Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 7 (16.2.1917)
- Date
- 1917-02-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 7 Scktc 105 Dr. Bloch's Wochenschrift Korrespondenzen. Verein zur Versorgung israelitischer Waisen, Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 4. Die verflossenen Kriegsjahre haben auch unserer Institution ihr Gepräge aufgedrückt: die Erhaltungskostei: unserer zwei Waisenhäuser (mit 120 Zöglingen) haben sich beinahe verdoppelt, die Erziehungsbeiträge für die Externen Waisen (560 an der Zahl) mußten den Wertverändernngen entsprechend erhöht werden. Nun tritt die Sorge für die Kriegerwaisen an uns heran, eure große Pflicht, geboten gleichermaßen von der Humanität wie vom Patriotismus, eure Aufgabe, zu deren Lösung wir an erster Stelle be rufen erscheinen, und welche auch maßgebendenorts Von uirs erwartet wird. Unsere Mittel, schon sonst knapp bemessen, reichen all die Höhe dieses Zieles bei weitem nicht, hinan. Gleichwohl müssen ivir ihur zustreben, dem Verträum lebend, es werden Menschenfreunde, es werden die Mitglieder unserer Gemeinde uns — sei es durch einen Jahresbeitrag*) oder durch gütige Spenden — in den Stand setzen, der Waisenfürsorge auch in ihrer gegenlvärtigell Gestaltung intb Ausdehnung gerecht zu'werden. Auf daß der alte stolze Ruf erhalten bleibe: „Israel kennt keine Waisen." Wenn die Träger hervorragender Namen, die Vertreter großer Häuser unserem Vereine noch nicht angehören, so kann dies bloß denk Zufälle zugeschrieben werden, daß die Aufmerksamkeit derselben noch nicht auf ilnsere Jllstitlltion gelenkt worden ist. Gewiß tverden sie null den Kindern, denen Armut und Berwaistheit doppelten Anspruch ans unser Herz geben, liebreiches Mitleid erricht versagen!; . Der Bor st a n d des Vereins zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen in Wien. Aufruf au die Bevölkerung Wiens! Härter beim je hat uns der Winter heuer heimge sucht und durch den strengen Frost und den Mangel an Kohle, sowie durch die schwere Beschaffung aller Lebensmittel sind die Acrmsten der Armen besonders hart betroffen. In unseren Lokalen ist der Andrang seit Beginn des Winters ein derart, ungeheurer, daß wir kaum den an uns gestellten Anforderungen gerecht tverden können. Seit Kriegsbegiun, haben ,wir bis Dezember 1916 6,606.497 "Portionen verabreicht, darnuter 1,202.6 82 Portionen gratis. Trotz der größten Opfer, mit denen wir arbeiten, ist es uns kann: mehr möglich, alle Bittenden zu berücksichtigen. Wir wissen wohl, wie groß die Opferwilligkeit jedes Einzelnen ist und wie groß die Anforderungen sind, welche alte Bürger in dieser schweren Zeit gestellt werden. Trotzdem wagen wir uns heute, int Namen der Hungernderl und Frierenden, mit der Bitte an alle edlen Menschenfreunde und Wohltäter, unsere Hilfsaktionen fördern zu helfen und uns mit Spenden zu unterstützen. Für 8 Heller verabreichen wir eine große Schale Suppe und für 12 Heller eine Schüssel Gemüse! Jeder helfe - auch die kleinste Gabe ist willkommen - und wer rasch gibt, hilft doppelt! Verein zur Errichtung von Volksküche!: (nach isr. Ritus), 2. Bez., Krununbauurgasse 8. Sälo Cohn, Präsident. Direktor Bem:o K aha ne. Vizepräsident. Hermine K'a d is ch. Küchenvorsteherin. *) Mitglieder des Vereines sind diejenigen, die eineir jährlichen Beitrag von mindestens 10 Kronen oder einen einmaligen Beitrag von 260 Kronen leisten, (ß 5 der Statuten.) Lemberg. Das „Leinberger Jüd. Tagblatt", dessen redaktionelle Leitung seit dem Ableben des Chefredakteurs Dr. Bikeles in den Härchen des Vizepräsidenten der zionistischen Organisation Galiziens Dr. Michael Ringel liegt, bringt irr einem seiner letzter: Leitartikel die seit einiger Zeit wieder stillgewordene Frage, der Vereinigung aller österreichischen Kultus'gemeinden zu einem Reichsverband der jüdischen Oefsentlichkeit in Erinnerung. Der treffend argumentierte Artikel verweist auf die brennende Notwendigkeit dieser Institution ir: Hinsicht auf viele wichtige, ir: Kürze spruchreifer Probleme, die sowohl die Judenheit der Gesamtmonarchie, als insbesondere jene Galiziens betreffen. Gerade die zur Diskussion gestellte Frage der Sonderstellung des Kronlandes, wenn sie auch erst ::ach denk 'Kriege aktuell wird, erfordere eine intensive Wachsamkeit unsererseits, damit die Inder: nicht, wie schon so oft, da entscheidende Beschlüsse ohne ihr Dazutun gefaßt wurden, auch diesmal zu kurz kommen. Seit der in dieser Angelegenheit während der Herbstfeiertage des vergangener: Jahres ir: Krakau stattgefundenen Besprechung der Vertreter der größerer: Kultusgemeinden Galiziens ist ein Stillstand eingetreten, dessen baldigste Beseitigung dringend erwünscht erscheint, damit die auch vom repräsentativen Standpunkte so dringende Institution wieder au: raschester: ins Leben trete. Es ist vielleicht jetzt der günstigste Mon:ent hiezu, wie er sich sväter kann: wiederholen diirfte. B. . . . Kriegsgesangerrenlektüre. Ein volles Jahr ist nun verflossen, seil im Sinne der Beschlüsse der Stockholmer Konferenz die Sammelstelle für Kriegsgefangenenlektüre in Wien, 4. Bezirk. Karlsplatz Nr. 13. gegründet wurde, die nunmehr als Abteilung 11/2 der Ansknnstsstelle für Kriegsgefangene des Gemeinsamen Zenträlnachweisebureau ihre Aufgaben besorgt. Bedenter:d waren die Schwierigkeiten, die arffänzlich zu Überwinder: waren. Die Gewinnung.und notwendige Einrichtung der Arbeitsräume, die Ermittlung der zweck entsprechendsten Arbeitsrnethode bei Auswahl, Durch sicht und Zensur der Bücher und die Sicherung des verläßlichster: und raschesten Weges der Büchersendungen ir: die Lager der österreichischen Kriegsgefangenen in Feindesland waren die grundlegenden Voraussetzungen einer erfolgreichen Tätigkeit. Erfreulicherweise erwachte sehr bald das Interesse weiter Kreise der Oefsentlichkeit ar: der Errichtung vor: Bibliotheken in den Kriegsgefangenenlagern, welches Interesse in Bücher- und Geldspenden seinen Ausdruck fand. In der Folge trafen auch aus den Kriegsgefangenenlagerr: selbst zahlreiche rührende Bitten nur Bücher ein, die seither, soweit als möglich, ihre Befriedigung gefunden Haber:. Bisher wurden seit Tätigkeits beginn. d. :. sei: Mitte Januar 1916, 166 Büchereien mit zusammen 58.00t) Büchern an 102 Lager versendet. Die Mehrzahl davon ging nach Rußland, 18 Büchereier: wurden nach Italien und in letzter Zeit auch einige nach Frankreich überwiesen. In weiteren 120 Kisten wurden für die größter: Spitäler ur:d Lager in Rußland einheitlich zusammengestellte medizinische 'Notbüchereien n:it den: erschöpfenden Werke von Geh. Rat Pros. Dr. Eulen bürg, „Real- Enzyklopädie der gesamter: Heilkunde", versendet. Andere 199 kleinere Kisten enthielten nur religiöse ur:d Erbauungsschriften, sowie Weihnachtsmappen.^ Im Gar:zen wurden in dieser: 485 Kisten weit über 115.000 Bücher, kleine Schriften, Merkblätter r:nd Bilder versendet. Dankeskur:dgebur:gen der Kriegsgefangenen aus Tschita, Kraßnojarsk, Beresowka, Antivicha. Pestschanka^ Nowo-Nikolajewsk. Daurija, Nishni-Nowgorod u. a. zeigen, welch' große Frende die Büchersendunger: in den