Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 9 (2.3.1917)
- Date
- 1917-03-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022258--25821-3051145- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nx. 9 . ®r. Bkoch's Wochenschrift" Sette m Rach einigen Tagen erfuhr der Rabbi, daß ein Jude wegen versuchten Diebstahls! verhaftet wurde. Der Sassower beeilte sich, ihn in der Gefangenenzelle -auszusuchen und ihn zur Besserung zu ermahnen. Wahrend dieser Mahnung sagte der Rabbi: „Nun, schmerzen dich gut die Ppügel, die du erhalten hast? Da siehst du, Diebe werden schließlich ertappt; hüte dich darum, mein Sohn, von nun ab vor solchem! Tun." Der Dieb aber wendete ein: „Wenn ich einmal auch ertappt wurde, soll mich das! Kr immer abschrecken? Ich hoffe ,zum Allgütigen, man werde mich nicht mehr ertappen." Der Rabbi belehrte den armen Irrenden über seine Sünde gegen Gott und gegen die Menschen. Nun aber sagte sich der Sassower: „Wenn ein Uebeltäter in seinem Gottvertrauen durch einen Mißerfolg sich nicht erschüttern läßt, wie soll ich in meinem; dem Guten gewidmeten Unternehmen das Gottvertrauen verlieren und durch einen einmaligen Mißerfolg mich abschrecken lassen?"' Und so setzte er denn seine früheren Reisen weiter fort. 5. Das Herz des Zaddik. Der Lentschner pflegte zu sagen: „Der Sassower hat die höchste Stufe b& Zaddik erreicht. Er hat ein zerbrochenes und darum auch ein ganzes Herz..." Geschichten von Rabbi Mendel Kossower. 6. Man opfere den Widder im eigenen Herzen. Zu Rabbi Mendel kamen aus einem benachbarten kleinen Städtchen mehrere seiner Anhänger und trugen ihm. die Klage vor, daß der Schächter in ihrer Gemeinde, nicht fromm genug sei und daß ein Grund vorliege, ihn sogar eines moralischen Vergehens zu beschuldigen. Sie verlangten daher, der Rabbi möge den Schächteripon..AiMm.?Amte..suspendieren.,... - Unter diesen Anhängern befand sich auch ein armer Mann, der den Schächter verteidigte und die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen als bö>en Zungen entstammend bezeichnete. Rabbi Mendel sprach nun zu den Anklägern: „Höret mir zu: Die heil. Schrift erzählt: Nachher versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: „Abraham." Und er antwortete: „Hier bin ich." Da sprach Gott: „Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast,- und gehe hin in das Land Moriah und opfere ihn daselbst zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde." .... Und Abraham streckte seine Hand aus und faßte das Messer, daß er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihm ein Engel des 'Herrn vom Himmel und sprach: „Abraham, Abraham!" Er antwortete: „Hier bin ich!" Er sprach : „Strecke deine Hand nicht aus nach dem Knaben und tue ihm nichts." Da erhob Abraham seine Augen ... und anstatt den Sohn hat er einen Widder geopfert. Da stehen wir aber vor einer schweren Frage: Abraham hat den Befehl, Isaak zu opfern, aus dem Munde Gottes selber erhalten und wie unterstand er sich dann, dem Engel zu gehorchen, um von der Opferung Abstand zu inehmen und anstatt des! Isaak einen Widder zu opfern? Das will uns lehren, daß einen Menschen zu opfern, man allerdings erst die Stimme Gottes selber hören muß, und wenn Man das auch schon von Gott selber gehört hat und es kommt ein Keiner Engel und ruft uns zu: „Schlachte nicht!", dann befolge man eher den Worten des' Engels, um. einen Menschen nicht zu opfern, als Gott, der dieses Opfer befohlen hat. Ihr aber, die ihr in frommem Mfer zu mir gekommen, ich soll einen Menschen opfern, ihr werdet , gut tun, den Widder, den ihr in eurem Herzen trägt, den bösen Trieb (Jezer Hora), der zum Menschenhasse änreizt, zu opfern und auf dem Gottesaltär zu schlachten." 7. „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich geboren." Rabbi Mendel pflegte zu sagen: „Sobald ein Jude sich zur Verrichtung seines Gebetes oder irgendeiner guten Tat rüstet, kommt der Widerfacher (Jezer Hora) und redet ihm im Herzen zu: Du Gott-, loser, wie unterfängst bit dich vor den Herrn der Welten hinzutreten, da du den ganzen Tag über den Herzensgelüsten nachgehst; glaubst du etwa, daß eine Wohltat, die du jetzt unternimmst, deine Missetaten abwischen wird? Also sind die listigen Worte des Widersachers (Jezer Hora). Deshalb sagt der Psalmist: „Wenn ich deine Gesetze, Herr, erfüllen will, so lasse es mir scheinen, daß bu §u mir sagst: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich geboren." Wie ein Neugeborener von jeder Sünde rein ist, so ist es auch der Mensch, der ein Gebot Gottes ' ohne Heuchelei aufrichtigen und demütigen Herzens erfüllt. . - . , Sprüche von Rabbi Meikech Lezajnsker. 8. Selbstzufriedenheit. Rabbi Meilech pflegte zu sagen : „Der Mensch vermag sich zu ernähren, auch wenn er mit Spänen handelt. Von Wichtigkeit ist nur, daß er selbst die Ware, mag sie wie immer sein, nicht herabsetzt und seinen Beruf achtet." 9. Für Gott in die -Halite. Ein anderesmal sagte der Rabbi: „Wenn er in die Welt des Jenseits kommen und zur Hölle verurteilt sein sollte, so werde er mit großer Lust in die Hölle hineintanzen, im Bewußtsein, dadurch den Willen Gottes zu erfüllen. Denn wer Gott in Liebe bient, muß auch in die Hölle, für ihn gehen.". 10. Optimismus. Als Rabbi Meilech Lezajnsker seinen Tod nahen sah, bemächtigte seiner sich eine merkwürdige Heiterkeit. Einer seiner Schüler befragte ihn über den Grund seiner sonderbaren frohen Stimmung. Da nahm der Rabbi die Hand seines treuen Jimgers und sagte: „Warumsoll ich denn nicht froh sein, wenn ich diese niedere Welt loswerde und in die höheren Welten der Ewigkeit erm; gehe? Erinnerst du. dich, nicht jener Worte des Psalmisten: „Und ob ich schon wandte im Todestal, fürchte ich nicht, denn du, o Mott, bist mit mir.-" Also ist die Gnade Gottes." Von Rabbi Israel! Rnzyner. 1. Schechunte begulata. Die Worte: „Wie sollen wir anstimmen den Gesang Gottes aus des Fremdlings Boden" erläuterte er dahin: „Wie können wir jubelnd einen Gesang anstimmen, da wir wissen, baß die göttliche Majestät nicht mehr im heiligen Lande, sondern, aus des Fremdlings Boden weilt." Schechunte begulata. ... 2. Gott im Galuth. „Und wandte ich im- Tale des' Todes; ich, fürchte nicht, denn du . Gott bist nrit mir." Diesen Satz des Psalmisten deutete er also: Das jüdische Volk spricht zu Gott: „Wenn ich selber im Todestale, d. h. im Galuth, verfolgt und gepeinigt herumirre, fürchte ich nicht, ich ertrage mit Ergebenheit mein Leid; das einzige aber, was meinen Kummer bildet, ist, daß du Gott mit mir bist in diesem finsteren Galuth; denn es' steht: „. .... und in ihrem Leid ist auch ihm leid c .; ." Wird Israel verfolgt, dann leidet auch die Schechina, Gottes' Majestät, die Idee der Gerechtigkeit, der Menschenliebe ist vergewaltigt und die Mächte der Finsternis führen das Szepter. Schechunte begulata.