Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 10 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Gerte IW Dr. Bloch's Wochenschrift" Nr. IQ Hörden daher nicht recht wissen, an wen sie sich wegen Entsendung einer Vertretung zu wenden haben. Redner schildert die Uneinigkeit in der Frage der Schaffung einer Gesamtorganisation der Judenschaft Oesterreichs, welche bei einer Einigung unter den Kultusgemeinden schon längst hätte in die Tat umgesetzt werden können. Der Mangel einer solchen Organisation wurde auch vou der Regierung wiederholt empfunden, so insbesondere in der Frage der Militärseelsorge, welche eben mangels einer solchen Zentralstelle ohne Rücksicht auf die jüdischen Kultusgemeinden geregelt wurde und gehandhabt wird. Er wünsche auch Non den konservative): Rabbinern, daß sie unbeschadet ihrer religiöse): Anschauung und ihrer Gelehrsamkeit in einer uwdernen Weise ihr Amt aussülleu und das Judentum repräsentieren. Professor Ehrmann rügt die Zustände in der Miüvah, gegen welche von verschiedenen Seiten Klagen erhoben werden und fordert dringende, radikale Abhilfe. Eingeheiw beschäftigt sich Professor Doktor Ehrnrann mit dem Svitale der Kultusgemeinde, welches jetzt schon Hervorragendes leistet, aber nach den: Kriege noch größere Aufgaben werde zu lösen haben. Die mit diesen Aufgaben verbundenen Lasten kann jedoch! die Kultusgenwinde allein nicht tragen, und es sei dringend notwendig, in den Kreisen, welche die großen Mittel hiezu haben, dafür zu werben, daß unser Spital durch! entsprechende Stiftungen in die Lage komme, de:: weiteren wissenschaftliche): Ausbau der: täglich steigenden Anforderungen entsprechend durchzuführen. Die Aerzte des Spitales und ihre Leitung, ganz besonders Primarius Direktor Dr. Karl Fleisch mann, Primarius Doktor I. Breuer und in hervorragender Weise Dr. Bela Rosenthal, verdienen unseren vollsten Dank und unsere Anerkennung. (Beifall.) Kaiserlicher Rat Kauders nimuck die Leitung der Mitzvah in Schutz, indem er versichert,' daß dafür gesorgt sei, daß iit der Miklvah die peinlichste Reinlichkeit herrsche. Die Klagen, welche angeführt werden, beziehen sich nicht auf die innere Einrichtung und Führmrg der MWväh', soitdern auf Dinge, welche der Beurteilung des RabbiNates mckerliegen. Er polemisiert gegen die in: der poriger: Sitzung vorgebrachte): Ausführungen der Herren Stricker uick) Dr. Schwarz- Hiller, betreffend die Steuerbemessung und das Subveutionswesen, inden: er darauf hir:weist, daß die hiefür eingesetzte:: Kommissionen mit der größten Genauigkeit arbeiten, im übrigen stünde es den Herren frei, in den Kommissionen, in welcher: die Subventionsangelegenheiten behandelt werden, persönlich! mitzutun. Kaiserlicher Rat K a u d e r s Werwet sich gegen die Art, wie in der vorigen Sitzung.die bekannte Verlaffenschastsäitgelegenheit behar:delt wurde, was auch! auf Außenstehende einer: schlechten Eindruck hervorgerufen habe. Hinsichtlich der in Anregur:g gebrachten Aktionen der sozialen Fürsorge steht Redner auf dem Starchpunkte, daß solche Aktionen urckerrwmnrer: werden Wunen, wen:: die Gemeinde -über die hiezu erforderlichen großen Mittel verfügt. Fr: erster Reihe aber sei es Aufgabe der Kultusgemeinde, für den Kultus und Unterricht zu sorgen. Präsident Dr. Alfred Stern sieht sich )):it Bezug auf eine Bemerkung des Vorredners veranlaßt, festzustcklen, daß in der viel besprochelren Verlassenschaftsangelegenheit weder über den Stifter, nochüber dessen Familie in der Sitzung des Vorstandes auch! nur ein einziges ungebührliches Wort gefallen ist Dr. Heinrich- Schreiber gibt seiner Freude Ausdruck, daß die Budgetdebatte auf einem dem Ernste der Zeit entsprechenden hohen Niveau geführt werde. In der Steuerfrage vertritt er den .Standpunkt, daß das Steuersystem der Kultusgdneinde kein nachsichtiges, sondern eher eines der härtesten und schwersten Steuersysteme ist Der Vergleich! mit der staatlichen Steuer sei nicht angebracht, da die Kultusgeliteiude andere Ziele habe als der Staat. Der Jude — sowohl der Reiche als auch der Minderbemittelte — zahlt außer der vorgeschriebenen Kultussteuer bei den einzeliten Anlässen, bei bene:: er Mit der Kultusgem'eiNde und ihren Einrichtungen irr Berührung kömmt, noch' erhebliche indirekte Steuer):. Unsere Aufgabe wäre es, ein Steuersystem zu schaffen, welches eine Steuerfreundlichkeit und nicht eine Steuerverdrossenheit unter den Genreindemitgliederu hervorruft. Auch die Kritik an der Behandlung der Subventionsaugclegenheiten findet Redner insofern unberechtigt, als diese Subventionen im Grunde nichts anderes feieit, als die Anerkennung von Leiflungeu des betreffende:: Vereines, die pflichtgemäß von der Kultusgemeinde selber gemacht werden sollte):. Auf die Frage der Militärseelsorge übergehend, glaubt Redner, daß diese Angelegenheit mit der Besetzung des noch immer vakant gelassene:: Rabbinerpostens eng. ,zusammenhänge. Würde:: wir du aktives, mit dein Vollgewicht seiner Autorität und seines Wissens auftretendes geistiges Oberhaupt habe::, so würde es sicherlich auch beit Weg finde::, um seilten Einfluß in dieser wichtige:: Angelegenheit an maßgebender Stelle zur Geltung zu bringen. Er erfasse vollkommen den Ernst der Zeit und verkenne nicht die Wichtigkeit der an uns herantretende): Probleine. Die Erledigung aller dieser wichtigen Aufgaben könne aber nicht im Schoße des Kultusvorstandes erfolgen. Es müssen Richtlinien angegeben werden, under rege deshalb die Schaffung einer Kriegs- und Friedenskommission an, zu welcher auch außerhalb des Vorstandes stehende Persönlichkeiten herangezogen werden -»sollten. Dr. Samuely befaßt sich eingehend mit dem Problem der., verlassenen Kinder. Er müsse hiebei betonen, daß die KnltusgeMeinde die in ihren Schutz genommene): Kinder, gegenwärtig 320, gut betreue. Diese Zahl werde nachdem Kriege :wch anivachseu. Die ineisten dieser Kinder sind iit Kinderheime!: uuhergebracht, da sich das System der Kinderheinne an: beste:: bewährt habe. Es sei jetzt ein KriegswaisenheiM geschaffe:: worden, ivelches jedoch ausgebaut werden nÄsse, weshalb er die Aitwese::- den bitte, überall, wo es nur nGglich, ist, für die Errichtung von Stiftplätzen in diesem Heinre Propaganda zu machen. Redner weist auf die dankenswerte Tätigkeit des Amtsleiters Kraus, Oberoffizials Moritz Ungar hin und gedenkt ganz besonders der hingebungsvollen Tätigkeit des Hietzrnger Frauenvereines, mit der Präsident::: Frau Dr. K r e n b e r g e r, der Frau Zir - ::e r und anderer Dan:en an der Spitze, denen unser aller Dank gebühre. Ein ungenannt sem wollender Wohltäter hat diesem Heinie K. 12.z000.— jährlich für ZehÜ Jahre zugesichert, Herr Vorsteher G.rünw ald hat bei einem feiner Verwandten eine Widmung von 12.000 Kronen erwirkt, wofür den Spendern auch! an dieser Stelle der Dank' abgestattet sei. Was die Kritik der Tätigkeit einzelner KoMmissionen betrifft, so regt er an, daß zeitweise ein Tätigkeitsbericht der einzelnen Kommissionen den: Plenum unterbreitet werde, damit die Vorstandsmitglieder über diese Arbeiten eingehender informiert werden. Präsident Dr. Alfred Stern fügt den Ausführungen des Vorredners hinzu, daß Herr Dr. Sa Mn e ly sich! der Frage der verlassene:: Kinder mit solch liebevoller Hingabe und Menschenfreundlichem Eifer mibmet, daß ihm ein besonderer Dank des Vorstandes gebührt. (Zustimmung.) Kultusvorsteher Max Zirner beschäftigt sich gleichfalls eingehend mit der Säuglings- und Kinderfürsorge, bereu Ausgestaltung er als dringend notwendig erachtet.