum. Die Männer der Reform im' vorigen Jahrhundert erschöpften ihre Leistungen int Niederreißen und Zertrümmern; aufgebaut und anfgerichtet haben, sie nichts...- Das Resultat ihres Wirkens waren, die Massentaufen in den Gemeinden Berlin, Königsberg und Breslau. Erst den Männern, die die jüdische Wissenschaft neu geschaffen, gelang es, der Fahnenflucht Einhaltzu gebieten, die neue.jüdische Generation zu jüdischem. Bewußtsein zu erwecken. Drei Männer aus unserer Gemeinde, Dr. Grüuw a l d, Dr. W a ch st e i n und Dr. T a g l ich t, haben in historischen Arbeiten jene Gestalte^ uns vorgeführt,. die zu den. Begründern unserer GemÄnde zäWn und während chrer Anfangsgeschich te all ihrer Spitze wirken. Wer z. B. das Testament eines Simson Werth'eimer. liest, gewinnt einigermaßen eine Vorstellung,' welche Opfer danrals -für die Wissenschaft - gebracht wurden und wie die Führer der Gemeinden für die Wege des Geistes besorgt wareil. - -;!;- Diese. Tradition, die aus unserer Mitte nahezu ganz geschwunden, hat sich bei den Ostjuden noch erhalten. Es ist., hier Gewohnheit geworden, über Hie Ostjuden äst w^g.gMstigMKMfteW sH^uEMM^^MchKil sie wie alle Menschen ähre besonderen- MWr; allein wir hier ahnen kaum', welche Fülle ^geistiger >Mlßkgien und Streben nach- Wissen diese Ostjüden erpllt/ Zu den ersten Begründern der modernen jüdischen Wissenschaft, welche die Renaissance derselben herbeisührten, zählte, der Kaftanjude Salomo n Leib Rapoport, der von Tarnopvl als Oberrabbiner nach Prag berufen wurde; zählte ebenso der galizische Käftanjude NächMmr sK'MH Mu der große Erwecker jüdischer Altertümer.; zählte-,nicht minder der Kaftanjude SaloMon MaiMon, Mit dem die klassischen Philosophen Deutschlands als Gleiche mit Gleichem sich unterhielten. In unserer GeMeindebibliothek sitzen sie dichtgedrängt nebeneinander bei ihren Michern: der eine bei einem TälMudfolianten, der andere bei einem wissenschaftlichen. Werk in hebräischer Sprache, ein dritter studiert Grätzf Geschichte, ebenfalls in hebräischer Sprache. Wir achten diese Leute gering/ die kein korrektes Deutschs sprechen,: allein es sind doch gelehrte Männer, auf vielen ' Wissensgebieten bewandert und sie handhaben das' Hebräische gleich einer. Muttersprache Bei uns erregt es Schreckes wenn' Man vonh Unterricht. in hebräischer Grammatik - redet; und doch . ist. das Hebräische der Boden, in; dem das. KudeütnM wurzelt, die Grundlage seiner Einheit und Erhaltung/ , Unser Religionsunterricht vermag, entsprechend der', zur Verfügung^ stehenden Zeit/ nur einige Kenntnis/ d er jüdischen.. Geschichte und . Religion söwia hebräischen Sprache in jenem Ausmaß der Jugead beizubringen, daß sie dem Gottesdienst Mit Verständnis folgen' kön-' nen. Jüdische Gelehrte kann hr nicht erziehen,/ / / '?, Redner bespricht zum Schlüsse das. Volksschulweseil und gelangt sodann.zu fölgender Anregung: ., .... /•' Nachdem Volksschulgesetz bat.der Leiter der Volks- - : schAe./jener Konfession Mrzugchören, der die Majorität

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