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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-02 · 5 (2.2.1917) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Stüt K Ar. Nhüchs Uabbiurr Kr. Wilhelm Mim; grs. And. Weiter als drei Jahrzehnte reichen meine Erinnerungen an ihn zurück. Ars junger Kandidat war er nach meiner Heimalfmdr gekommen. ZunächfL als Raboinatsverwejer. Seiner fe,ren AnMlung frand eine — nicht in seiner Person begründete — Schwierigkeit im Wege. Es galt als ein Beweis seiner EindruckSfayigteit bei den Behörden, nicht mmoer aber auch des An,eyens, das sein Gemeindevorstano an den hohen Stellen geiroß, daß jenes Hindernis behoben wuroe. Selbst der Tanorar, spärer ein bekannter preußischer Minister, hatte sich rvarm für ihn verwendet. All dies hörten wir Jungen so beiläufig im Tischgespräch. Wir waren mit un,eren Scyntangelegenheiten vier zu eifrig be,chafiigt, um für Dinge aufjea/aw ihres Raymens Auincerr,amreli zu erichrrgen. Der neue Raobiner oechst darum untere iinieuncuyme eigentlich mir, rnso,ern er am ls-ymna,ium den Ret rgw «isui ue er .egt erteilte, vrerigion war uns noch nichr iNlieres ^rleonis, ge,cyweige denn Mirrelpunrt des Da,emS, fvnoern, zu.,tat nur auyerhaw der Stadt wohrrten, von den Gotlesoienfren aoge,ehen, meist nur häusliche ueoung und eine Ruvrit im ^runoelipran, uno zwar eine, me fast unter die farntiativen Facyec sier, je^en falls nicht burer ecnst genomuwa wurde, wtstwn zwi,che.l rohenoen uno donnernden Mhö,en, fauchenden uno fminpseiloen Lampchummetn, endros roltenoen Kohlenzügen uno lätmvocken ^erzierpiatzen räm das Pflänzchen Jnoemum bei den meisten nichr üoer ein fparluyes Kno,pen hinaus. Jenjerrs der ScynkmapeM.uno^oetz ^orteshau,eS rannteman es mir in einigen HM fern, in denen es aber ' auch einzig und mein von emem1 jdjwinbenöen Rest in gediegener Uevecrie,erung wurzelnder Al reu oder von einigen Ausnahmen po,en,cher Hectunft aufrechteryaiten wurde. Sowar es eine Wüste mit sehr kümmerlichen Oasen, die der jugendliche Verkünder und Lehrer oes Judentums in unstter E-entLinde antras. Sein Vorgänger, ein würdiger, Mer Herr, der emst ais Beweroer utn das Londoner i,raootnar m engerer Wahl gestanoen und oe,jen lviffelilchasttiche Leifmng rcy erfk a.s ^moent würdigen lerme, hacke sich noch mancher teoe.lscräsrigen Spatorute eines avjrerbenoen jndifcyen Genieinoeleoens er, reuen dür,en. Seme Tochter, eme vetäiiMe Bertiuer NoveUlfrin, hac diese gemnrtiche, gute, arte Zeit mieoeryolt zum Gegenfmnd gelungener yumorvocker SriMn gewählt. Dr. Mnnz fano aoer der feinem Amrsantrirr rn feiner erfreu gemeinde, die auch, feine einzige vleioen follre, vereirS daSjetve Bild vor, wie es eoeu fo viele Klein- und Mittelgememden dannnS.darboten: abiEhmenoe Religwsirär der zunehmendem Wohlfranö und fretgenoer angememer Bildung. Als Schwärmer 'kam er zu unsi, noch ganz des Geistes vock, den er auf Hochschule und Raoomerfeminar Ln vocken Zügen emge,ogen haae. Gr ätz und Zelter, der eine am Dreslaue'c Seminar, der andere an der Berliner Unwerfitär, hatten die nachhaltigste Wirrung in ihm hinrerlafjen. Mit nicht geringem Stolze wies er die zweue Auflage feiner Dissertation über Kant vor, bei emer Doiurmcoeir gewiß eme Seltenheit. Ntcht minder freme Lyn aoer der Hmwels auf fernen Hilfsdienst in der Vorreoe ernes Wertes^ feines Meiflers ^rätz. - Zu Kant zog Hn eme Klarheit des Denrens, die in -allen Kundgeoungeir feines Gelfres zutage tritt, mit Gr ätz verband ihn eine feurige Liebe zu feinem ange- Woihettfchrift ms 6 stammten Glauben. Wenn diese Neigung von mystischer Tiefe nicht sreiblieb, so ist dies auf Rechnung des dichterischen Zuges in seinem Wesen zu setzen. Er traf, wie sein flammender Pro.est gegen Lieoermann von Sonnenberg und seine Abwehr der Bibel-Babel-Koustruktion zeigen, das Pachos wie die schneidende Ironie der Propheten mit gleicher Meisterschaft. In seinem „Einsamen Land" offenbart sich der Dichter-in ihm, fein innerster Mensch, aber auch sein tiefstes geheimes Leid. Nie kannte ich, ihn anders als leidend. Stets lag über seinem Wesen em.verhaltenes Weh. Er war im einsamen Land einer der Einsamsten. Es fehlte ihm der Humor, nie sah ich ihn von Herzen fröhlich, nie ist er ganz aus sich, herausgegangen. Vielleicht haben andere ihn anders', gesehen. Daß aber der enge Kreis, in dem sein Alltag fich, bewegte, ihm volle Befriedigung geboten, diesen Eindruck hat er wohl in keinem erweckt. . : Nicht nur die nüchterne Eintönigkeit des.Amtes, die seine Kraft lähmte, auch, andere Ursachen, vor allem lvohl ein Kramheitskeim, der sich in letzter Zeit jäh entwickelte, haben feine Leöensfrist verkürzt. Vor längerer Zeit von einer Schwäche der Augen betroffen, umite er darin ein Zeichen nahendea Alters erkennen. DaSUebel wurde behoben, und arbeitsfreudig trug er sich mit neuen literarischen Plänen, fo einer poetischen Darstellung gewisser Gyettothpen, als ihr: ein tückffches Siechtum traf, das ihm die Bewegungsfieiheit raubte. „Dr. Münz, ein gebrochener Mann rnr Rockstuhl", das ivar die letzte erfchlnrternde Nachricht, die mir über ihn zutam, bevor ich die Kundevon dem erlö,enden Tode erhielt. Seine Gemeinde, die ihm vor einiger Zeit.die Feier eines. -Vtertetfaychunoerts hener Aims,.tchn'mg jejvXtaj gestaUeie, bMtt^ iipd bestFWban. des BlvMchchtwKfMS, ,joiRs Anlegung emer Schülerbwliolyek, d.e w'ürwige Vertretung- bis in die weitesten Kreist, in denen ihr. Name durch den feinen berannt geworden. DaS Kinoerkuryaüs in Jastrzemb, sem Lievlingswerr, für das er mit Et, er und Hmgeoung warb und wirkte, ist statt jeden anderen Vewel,eS ein dauerndes Zeugnis, seines teilnehmenden edwn Ätenichenheczens. Das Judentum, insbefonoere der. Raovmerfmnd, verliert in ihm ein Wtitgüeo, das feme Ehre frers hoch, und rein hielt. lLmer Fämuie eniframmend, die viele Geschlechter hindurch. ange,ehene Raooiner zu den Ihren zaytre, fchlog er sich als vollgilriges Glied dieiec Kette.geiftiger Ausle>e an. Mir selbst schwindet mit Dr. Münz ein Stück meiner Vergangenheit dahin, ein Zeuge und wohlwollender Verawr oer er,t?en Kampfe metner ansstrebentien Jugend. wcanches Blatt von femer Hand, das mir oen Weg wres uno Halt und Beharren stuf dem einmal einge,chlagenen P,ade gab, gehört zu jenen Andenlen an für mich, bedeutfame Tage uno Menschen, die ich dem Schatze haftender .Erinnerungen einverlewt habe. In einer Zeit , geiftiger .Empfänglichteit, die manche für alte Zukrinst bleibende Wstlensrichrung und Steigung feftlegt, stand Dr. Münz mir naye. Ihm begegnete ich fpater beim Besuch der Heimat m mancher frohen, aber auch in . tie,ernfier Srunde, einmal in Wien, als er, von unserer Gemeinde emgetaoen, hier einen Vortrag hielt. In das Dämmern. memes religliösen Ahnend ist sein Bild ver> woben. \ .. .;' .i j Für jedes gütige Wort der Belehrung und Ernmtigung von feinen Lippen, ans seiner Feder sei ihm gedankt mit dem kargen Zoll dieser Zeilen! Ich; segne sein Andenken. .! ' Dr. Max Grunwald.

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