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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-03-02 · 9 (2.3.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
9 (2.3.1917)
Date
1917-03-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite. 136 Dr, BLoMH Mmenschrist" Nr.. 9 wirö mit dem Auftreten des Flecktyphus in Vraa begründet. Me Konsequenzen dieftr an russische Sitten genmhnende Maßregel machen - sich nicht , nur für die Flüchtlinge, sondern auch für andere Juden in Prag tu der unerträglichsten Weise fühlbar. So sei vor wenigen Tagen Professor Dr. Lieben, ein bekannter Gelehrter, Mitglied einer uralten Prager Familie, von einer Schaffnerin aus der Elektrischen gewiesen, indem sie einfach erklärte, M. Lieben sei galizischer Flüchtling. Die galizischen Flüchtlinge müssen, wenn sie die Stadt auch, nur auf euren Tag verlassen wollen, eigene Passe haben mrd sind der Willkür und dem Spott jeder Bahnkassenbearntin aufgesetzt. Die furchtbarste Wirkung dieser unglaubliche:: Verfügung ist jed H die, daß diese urrglücklichen Flüchtlinge sich nicht einnml zur Erlangung von Lebensmitteln anstellen dürfen, urrd sich glücklich Wien müssen, wenn der Hausbesorger oder jemand anderer gegen ein gutes Honorar, das die meisten Flüchtlinge nicht bezahle:: können, sich für sie anstelle!:. Wie aber diese. janiMte Maßnahme in Wirklich keit durch geführt werde, gehe aus dem ihm mitgeteilten Verspiele hervor, daß in einem Hause, in welchem ein FlecktyphnsfaU festgestellt wurde, der betreffende kranke Flüchtling und einige Stockverke höher wieder ein. Flüchtling zur Isolierung gebracht wurden, während der im selben Hause befindliche nichtjüdische Bäckermeister mit einem großen Kundenkreis und Parteienverkehr.seinen Betrieb ungestört fortfüHren durste. Hier hätte der Kultusvorstand die Pflicht, einzugreifen, trotzdem diese Vorfälle sich in Prag und nichr in Wien abgespielt haben. Von besonderer Wichtigkeit erscheine ihm die Frage der Feldrabbiner. Das Ansehen des Judentumes und in gewissem Sinne auch das Interesse des Staates er-» heischen es, daß die legalen Vertreter des Judentums, das Heißtdie KultusgeMeinden, wenigstens insoferne einen Einfluß auf die' Ernennung von Feldrabbinern "üben, daß sie über die Eignung/desselben in sozialwissenschastlrcher und nwralischer Hnfficht befragt würden. Er besucht den Fall eines Feldralüiners mit ziemlich einflußreicher Stellung, in der l. n. k. Armee, der. niemals einen Rabbinerposten bekleidet Habe, mrd er habe Feldpostbriefe von diesem Feldrabbmer an jüdische Soldaten gelesen, über deren Inhalt, Stll und Form sich jeder ehrliche Jude, der auch nur die leiseste Ahnung von seiner Religion hat, in seinem tiefsten Innern schämen muß. Er bitte das Präsidium, soweit eine Möglichkeit hierzu gegeben ist, die Abstellung solcher. Zustände, die, wenn sie unwidersprochen bleiben, vielleicht auch für die Friedenszeit stabilisiert werden könnten, mit allen zulässige!: Mitteln anzustreben. Präsident Dr. Stern reflektiert auf die Ausführungen des Vorredners und weist darauf hin, daß sämtliche Steuerangelegenheiten, bevor sie dem Plenum zur Wnahme unterbreitet werden, in einer Anzahl von Kommissionen vorberaten werden. In diesen Kommrssionssitzungen werde jeder einzelne Fall auf Grmrd der, soweit es nur irgendwie nröglich, sorgfälligst gepflogEN Erhebungen besprochen. Dani: kommen dieselben Angelegenheiren irr das Vertreterkollegiuw, wo sie gleichfalls der eingeheiwsten Behandlung unterzogen werden. Dasselbe sei auch der Fall mit den Subven-4 twnsgesuchen. Auch hier werden Erhebungen gepflogen und die einzelnen Fälle nwividuell behandelt. . Die vorgebrachten Vorfälle in Prag seien ihm auch ' bekamll und haben chn aufs, tieffte ergriffen. Würde es sich um irgendeine kleure hilflose. Kultusgemeinde ge- , handelt haben, so wäre er bereits eingeschritten/ Nun haben sichaber die 'geschilderten schrecklichen Vorfälle m Prag, einer der größten Kultusgemeinden des Reiches, 'zugetragem und da glaube er denn dpch, daß vor. allem die Prager Kultusgemeiude die erforderlichen Schritte zu unternehme:: habe, und er setze auch.voraus', daß. der dortige Kultusvorstand d:e Angelegenheit energisch betreibe. Erst' wenn der Prager Kultusvorstand sich an das Präsidium der Wiener. Kultusgemeiude um Intervention!venden würde,' könnte und würde auch bereitwilligst dieses Präsidium an maßgebender Stelle interveniere!:, genau so wie Redner bereits in andere:: böhmischen, und Mährischen FluchtlingsangMg enheite:: wiederholt kornpetentenorts v o rgesprocher:' h at.. In der Frage der Feldrabbiner hat Redner wiederholt bein: Kriegsminister, Landesverteidigungsminister und dem Fachreferenten vorgesprochen und überdies auch Eingaben unterbreitet, welche in: Großen und Ganzen dasselbe Petit enthalten, aus welches die diesbezüglichen Ausführungen des Vorredners hinauslaufen. Schließllch müsse er die Bemerkungen des Vorredners-mAngelegenheiten der von demselben kritisierten Verlassenschaftsangelegenheu,. ::: welcher übrigens er selbst auch nicht mit alle:::!, was geschehen, sei, einverstanden rvar, aus dem Grunde zurückweisen, weil es unangebracht sei, öerlei Angelegenheiten in dieser Weise in öffentlicher Sitzung zu erörtern.. Kultusvorsteher Gemeinderat Dr. Schw arz-Hiller beschäftigt sich gleichfalls eingehend mit einer Reihe aktueller Fragen. Der Krieg habe auf die Juden eine besondere Wirkung ausgeübr, Flucht aus der Heimat, Entbehrung, Unterernährung, steigernde Mortalität unter den Juden, ganz besonders unter den Säuglingen und Kindern im zartesten Alter, so daß die Juden mit einer Herabminderung des Nachwuchses bedroht sind. Um hier ein klares Bild zu gewinnen, regt er an, dem Plenum von Zeit zu Zeit eine nach Alter und Beruf gegliederte Statistik über die Sterbefälle vorzulegen. . Seiner Meinung nach, wären die' Schäden Krieges nicht allem von denen, die ihn heute unterleben und miterleiden, sondern auch von den conunenden Generationen, welche die Früchte des Krieges gen:eßen, zu tragen. Der Kultusvorstanö wird eine ganze Reihe von Institutionen der Säuglings-'. und Kinderfürsorge zu betreiben haben, und die'Kosten dieser unerläßlichen Fürsorge schon jetzt durch, eine entsprechend große Anleihe, sicherzustellen. Diese Anleihe müßte bald abgeschlossen werden. , In der Steuerfrage schließt sich Doktor S ch w a r z- Hiller im Großen und Ganzen den Ausführungen des Oberingenieurs Stricker an, ganz besonders dürfe man sich nicht davor fürchten,/ daß Leute, die durch den Krieg zu Vermögen gelangt sind, infolge einer, gerechten, entsprechend hohen Besteuerung aus dem Judentume austreten würden. Wir müssen auf solche mit Freuden verzichten. Auch ihm scheine daher das Ausmaß der Steuererhöhung von 1916 auf 1917 nicht den tatsächlichen VerhAtnissen entsprechend zu sein; ebenso wünsche er auch eine andere Behandlung der Steuerrekurse. Dasselle gilt auch, von der Behandlung der Subventionsgesuche. . '©£- mache heute schon darauf/ aufnterffam, daß, es unsere Pflicht sein werde, unsere aus dem Kriege zurückkehrenden gewerbetreibenden Gemeindemitglieder in ihrem BestrÄen, ihre Existenz wieder aufzurichten, T zu unterstützen. Es werde dem Kultusvorstande obliegen, eventuell die Schaffung von. Darlehenskassen für jüdische Gewerbetreibende zu initieren und nötigenfalls sich auch mit Kapital daran zu beteiligen. Dr, Schw arz-Hiller bestätigt vollinhaltlich die Ausführungen des Oberingmieurs S t r i ck e r :n /Angelegenheit. der. galizischen. Flüchtlinge in Prag und teilt auch seine Entrüstung. Er. habe, sich an den Minister des Innern gewendet, doch die eigenartigen österreichische::

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