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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-16 · 7 (16.2.1917) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 112 T r. Bl och's seinen interessanten Kops aussiel. Als derselbe das Geschäft wieder verlassen hatte, fragte Nürnberger den Buchhändler um den Namen des jungen Mannes. „Es ist ein bekannter Geiger", bekam er zur Antwort, „und heißt Eonnaby". „ Eonnady?" wiederholte Nürnberger. „Hat der Mann immer so geheißen?" „Nein", erwiderte der andere, .„eigentlich heißt der Mann Cohn". Einige-Tage später .‘fiel Nürnberger eine andere interessante Persönlichkeit auf. Aus seine Anfrage, rief der Buchhändler: „Das ist der Pariser Schriftsteller Paul d'Abrest, aber eigentlich heißt er gar nicht so, sondern Cohn." Kürnberger sah den Freund starr an, nahm seinen Hut und entfernte sich stumm und bereits ziemlich verschnupft. Doch kam es noch besser. Ein drittesmal präsentierte sich der Verfasser des Lustspieles „Heine's junge Leiden", das damals in Wien Furore machte, und als er das Lokal verlassen hatte, sprach Nürnberger: „Heißt der Alaun wirklich A. Mels? Der Name klingt mir so hübsch für einen wirklichen Familiennamen." „E-ott bewahre" sagte der Buchhändler, „das ist nur sein Autorname, eigentlich heißt er C o h n." Diesmal. .wurde dem Faß der Boden ausgestoßen. Nürnberger, überzeugt, daß sein Freund ihn nur zum Besten gehalten hat. ergriff wieder seinen Hut, aber diesmal um das Lokal nicht nur zu verlassen, sondern auch nie wieder zu betreten. -Und doch hießen die drei Männer mit den schönen Nanren in.der Tat alle drei Cohn. Ein heiteres Gegenstück zu dieser Geschichte wird aus dein ersten Viertel dieses Jahrhunderts erzählt: Kommt 'da ein biederer Sachse in den Zwanzigerjahren nach Amsterdam, um persönlich eine ostindischc Erbschaft zu fördern, und geht zunächst zu seinem Advokaten. Daß dieser Jude war, erregte schon sein Erstaunen, da in Sachsen zu damaliger Zeit kein jüdischer Rechtsanwalt existierte. Wie groß mar aber /erst fein Erstaunen, als er in einer Konferenz mit dem ersten Bürgermeister in diesem ebenfalls einen Juden entdeckte. Der Bürgermeister verwies ihn an den Justizminister. Als er nunmehr diesem eine Eingabe persönlich überbrachte und hörte, daß dieser auch ein Jude sei, war er fast starr vor Schrecken über die vielen Juden in der Verwaltung und Justiz. Der Minister gab dem Sachsen den Rat, eine Audienz beim König nachzusuchen, und versprach, dazu die Wege 311 ebnen. Der .Petent zögerte zunächst mit der Erklärung, ob er den Weg einschlagen wolle; da fragte Se. Exzellenz etwas ungeduldigob er sich fürchte vor dem Könige zu erscheinen? „Nein", antwortete zaghaft der Bittsteller, „aber verzeihen Sie, ist Sc. Majestät auch ein . Jude?" Weratur. Antike Synagogen in Galiläa. Die Deutsche Orient-Gesellschaft gibt soeben Len 30. Band ihrer wissenschaftlichen Veröffentlichungen „Antike Synagogen in Galiläa" heraus, der eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse der rund zehn Jahre zurückliegenden Synagogen-Expedition nach Galiläa enthält. Von den Verfassern ist der Leiter der Expedition, Regierungsbaumeister Dr. Heinrich K 0 h I, nach Vollendung der Vorarbeiten für die Veröffentlichung im Herbst 1914 ins Feld gezogen und bereits am 26. September letzten Jahres in der Nähe von Reims gefallen. Sein Reisegefährte und Mitarbeiter, der Archäologe Professor Dr. Carl Watzinger (Gießen) hat die Arbeit zu Ende geführt. Durch diese erste Unternehmung der Deutschen Orient-Gesellschaft auf dem Boden Palästinäs ist ein wichtiges, bisher vergessenes Gebiet antiker Architektur neu erschlossen worden. Die galiläischen Synagogen-Ruinen sind die einzigen bedeutenderen erhaltenen Reste jüdischer Synagogen aus dem späteren Altertum und waren bisher nur in ungenauen Ausnahmen bekannt. In der neuen Veröffentlichung sind auf achtzehn Täfeln und in über 300 Abbildungen sämtliche Architektur-Reste nach Zeichnungen und Photographien wiedergegeben; Grundrisse und Rekonstruktion erläutern das Bild der aus Trümmern neugewonnenen Bauten und die Wiedergabe eines Modells der Synagoge von Tell Hüm (Kapernaum)' vermittelt auch dem Laien eine Vorstellung von ihrer ursprünglichen Erscheinung. In ausführlicher Darstellung wird die historische Stellung dieser so in die Architekturgeschichte des Altertums eingeführten Bauten untersucht, ihre Zeit und ihre Bedeutung bestimmt. Von verschiedenen Seiten, aus der Prüfung der Bauglieder. der jüdischen Embleme und der.heidnischen und jüdischen literarischen Ileberlieferung. ergibt sich ein einheitliches Resultat. Seit der Wende des zweiten und dritten Jahrhunderts, unter dem Kaiserhaus des Septimius Severus, find die Bauten mit ihreni starken heidnischen Einschlag und der gegen die strenge Auffassung des jüdischen Gesetzes verstoßenden reichen figürlichen Dekoration entstanden. Es ist die Zeit, in der die Mischna gesammelt wurde, eine Blütezeit des galiläischen Judentums, zu deren fA Beginn die geistliche Leitung der jüdischen Gemeinden Galiläas der Patriarch Jehuda-ha-Nesi I. besaß, von dessen nahen Bei fr Ziehungen zu dem jungen Kaiser Caracflla der Talmud zu be- 1 richten weiß. Aon hier aus erweitert sich die Darstellung zu einem WbeMick über die Bauform der antiken Synagoge überhaupt, die Ms in-die hellenistische Zeit zurückverfolgt wird, aus der wir die großartige Synagoge in Alexandria durch die im Talmud über- Hrex-r^eDr uro vrcrn'.«r:tlich:e Rrdrfteuc: D». Wochenschrift" ^i. 7 lieferte Schilderung leimen. Ein Ausblick um Schlüsse weist aus die wichtigen Zusammenhänge hin, die den neu erschlossenen Bantypus der Synagoge mit den ersten basilikalen Kirchenbauten der Konstantiuischen Zeit in Palästina verbinden; die Frageder ‘Einwirkung der Bauforni der Synagoge auf die christliche Basilika wird von der Grundlage des architektonischen Tatbestandes ans neu geprüft.; Briefkasten. Dr. R. V., Lemberg. Von der Kriegspressezensur inhibiert. Nutzbauiik. Der englische Minister Dawid Lloyd ‘George ist kein Jude und auch nicht jüdischer Abstammung. ' Moses Hochberg, Prag. Der Abdruck des Artikels „Erlebnisse der galizischen Flüchtlinge in Prag" ist unter, der Herrschaft der Kriegspressezensur unmöglich. '• Teut. An der „Verjudung" der christlichen Gesellschaft arbeitet die antisemitische Presse unablässig. Der r antisemitische „Hammer" hat die Entdeckung gemacht, daß im englischen Kabinett mehrere Juden oder wenigstens Gatten von Jüdinnen sitzen. Seine Beweisführung ist allerdings originell. Du heißt es z. B. : „Morrison hat sich anscheinend aus dem deutschen Moritzsvhn entwickelt." Die Frau von Lord Curzon, eine Ilrgermcmin namens Leiter, wird dadurch zur Jüdin umgestempelt, daß der Vorname. Lewis ihres amerikanischen Vaters einfach in „Levy" nmgewandelt wird. In derselben Nummer des „Hammer" heißt es: „Vom allgewaltigen Northcliffe, dem Manne, der durch seine 50 Zeitungen nicht nur die.öffentliche Meinung in England, sondern die englische Meinung selbst regiert, haben wir des öfteren berichtet. (Vergl. „Hammer" Nr. 312.) Jetzt scheint man endlich auch in seiner Adoptiv-Heimat (seine Vorfahren sollen ans Frankfurt a. M. stammen und Stern geheißen haben) ihn richtig würdigen zu lernen." Wer ein bischen in englischer Politik Bescheid weiß, der weiß, daß Lord Northcliffe ein echter Engländer ist und Harmsworth hieß, ehe er ins Oberhaus berufen wurde. Aber wie gewisse Leute überall weiße Mäuse sehen, so sehen die Antisemiten überall Juden. Festschrift. Adolf Schwarz zum 70. Geburtstage, 15. Juli 1916. Gewidmet von Freunden und Schülern. Unter Mitwirkung von D. Ap t owitzer. Herausgegeben von Samuel K r a n ß. Berlin und Wien, R. Löwit, . 1917. Notiz. 44. Staatswohltätiglieitslotterie. Die k. k. Generaldirektion der Staatslotterien veranstaltet die 44. Staatslotterie für Zivilwohltätigkeitszwecke, deren Ziehung am 22. Februar 1917 stattfindet. Wie aus dem Spielprogramme zu entnehmen ist, erscheint diese Staatswohltätigkeitslotterie sehr reich ausgestattet und bietet mit ihren 21,146 Treffern, welche sämtlich in barem Eelde angesetzt sind, und Haupttreffer von 200,000 Kronen, 50,000 Kronen, 30,000 Kronen, 20,000 Kronen rc. aufweiisen, außerordentlich günstige Gewinstchancen. Lose n, 4 Kronen sind in Kollekturen, bei Geschäftsstellen der Klassenlotterie, in Tabaktrafiken, Wechselstuben, bei Steuerämtern, Postämtern, Bahnämtern rc. erhältlich. Elise Herz'schc MWattUllgs-Mistung. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von Kr. 735.—. Ververbllngsberechtigt sind: Moralisch untadelhaste, dürftige verwaiste, in Wien oder in Böhmen geborene Töchter jüdischer Eltern, welche sich im Brautstande befinden. Auszahkungstag: 20. Dezember 1917. Eefllchsbeikagen: Geburtsschein, .Totenschein des, beziehungsweise der verstorbenen Elternteile, Armutszeugnis, Verlobungsnachweis, Sittenzeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 18. Februar 1917. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). Bewerberinnen, welche sich vor der Entscheidung über die Verleihung dieser - Stiftung verehelichen, werden jedes Anspruches an dieselbe verlustig. . L Der.Vorstand der ifrael. Kultusgemeinde Wien. hebräischer Lehrer aus Lemberg, sucht hebräischen Unterricht unter bescheidenen Bedingungen zu erteilen. Zuschriften an L. Katz. II., Zirkusgasse 1, Tür 8. G. Tüchtige Krankenpflegerin, den geehrten Herrschaften. XX., Klosterneuhurgerstr. 71/16. G. 5. Bloh —> Dcak von L. Bock & Sohn, Wien, Vir. '

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