Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 10 (9.3.1917)
- Date
- 1917-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 10 Seite 151 -Dr. Bloch's WoMnschrift" Eine Krümerung an Hisza-Kszkar. Wir lesen int „Neuen Pester Journal": Ein Name taucht aus' der Vergessenheit, in die er verdienterweise geraten war, empor, ein NaNie, der einst, vor einem Menschenalter, ein Programm bedeutete. Geza Onody — er ifts, den wir Meineil — war in den Achtzigerjahreil des vorigen Jahrhunderts neben Viktor I st ö c z y einer der Häuptlinge der Antisemiten; er war es, der, ein. Jahr, (nachdem er zum Reichstagsabgeordneten gewählt worden, int Parlament die Tisza-Eszlarer Affäre zur Sprache!brächte, sie iMMer mehr ausbauschte, in Wort und Schirist hetzte, bei der Verhandlung des berüchtigten Prozesses die Richter und den Staatsanwalt terrorisierte und letzteren! sogar tätlich insultierte, mtb vor der Verhandlung ein Buch! in ungarischer und deutscher Sprache 'veröffentlichte, das die Inden als das blutrünstigste undj verabscheuungsMerteste Volk des Erdbodens hinstellte. Aber in dem Prozesse siegte nach hartem Kampfe die Wahrheit; das besonnene ungarische Volk, das sich für kurze Zeit hatte betören lassen, kehrte den Hetzern den Rücken, und als der künstlich genährte Judenhaß sich verstaut hatte, erhielten weder Jstoczy noch Onody ein Mandat. .Jener übersetzte des Josephus Werke (über die Juden ins Ungarische imd hausierte mit seinen Büchern; dieser war froh, in einem Waisenstnhl der Provinz eine bescheidene Unterkunft §it finden. Er galt füjr verschollen, seit Jahren hörte mall nichts von ihm!, M-an zählte ihn zu den Toten. Und null taucht sein Name wieder auf, uild zwar iin Amtsblatte, das nämlich. aneldet, daß der F-inallzrninister beit' getvesenen Reichstagsabgeordneten Geza Onody 511111 provisorischen Steuerkommissär Lei der N.ftregyhazaer Finanzdirektion ernannt hat. Onody ist heute ein Manu von nicht ganz 70 Jahren (hiezu fehlen ihm nur einige Monate); . WW, ep. sich hrav aufführt, so kann er Earrrere niächen und es bis znm — lvirkticheu SteuerkomMissär bringen. Der polnische SLaalsraL an die Krganisation der or1hodo.ren Inden in Uolen. Ans Warschau wird berichtet: Der polnische Staatsrat richtete an den jüdischen Verein „Agudas Hoorthodoxim" folgendes Schreiben: „Der provisorische Staatsrat nahm Mit Freude die in der Adresse das „Agudas HoorthodoxiM" bekanntgegebene patriotische und edle Erklärung der Juden zur Kenntnis, wonach sie sich als treue Bürger Polens und fronune Anhänger ihres Glaubens bekennen. Der jetzt gebildete polnische Staat wird hinwieder den historischen Faden aufnehwen, der durch! die Tradition religiöser Toleranz gezogen war. Und wie es in der Vergangenheit der Fall lvar, lvird den Juden, die in Polen wohnen, das Recht.auf ihren uralten Glauben auch künftighin und in der Ueberzeugüng gesichert, daß die Juden, die dem Gotte ihrer Väter treu dienen, gleich! deil unabhängigen Polen dem Staat Polen als gleichberecht'gke Bürger dienen werdend" Das Schreiben ist vom Kponmarschall Niemojowski und dem Staatssekretär Sliwinski unterzeichnet. Key. WegierrmgsraL Urof. Ar. Kermarrn ßohen gegen die Hänflinge an der Universität. In den „Neuen jüdischen Monatsheften" vom 10. Februar kommt der berühmte Geh, Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen gelegentlich von „Betrachtungen über Schmo'llers Angriff" auch auf die Zustände an den Universitäten zu sprechen, insbesondere bei Besetzungen von Dozentenstellen. Seinen instruktiven und iirteressanten Aussührungen entnehmen wir: „Wenn nun ferner aber sogar nicht nur der christliche, sondern der erst Christ gewordene Bewerber dem jüdischen Bewerber, wie allermeist üblich, vorgezogen wird, so tritt eine neue Gefahr an die Universitäten heran, über die ich bei diesem Anlaß meine Meinung nicht verschweigen darf. Wir brauchen an den Universitäten nicht nur gründliche und schöpferische Gelehrte, sondern auch Charaktere von sozialer Gesinnung in den Konflikten der Politik, welche für die Wissenschaft zumeist zur sozialen Politik sich zuspitzt, -Die Universität ist das Flußbett des Volkes für die Freiheit und Reinheit der Wissenschaft und für die Echtheit der nationalen Gesittung. Macht die Professoren zu Knechten der jeweiligen Politik, die überall mit denk Ständestaat zu ringen hat, und ihr unterbindet die Hauvtqnelle der geistigen und sittlichen Volkskraft. Ich muß auch vom Juden reden, den ihr durch eure Verwaltung des Rechtsstaates zum Uebertritt verführt. Der Jude, der bei dem heutigen Widerspruch zwischen der durch, die Verfassung gewährleisteten Rechtsgleichheit und ihrer Handhabung durch die Berivaltung, sowie deren Nachleben in den höheren Volksschichten, zur herrschenden Religion übergeht, der enthebt sich! mitleidlos seiner Zusammengehörigkeit mit Geburtsgenossen, die in seinem Gefühle sortleben muß, wenn er überhaupt Gemüt hat. Leute aber von so innerlich zerrissenem Gemüte können nicht sittliche Zierden der akademischen Körperschaften sein. Durch die Verführung zur Taufe werden daher nicht nur die Juden dezimiert, sondern in solchen Juden wird auch das deutsche Volk in seinem Gemüte vergiftet. Und ich habe immer meine Stimme dagegen erhoben, daß solche Männer, über die ich individuell nicht urteile, die für meine Betrachtung nur statistische Figuren sind, die geeigneten Charaktere, als Lehrer der akademischen Jugend, sein können." Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Wiener israel. Kuktusviorstandes vom 4. März 1917, unter dem Borsitz des Präsidenten Tkr. Wfted Stern. Die Debatte über das Budget lvird fortgesetzt. Prof. Dr. Ehrmann gibt seiner Genugtuung darüber.Ausdruck. daß die Budgetdebatte diesmal den Vorstandsmitgliedern Gelegenheit gebe, sich: über die wichtigsten Fragen auszusprechen. Debatte bedeutet für ihn Kritik, und zwar nicht nur Kritik an dem Budget, sondern auch Kritik an sich selbst. Das in Aussicht genommene Kinderambnlatorium werde nur dann seiner wahren Bedeutung entsprechen, wenn es nicht nur den Armen Pflege, Rat und Heilung bringen, sondern höheren sozialen Bedürfnissen entsprechen wird. Kein Volksstamm und keine Konfession hat in diesem Kriege verhältnismäßig auch nur annähernd, sei es int Felde oder im Hinterlande, solche Blutverluste erlitten wie die Juden. Krankheit, Flucht, Kriegsgefangenschaft haben starke Lücken in unsere Reihen gerissen, und es wird notwendig sein, durch eine Stärkung des Nachwuchses Ersatz zip schaffen; doch dürfen wir nicht die alte schlechte Politik befolgen, sondern auch die Säuglings- und Kinderfürsorge nur suppletorisch besorgen, wie dies in mustergiltiger, erfolgreicher Weise mit der Kwiegswaisenpflege geschieht. Wenn die Juden bei den Beratungen über die Jugendfürsorge und ähnliche künftige Organisationsfragen nicht vertreten sind, so liegt die Schuld an uns, weil unsere Krankenfürsorge überhaupt nicht .organisiert ist und die staatlichen Be-