Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite lio Dr. Mo'ch's Wochenschrift" Nr. 7 „Borsszent Jauko" edierten ausgcheichneteu Werkes finde ich Wappen und Stammbaum derer von Kohnt de Hebervar und Chedervar. Und ist es' nicht ein sonderbares' Spiel des Zufalles, daß der einzige Kohn echt magyarischen Ursprunges, Graf Geza Knn, ein gründlicher Kenner und Pfleger der hebräischen Sprache ist? Einer der urwüchsigsten und kernigsten deutschösterreichischen Schriftsteller, Ferdinand Kürnberger, hat sich an „Kohn" den Tod geholt. Eines Herbstnachnrittags nämlich saß dieser nur zu wenig! gewürdigte, herrliche Mann in der Rosner'schen Buchhandlung! und blätterte in den Prachtwerken für den Weihnachtstisch, die mit neuesten Leipziger Ballen soeben angelangt waren. Da trat ein Artillerie-Offizier mit einer stark in östlichem Stil aufgebauten Nase in den Laden und wählte einige in sein Fach schlagende Werke. In der affablen -Manier dieser .Herren läßt sich: der Offizier mit dem Schriftsteller in ein Gespräch ein, und der letztere gewinnt alsbald die Ueberzeugung. daß er es! mit einem Manne von umfassender Bildung! zu tun hat, dessen Kenntnisse weit über die enggezogenen Grenzen des militärischen Fachwissens hinausreichen; er erging sich iit geistvollen Bemerkungen über die philosophische Richtung Dubois' und Hartmanns, -über die Doktrinen Feuerbachs, über die gesamte Kosmogonie vom' Wirrsal des Chaos an bis auf die neuesten Theorems. Nachdem er sich entfernt hatte, ftagte Kürnberger den Buchhändler mit lebhaftem Interesse: „Wer ist dieser Herr?" „Das ist Hauptmann Holden," erwiderte Rosner. „Holden? Hm! Hat der Mann immer so geheißen?" „Fällt ihm nicht ein! Früher hat er Kohn geheißen!" „Kohn!" nrurmelte Kürnberger betreten vor sich hin. und blätterte weiter in den Büchern. Ueber einer Weile kommt ein bildhübsches, fiinges Mädchen zur Ladentür hereingeflattert und reklamiert die jüngste Nummer des „Bazar". Während der Gehilfe im rüMvärtigen Laden das Gewünschte herauskramt, bemüht sich Rosner — selber ein aufgeweckter Mann —, seine reizende Kundin galant zu unterhalten. Kürnberger betrachtet vom dunklen Winkel ans unter feinen buschigen Augenbrauen hervor die schlanke Gestalt und horcht mit Interesse auf das Gespräch. Me glockenhelle Stimme der jungen Dame mutet ihn an und er hatte seine Freude an ihrer Art, die ein anziehendes Gemischvon weiblicher Zurückhaltung und mädchenhafter Heiterkeit war. Als das schöne Fräulein mit seinem „Bazar" sichempfohlen hatte, da ftagte Kürnberger mit nochregerem Interesse, wer denn das herzige Kind sei? „Das war Fräulein Hardenberg . . . . ehemals Fräulein Kohn", erwiderte ernsthaft der Buchhändler. „Sie bildet sich zur Sängerin aus!, ein begnadetes Frauenzimmer, wie ich Ihnen versichern kann. Als Fräulein Kohn war sie um ihre Karriere besorgt, daher hat sie sich den breit und vornehin ausklingenden Namen beigelegt." Kürnberger war sichtlich betroffen. Es kamen noch mehrere Kunden, aber er wagte nachkeinem Namen mehr zu fragen. Die höhnische Laune des Zufalles fügte es, daß sich unter den Kommenden und Gehenden noch drei .Kohns befanden. Den Schriftsteller tiberkam eine eigentümliche Unruhe. Rosner bemerkte zu ihm: „Sonderbar! Wissen Sie denrr nicht, Herr Doktor, daß ich selber ftüher auch Kohn geheißen habe? Und wissen Sie nicht, daß eigentlich jeder Mensch ehedem Kohn geheißen hat, daß Ihr Urahnherr jedenfalls! auch ein Kohn gewesen ist?" Der ohnehin düster veranlagte Kürnberger war von dieser Eröffnung tief erschüttert. Er verfiel fortan in Melancholie und starb nachmals! mit der. fixen Idee, er heiße Kohn. Es gibt sogar einen Portugiesischen Kohn; und zwar ist dies einer der hervorragendsten Männer der Landesaeschichte: Don Diago Caon, auf aut deutsch: Herr Jakob Kohn. Jan van Znylen erzählt in seinen gelehrten.Schriften, Diago Caon sei um die Mitte des 15. Jahrhunderts mit einenr wissenschaftlichen Werke in die Oeffentlichkeit getreten, welches den Titel führte: „Maneira de iiayigar par altura do soll“ — die Kunst, die Erde zu umschiffen. Er erwirkte die Erlaübuis seines Königs, das Wort zur Tat zu machen und stach in Gesellschaft, Behaims, eines der befähigsten .Schüler des gelehrten Königsbergers Regiomontanus, auf einenr königlich portugiesischen Schiffe in die See, um par altera do sol zu navagieren. Sie fuhren tage- und wochenlang, -über das große Weltmeer fröhlich dahin, bis endlich - am Abende eines sonnenhellen Frühlingstages eine paradiesische Küste iit Sicht kam. Reiche Palmenhaine winkten und nickten den kühnen Seefahrern entgegen, zahme Wilde begrüßten die weißen Männer und brachten ihnen Hühner, Kokosnüsse und Datteln. Don Diago Caon nahm das! Land im Namen Seiner Majestät Alfonso I., König von Portugal, in Besitz; nach ihrem- Entdecker wurde die Provinz Caongo benannt und im Laufe der Zeit entstand daraus das heutige E'outzv. Diese erste Besitznahme bildete den Rechtstitel der Portugiesischen Regierung auf das Reich der Schwarzen. Der verdienstvolle Gelehrte und kühne Seefahrer wurde von seinem. König im Jahre 1480 zum Admiral erhoben. Ich sammle also Kohns!, und mein Auge ist aus diesen Sport so gut gedrillt, .daß mir in einer ganz unbekannten Gasse, in einer wildfteinden^Stadt, dieser Name -unter vielen hundert Tafeln und Aufschriften Fü allererst auffällt. Als ich, eines' Abends Liber den Hauvtplatz von Bayreuth spazierte, schimmerte mir, vom Silberglanze des' Mondscheines Libergössen, vor allem.der treuliche Kohn entgegen. Wo imMer ich herumkomme, es läßt Mich nicht ruhen, bis ich Mir nicht wenigstens einen Kohn für meine Santmlung' an die Nadel gespießt habe. ' ' . Verstimmt durchwanderte ich im letzten Sommer die letzten Straßen von Stuttgart. Ich! mochte nach allen Seiten hin auslugen, so scharf ich nur immer konnte, ich fand keinen Kohn. Was sollen m'ir die Bildergalerie des König'sschlösfes und die orientalischen Wunder der Wilhelma! Was . fromMt Mir der Stolz der schwäbischen Küche, das köstliche Gericht der Späßle mit Sauerkraut! Was habe ichmit den schwarzen Schwänen ans dem Teiche des' Parkes, was mit dem fliegenden Riesen-, engel, vom Perpendikel der Rathausuhr, was mit all den sonstigen Sehenswürdigkeiten der schwäbischen Residenz Zu schaffen. Ich brauche Meinen Kohn, und kann ich einen Kohn finden, dann: viani diemque perdidi.! Der unerbittliche Onkel, der ewige Baedeker, lenkte meine Schritte nach dem alten Schlosse. Dort sollte ich in der Kapelle das Altarbild, Werk des großen Klappermamy bewundern und Mit schuldiger Ehrfurcht die vorderste Bank anstaunen, in . welcher — nach Varnhagen — die allerhöchsten -Herrschaften dem. Höchsten' ihr Dankesopfer darbringen. ... Da im Dunkel des Torweges leuchtet Mir vor einer kleinen Tür ein Täfelchen Mit der Aufschrift in güldenen Lettern entgegen: Sebaldus Trauhold Köhnle i n K. Kellermeister.