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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-09 · 6 (9.2.1917) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Sette Dr. Bloch's Wochenschrift" als ihm ein Pferd durchging. Trotzdem setzte er sich nach Ge-l nesung. sofort Wieder, hinauf.". ' Herr Regimentsärzt Dr. - Alfred Weinberge r, Spitalskommandant, schreibt: . „Er war ein sehr tapferer, geduldiger und heldenmütiger Patient." Den Angehörigen des' Gottseligen bin ich bereit, die gedachten Schreiben auszusolgen. Zum Schlüsse will ich noch die Anwesenheit der „Chewra-Kadischa"-Männer, Präses Feuerwerker und Herr H. L. Berger, sowie des Oberkantors Herrn M. Hörer erwähnen, die die usuellen Zeremonien und Gebete verrichteten. Ich bitte um Veröffentlichung dieses Schreibens und zeichne hochachtungsvoll Eh. K.l e i n m a n n, k. n. k. Militärzensur. Aer Möslüredsörief eines lteröenden Helden. Aladar D ö m e n y, Reservefähnrich des Honved-Jnfanterieregiments Nr. , geriet nach 11 monatigenr Kämpfe an der Front am 8. Juli 1916 infolge eines Gasangriffes schwerverwundet in Gefangenschaft und ist in einein italienischen Feldspital gestorben. Er war 24 Jahre alt, Sohn des Zivil Schreibers bei einem Honv.- Ergänzungsbezirle Beta Do men y. Wie im bürgerlichen Leben, ivar der Verblich eile auch als Soldat das Musterbild der Pflichttreue und des Diensteifers, war außerordentlich beliebt und für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde ft'ir eine Auszeichnung irr Vorschlag gebracht worden. - Vor kurzem erhielt nun der Vater des den Heldentod gestorbenen Soldaten, wie „Egyen.öseg" meldet, vom italienischen Roten Kreuz die Mitteilung, daß Fähnrich Dömeny aus seinem Sterbebette in den letzten Minuten seines Lebens einen Brief an seine Eltern diktierte, welchen^ chiesevauch. -erhalten. .haben. Das tragische, große Seelenstärke bekundende Schreiben hat folgenden Wortlaut: »Leitern di Aladär D ö'm 6 n y, Fähnrich im 1. Honved-Inf.- Regiment, ^.spe 'nt-Uo di ILimpu N-> ur. Meine Lieben! Mit schwerem Herzen mutz ich von Euch mich verabschieden und aus dem Leben scheiden^ das ich nur so in blotzen Zügen ausgekostet habe. Es tut mir aufrichtig leid, das Leben und vor allem Tuch so jung im Stiche zu lassen, -aber es war im Buche des Schicksals nun so beschieden. Wer weiß, vielleicht hat Gott seinen Grund gehabt, es so zu bestimmen. Die Eintagsfliege lebt ja nur einen Tag und hat gelebt, geliebt, gearbeitet und ihren Beruf erfüllt. Mit -ruhigem Gewissen kann ich auf ein reines, geräuschloses, vielleicht auch auf ein leichtes aber stets verantwortungsvolles Leben zurückschauen. Ich h abe niemals,Unrecht getan, das ist mein einziger Trost. Ich erwartete einst sehr viel vom Leben. Ich ging demselben mit wahnsinnigen Idealen entgegen und da kamen nach und nach die Enttäuschungen, die Vernunft, die Gelassenheit, das Fügens das langsame Aufdämmern neuer Hoffnungen in mir und zum Schlüsse kam eine dumme Kugel. . Meine Verwundung ging durch -den Magen und den Bauchdarm, (bin am 29. Juni verwundet worden) und es fehlt mir die physische und moralische Kraft, 20, eoent. 30 Tage unbeweglich, ohne zu essen, ohne zu trinken, uuszuhalten. Die italienischen Aerzte haben ihre Pflicht getan. Cie können mich bei den liebevollsten und gewissenhaftesten Anstrengungen nicht retten. Nun wisset Ihr alles. In Liebe und Treue mit den letzten Gedanken bei Euch und allen Verwandten. Ich will, datz alle meine .Sachen zur Hälfte Tuch und zur Hälfte meinen lieben Brüdern zufallen. - Aladür, m. p." ■ - Diesen Brief hat Fähnrich Dö meny, w'e las iialionische -Rote Kreuz hervorhebt, noch - eigenhändig unterschrieben und hauchte wenige Minuten darnach seine Seele aus. Sein Vater, der in sehr ärmlichen Verhältnissen lebt, übermittelte. den Brief dem obgenannten Blatte mit der Bitte, ihm die Mittel zu verschaffen, daß er den Leichnam seines heldenmütigen Sohnes heimbringen könne.. . : Hauptversammlung des Jentratvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Kkaubens. Im „Rheingold" traten kürzlich die Vertreterder einzelnen Ortsgruppen des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einer Hauptversammlung zusammen. Der Vorsitzende, Justizrat Horwitz, begrüßte die Gäste und führte dabei aus: „Das über uns hereingebrochene Völkerringen kann für uns nur zu einem befriedigenden Ende geführt werden, wenn das gesamte Volk in Einigkeit, Tüchtigkeit und Treue zufammenhält. Was die deutschen Juden anlangt, so haben wir, wie genugsam bekannt ist, im-Kriege unseren Mann gestanden. Wenn wir trotzdem manches Unerfreuliche erleben mußten, so werden wir zu anderer Zeit unser Recht zu wahren wissen. Deutschlands Ruhm und Gedeihen ist auch uns Juden Lebensbedürfnis. In diesein Sinne blicken wir auf zu den Führern zu Wasser und zu Lande und geloben unverbrüchliche Treue. (Lebhafter Beisack) Dem obersten Kriegsherrn aber wollen wir unsere. Huldigung darbringen in der Absendung folgender D e p e s ch. e: „Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät: bringen die zu ihrer Hauptversammlung heute hier aus allen Teilen des Deut.chen Reiches ve.einig.en Abgemdne en desZer.t a v.rei s.eutscher -Ltaatsbürger jüdischen Glaubens ihre Huloigung und das freudige Bekenntnis unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich' dar. Wie die deutschen Juden in dem unserem Vaierlande aufgezwungenen Kampfe in hingebungsvoller Pflichterfüllung mit aüen ihren Mitbürgern gewecküsert haben, werden sie niemals aufhören, für unser geliebtes Vaterland einznstehen mit Gut und Blut, mit Herz und Hand. Gott schütze und segne Eure Majestät und unsere unvergleichlichen Truppen zu Lande und zu Wasser." Hierauf hielt Geh. Justizrat Cassel, Berlin, einen Vortrag über: „Die Juden im Heere". Zu Anfang des Krieges, betonte er, hat die jüdische Jugend sich begeisterungsvoll in den Kamps begeben, in dem Bewußtsein, ihre Schuldigkeit bis zum letzten Hauche zu tun. Der Tod hat dann reiche Ernte unter ihr gehalten. Im Verlause des Feldzuges sind dann die Juden in höherem Alter eingezogen worden und zu Tausenden dem rötlichen Blei und dem Siechtum verfallen. Der Zentralverein hat es als eine wichtige Ausgabe angesehen, Vorsorge zu treffen, daß es unseren Glaubensgenossen im Felde nicht an Seelsorge fehle. Eine Reihe von Feldpredigern würfe entsandt, deren ersprießliche Tätigkeit von den obersten 'Kommandostellen, sowie von den evangelischen und ka.holischen Feidpredigern anerkannt wurde. Mehrere von unseren Seelsorgern erhielten das Eiserne Kreuz. Hinsichtlich der Beförderung unserer Krieger waren manche Hemmnisse zu beseitigen. Doch wurden immerhin Erfolge erzielt, namentlich durch Vorstellungen, die wir Leim Kriegsminister erhoben. Jetzt zählen wir in Preußen etwa 859 höhere Offiziere jüdischen Glaubens, in Bauern 409 und in den übrigen Bundesstaaien rund 259. so daß in allen deutschen Heeren zusammen augenblicklich gegen 1599 jüdische Offiziere ihrer Kampsespflicht genügen. Wir dürfen hoffen, daß nach diesem Anfänge sich der Grundsatz im Heere festsetz:, daß gleiche Pflichten auch gleiche Rechte bedingen. (Beifall.) Aeußerst schmerzlich wurden wir berührt durch die behördlicherseits angeordnete Judenzählung. Wir werden im Frieden aus diese Statistik zurücklömmen. Für jetzt wollen wir zeigen, daß wir deutsche Juden sind, wollen durch unser Klagen jetzt keinerlei Trübung an irgendeiner Stelle veranlassen. Wir haben in geordne em Verfahren Gelegenheit genommen, dem Kriegsminister unsere Beschwerden darzulegen. Uns wurde daraus der Bescheid, daß die Statistik im Interesse der Juden angeordnet worden sei.

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