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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-23 · 8 (23.2.1917) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
8 (23.2.1917)
Date
1917-02-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 126 Dr. Bloch's Osij«!. (Zwanzig I -a h r e K u II u s v o r st e h e r.) Am 27. Januar l. I. jährte sich zun: zwanzigstenmale der Tag. an welchem Herr Dr. Hugo Spitzer an die Spitze der israel. Kultusgemeinde durch das Vertrauen seiner Glaubensgenossen berufen wurde. Was er als Vorsteher dieser großen, sich namentlich durch ihr humanitäres Wirken auszeichnenden Gemeinde geleistet hat, ist bekannt, als daß es hier einer besonderen Aufzählung der durch seine Initiative geschaffenen nützlichen Institutionen bedürfte. Es bleibe einer späteren Zeit Vorbehalten, all das Ersprießliche zu schildern, was diese unstreitig intellektuell kräftigste und auch nach anderen Richtungen hin hervorragende Persönlichkeit des kroatischen Judentums bisher geschaffen hat. Seine Tätigkeit erstreÄe sich während dieser Zeit nicht nur aus die Kultusgemeinde Osijek allein, sondern auf alle bedeutenden Angelegenheiten des kroatischen Judentums überhaupt. Alle Gebiete des Eemeindelebens verdanken seiner Initiative reiche Förderung. Das Musterstatut der kroatischen Gemeinden, 'der Entwurf für die Kreierung eines kroatifch-slcrwonischen Gemeindebundes, das Gesetz über die Regelung der jüdischen Kultusgemeinden und konfessionellen Angelegenheiten, die Abschaffung des Judeneides, die Erbauung des israel. Gemeindehauses, die Gründung zahlreicher Stiftungen zu wohltätigen Zwecken verdanken feinen Anregungen und Entwürfen ihre Entstehung. Angesichts all dieser Verdienste, beabsichtigte der Vorstand am 4. Februar l. I. dem verdiente Manne zu seinem zwanzigjährigen Amtsjubiläum eine besondere Ehrung zuteil werden zu lassen. Doch durch das vor einigen Tagen erfolgte Ableben seines Bruders Emil Spitzer, sah sich Dr. Spitzer veranlaßt, an den Vorsteher-Stellvertreter die Bitte tzu richten, von jeder persönlichen Ehrung seitens der Kultusgemeinde Umgang zu nehmen. Um jedoch seiner Dankbarkeit für die ihn ehrende Absicht des Vorstandes kunzugeben, und auch, um das Andenken seines verewigten Bruders zu ehren, widmete Herr Kultusvorsteher Dr. Spitzer den Betrag von 1000 Kronen dem König Franz Josef-Fonds, dem er bereits 500 Kronen vorher gespendet hatte. Gleichzeitig sprach er den Wunsch aus, daß der obenerwähnten Stiftung je mehr Förderer gewonnen werden mögen, damit aus ihrem Zinsenerträgnisse jemehr Kriegswitwen und -Waisen unterstützt werden können. Seit dem Ausbruche des Krieges steht Dr. Spitzer auch an der Spitze des städtischen Kriegsfürsorgeamtes. Was er als - .Vorstand dieses, ungeheure Arbeitskraft und Zeitaufwand in Anspruch nehmenden Amtes geleistet, wird von allen maßgebenden Kreisen der Stadls der Landesregierung und der Bevölkerung dankbarst anerkannt. Man muß Herrn Dr. Spitzer nur inmitten seiner täglichen Tätigkeit sehen, wie er Hunderte von armen Frauen unverdrossen empfängt, informiert, unterstützt, Zuschriften, amtliche Anfragen für sie versaßt, mit einem Worte — eine unübersehbare, notwendige und nützliche Arbeit, mit Ruhr und Energie, bloß von einer weiblichen Hilfskraft unterstützt, spielend bewältigt. Diese ersprießliche Tätigkeit im Interesse des allgemeinen Wohles bildet mit Recht einen neuen, unvergänglichen Ruhmestitel im Leben unseres Mitbürgers. Die Verdienste des hervorragenden Mannes werden, wie es verlautet, auch hohen Ortes wiederholt gewürdigt werden. Und wenn jemand Auszeichnungen verdient» so ist dies Dr. Hugo Spitzer, der es durch sein gemeinnütziges öffentliches Wirken glänzend erwiesen hat, daß er nicht der Kultusgemeinde allein angehört, sondern der nie zu großen Gemeinde jener, die das Edle, Schöne und Erhabene lieben, und in und um sich tzu verwirklichen suchen. Przemysl. (Rabbinatsassessor Moses Jakob Feldstein s. A.) Die talmudische Gesetzeskunde hat hierzulande einen herben Verlust erlitten. Mit dem Rabbinatsassessor Moses Jakob Feldstein s. A. hat nicht bloß das Przemysler Rabbinat ein hochgeachtetes Mitglied verloren. Der Verblichene war ein ganz hervorragender Jurist und war speziell ein gründlicher Kenner des talmudischen Zivilrechtes. Seine Bescheidenheit und sein sanftes Wesen gemattnen ihm die Sympathie aller Gemeindemitglieder. Darum wird auch sein Heimgang in unserer Gemeinde besonders schmerzlich empfunden und sein Andenken ein gesegnetes bleiben. - •prcntrö piaan by bzr> ■ BrOnn. Am 3. März l. I. feiert Herr Jeremias Gold mann sein 25 jähriges' Jubiläum als Kantor bei der Brunner israelitischen Kultusgemeinde und gleichzeitig das' Fest der silbernen Hochzeit mit seiner Gattin Cacilie, geb. Schiller. Werweiß? MMa Vrechnrr, derzeit in Trebotz, ^Bezirk Laun, sucht ihre dreizehnjährige Tochter Golde Rösie Hausknecht aus Czernelica bei Horodenka. Landsturmmann Aron Blumengarten sucht seine Frau Rifie Blumengarten samt Kinder aus Kolomea. Zuschriften an Richard Kohorn, Rechnungsunteroftizier, Staffel 834, Feldpost 392. Wochenschrift" Nr. 8 Kadifch. (Wn Zwiegespräch! aus der Schule.) Schüler (VIII. Klaffe): Ich bitte, Herr Professor, bald ist's ein Jahr, daß ich! nach meinem seligen Vater, der auf d em Sch lach tseld e gefallen, Kadifch sage; doch hatte ich bis jetzt nicht recht den Mut dazu. Sie zu befragen: weshalb ich denn eigentlich dieses Gebet früh und abends' hersage, das doch gar keine Beziehung zur Gelegenheit, zum Tode, zur Pietät enthält, sondern von Anfang bis! Ende eine Verherrlichung Gottes ist. . Professor: Warum hatten Sie bisher nicht recht den Mut zu dieser Frage? Schjü-ler: Aufrichtig gestanden, habe ich in der Frage eine Art kritischen Angriffes erblickt, und deshalb wollte ich gegen mein eigenes Pietätsgefühl keinen Angriff — sozusagen. — unternehmen. Präses s o r: Sehen Sie, Sie haben Ihre Frage selbst beantwortet. Wohlan, Sie wollen Ihre Em-pfindung nicht stören. Sie halten dieselbe heilig, Sie wollen sie nicht anfgeben. Sie fürchten zwar einerseits, daß die Form, in welcher Ihr Gefühl zuM Ausdruck gelangt, nicht ganz entsprechend sei, andererseits finden Sie jedoch diese Institution des! Gefühlsausdruckes, welche die Tradition geheiligt hat, für unersetzlich. — Was ist dies im Wesen anderes, als das Problem der Religion selbst im Kleinen, aus einen einzigen Punkt konzentriert? Schüler: Gut. Warum konnte man aber für unser Gefühl nicht eine vollkommen entsprechende Form finden? Professor: Das vollkommen entsprechende Gebet wäre so aktuell wie ein Gelegenheitsgedicht, das von Lebendigkeit geradezu schwellen, Ihre Seele jedoch nur ein e in zi g esmal packen würde, ein zweitesMal würden Sie den Schraubengang. Ihres Gefühles bereits gelockert finden. Und der Mensch findet nichts' so fad wie sich. selbst, den Inhalt seiner eigenen Seele, falls diese fidj nicht ändert. Das Andenken des! Toten idealisiert sich .allmählich!, es! entzieht sich dem Leben und gelangt in eine transzendale Sphäre, und steht nun in weiter Höhe ühjer einem auf denselben .gemünzten Gebet! Schüler: Aber die Rückerinnerung, tut doch immer wohl. Professor: Sie irren. Die Rückerinnerung ist nur dann wohltuend, wenn deren Material fortwährend in Zunahme begriffen ist, wenn immer neuere Vorstellungen Hinzukommen. Nehmen wir an. Sie besäßen den Text der Trauerrede des Rabbiners. Würden Sie dieselbe gerne täglich lesen? Schüler: Die Wahrheit gestanden — nein! Professor: Nun sehen Sie, ich werde Ihnen auch sagen, warum nicht. Denn die Charakterisierung Mag noch so getreu.gewesen fein. Sie fühlen es, daß. der Mensch, den Sie zu vermissen gezwnjngen sind, Ihnen mehr war als bloß Familienvater^ ein guter Beamter, ein eifriger Baterlandsverteidiger und was! weiß ich sonst. Der Mensch! ist mehr aG sein Werk zusaMmengenommen. Er ist eine Persönlichkeit. Er ist die Offenbarung des. göttlichen Wirkens und dessen Vertreter, er ist eine der vielen Variationen seines universellen Willens. Deshalb tut S uns wohl!, Gott, die universelle Idee, zu verherrlichen und nicht das! Individuum zu preisen. Schüler: Wäre nur wenigstens! irgendeine Beziehung ans den' Sterbefall im Kadifch!. Professor: Ich: verstehe, ich begreife Ihren Wunsch. Sie wü-nschten so etwas, was die deutsche kunstgeschicht-

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