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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9 Dr. BLoch's Wochenschrift" Seite m Verhältnisse bürfteit die Erklärung dafür sein,' daß die geschilderten unerhörten Zustände noch immer andauern. Sanitäre Grunde als Voilvand für solche Maßnahmen zu nehmen, sei geradezu unglaublich. Er spricht auch den Wunsch auch daß das Präsidium' in dieser Angelegenheit das Geeignete.unternehme.; In der Frage der Feldrabbiner habe Redner bereits bei einem früheren Anlasse, wo es sich um einen anderen Feldrabbiner als heute gehandelt hat, nicht, der Person, sondern der Sache wegen den Standpunkt vertreten, daß die Kultusgemeinde bei der Ernennung von Feldrabbinern wenigstens Wer die Qualifikation und die Würdigkeit - des irr Aussicht Genommenen befragt werden sollte, weshalb er Heute bloß seinen damals ausgesprochenen Standpunkt vertrete, wenn er wünscht, daß die Kultusgemeiude, bevor der jetzige Zustand stabilisiert wird, eine Remedur zu schaffen trachte. Zum Schlüsse/setzt sich Dp. Schwarz-Hitler dafür, ein, daß die auf dem Schlachtviehmarkt bediensteten Schächter eine entsprechende Besoldung und eine Pensionsberechtigung erlangen. Er werde für die Annahme des Budgets stimmen. Präsident Dr. Alfred Stern teilt mit, daß in den Jahresberichten de' Kultusvorstandes die Mortälitätsstatistik genau nach dem Wunsche de' Genreinderates Dr. S chw arz?H ill er veröffentlicht werde und nichts dagegen einzuwenden, fei, daß solche Ausweise in fiu? zeren Zeitabschnitten dein Plenum vorgelegt werden, lieber Antrag des Professors Dr. Ehr mann wird die "Fortsetzung der Dudgetberatnng für die nächste Sitzimg vertagt. Ueber die Verfügungen gegen die Mischen Flüchtlinge aus Galizien irr Prag wird uns von dort mitzgeteitt: - > / - . - .. - - - Seit Kriegsbeginn brs' 17. Februar 1917 sind im Laufe dieser 32 Monate laut Sanitätsbericht in Prag und Umgebung im ganzen 11 Fälle von Flecktyphus konstatiert worden, und zwar darunter bei einer ein-; . heimischen -christlichen Person und bei einem Soldaten, der auf Urlaub nach Hause kam. Aller Wahrscheinlich? keit nach ist die Verschleppung der Krankheit durch beit Soldaten nach Prag erfolgt.' Fm Hause Nr. 50, Prag, I., Langengasse, wurde gegen Ende Januar dev Fall eines'Flecktyphus konstatiert, aber nicht bei einem galizischen Flüchtling, sondern bei einem aus' Ungarn zugereisten Juden, der kein Flüchtling.war, der sich aber bei einem Flüchtling aufhielt. Nach achttägiger Krankheit diagnostizierte der Arzt Dr. Fischl eine Lungenkrankheit; der Erkrankte kam' ins Spital, wo man ihn für am Flecktyphus erkrankt hielt, er wurde aber nach 14 Tagen gesund entlassen. Das Haus aber wurde gesperrt, jedoch nur für jüdische Flüchtlinge, während die christlichen Einwohner dieses Hanfes verschont geblieben sind. In demselben . Hause befindet sich eine Bäckerei und eine Wäscherei, allerdings mit christlichen Inhabern, und - trotzdem in diesen Geschäften ein starker Verkehr stattfüldet, wurden die Inhaber nicht behelligt; auch dem Hausbesorger wurde die Freiheitsbewegung nicht gestört, nur die jüdischen Einwohner wurden von der harten Maßregel betroffen, denen selbst die Verpflegung recht erschwert wurde, so daß sie von der Güte und der persönlichen Laune eines diensthabenden Wachmannes abhängig waren, ob ihnen Nahrung zugemittelt werden durfte.. Der erkrankte ungarische Jude wurde acht Tage früher aus dem Spital gesund entlassen, ehe das Haus,- in dem er erkrankte, frergegeben wurde. Nach einigen Tagen erschien ein Sanitätswagen vor diesem Hause und unter denr -Zukauf des Straßenpöbels wurden die jüdischen Emwphner jenes Hauses in den Wagen gebracht und zur -Eütla-usnnEanstalt geführt (der Bnlovka in Lieben); man kann sich denken, welchen Eindruck das auf die naive Bevölkerung gemacht hat und welch' dezimierende Stimmung in jüdischen Kreisen das hervorrief. Nach der erfolgten Prozedur in jener Anstalt wurden die Leute entlassen, sie erhieltet! aber trotzdem nicht die Erlaubnis, mit der Elektrischen nach Hause zu fahren und mußten die nahezu vier Kilometer lange Strecke zu Fuß znrücklegen. Durch die Behinderung, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, leiden unsäglich die jüdischen Flüchtlingskinder, welche in den Vororten oder in den nächstgelegenen Dörfern zur Schule kommen sollen. Bei 23 Grad Kälte wurden arme Kinder bei den Ohren von der Elektrischen heruntergezerrt irnd mußten die weite Strecke zu Fuß — z. B. von Smichov und Visotschane nsw. nach Prag — marschieren. 54 solcher Fälle sind durch Professor Dr. Engel in Prag protokollarisch sestgesteltt worden. Das Verbot der Eisen bahnbenützung erließ der Direktor der Franz Josefsbahn in Prag, während die an- Oeren Direktionen zu solch harter Maßregel keine-Veranlassung fand nr. _ . Eine große amerikanische Spende für arme Juden Galiziens^ Rumäniens und Serbiens. Wie die Tagesblättir melden, wurde zu Beginn der vorigen Woche der hiesige amerikanische Botschafter P e nfietd vom Staatsdepartement in Washington angetviesen, im Namen der Israelitischen philanthropischen Gesellschaft in Newyork der Israelitischen Allianz einen Betrag von 248.000 Dollar (1,240.000 Kronen) zu übermitteln. Die amerikanische Botschaft hat durch das Ministerium des Aeußern diesen Betrag seiner Bestimmung Zufuhren lassen. Die Summe wird in folgender Weise anfgeteilt: 325.000 Dollar erhalten die notleidenden Juden in Galizien und Russisch-Polen (owie die Flüchtlinge in Westösterreich, 20.000 Dollar die Juden in Rumänien, 3000 Dollar die Juden in Serbien. Die Spende wurde der Israelitischen Allianz auf Grund eines an das große Hilfskomitee in Newyork gerichteten Berichtes zugewiesen, in dem die Allianz die kolossale Inanspruchnahme ihrer Hilfsmittel durch die notleidende Judenschaft schilderte. __ Ein Täufling beim Züricher Katholikentag. Aus Budapest, 27. Februar, wird gemeldet: Hier erregt die Angelegenheit des Abgeordneten Baron Philipp Orosdy viel Anffehen, weil er als gewesener Jude an dem in Zürich tagenden Katholikenkongreß teilgenontmen batte. Die katholische Volkspartei verurteilt diesen Falb und der Mgeordnete Markgraf Georg Pallavicini beabsichtigt, in dieser Angelegenheit im Abgeordnetenhaufe sogar eine Jnterpellarion zu unterbreiten, in" der daraus hingewiesen werden soll, daß es nicht entsprechend war, wenn Baron Orosdy, der selbst in ungeregelten konfessionellen Verhältnissen lebt, die ungarischen Katholiken auf dem Kongreß in Zürich vertreten sollte. Die Hauptschuld wird dem Fürstprimas - Dr. Csernoch zugefchrieben, der den Baron O r osdy dazu veranlaßt haben soll, sich nach Zürich zu begeben und dort an dem Katholikenkongreß teilznnehmen. Heute ergreift in dieser Angelegenheit der Fürstprimas Doktor C s er noch das Mort und sagt, er habe den Baron Orosdy betraut, an dem Katholikenkongreß teilzunehmen, da er ohnehin nach Zürich fuhr. Auch erklärt der Fürstprimas!, daß er zwischen Katholiken keinen Unterschied mache, ob sie alte Katholiken sind oder von Juden stammen. Aber der Fürstprimas erfährt wegen seines Verfahrens heftige Angriffe in der christlichsoMken Presse.

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