Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 9 (2.3.1917)
- Date
- 1917-03-02
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Mrivepg^ Eine der angesehensten jüpischerl Familien Galiziens ist durchs das vor fnt%em in Wien erfolgte Ableben ihres Oberhauptes, des durch! vornehme Charaktereigenschaften beschekannten Industriellen Moritz Nierenstein in T-rauer versetzt worden. Der Verewigte, der in nahen verwQndtfchasÜichen Beziehungen zu den Familien Kallir und Mises' stand, gehörte zu den letzten MGMlmlyMn aus der Blütezeit der jetzt so schwer heimgesuchten Brodyer Gemeinde, die Treue zur Mischen Tradition mit lebhaftem Interesse für moderne Kulturbestrebungen vereinten. Trotzdem er selbst allen Ehrenämtern ans dem Wege zu gehen pflegte, betätigte er sich, vielfach auf humanitärem GMete und .hat sich um den Mischen Blin-denperein 'in Lemberg namhafte Verdienste erworben. Die durch! ihre aufopferungsvolle soziale Tätiget bekannte Frau Emma Lilien ist eine Tochter des Verewigten. Die irdische Hülle wurde nach Lemberg überführt und hier am' 10. Februar im Familiengrabe bestattet. Rabbiner Dr. G> u t tma n n hielt dem Verstorbchrien einen ehrenden Nachruf. Stryj. Die «Bilanz des hiesigen Jüdischen Rettungskovrilees für das verflossene Halbjahr weist auf eine erfolgreiche soziale Tätigkeit hin, die die Linderung des durch den Krieg hervorgerufenen Notstandes bezweckte. An der Spitze des Komitees standen die Herren: Advokat Dr. Singer. Prof. Dr. M. Bienenstock, Prof. A. <S p ä t und Advok.-Kandidat Zwilling. Zu seinen Mitgliedern gehören die 'angesehensten Bürger beiderlei Geschlechts, die mit bewunderungswürdiger Ausdauer ihre Mühseligen Pflichten erfüllen. Die Tätigkeit des Komitees zerfiel in vier Abteilungen: 1. Es unterstützte die hiesigen Armen teils durch Naturalien, teils durch Geld, wobei sich die Ausgaben auf 6000 Kronen belaufen. Außerdem subventionierte es die Teehalle der jüdischen Kultusgemeinde und gründete für die Wintermonate eine Volksküche, - in der täglich zirka 300 Portionen zu 30 Heller verabreicht werden. Schulkinder, bei 100 an der Zahl, genießen die Wohltat umsonst. 2. Die Anzahl der Flüchtlinge, die im Herbst unsere .Stadt posierten, hetzüg einige, s Tcmsend. Das Komitee versah die Hilfsbedürftigen dreimal täglich mit warmer Speise, viele erhielten Kleider oder . Geldunterstützungen. Die .Ausgaben betrugen in dieser Sektion '4000 Kronen. 3. Den Kriegswaisen widmete das Komitee besondere Aufmerksamkeit. Mit Hilfe des Zentralkomitees gewann es für sie von der Statthalterei ständige Monatsbeiträge und Kleidungsstücke. Die Ilermsten wurden im Waisenhause zu Ernsdorf untergebracht. Außerdem hat das Komitee Schritte zur ,Gründung eines eigenen Waisenhauses eingeleitet, die einen guten Erfolg Versprechen. 4. Im Rechtshilfsbureau fand jeder ohne Unterschied des Glaubens unentgeltlichen Rechtsbeistand. Im allgemeinen betrugen die Ausgaben 15,000 Kronen, die Einnahmen 18,000 Kronen. Die letzteren bestanden aus Subventionen der „Israel. Allianz" in Wien, des hiesigen Bezirksausschusses, der Bezirkshauptmannschaft, Magistrats jnnd Platzkommandos, wie auch aus Mitgliedsbeiträgen. Allen, die auf irgendeine Weise die Tätigkeit des Komitees förderten, sei auf diesem Wege herzlichst gedankt! Ans der Well der Chasstdirn. ' ' . Von Dhabi IBHrch, Delatyn,- Keschichten vom Rabbi. Mojsche Leib Sassower. ' 1. Die Heirat. Als bet Sassower noch seine Studien in der Lehrstube seines großen Meisters, des Nikolsburger Rabbi Schmelke, oblag, hört er einmal dem Gespräche Zweier armer Inden zu. Da beklagje sich« der eine über sein großes Leid. Er habe eine Tochter zu Hanse, 35 Jahre alt, häßlich und die überdies auch dumm-'ist,.,so daß keine Aussichten da sind, sie unter die Haube zu bringen. Am zweiten Tage ließ sich, der Sassower durch einen Vermittler dem verzweifelten Juden als Schwiegersohn Vorschlägen und er machte das arme, häßliche Mädchen zu feiner Braut. Der heilige WkoWürger äußerte sich später voller Stolz Der. diese Tat seines! Schülers, indem er sagte: „Mein Mojsche Leib hat einen neuen Weg der Liebe ge-; bahnt, die bis in die höchsten Sphären führt. Als Mojsche Leib unter der Chnippa. (den Baldachin) zu seinem Weibe die Worte sprach: „Du bist, mir angetrant nach den Gesetzen Mosches und Israels," da haben ihn die Engel beneidet. Deine Liebe ist zusammengewebt und geflochten aus den heiligen. Funken jener Liebe, die zur Vermählung des Heiligen, gelobt sei er (Gottes) mit Israel geführt hat." 2. Wie Man den Nächsten lieben muß. - Der Sassower.erzählte seinem Jünger, dem Zydaczower: ' , „Die Erkenntnis! wahrer Nächstenliebe verdanke ich einem Gespräche zweier Dorsleute, denen ich zuhörte. Erster: „Sage mir, Freund Ijvan. liebst du mich?" Zweiter: „Ich liebe dich sehr." Erster: „Weißt du, Freund. auch/was! mir weh tut?" Zweiter: „Wie kann ich denn wissen, was dir weh tut?" Erster: „Wenn du nicht weißt, was mir weh . tut, wie darfst du auch nur sagen, daß du mich lieb hast?" „Verstehst du, Kersch," Mrte der Sassower auch „lieben, echt lieben, heißt wissen, was dem anderen weh tut!" 3. D e r P r e i s fü r d i e B e f r e i n n g e i n e s I u d e n. Als der Sassower nach acht Jahren eifrigen Studiums von seinem verehrten Meister, dem Nikolsburger, sich verabschiedet hatte, gah ihm dieser eine Goldmünze zum Andenken mit, sowie Proviant Wr die Reise. Der Sassower machte seine „Reise" in die Heimat zu Fuß, Wie er so in 'Gedanken. versunken' seinjen. Weg nimmt/! wurde er durch ein gräßliches!'. Jammern '^plötzlich aus seinen frommen Gedanken aufgeschreckt. Er erfuhrbäld'' zu seiner BestürMtg," dW "der' pölnischV Gutsherr ffMtsch Arendar (Pächter des Wirtshauses)!wegen Rückstand des Pachtzinses seit einigen Tagen im Keller eingesperrt halt. Da «gab es also eine Gelegenheit, Gutes zu tun. Zunächst warf der Sassower durch das Kellerloch dem schmachtenden. Inden seinen ganzen Eßvorrat. hinein. Sodann begab er sich! auf däs Gutschloß, um wegen der Befreiung 'des Eingekerkerten zu verhandeln. Zur Tilgung der zweihundert Silbergulden betragenden Schuld offerierte der Sassower seine Gi0ldmünze, das teure Geschenk seines verehrten heiligen Meisters. Handelte es sich ja doch um die Befreiung und Loslösung eines Eingekerkerten! .Und hat ihm der Rabbi nicht zu diesem Zwecke die Münze in die Hand gedrückt? Tief erschüttert'wurde er aber, als der Gutsherr dieses Angebot zurückgewiesen. Voller Kränkung entfernte er sich üird kehrte, aber nach, einiger Zeit zurück, da ihm das Leid des armen Arendars zu Herzen gürg. Nochmals Meldet er sich beim Gutsherrn und bot ihm für die Freilassung des' Gefangenen außer der Goldmünze noch! — sich selber als Sklaven an. Er wolle die Schuld durch Arbeit.abtragen. Dieses Anerbieten-erweichte aber auch das Herz des Gutsherrn; er befreite den Juden und hat ihm für' eine weitere Zeit den Pachtzins nachgesehen. 4. Das Gottver-trauen des Diebes. Der Sassower pflegte öfters Wanderungen zu unternehmen, milde Gaben zu sammeln und sich die Mittel zu beschaffen, umdie von polnischen'Gutsherren für rückständige Pacht eingesperrten Inden zu befreien und loszulösen. j . « Einmal kam er von einer solchen Reise ohne jeden Erfolg zurück und er dachte sich daher, er werde nunmehr solche Reisen, einstellen, um die Zeit nicht überflüssig dem Studium, der Thora zu entziehen.;