Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 122 -Dr. Bloch's Wochenschrift' Nr. 8 fällig ausgenommenen Berichte anschließeiürer: Debatte beteiligten sich, die Delegierten und Mitglieder eifrigst. Herr Strußberg schlug vor, die Obmänner aller Tenrpelvereine zu einer Besprechung einzuladen, um die Uebergabe der Vereinstempel an die Kultusgemeinde in die Wege zu leiten, in welchem' Falle voraussichtlich die Vorsteher dieser Vereine auch weiter für die Tempel in selbstloser Weise tätig bleiben würden. Vorsteher Herr S. Blüh glaubt, daß nicht alle ^enipelvereiue sich zur Uebergabe der mit enornren Kosten und Mühen geschussenen Gotteshäuser au die Kultusaemeüide entschließen würden, ist aber dafür, einen gemeinsumeir energischen Druck auszuüben, um die erforderlichen Subventionen anstandslos und rechtzeitig zu erhalten. Obnwnn Hofmann schilderte die Schwierigkeiten der Subventionsbeschafsung; er habe trotz, wiederholter persönlicher Fürsprache beim Präsidium aus sein iM Oktober überreichtes Gesuch bis' heute keinerlei Erledigung. Wie wenig Interesse der Kultus'vorstand den Tempelvereinen entgegenbringe, erlveist schon der Umstand, daß keiner der 36 Kultus-Vorsteher zur heutiger: Generalversammlung delegiert wurde. Der ObMann bittet dm: Delegierten Herrn Kommerzialrat Hacker, dies nicht als gegen seine, in Miseren beider: Bezirken besonders geehrte und geachtete Persönlichkeit gerichtet, aufzufassen. Kominerzialrat Hacker erklärte sich, bereit, die diesbezüglichen Wünschedes Vereines dem Kultusvorstande zur Kenntnis zu bringen, hält jedoch der: jetzigen schwierigen jZeichunL tzp Geren Erfüllung; Wr nicht geeignet und einpfiehlt, bis nach' Beendigung des Krieges zuzuwarten. Vorsteher Herling er beantragte die Abfassung einer energischen Resolution, welche alle Beschwerden des Vereines .als Ausdruck der heutigen Generalversammlung zur Kenntrris' des Kultusvorstandes behufs Abhilfe bringen Möge. Nach angeregter Debatte, an welcher sich auch weiters noch die Herren S. Kraus, Dr. Friedjung, Desider Wo l ln er und andere beteiligten, wurde der von Herrn Revisor En:'. Pollak geprüfte Kassabericht genehmigt. Die vorgeiwmMeneU ErgänzungÄvahlen ergaben die einst i Mn: i g e WiedeUvahl der ausgelosten Herren: Josef Berger, Dr. Ernst Fried jung, I. Gu ttmann, Rudolf Lich ten stein und Friedrich Wiener, und die Neuwahl des Herrn k. k. Kommerzialrates Moritz Hacker. Mit Dankesworten an die Erschienenen schloß Obmann Herr Adolf Hof m a n n die Generalversammlung. Freispruch.. Aus Nagy Var ad wird gemeldet: Der Nagy- . varader Gerichtshof verkündete heute nach siebentägiger Verharürlung das Urteil in der Strafangelegenheit der der Mißbräuche bei Heereslieferungen angeklagten Julius Weiß, David F r i e d M a n n, Samuel W e: ß, Moritz Berkovics und Michael Weiß, die.angeklagt waren, der Heeresleitung n:it Salz gefüttertes Vieh' geliefert zu haben. Der Gerichtshof sprach sämtliche Angeklagte frei, da in der Hauptverhandlung es sich herausstellte, daß die Anklagebehörde die Anklage aus unbegründeten Beschuldigungen aufgebaut hatte. Die Angeklagten wurden sofort auf freien Fuß gesetzt. Die Akten der Angelegenheit wurden an das' Bürgermeisteramt geleitet, damit gegen die Polizeiorgane» die an der Untersuchung teilnahmen. d a s D i s z i v l i n a r v c rfahren eingeleitet werde. Im Laufe der Hauvtverhandlung wurde nämlich der Beweis erbracht, daß die durch die Polizeiorgane aufgenommenen Zeugenaussagen unwahr sind. Ebenso wurde festgestellt, daß die Polizeiorgane die Zeugen beschimpft und' sogar geschlagen haben. Den: Gerichtshof wurden ärztliche Zeugnisse hierüber vorgelegt. Aus den: Zeugenverhör ging auch' hervor, daß die Angeklagten sich! keinerlei Strafhandlung zuschulden kommen ließen. Der Verteidiger Dr. Johann Fried gab sich mit dem Urteil zufrieden. Staatsanwalt Stefan F a r k a s legte Berufung ein. Mdisch-soziale MfMtigleit in Lemberg. Die schwere Kriegszeit stellt an die finanzielle und moralische Kraft der Kultnsgemeinde und der mit ihr Hand ir: Hand arbeitender: Hilfsorganisationen irnrner größere Anforderungen. Leider sind ebenso die Geldmittel als .auch die Arbeitskräfte beschränkt, so daß es fauiii möglich erscheint, allen Anforderungen, mögen sie noch so berechtigt sein. Genüge zu tun. Wie das „Lemberger Jüdische Tagblatt" berichtet, hat die hiesige Knltusrepräsentanz in ihren letzten Sitzungen zwei wichtige Beschlüsse gefaßt, deren baldige Realisierung von großer Bedeutung für zahlreiche, von der Not heimgesuchte jüdische Farnilien sein, könnte. Der erste Beschluß, dessen Wichtigkeit weit über das lokale Gebiet hiuausragt, betrifft die Schaffung einer Zeittralevidenzflelle zwelW' Aus findung und Flüssigmachung nicht aktivierter Stiftungen zu wohltätigen Zwecken in Galizien. Der vom Mitgliede des Beirates Dr. Ringel wohlmotivierte Antrag war von diesem bereits vor Monaten in verschiedenen jüdischen Blättern erörtert worden und verweist auf die großen Gelder, die auf diese Weise ihrer eigentlicher: Bestimmung zugesührt werden könnten. Es ist erwieser:, daß nicht nur in Galizien, sorürern auch anderwärts bedeutende jüdische Stifturrgen infolge rlicht gehörig verfaßter letztwilliger Bestimmungen, verworrener Familienverhälmisse und dergl. jahrelang, Manchmal jahrzehntelang brachliegen. Vielleicht wird der diesbezügliche Beschluß der Lemberger Gemeinderepräsentanz auch andere Großgenminden anregen, ähnliche Evidenzstellen zu schaffen, worauf dann im Sinne des ursprünglichen Projektes des Herrn Dr. Ring et die Errichtung eines Zentralevidenzamtes! für Stiftungen mit juridischen und finanzieller: Hilfskräften ins Auge zu fassen wäre. Der zweite Beschluß ist von unmittelbar praktischer Bedeutung und betrifft die Organisierung einer FürsorgeäkLion für jüdische Findlingskinder im Alter bis zu 5 Jahren als der niedrigster: Altersgrenze zur Aufnahme in die bestehenden Waisenhäuser. Die Zahl dieser unglückLichen, dem physischen und Moralischer: Verderber: preis'gegebenen Geschöpfe ist während der Kriegszeit erschreckend angewachsen und erfordert dringend rascheste Abhilfe. Die Kultusgemeinde plant nun ein Heim für jüdische FiiMingskinder im Alter von 2—4 Fahrer: zu eröffne.u, die älteren jedoch deM Gemeinde- oder Kriegsrvaisenhause zur Erziehung: zu übergeben. Zwecks Erledigung der vorbereitenden Schritte ir: dieser Angelegenheit wurde zunächst eine Kommission, bestehend aus dem Stellvertreter des Regierungskontnrissärs Dr. Wasser und den Mitgliedern des Beirates Dir. Orausch und Dr. Ringel, eingesetzt, die demnächst das nötige Material Vorleger: soll. Sehr schwierig gestaltete sich irn heuriger: Winter die Verteilung von Brennmaterial an die arme Bevölkerung, da ja bekanntlich! auch die bemittelten Klassen i:: dieser Hinsicht infolge Mangels von Kohlenvorräten arg daran waren. Demroch geschah auch; diesbezüglich das Möglichste» und es gebührt den: Mitgliede des Beirates', Herr:: Dr. Oransch, alle Anerkennung •. für seine fast ohne Mithilfe geleistete aufopferungsvolle Arbeit, um der: Aermsten der Armen ein Minimum an Brennmaterial zu sichern. - Unter ungewöhnlich schwierigen Existenzbedingungen erfüllt die vom Jüdischen RettungskomiLee errichtete und erhaltene Volksküche ihre heutzutage mehr als sonst wichtige Mission, bewahrt sie ja ungefähr 2400 Menschen