Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 8 (23.2.1917)
- Date
- 1917-02-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 114 Dr. Bloch'S Wochenschrift" Nr. 8 Se. Exzellenz Dr. Franz Klein" (1906), in folgenden. Worten sesthält: ^.Könnte mein Glück nur dann aufsprießen, wenn der Boden mit dem Blute eines einzelnen Menschen getränkt und ein einzelnes' Mutterherz gebrochen werden würde, so wäre ich ein Nichtswürdiger, ein solch' häßliches Wohlergehen nicht mit tiefster Entrüstung zupüö^uweisen; denn jeder Tug und jede Stunde müßte mein Leben verbittern, einen so entsetzlichen Hochverrat mit Recht und Menschlichkeitsgefühl begangen zu haben!" Beim Himmel! Dieses! Mitgefühl muß jeden beherrschen und wem diese Empfindung fehlt, verdient nicht den Namen „Mensch". Somit ist es folgerichtig, daß kein inenschlich Fühlender aus materiellen Gründen ein von: II-Boot bedrohtes Schiff besteigen wird und besteigen darf, befürchtend, der Verlust seines' freiwillig riskierten Lebens konnte im Kriegsfälle hunderttaufende Menschen unfreiwillig in den Tod ziehen. Ohne Solidaritätsempfinden gleicht man gefühllosen Tieren, für die einen Krieg zu entfachen und unendlühes Leid heraufzubeschwören, der Gipfel verkehrter Zivilisation wäre, welche die Würde und Ehre der Vereinigten Staaten nur untergrabe müßte. Die Tatsache, daß je menschlicher eine Persönlichkeit denkt, desto gewissenhafter sie die Einwände eines anderen prüft, sollte die Hoffnung! berechtigen, daß Herr Professor Wilson erkennen^ wird, daß der allen Preßhyänen nachgeäffte Einwand des englischen Schatzkanzlers Bonar Law: „Der Friede sei noch! nicht reis', einer entmenschten Gefühlsroheit entfließt. Demi es kann nie zu früh sein, die Vermehrung von Witwen und Waisen einznstellen, geschweige jetzt, wo die bereit! Mer zweieinhalb Jahre dauernde Kriegswut soviel Menschenleben und Menschenglück zerstörte. Das idealste Solidaritätsgefühl bildet die höchste Menschlichkeit. Ein ideal- und solidaritätsloses' Leben ist unvernünftig und unpraktisch!. Unpraktisch! Denn man muß immer und immier wieder die bezwingende Wahrheit verkünden: Die praktischesten Weltgüter sind jene erhabenen Ideale, welche Menschenwohl und Lebensglück schaffen und Mordwaffe n e r z e ug e r n n d g e m ä st e t e n M i l l i o n ä r e hindern werden, gleich den amerikanischen Munitionslieseranten höhere Zinsencoupons herauszuschneiden — vom Herzblut der Menschenfamilie. Konfelsrouelle internationale Unionen. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Mit nicht geringer Genugtuung habe ich und nrit mir wohl viele Juden den Bericht über den internationalen Katholikentag gelesen, welcher am 12. und 13. fb. M. in Zürich abgehalten wurde. Mitten im Kriege. In einer Phase des' Krieges, da die Nerven jedes einzelnen Menschen aus dieser Welt aufs äußerste gespannt sind. Der Grad meiner Befriedigung wuchst als ich durch das osftzielle Piusorgan, die „Reichspost", über den Zweck dieser Tagung unterrichtet wurde: „Die in Zürich! tagende Konferenz katholischer Parlamentarier und Politur verschiedener europäischer Nationen zum Zwecke einleitender Maßnahmen für Wiederannäherung der politischen, kulturellen und sozialen katholischen führenden Elemente sowie aller Völker nach dem Kriege faßte darauf bezügliche Beschlüsse und schuf vorbereitende Organisationen." Außer verschiedenen Beschlüssen sozialer Natur hat „die Konferenz endlich beschlossen, führende Katholiken der auf ihr nicht. vertretenen Nationen z u int Beitritt in die internationale katholische Union einzuladen. Sämtliche Beschlüsse wurden e i n st i mM i g' gefaßt." Die deutschen Katholiken Oesterreichs waren durch die Abgeordneten Landesausschuß Jodok Fiük und Stadtrat Dr. Mataja vertreten. Sie begreifen jetzt meine Genugtuung über das Zustandekommen dieser politischen, kulturellen und sozialen Katholikenkonserenz und verstehen meine Befriedigung Mer den Beschluß, die führenden 'Katholiken aller Nationen zum Beitritt in die internationale katholische Union einzuladen. Mitten im Kriege! Trotzdem die Katholiken in vielen mächtigen Staaten die herrschende Majorität bilden! Trotzdem sie selbst in den Ländern, in denen sie in der Minderheit sind, nicht nur nicht verfolgt werden, eine nicht Mofr papierene Gleichberechtigung genießen und auf die Politik des Landes einen starkett Einfluß Men! Trotzdem sie sogar in Rußland wohl zeitweilig! Rechtsbeschränküngen zu ertragen, aber kein einzigesMak in Blut getränkte Pogrome zu erleiden hatten! Trotz alledem fühlen sie das Bedürfnis, schon jetzt Organisationen vorzubereiten, welche zu eitler internationalen katholischen Uniott führen sollen, durchwelche die Rechte der Katholiken geschützt, ihre Machtstellung entwickelt und gestärkt werden sollen. Und es fällt beileibe niemandem ein, die Katholiken dieser Bestrebungen wegen internationaler Vaterlandslosigkeit zu zeihen, niemand wird die Unanständigkeit begehen, den Katholiken diesethalben Mangel an Vaterlandsliebe oder völliges Fehlen des Bodenständigkeitsgesühls lvorzuwerfen. * * * In einer Anzahl Don Staaten leben die Juden als rechtlose Parias oder nrit Rechten ausgestattet, die niemals voll zur Geltung koMntetr. In Rußland, Rumänien, Persienlsind sie voge'lfpei, die, Beute blutgieriger Pogrommacher, ein Spielball in der Hand der Regierungen. Ihr Leben ist niemals sicher, Revolutidnen werden durch ihr Blut erstickt, und wenn sie zu Tausenden hingemordet sind, werden die Ueberlebenden als Urheber der Revolution verfolgt. Gejagt und verfolgt, sind sie dem einen eine Last, dem anderen eine Bürde. Und selbst dieser Krieg hat die Lage der Juden nicht gebessert. Die kämpfen, entbehren, sterben für die Scholle, tnit welcher sie ihr Schicksal unzertrennliche verbindet, aber sie bleiben nach wie vor die Juden, dem einen zur Last, deM anderen zur Bürde. Und wenn nun 'diese Juden, deren Herz so voll ist, daß der Mund Mergehen möchte, wenn diese Inden nun,' die wie kein Zweites Volk von einem wahret:, dauernden Völkerfrieden ihre Ruhe, nicht ihre Macht ersehnen, die nichts anderes wünschen, als an den Kulturwerken ihres Vaterlandes und dadurch mit der Entwicklung der Menschheit tnit ihrer ganzen Kraft Mitzuarbeiten, wenn nun diese Juden den Mut besäßen, jetzt, mitten im Kriege, wo die Nerven der ganzen Welt aufs äußerste gespannt sind, eine internationale Tagung abzuhalten, um' die Gründung einer internationalen jüdischen Union vorzubereiten?! Wer wiUde sie vor den Folgen eines solchen waghalsigen Unternehmens zu schützen vermögen? Tausendfach würde es ihnen von Berufenen und Unberufenen 'entgegendonnern: „Alliance Jsraelite Universelle!" „Verschwörung!" ,,Vaterlandslose Kosmopoliten!" „FreiMaurerbund!" „Jttternationale Verräter!" n. ftgl. m. Nichts würde sie vor solchen Insulten schützen. Nicht die Tatsache, daß sie mit demselben Heldenmut kämpfetr wie ihre nichtjüdischen Mitbürger, daß ihnen auf denr