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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-09 · 10 (9.3.1917) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
10 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 154 M. Blo'H'S $ wird der GeiMseanbau derart organisiert, daß mit den Bauern Lieferun^sderLrage abgeschlossen werden. Ich möchte umr die Anregung des Herrir König dahin ergärrzen, üldent ich> den Kültnsgemeinden von Wien, Budapest Prag! und Lemberg, als' berufen-e Vertreter des' Judentums, sich! dieser Idee zu bemächtigen wärrnstens eNchMMn wurde und in ihren: Wirllurgskreise den untersteheichen Provinzgemeinden die DurchsühruW der Mion des GendüsemMues ans Herz zu legen, sowie auch! gleichzeitig ihr Augenmerk aus die Geflügelzucht und Milchwirtschaft richten zu wollen, um womöglich der Volksernährung nach Kräften förderlich zu sein. Falls' der Ausbau dieser Aktion einer pekuniären Unterstützung^ bedarf, bin ich; gerne bereit, falls Sie einen Aufruf zur Herbeischgffung eines Fonds für richtig halten, mich! Mit K. IM.— zu beteiligen. Hochachtungsvoll . _ Kugvi Mhankl. ZoseffWtcr TempelMuWrem. Die diesjährige Generalversammlung des Josefstädter Tempelbauvereines wurde am 25. v. M. im 'Zeremoniensaale des Tempels, 8. Bez., Neudeggergasse 12, abgehalten. Dor Eröffnung der .Generalversammlung gibt der Vorsitzende, 1. Vizepräsident Adolf Beck, der tiefen .Trauer der Juden Oesterreichs über den Heimgang weiland Sr. Majestät Kaiser Franz Josef I. beredten Ausdruck und bringt dann Ihren Majestäten Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita eine Huldigung dar, in welcher er deren Liebe And Fürsorge für alle ihre Untertanen hervorhebt. Es beseele ihn und mit ihm alle Juden der Monarchie der Wunsch, datz das junge Herrscherpaar durch eine lange Reihe von Jahren der Segnungen des Friedens sich erfreuen möge zum Glücke aller Völker Oesterreichs. Die Versammlung stimmt in ein dreifaches Hoch ein. Der Vorsitzende begrüßte sodann die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder, namentlich den Präses des Tempels voni 4. und 5. Bezirke, Herrn Adolf Hoffmann, den Vertreter des Vereines „Bet-Hatfilah" dom 8. Bezirke, Herrn F.. Kraus, den Vertreter des Fugbachtempels, Herrn kaisirl. Rat Weng er, den Vertreter des Tempels ioom 6. Bezirke, Herrn Architekt Leopold Fuchs, und den Vertreter des Tempels vom 13. Bezirke. Herrn Isidor Dörnfeld. Zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes führte Herr Dr. Goldberger aus, wie sehr der Krieg auch in der abgelaufenen Funktionsperrode im Vereinsleben sich fühlbar machte, indem die Zahl der Trauungen in erheblicher Weise zurückgegangen ist, wodurch! der Verein eine bedeutende Einbuße erlitten hat, die nur teilweise durch die Munisizenz der Spender und durch die Erhöhung der Mitgliederzahl Weltgemacht wurde, und nichl in dem Maße, baß der Verein imstande wäre, den an ihn gestellten Forderungen, schon im Hinblick auf die Härte der Zeit, voll und ganz gerecht zu werden. Leider sei die Kultusgemeinde durch eine „wichtige Sitzung", an der ihre sämtlichen Vorstände teilzunehmen hatten, nicht in der Lage gewesen, einen Delegierten zu der Generalversammlung zu entsenden, an den das Ersuchen gestellt worden wäre, eine höhere Dotierung der Subvention zu befürworten.; der Vorstand werde jedoch in anderer Weise sich dafür bemühen. (Lebhafter Beifall.) Namens der Revisoren erklärte Herr Hermann Stern, die Kassabücher und Wertpapiere stets in vollster Ordnung befunden zu haben und es wird dem Vorstande das Abfolutorium erteilt. Im Namen der Tempelvereine des 4.. 7., 9. und 13. Bezirkes sowie des Fugbachtempels überbrachten deren Vertreter die herzlichsten Grütze. Nachdem das Vorstandsmitglied Herr W. Freund den Mitgliedern für die rege Anteilnahme und tatkräftige Unterstützung der Vereinszwecke den Dank namens des Vorstandes abstattet, schließt der Vorsitzende nach kurzem Resümee die Versammlung. SMorsian U MrichjY. Unter mrßerordenllichjer Beteiligung Md am Montag die Beerdigung des an: 3. Marz nach kurzem'Leiden Mötzlich! verschiedenen lMWäh!rigen Obürannes der Chew ra-Kadischa des Verbandes der türkischen Israeliten (Sephardim) in Wien, des! Hemäligen türkischeir Großhändlers Salönwu Rüben Farchy stgtt. Die große Zahl der Trauergäste, unter welchen'fast sämtliche Mitglieder der türkischen Jsraeliten-Gemrinde Wiens vertreten waren, gab Zeugnis von der allgemeinen Wert- Zochenfchrift" 1 Nr. io schatzung, die sich der Verblichene unter den Mitgliedern der Wiener sephardischen Kolonie Wiens wegen seiner Wohltätigkeit und seines rastlosen Wirkens im Interesse der Setzhardim Wiens erworben hatte. Es' erschienen der gesandte Vorstand des Verbandes der türkischen Israeliten (Sevhardim) in Wien unter Führung des Präsidenten Mosco d e Mas o und des Vizepräsidenten Leon Haim', der TemPelvorstand und die Vorsteher aller Wohltätigkeitsanstalten der Gemeinde, dessen gesamte Beamtenschaft sowie zahlreiche Drauergäfle. Seitens des Präsidiums der israelitischen Kultusgemeinde Wiens erschienen 'der Präsident Dr. Alfred Stern, für die Chewra-Kadischia der Kultusgemeinde die Herren Karl Leimberg er und Leopold Otto sowie Amtsleiter Wilhelm Frei stad t k. Der Leichenzug ging, von deM Trauerhause vor dem türkischen Tempel, von dessen Giebel Trauerfahnen wehten, dessen Tore geöffnet waren und dessen Vorh'ofbeleuchtet war, vorbei zum Zentralfriedhofe, woselbst der Vizepräsident der türkischen Jsraelitengemeinde Herr Leon H aiM dem langjährigen Obmanne der Chewra- Kadischa und treuen Mitarbeiter einen warmen Rachruf hielt. Im Anschlüsse gn die Beerdigung trat der Vorstand des Verbandes zu einer Trauevkundgebung zusamMtzn. Lundenburg. Eine große Anzahl von Flüchtlingen aus der durch diesen Weltkrieg am meisten heimgesuchten östlichen Kronländern Galizien und Bukowina hat in Lundenburg ihr Asyl gefunden. Gegenwärtig Hallen sich hier weit mehr als tausend solcher unglücklicher Glaubens- und Leidensgenossin auf. Die meisten von ihnen gehören den unbemittelten arbeitenden Klassen an, obgleich sich auch unter ihnen einige wenige Personen aus dem Kaufmannsstande befinden. , , Zur Wahrung und Förderung der Interessen dieser Flüchtlinge hat sich ein Komitee der angesehensten Lundenburger Hürgex ge? bildet, an dessen Spitze der Bürgermeister 'der' Jsraelitengemeinde Herr Moritz Holländer steht und dem auch Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S ch w e n g e r, Frau Dr. Bauer und der Kaufmann .Herr Jakob Weiß köpf angehören. Dieses Flüchtlingskomitee wirkt unermüdlich im Interesse der Flüchtlinge. Der Herr Bürgermeister Holländer empfängt faßt alltäglich in seinem Amte eine große Anzahl meist galizischer Flüchtlinge, die ihn sehr oft mit nichtigen Anliegen förmlich quälen, und dennoch verliert er bei Wallung dieser Funktion keineswegs seine Geduld und legt einem jeden Einzelnen gegenüber ein solches Entgegenkommen an den Tag, das nicht genug rühmend hervorgehoben werden kann. Einmal war ich selbst dabei zugegen, wie ein Weib, das sich dem Schreibtische des Herrn Bürgermeisters genähert hatte, beide Hände auf dem Schreibtische spreizte und in dieser etwas komischen Stellung unverständliche Worte ununterbrochen hinlallte. Einen Sinn aus diesen Worten herauszubekommen, gelang dem Herrn Bürgermeister erst nach wiederholten Fragen, der im wesentlichen dahin lautete, daß sie gehört habe, man verteile Geld. Und trotzdem es diesmal nicht der Fall war, ging die arme Frau nicht leer aus, denn der Herr Bürgermeister entnahm seiner eigenen Geldbörse — wie bei ähnlichen Anlässen — einen Geldbetrag und reichte ihn der Bittstellerin hin. Aber nicht nur der Herr Bürgermeister Holländer, sondern auch die obenerwähnten Komiteemitglieder werden fast zu jeder Tageszeit in ihrer Privatwohnung wegen der geringfügigsten Dinge, wie wegen .schadhaft gewordener Schuhe, wegen Brotzuschüsse, wegen einer Kaminreinigung in einer Flüchtlingswohnung und dergleichen fortwährend belästigt. Ich habe selbst gesehen.. wie ganze Brote — dein eigenen Haushalte der Komiteemitglieder entnommen — zerschnitten und an von der Vorsehung mit gutem Appetit gesegnete Flüchtlinge verteilt wurden. Während in der Stadt Mangel an Heizmaterial vorherrscht, werden die Flüchtlinge mit Holz und Kohlen versorgt, und in der wärmeren Jahreszeit —. namentlich, wenn nur eine Zufuhr möglich —» wurden an .ärmere Flüchtlingsfamilien fast allwöchentlich 10 Kilo Kartoffeln unentgeltlich verteilt. Nicht unerwähnt darf .bleiben,!mit welcher Sorgfalt das Fürsorgelomitee alltäglich die gleichmäßige Verteilung der _ für die Flüchtlinge dieses Gemeinderayons beigesteltten Milch überwacht und dafür sorgt, daß dieses wichtige Nahrungswittel durch Entrahmung feinen Nahrgehalt nicht einbüße und den Flüchtlingen entzogen werde. . - > '

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