Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 120 Nr. 8 Dr. Bloch's Wochenschrift" noch mehr jüdische Seelen, jetzt — infolge von Austvei- Unserem „Oesterreichischen Larrdeskomitee" eirtspresungen, unvergleichlich mehr aber infolge ApsterbenÄ in chend, besteht in Berlin ein deutsches unter dem Naden allermeisten Fällen buchstäblich vor Hunger oder inen „Reichsverband für jüdische 51riegs'gefangerren-Für- Unterernährung — zählt die jüdische Bevölkerung, wie sorge" (Präsident S. Kirsch stein, Berlin), und in wir es im Weizenfyndikant genau festgestellt haben, etwa Verona ein italienisches unter dem Vorsitze des Advo- 24.600 Seelen, nicht mehr. Das Hauptunglück ist die taten Angela Sereni, Rom. Misere -mit dem Papiergeld. Alle Welt, die für uns offen ist, schickt doch Geld, was kommt aber davon heraus', wenn wir bloß 40 Prozent des Geldes erhalten? Und dabei die furchtbare unerhörte Teueruiig aller Lebensmittel! Ein hiesiger Jude, wie ich es bin, der noch Herz hat, muß angesichts dieser Umstände verzweifeln und verzagen. Bloß von beit von unserer Hilsskonrmission hauptsächlich bedachten Mitgliedern der Gemeinden Kossow, Bukowina und Wiznitz, die infolge der Russenmvasion gar keine Unterstützung von ihren Landsleuten bekommen, sind im Laufe der Kriegszeit mindestens 30—40 Prozent Hungers, aber wörtlich Hungers gestorben. Und wäre nicht unsere Unterstützung gewesen, so seien Sie sicher dessen, daß diese drei Gemeinden heute fast kein einziges Mitglied mehr zählen würden. Sie wären alle elendiglich zugrunde gegangen. Darum ergeht meine innigste Bitte an Sie, hochverehrter Herr Doktor, daß Sie auch fürderhin für unsere Aktion eifrigst arbeiten mögen, und möge ein jeder einzelne Spender der Worte' unserer Weisen eingedenk sein: „Wer ein Menschenleben gerettet hat, hat eine ganze Welt gerettet." Tie neueste Katastrophe für Palästina. Durch die jüngste Wendung der Dinge werden unsere bisher schon von äußerster Not bedrängten Schützlinge dem unfehlbaren Untergange preis-gegeben, wenn nicht die Judenheit Oesterreich-Ungarns und Deutschlands sogleich alles aufbietet, um den Aermsteu, unter ihnen Hunderten von Kridgswaisen, das unentbehrliche' Stück Brot, den hilflosen Kranken Medikamente Zu.sichern. Von dem Ausbleiben der amerikanischen Unterstützungen ist für das schwergeprüfte Palästina das Versiegen einer Hilfsquelle zu befürchten, für die unverzüglich nach Kräften ein Ersatz gesucht werden muß. Unsere Waffenbrüderschaft mit Deutschland wird sich, so hoffen nur, auch als Arbeitsgemeinschaft, bewähren in unserem Hilfswerke, das zum Wohle des Heiligen Landes wirksam bei jedem jüdisch fühlenden Herzen tatkräftiger Förderung begegnen sollte. Wir wenden uns daher an alle unsere Gönner mit der eindringlichen Bitte, uns weiter wie bisher zu unterstützen und in ihren Bekanntenkreisen -unserem Hilfswerke neue Freunde zu werben. Das Präsidium der „Hilfskonunission 1915" für Palästina, Wien, 4. Bezirk, Frankenberggasse 14. Sämtliche Spenden sind an das Bankhaus S. M. v. Rothschild, Wien, 1. Bez.,. Renngasse 3 (auf Konto „Hilfskommission 1915 für Palästina" oder „Kriegsfpitalshilfe für Palästina"). . Oestcrrcichrschec Landestomitec vom Noten Mögen David, Unser Zentralkomitee vom „Roten Mögen David" in Luzern hat, wie für unsere österreichischen Internierten und Kriegsgefangenen in den feindlichen Ländern, so auch für die bei uns in Oesterreich in Kriegsgefangenschaft und interniert Gehaltenen jüdischen Bekenntnisses einige Tausend Kilo Mazzoth (Osterbrote) Herstellen lassen, für die bereits von der Schwerzer Regierung die Ausfuhrbewilligung erteilt worden ist. Um den Kaufpreis dafür rechtzeitig erlegen und die wichtige Sendung übernehmen zu können, bitten wir um gütige Geldbeiträge an eine der unterfertigten Adressen oder an die Redaktion dieses Blattes. Dtrertor G. Brrchta, 111., Eftegaste-v. Rabbiner Dr.Grunw ald, II., Ferdinandsstr. 23. Hofrat Dr. I. Schlag, II., Obere Donaustr. 109. Für die Zulnnst unserer Mädchen. Air die geehrte Redaktion! Irr der „Wochenschrift" vont 12. Januar brachten Sie einen Artikel von Frau Bodenheimer aus Köln, worin uns' von der Mädchensarnr irr Kirrareh ^Palästina) erzählt rvird, welche Leistung unter Aufsicht einer irr der Landwirtschaft ausgcbildeterr Dame vollbracht wird urrd wie. dort Gemüse-, Obstbarl, Geflügelzucht und Milchwirtschaft florieren. Das, was dort möglich, glaube ich, würden Mädchen irr Oesterreich-Ungarn auch zmvege bringen. Ich erlaube mir mm, mich mit Nachstehendem au die Oeffentlichkert zu wenden mit der gleichzeitigen Bitte, die jüdischen Zeitungen mögen für die Weiterverbreiturrg dieser meiner Anregung im Interesse der Allgemeinheit gütigst sich bemühen. Der bereits seit 30 Monaten raferrdc Krieg tobt noch weiter. Unzählig firrd die Opfer arr Männerrr, die er bereits gefordert urrd noch weiter verlangen wird. Dadurch sind viele Taufende armer Mädchen, die Aussicht hatten, ein'mäl heiraten zu körmerr, nur' diese gekommen. Ilm nun solchen Mädchen urrd auch Kriegerwitwen, deren es gewiß irr jeder Gemeinde viele gibt, zrr Helsen und ihnen eine Existenz zrr verschaffen, rvürdc ich empfehlen, nach Muster der larrdtvirtschastlicheir Mädchenfarm in Palästina auch bei uns solche Mädchensarmen oder, rvie sie hier genannt rverden, Landwirtschaften zrr gründen. Die hierzu nötigen Aecker sollen in Pacht genommen und die Wirtschaften ans genossenschaftlicher Basis ansgebaut tverderr. Es sollen sich in jeder Gemeinde oder irr mehreren zusammen Gesellschaften von 20—30 Mädchen bilden, die urrter Leitung eines tüchtigen Wirtschaftsbeamterr an die Ansführung dieses Unternehmens schreiten. Bor allem ist ein Fonds nötig. Dieser wird geschaffen, rudern die Mitglieder selbst einen Betrag einzählen, ferner soll arr die bernittelterr Einwohner heran getreten tverderr, sie mögen Gelder eirrlegen. Die Verrvalturig soll irr den Händen des Vorstandes oder ressen Stellvertreters liegen. Dadurch rvird für die Einleger die Sicherheit geschaffen, daß das Kapital, welches zrr verzinsen ist, auch gut angelegt ist. Zum Ankauf vorr Geräten nsrv. soll vorr der Bezirkshauptnramrschaft oder der Statthalterei ein Vorschuß verlangt rverden. Die Regierung wird es gerne sehen, tvenn sich arbeitsame Mädchen und Frarrerr irr den Dienst der Landwirtschaft stellen und dadurch-der Lebensirrittelkrrappheit steuern. Es ist auch als bestinrNrt anzunehmerr, daß die Behörde solche Bestrebungen unterstützen wird und derartige Gesellschaften werden Begünstigungen gewiß bekommen. Es rväre eirr Glück für das jüdische Volk, tvenn sich viele diesem Berufe widmen würden; dadurch würden Juden zeigerr, daß sie die Bodenarbeit lieben. Urrr diese Idee rasch populär zu machen, wäre es gut, wenn die Herren Rabbiner und irr jenen Gemeinden, wo solche nicht vorhanden sind, die Vorstände in geeigneter Weise über diese Anreguna dem Publikum berichten tvürden. , . Die Airbauzeit rückt bald heran, deshalb ist es nötig, rasch zu handeln.