Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 6 (9.2.1917)
- Date
- 1917-02-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 6 Dr. Bloch's Wochenschrift' L-ue 93 BllchshaM Ferdinand, Handlungsgehilfe, geb. .21. November 1666, Wienj 3. Bez., Tongasse 10. Halpern Lea, Hausbesitzerin, geb. 25. Juni 1867, Przemysl, 9. Bez., Hebragasse 2. Herzig Josef, Lehrling, geb. 24. Juli 1900, Wien (laut Zuschrift des Rabbinates Graz in Feldbach). Mayer Robert Franz, Techniker, geb. 25. April 1896, Wien, 9. Bez., Garnisongasse 7. Reitzer Charlotte, Kontoristin, geb. 9. Mai 1697, Wien, 7. Bez,, Burggasse 58. Seidner Fanny, geb. Viokin, Verkäuferin, geb. 15, April 1875, Wien, 7. Bez., Kirchengasse 11. Stein Alfred, Handelsangestellter, geb. 7. Juni 1895, Wien, 9. Bez., Lazarettgasse 14. Tänzer Anna, geb. 7. Februar 1887, Wien, 6. Bez., Mariahilferstratze 51. Witzinger Maria Irma, geb. 25. September 1885, Wien (laut Zuschrift der israel. Matrikelführung in Budapest). Wurmser Peter Gerhard, geb. 5. Februar 1911, Wien, 12. Bezirk. Zenogafse 9. Wurmser Alfred Gaston, geb. 26. Januar 1912, Wien, 12. Bezirk, Zenogasse 9. Wurmser Helene, geb. 30. Januar 1882. Wien, 12. Bez., Zenogasse 9. Religionslehrer H. Simon Mahler aus Zablotow. Mittels Beschlusses des Kreisschulrates irr Lancut vom 10. November 1916, Zahl 1847, ist zum Religionslehrer für die öffentlichen Volksschulen in Lezajsk H. Stmon Mahler (evakuiert derzeit), Religionslehrer letztens in Zablotow (Gal.), bestellt worden. Das betreffende Dekret konnte denk Herrn Adressaten nicht zngestellt werden, da seine derzeitige Adresse unbekannt ist. Herr Religronslehrer.Mahler wird darum auf diesem Wege ersucht, sich zum Antritt seines.Postens zu melden. Auskunft erbittet Landesadvokat Dr. Arnold Berger, Lezajsk (Galizien). __ Dänemark. Georg Brandes, der bekannte dänische Schriftsteller, wurde zum Vizepräsidenten des „Institute of Britisli Poetry“ ernannt. Feuilleton. Der blinde Fähnrich. Von Emmerich Szabü. Autorisierte Uebersetzung aus dem Ungarischen. Die scheidende Herbstsonne erwärmte noch die Kieswege des Parkes; die im Institute in Pflege befindlichen blinden Soldaten knöpften ihre Blusen auf. Sie waren schweigsam, nicht so wortreich wie die geborenen oder schon seit Jahren Erblindeten. Um ihre Lippen spielte auch nicht das gewisse, ständige melancholische Lächeln der Blinden, ihre Gesichter spiegelten eher eine Gleiche giltigkeit, die erzwungene entschlossene Ruhe des geketteten Löwen wieder. Sie waren erst jüngst erblindete, junge Soldaten, die noch vor kurzem' wagemutige Kriegergewesen. Die Wunden um die Augen waren geheilt, das Augenlicht aber konnte ihnen nicht wiedergegeben werden. Jetzt befinden sie sich in der ^Anstalt, um die Korbflechterei zu erlernen. Ein gleicher Gedanke beherrscht sie alle, ohne daß sie davon sprächen. Sie greifen einander zart, liebevoll an den Händen. Der eine, im Zivilleben Ringelspielausrufer im Stadtwäldchen, in dem selbst diese Katastrophe nicht den Humor zu ertöten vermochte, bemerkt gleichgiltig: „Das Aerar ist verpflichtet, uns alles zu ersetzen. Ihr werdet sehen, Kameraden, daß ihr noch eure Augen zurückbekommen werdet." Die Jungen antworteten nichts. Der eine räusperte sich, der andere hüstelte. Nur ein naiver Bauernjunge begriff den traurigen Humor nicht. „So?", eittgegnete er freudig, ..haben die Doktoren auch das schon heraus? Wir bekommen vielleicht elektrische Augen, die in der Nacht leuchten?" „Gewiß," scherzte der Ringelspielmann. „du kannst dann auch mit den hübschen Dirndlein liebäugeln." Die übrigen lachten leise und der Bauernjunge begann zu begreifen, daß er zum Narren gehalten worden sei. Er half sich mit großer Schlauheit aus der Klemme: „Nun ja. Und vor dem Einschlafen stecken wir sie unter die Polster, denn der Staat gibt uns keine neuen Augen, wenn uns diese gestohlen werden," bemerkte er, laut lachend. Und wieder herrschte tiefe Stille unter den Blinden. Sie schritten behutsam einige Schritte weiter, griffen sich wärmer an den Händen. Endlich sagte der an der Spitze Einherschreitende: „Wir sind bei unserer Bank. Der Herr Fähnrich soll sich zuerst setzen." Der Fähnrich protestierte dagegen: „Setzet euch nur, Jungens! Ich werde stehen." Er sprach es sanft und dennoch klang es wie ein Kommando. In den Jungen steckte noch die.Ielddisziplin; sie fuchtelt sich, jeder mit den Händen^ tappend» ihr Plätzchen aus, nahmen nebeneinander Platz, hielten sich aber auch beim Sitzen an den Händen. Es schien, als wollten sie hiedurch ihre Gedanken gegenseitig aufeinander übertragen. Alle vier sprachen zu gleicher Zeit, wie auf Kommando: „Und jetzt, Herr Fähnrich, bitten wir ergebenst, erzählen Sie uns etwas." Der Fähnrich war im Zivilleben Advokaturskandidat. Ein strammer, blonder Mann, voller Lebenslust, voller Arbeitsfreude. Beim Ausbruch des Krieges stand er gerade am Scheidewege. Er wußte sich nicht zu entscheiden: sollte er Professor oder Politiker werden. Seine Studien hatten in Fachkreisen allenthalben Aufsehen erregt und er hatte in den politischen Bewegungen der Universitätsjugend stets eine Führerrolle gespielt. Er besaß ein gärendes, unruhiges, aber doch entschlossenes Naturell und taugte nicht für die Advokaturspraxis. Vom Kriegsschauplätze hatte er einmal seinem Freunde geschrieben: „Dieser Krieg ist doch etwas Unverständliches. Und dennoch kämpfen wir mit großer Begeisterung. Es geht uns damit wie mit der Natur, die scheinbar gar keinen Zweck mit uns Menschenkindern verfolgt. Und dennoch ist es gewiß, daß man für nichts! gründlicher schwärmen kann als für die Natur. Die Verstaatlichung der zahlreichen Betriebe, die Vergemeinschaftlichung der Ernährung. das gegenseitige Sichbekümmern der Menschen hier draußen: was ist es anderes als die Rückkehr zur Natur? Ich glaube deshalb, daß dieser Kriegssturm einen prachtvollen Aufschwung jener Entwicklung bedeutet, die von den Intellektuellen vorbereitet wurde. Du wirst sehen, daß meine Ahnungen mich nicht getäuscht haben." Eine Kugel hatte ihn seines Augenlichtes beraubt. Und nun erzählte er seinen Leidensgefährten in der Anstalt die Geschichte seiner Erblindung. „Wir standen vor Stanislau. Es war ein heißer Tag und wir hätten gerne in dem gegenüberliegenden Walde Kühlung gesucht. Doch den hielt der Feind besetzt und wir hatten ein gutes Stück Arbeit zu verrichten, um in den Wald gelangen zu können. Doch da wir uns so sehr darnach sehnten, meinte der Herr Hauptmann: „In Gottes Namen, unsere Artilleristen werden uns schon den Weg ebnen; stürmen wir also die Stellung." Wir bereiteten alles regelrecht zum Sturm vor. Ich stellte mich an die Spitze meiner Jungens, denn ich bin ja Honvedoffizier, und diese kommandieren nicht: „Vorwärts!", sondern immer: „Mir nach. Jungens!" Die