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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-09 · 6 (9.2.1917) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 6 Seite 89 T«r. Bloch's glauben wir die Fürsorgetätigkeit für die gälizischen Flüchtlinge ein wenig. zurückstellen und uns mit unseren schwachen Kräften voll und ganz in den Dienst der geehrten Hilfskommission stellen zu sollen. Ich erlasse daher gleichzeitig einen Ausruf an die schlesischen Gemeinden, damit daselbst lokale Komitees gebildet und mit aller Raschheit die Sammlungen für die armen Opfer des Krieges irr Palästina eingeleitet werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Für das Schlesische Landeskomitee: Dr. Th. Sonnenschein. Troppau, anr 25. Januar 1917." Tire jüdische Jugend „plärrt" die Gebete. Der verehrlichen „Arbeiter--Zeitung" war es Vorbehalten, sich dieses Ausdruckes zu bedienen. Das „Zentralorgan der deutschen Sozialdemokrat'e" veröffentlichte nämlich jüngsthin die Zuschrift einer Sprachlehrerin, die des Langen und Breiten den Wert oder Unwert des Sprachstudiums erörterte. Bei der süßen Gewohnheit dieses Arbeiterb'lattes, seinen Lesern das Antisemiteln nicht vorzuenthalten, mußte man förmlich erwarten, daß die Sprachlehrerill in ihrem Erguß auch den Juden Eines versetzen werde. Daß diese Erwartung llicht getäuscht wurde, beweist folgender Passus dieser Notiz: „Bei dieser Gelegenheit sei aber noch eines anderen Umstandes! Erwähnung getan, der wohl nur einen Bruchteil der Wiener Schüler betrifft, aber dennoch Beachtung verdient als ausgesprochener Mißbrauch der Kinderkraft. Alle jüdischen Kinder werden von der dritten oder vierten Volksschulklasse all mit Hebräisch geplagt. Wenn sie es noch ordentlich mit Wort- und Satzbau, Vokabeln und Grammatik lernen würden, dann könnte man sich wenigstens nach sprachtechnischer. Hinsicht irgend etwas davon versprechen.' Aber däzu reicht ja die Zeit llicht hin, und so lernen die armen Kerlchen— namentlich die vielgeplagteu Gymnasiasten — nur die Gebete Plärren, deren Uebersttzung ihnen stückchenweist ein ge trichtert wenden muß. Da paßt nur das Wort aus dem „Flachsmann" von Otto Ernst: es ist Menschenschinderei. Wieviel größer iväre der Nutzen, wenn solch ein Jrmge Tschechisch oder Italienisch tu der nun nutzlos vergeudeten Zeit lernen wollte! Und so weit sind wir doch wohl alle schon in unseren religiösen Vorstellungen, daß wir dem lieben Gott zutrauen, auch Deutsch zu verstehen. Aus praktischen Gründen, llicht etwa aus engherzigem „Patriotismus", sollten wir es alle in Oesterreich aber auch so weit bringen, uns über die zehn Gebote der vornehmen Welt Hinwegzusetzen und die Kinder erst eine Landessprache und danll eure zweite Weltsprache lernen zu lassen." Die Roheit tu der Ausdrucksweise dieser Sprachlehrerin, die es vermutlich, nicht verschmäht, auch in jüdischen Häusern Privatunterricht gu erteilen, kann nicht scharf genüg gebrandmarkt werden. Verbot des Films „Pogrom". Im Budapester Kinotheater „Apollo" wurde durch einige Tage der Film „Pogrom" vorgeführt. Der Ober- .stadthauptmänn hat nun die weitere Vorführung dieses Films im ganzen Rayoll der Budapester Staatspolizei verboten. In der Begründung wird hervorgehoben, daß das, Kinostück veranschauliche, wie ein rechtschaffenes Mädchen zur Schande gezwungen wird, auch im übrigen feien die darin vorkommenden blutigen Greuelszenen nicht geeignet, öffentliche aufgeführt §u werden, da sie nur zu einer. Verrohung der Sitten beitragen können. Infolgedessen müßte die weitere Aufführung verboten Wochenschrift" werden. (Wenn wir nicht irren, wurde in Wien dasselbe Filmstück unter dem Titel „Der gelbe Paß" aufgesührt. A, d. Red.) Tiie Rückkehr des Lemberger Stadtpräsidenten Doktor Rutowski. Festtage in der rauhen Kriegszeit, noch dazu in einer Stadt, die kaum drei Eilzugstunden von der Schwarmlinie entfernt ist, sind eine Seltenheit. Und dennoch haben die Bewohner LemberW, wenn auch nur für kurze Zeit, alle Sorgen des Alltags abgeschüttelt und zogen um die Mittagsstunde des 1. Februar in Scharen von Tausenden zum Bahnhöfe, um ihrem allverehrten Stadtoberhaupte aus der finsteren Zeit der Invasion gelegentlich seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft von ganzem Herzen entgegenzujubeln. Was dieser edle, von wahren demokratischen Anschauungen erfüllte Mann für die gesamte Bewohnerschaft der Landeshauptstadt während dieser Zeit geleistet, mit welcher an Selbstaufopferung reichenden Standhaftigkeit er die Rechte der Bürgerschaft ohne Unterschied des' Glaubens, der Nationalität und Parteirichtung den russischen Gewalthabern gegenüber vertreten hat, ohne auch nur für einen Augenblick sein treu österreichisches Bewußtsein in den Hintergrund zu stellen, läßt sich in den Rahmen dieser kurszen Zeilen nicht einfügen. Präsident Rutowski hat sich in den Herzen aller Stadtbewohner bei Lebzeiten ein Denkmal aere peremiius errichtet, und in erster Linie find es die Juden, die ihm nach alffüdischer Sitte ein herzliches „Boruch häba" entgegenrufen. Haben sie ja hie ganze Zeit über an ihm jenen moralischen Rückhalt gefunden, der sie die schwersten Prüfungen russischer Gewaltherrschaft überdauern läßt. Das jüdische Volk wird ihn tu die Reihe jener aufnehmen, von denen es heißt: „Die Frommen aller Völker haben teil am ewigen Leben". Als schwachen Ausdruck ihrer Dankbarkeit veranstaltete die Lemberger Kultusgemeinde am Tage'1 der Rückkehr Dr. R u t o w s k i s einen Festgottesdienst im Tempel, wobei nach Wsingung eines Jubelpsalmes Gemeinderabbiner Dr. Gnttmann eine warmempfundene Festpredigt hielt. Der Feier wohnten außer den Repräsentanten der Gemeinde die Vertreter des allgemeinen Festkomitees und ein zahlloses Publikum bei. Gelegentliche der im Rathaussaale stattgefundenen Huldigungsversammlung brachte der Regierungskommifsär der Kultusgemeinde Dr. Emil Parnas die Gefühle der jüdischen Bevölkerung zum Ausdruck. Das zionistische „Lemberger Tagblatt" widmete dem teueren Gaste einen enthusiastischen Leitartikel. B . . . k. Rzeszow. Am 28. Januar 1917 wurde das jüdische Kriegswaisenhaus in unserer Stadt eröffnet. Diese Feier versammelte viele Persönlichkeiten; es erschienen Hofrat D o b r o w o l s ki, Präsident des hiesigen Kreisgerichtes, Oberleutnant GR. Kijas, Leiter des Bezirksgerichtes, Dr. Landau vom Zentralkomitee für Kriegswaisen in Krakau, Reichsratsabgeordneter Dr. Krogulski. Oberst Schüler mit seinem Adjutanten Oberleutnant Ben dl als Repräsentanten des k. u. k. Stationskommandos, Obmann der israel. Kultusgemeinde Eisenberg und viele andere. Merkwürdigerweise fehlten die Vertreter der k. k. Bezirkshauptmannschaft und Stadtverwaltung, der am meisten zur Fürsorge für Kriegswaisen berufenen Behörden. Die Anwesenden begrüßte Herr Dr. Samuel Reich und schilderte in seiner Ansprache die Entstehungsgeschichte der Anstalt sowie deren Zweck und Aufgabe. Er schloß mit einem Hochrufe auf Se. Majestät den Kaiser, der von den Versammelten mit Begeisterung wiederholt wurde. Dce rituelle Weihe des Waisenhauses vollzog Rabbiner Nathan Lew in, indem er eine „Mesist" an die Tür geheftet und in weihevollen Worten die Hilfe Gottes und die För-

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