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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-16 · 7 (16.2.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Wochenschrift" Zeitc t l! Nun hatte ich endlich meinen Kohn, wenn er auch nur ein Diminutivum war. Befriedigt spießte ich ihn zu den anderen. In Darmstadt vermochte ich mir nur ein einziges Stück aufzutreiben, und auch dieses war ein schwächliches' Exemplar, seines Zeichens ein Hausierer. Selbstverständlich prangte sein Name nicht auf einer Firmatafel'; ich. mußte ihn mühselig aus denk Adressenbuche zutage fördern. Er pflegte am „Langen Tage" über den reichen Bankier Oppenheim den Segen zu sprechen. Der Hirte in den Schwarzen Bergen ist am Ende auch eilt Knez, und mancher Irländer-, der kaum satt zu essen hat, stammt aus fürstlichem Geblüte. Was will der urälteste ungarische Adel unserer Kölcfeys und Szemeres besagen gegen den altjüdischen Adel eines Kohn? .Heutzutage freilich ist gleich dem Knez und denr,Laird auch der Kohn niedergegangen. Seine Ahnherren haben ihrerzeit nicht durch FideitomMisse vorgesorgt. Was war dieses Geschlecht in den Tagen der heiligen Vorzeit! Sie waren die Aristokratie des auserwählten Volkes Gottes; sie waren die mächtige Klasse der Oberhirten, der Minister und Satrapen, durch gemeinsames Interesse und feste Disziplin davor gefeit, daß andere Bresche legen in ihre stramnigefügten Reihert. Da lag vor Jahren der alte Herr von S—r. im Sterben. Ein alter Jude begehrt Einlaß, bei ihm, unr ihn durch seinen Segen!zu stärken und zu prüfen. War er doch ein „Kohen". Der totkranke Nabob läßt sich denn auch „benschen", kann aber folgende Bemerkung nicht unterdrücken: „Sie sind .also ein Hohepriester? Ich habe alleweil gemeint. Sie wären ein Fleckputzer!" Darauf die Antwort des Tempelfürsten: „Flcckputzer bin ich auch." Fürwahr, große Herren waren sie! Ist doch die Verwandtschaft zwischen dem persischen Khan, und denr hebräischen Kohn eine augenfällige. Und wenn ein Kohn auf den hohenpriesterlichen Thron'der'Olmützer Diözese berufen und ^gewählt wurde, so steht der.späte Ettkel nicht höher, als einer feiner Ahnen stand, der vor 3000 Jahren Erzbischof m Juda war. Darum, wenn auch in alle Welt Zersprengt und zerstreut, gebeugt und mit Füßen getreten, ungebrochen besteht das' alte Geschlecht, aufrecht heute wie ehedem'. Der grausame Hohn fand den Kohn in federn semitischen Antlitz, ja selbst irr der überhängenden, flachgedrückten Nase des' Hammels; er erblickte das Abbild seiner Beine in jedem Säbel urrd in jeder gebogenen Latte. Er las' seinen Namen in alle alten und rrerren Idiome hinein und scheuchte die Menge von den Repertoirien des urriversellen Wissens mit dem Witze zurück: dieselben seien Kohrr hinten und vorrre, nämlich Konversations-Lexikon und der Wiener Journaliftenverein Mache seinem Namen alle Ehre: er sei eine wäre Cohncordia. Es war der Witzeleien kein Ende und ist's noch nicht bis auf den heutigen Tag. Der ewige Kohn. Denn Kohn duldet, Kohn ist zäh. Auf Kohn^hagelt es seit tausend Jahren und darüber Hieb und 'schlag; und weil er unter ihrer Wucht nicht zusammenbricht, härten und stählen, läutern und kräftigen sie ihn. Sanct Darwin ist sein Schutzheiliger. Ei Kohn, du Jude du! Magst dich nicht magyarisieren, gelt? Unser Kohn rafft sich auf und nimmt einen magyarischen Namen an. Doch das ist das wenigste; ja, das ist so .gut wie garnichts. Kohn wird Magyare an Geist und an Zunge, er verlegt sich auf Sprachforschung, er verfaßt die anerkannt beste ungarische Grammatik, er schreibt Theaterstücke und Verse voll glänzender Poesie; Werke, wie sie bisher kein Rumäne und kein Siebenbürger Sachse, kein Schwabe des Alföld, kein Ru- "thene, kein Kroate und kein Stovake in magyarischer Sprache geschaffen hat. Ei, du säbelbeiniger Lohn, du Feigling du! Mit dir sollen wir in der Zivilehe unser Blut vermengen?!... Und Kohn eilt auf den Turnplatz urrd trainiert seine schwammigen Muskeln zur Härte des Stahles; er lernt schießen wie ein Mr. Paine; er erscheint auf allen Fechtböden und Mensuren und kreuzt |etite Klinge mit jenen der gefürchtetsten Raufbolde. Aus dem Revolverjournalist ist ein Säbeljournalist geworden. Bor kurzem standen h, zwei verschiedenen Spalten einer und derselben Zeitnng zwei Berichte Kohns zu lesen: der eine über die Produktenbörse und der andere über sein Duell mit dem Sohne des Herrn Bencze von Jstvannffy. : Ei, du Kohrr, nichtsnutziger Jude du! Wenn du morgen deirre Schulausgabe rricht fehlerlos weißt, wirst du nusgestoßen! Nun ist der kleine Kohn so ein .pnei mncliucris" nicht besser und nicht .schlechter als der Keszeghy Pista, der Csülök Dani oder der Balogh Peti auch, die alle um ein gut Stück weniger lernen als er. Aber sie kommen mit heiler Haut durch die Klasse, weil der Herr Lehrer ihnen wohl will; den kleinen Kohn aber verabscheut er, den blöden, sonnnersprossigen, rothaarigen Jungen. Urrd mm wirft sich, der kleine Kohn in seiner Angst imb in seinem nagenden pSchmerz mit aller Kraft aufs Lernen urrd lernt bis zn jedem Morgen fein Pensum so, daß ihn beim „Aussagen" kein Orkan aus dem Konzept bringen könnte. Er war gezwungen, ein tüchtiger Schüler zu werden, dank der Abneigung des Herrn Lehrers. Urrd beim Eintritte ins Leben bewährte er sich auch, der kleine Kohrr, indes die anderenH: der Keszeghy Pista, der Csülök Dani und der Balogh Peti sich an die Brüste des Komitats hängen oder in irgendeinem Ministerium als fünftes Rad am Staatskarren untergebracht werden. So ist's! Der Kohn muß der Korrekteste von allen sein, sonst ist er auch schon der Aergste. Er rnuß der Strebsamste sein, sonst ist er der größte Taugenichts. Im vierten Stocke des Gyertyanffyschen Hauses wohnten vor zwei Jahren zwei Judenjnngen in einer Stube und schliefen irr einem Bette. Im Ofen hatten sie kein Feuer, so suchten sie einander in dieser Weise warm zrr halten. Moritz war ein braunlockiger Bursche, Heinrich ein Rotkopf. Und er hatte, weiß Gott, mehr als genug zu leiden dessenthalben; es frommte ihm auch nicht, daß er immer und immer wieder versicherte: wenn er auch rotes Haar habe, seür Herz sei deshalb doch gut. Moritz lachte ihn aus. „Wie willst du ein gutes Herz haben Mit diesem roten Haar! Roter Hund und rotes Pferd und rote Menschen sind nichts wert!" „Stell' mich auf die Probe!" rief Heinrich. „Gut denn! Ich bin eben sehr durstig; hole mir Wasser vom Brunnen." Vier Stock hoch... die Treppe finster .... eine 'grimmig kalte Winternacht. An Heinrich sträubte sich jedes Stämmchen seines roten Haares ernpor — aber er stand vom warmen Bette auf und schickte sich zu dem Gange au. Er hüllte sich in die dünne, blaue Bettdecke, tappte sich über die Treppe in den Hof hinab, schöpfte am Ziehbrunnen die Flasche voll, stieg wieder hinauf und reichte dem lachenden Moritz zähneklappernd das Wasser. Damr faßte er sich grimmig am Kopfe und dies weinend vor Erbitterung: „Warte du! Hätte ich nur keine roten Haare!" Es ist, als ob jeder Kohn, jeder Jude rothaarig wäre. Er muß der Vollkommenste sein, um nicht für den Allerschlimmsten zn gelten. A. A g a i. Nachtrag zum „ewigen Kohn". Ferdinand Kürnberger pflegte, als er in Wien als Feuilletonist tätig war, fast täglich eine damals bekannte Buchhandlung zu' besuchen. Eines Tages, als der Dichter in dem Geschäfte zugegen war, trat ein junger Mann ein, der chm durch

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